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Ereignis
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01.01.1918
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Ukrainische Sowjetrepublik / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich
Die Friedensdelegation der am 20. November 1917 proklamierten nicht-kommunistischen Ukrainischen Volksrepublik trifft in Brest-Litowsk ein. Die Bevollmächtigten sind M. F. Lewitsky, N. M. Lobinsky, M. N. Polosow und A. A. Sewrjuk. Alle vier Vertreter sind Mitglieder der ukrainischen Zentralrada (Parlament) und der allrussischen konstituierenden Versammlung (in Petrograd). Die Delegierten der Ukraine haben alle Vollmachten von der Regierung der ukrainischen Volksrepublik zur Führung von Friedensverhandlungen.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Neuer Geländegewinn bei Marcoing:
- Großes Hauptquartier, 1. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz, Heeresgruppe "Kronprinz Rupprecht": Am Houthoulster Walde und bei Passchendaele war das Artilleriefeuer vorübergehend gesteigert. Ein starker englischer Erkundungsvorstoß südöstlich von Monchy scheiterte. Südlich von Marcoing wurde in kleineren Kämpfen der Geländegewinn vom 30. Dezember erweitert. Die Gefangenenzahl hat sich um einige Offiziere und 70 Mann erhöht.
- Heeresgruppen "Deutscher Kronprinz" und "Herzog Albrecht": Nördlich von Prosnes und beiderseits von Ornes, sowie nördlich und östlich von St. Mihiel war die Artillerietätigkeit zeitweilig lebhaft.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Keine besonderen Ereignisse.
- Italienische Front: Im Tombagebiet dauerten tagsüber heftige Feuerkämpfe an.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Die kaiserliche Militär-Kanzlei empfängt folgendes Telegramm des Chefs des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres:
- Baden am 1. Jänner 1918 um 1050 Uhr. Östlicher Kriegsschauplatz: Waffenstillstand. Die Rückkehr eigener Soldaten aus russischer Kriegsgefangenschaft und das Überlaufen russischer Soldaten zu uns dauert an.
- Südöstlicher Kriegsschauplatz: An der albanischen und mazedonischen Front keine Ereignisse von Bedeutung.
- Italienischer Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Erzherzog Eugen: Der gestern von uns angesetzte Gegenangriff vermochte im übermächtigen feindlichen Feuer nicht durchzudringen. Die Führung entschloss sich daher, die taktisch ungünstige Stellung am Nordhang des Tombarücken in der Linie Spinuccia, dann nördlich der Torrente Ornigo bis an die Piave südöstlich Quero zurückzunehmen. Weitere Angriffe der Franzosen sind nicht erfolgt. Der ganze Kampfraum und das Alanobecken stehen dauernd unter feindlichem Feuer. Eigene Batterien beschießen planmäßig unsere alten Tombastellungen. An der übrigen Front bis zum Meere normale Gefechtstätigkeit. Feindliche Bombengeschwader bewarfen wieder einige Orte ohne wesentlich Schaden anzurichten. In Toppe di Mosto 10 Tote und 7 Verwundete, rege Fliegertätigkeit, ein eigener und ein feindlicher Flieger wurden abgeschossen. Unsere alte Zensoner Stellung ist noch immer vom Feinde nicht besetzt worden, Wetter: Klar, im Gebirge Wege vereist.
- Heeresgruppe Conrad: Auf dem Ostteil der Hochfläche Pageres feindliches Störungsfeuer, sonst keine Ereignisse von Belang, Wetter: Schön, klar, an der Westfront bis -22 Grad.
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt für die Öffentlichkeit folgenden amtlichen Heeresbericht heraus:
- Wien, 1. Januar. Italienischer Kriegsschauplatz: Auf der Hochfläche von Asiago und im Gebiet des Monte Tomba herrschte tagsüber heftige Feuertätigkeit.
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Schwerizerische Eidgenossenschaft
Der Schweizer Rechtsanwalt und Politiker der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) Felix-Louis Calonder wird Bundespräsident der Schweiz. Calonder war 1913 der erste Rätoromane, der in den Bundesrat gewählt wurde.
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Russische Sowjetrepublik
Alle Banken in Moskau und in Petrograd werden geschlossen.
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02.01.1918 |
Russische Sowjetrepublik / Japanisches Kaiserreich
Das japanische Kaiserreich erkennt die neue bolschewistische Regierung Russlands diplomatisch an.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Gesteigerte Feuertätigkeit im Westen:
- Großes Hauptquartier, 2. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe "Kronprinz Rupprecht": Von Dixmuiden bis zur Deule war die Artillerietätigkeit von Mittag an in einzelnen Abschnitten gesteigert. Nördlich und südlich von Lens lebte sie in Verbindung mit erfolgreichen Erkundungen vorübergehend auf. Auch zwischen Arras und St. Quentin nahm das Feuer zeitweilig an Stärke zu. Die Zahl der in den letzten Tagen südlich von Marcoing gefangenen Engländer hat sich auf 500 erhöht.
- Heeresgruppe "Deutscher Kronprinz": Nördlich von Prosnes und beiderseits von Ornes erhöhte Gefechtstätigkeit. Erkundungsvorstöße führten an mehreren Stellen der Front zur Gefangennahme einer Anzahl Franzosen.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Keine besonderen Ereignisse.
- Italienische Front: Die Feuertätigkeit war auf der Hochfläche von Asiago und im Tombagebiet zeitweilig gesteigert.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Die kaiserliche Militär-Kanzlei empfängt folgendes Telegramm des Chefs des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres:
- Tagesmeldung vom 2. Jänner 1918, östlicher Kriegsschauplatz: Waffenstillstand.
- Italienischer Kriegsschauplatz: Heeresfront Erzherzog Eugen: Im Raum zwischen Brenta und Piave herrschte gestern nur geringe Gefechtstätigkeit. Der Bahnhof und Ort Conegliano erhielten gestern 40 Einschläge, mehrere Frauen und Kinder getötet, 8 Soldaten verwundet. Zur Vergeltung wurden von unserer schweren Artillerie die Bahnhöfe von Spresiano und Montebelluno unter Feuer genommen. Feindliches Bombengeschwader von 30 Flugzeugen bewarf gestern Mittag Vittorio ohne besonderen Schaden anzurichten. Mehrere Luftkämpfe, in deren Verlauf ein feindlicher Apparat brennend abgeschossen wurde. Wir verloren zwei Flugzeuge. Nach sechstätiger Beschießung unserer verlassenen Stellungen im Zensoner Brückenkopf mit schwerem Artillerie- und Minenfeuer hat der Feind erst gestern früh die am 26. morgens erfolgte Räumung erkannt und unsere alten Dammstellungen besetzt. Wetter: Klar.
- Heeresgruppe Conrad: Angriffe zweier feindlicher Kompanien gegen unsere vorgeschobenen Stellungen südlich Canove wurden abgeschlagen. Neuerliche Beschießungen von Enego und Primolano wurde mit Artilleriefeuer auf Bassano vergolten. Rege feindliche Fliegertätigkeit, mehrere Luftkämpfe, Wetter: Schön.
- Südöstlicher Kriegsschauplatz: Keine besonderen Ereignisse; im Brückenkopf von Feras arbeiten Italiener lebhaft an der Verbesserung ihrer Stellungen.
- Mazedonische Front: Auf ganzer Front geringes Artilleriefeuer, nordöstlich des Dojpansees vorstoßende englische Aufklärungsabteilungen wurden von bulgarischen Sicherungstruppen abgewiesen. Rege Fliegertätigkeit. Ein eigenes Geschwader belegte mit gutem Erfolg feindliche Lager südlich Monastir mit Bomben, Wetter: Bewölkt.
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt daraufhin folgenden amtlichen Heeresbericht mit der Überschrift Die Kampflage am Piave-Ufer heraus:
- Wien, 2. Januar. Italienischer Kriegsschauplatz: Auf der Hochfläche von Asiago, im Gebiete des Monte Tomba und an der unteren Piave entwickelten sich zeitweise Artilleriekämpfe. Am 26. Dezember früh wurde unsere Besatzung auf der Dammstellung bei Zenson ohne Verluste auf das östliche Piave-Ufer zurückgenommen. Der Gegner, der diese Räumung erst am 31. Dezember bemerkte, hielt bis zu diesem Tage die verlassenen Deckungen fortgesetzt unter Artillerie- und Minenwerferfeuer.
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Zarentum Bulgarien
Der bulgarische Heeresbericht wird herausgegeben:
- Sofia, 2. Januar. Mazedonische Front: Zwischen Wardar und Dojransee nahm das Artilleriefeuer nachmittags zu und dauerte bis Mitternacht an. Hierauf versuchte eine englische Abteilung sich unseren Stellungen südöstlich des Dorfes Stoiakovo zu nähern, wurde jedoch zurückgeworfen.
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Osmanisches Reich
Der türkische Heeresbericht wird unter der Überschrift Kämpfe um Aden herausgegeben:
- Konstantinopel, 2. Januar. Die bei Aden operierenden Truppen setzen ihre heldenhaften Unternehmungen fort, an denen auch alle Oberhäupter der Stämme von Tais mit außerordentlicher Hingebung teilnehmen. In der ganzen Provinz herrscht Sicherheit. Ein Versuch der Engländer, Marinetruppen in Hodeida auszuschiffen, wurde zurückgeschlagen. Seitdem geht die Küstenschiffahrt ungehindert vor sich. Die Treue des Imam Yahia dem Kalifat und die Bedeutung seiner Dienste verdient jedes Lob. Asir und die benachbarten Gegenden stehen außerhalb des aufwieglerischen Einflusses des aufständischen Scherifs Idris, der über keine Anhänger mehr verfügte und in seiner Umgebung nicht gern gesehen sei.
schnipp
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03.01.1918
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Ukrainische Sowjetrepublik / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich
Die Petersburger Telegraphenagentur meldet durch den russischen Delegationsleiter Adolf Abramowitsch Joffe, dass Russland am Vortag die Verlegung der Friedensverhandlungen nach Stockholm forderte und nun von den Teilnehmern eine Antwort in Petersburg erwarte. Was den Vorschlag der deutschen und österreichisch-ungarischen Delegation vom 25. Dezember, wenigstens in der Fassung der ersten beiden Punkte, anbelangt, so sieht die Regierung der Russischen Republik als geschäftsführender Hauptausschuss der Sowjets in voller Übereinstimmung mit der von unserer Friedensdelegation ausgedrückten Meinung, diesen Vorschlag als dem Grundsatz der freien Selbstbestimmung der Völker widersprechend an, selbst in der eingeschränkten Form der Antworterklärung des Vierbundes.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Französische Vorstöße in der Champagne gescheitert:
- Großes Hauptquartier, 3. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: An verschiedenen Stellen der Front Artilleriekampf. Nahe der Küste wurden bei gelungener Unternehmung Gefangene gemacht. Französische Vorstöße in der Champagne nördlich von Prosnes und nördlich von Le Mesnil scheiterten in unserem Feuer.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- An der mazedonischen und italienischen Front ist die Lage unverändert.
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04.01.1918 |
Russische Sowjetrepublik / Republik Finnland
Die Russische Sowjetrepublik erkennt die am 6. Dezember 1917 einseitig ausgesprochene Unabhängigkeit Finnlands an.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Lebhafte Artilleriekämpfe im Westen:
- Großes Hauptquartier, 4. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Fast an der ganzen Front kam es zu lebhaften Kämpfen der beiderseitigen Artillerien. Klares Frostwetter begünstigte ihre Tätigkeit.
- Bei englischen Vorstößen, die östlich von Ypern und nördlich vom La Bassée-Kanal scheiterten, sowie bei eigenen erfolgreichen Unternehmungen südöstlich von Mœuvres und in der Champagne wurden Gefangene und einige Maschinengewehre eingebracht.
- Seit dem 1. Januar verloren unsere Gegner im Luftkampf und durch Abschuß von der Erde 23 Flugzeuge und 2 Fesselballone.
- Oberleutnant Lörzer errang seinen 20. Luftsieg.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues. An der mazedonischen und italienischen Front keine besonderen Ereignisse.
Im Hauptausschuß des Reichstags erklärte der Reichskanzler Graf Hertling: Die russische Regierung schlägt eine Verlegung der Verhandlungen von Brest-Litowsk nach Stockholm vor. Ganz abgesehen davon, daß wir nicht in der Lage sind, uns von den Russen Vorschriften über den Ort machen zu lassen, wo wir die Verhandlungen weiterführen sollen, darf ich darauf hinweisen, daß eine Verlegung nach Stockholm zu außerordentlich großen Schwierigkeiten führen würde. Ich will nur die eine Schwierigkeit anführen, daß die direkte Verbindung, die die verhandelnden Delegierten mit ihren Hauptstädten Berlin, Wien, Sofia, Konstantinopel und Petersburg haben müssen - die direkten Verbindungen, die in Brest-Litowsk angelegt sind, funktionieren gut -, in Stockholm auf die größten Schwierigkeiten stoßen würde. Schon dieser eine Punkt führt dazu, daß wir nicht darauf eingehen können. Dazu kommt, daß die Machenschaften der Entente, Mißtrauen zu säen zwischen der russischen Regierung, ihren Vertretern und uns, dort neuen Boden gewinnen würden. Ich habe daher den Herrn Staatssekretär v. Kühlmann beauftragt, diesen Vorschlag abzulehnen. (Bravo!) Inzwischen sind in Brest-Litowsk Vertreter der Ukraine eingetroffen, und zwar nicht nur als Sachverständige, sondern mit Vollmachten zu Verhandlungen ausgestattet Wir werden ganz ruhig mit den Vertretern der Ukraine weiterverhandeln. Ich füge noch hinzu, daß von Petersburg mitgeteilt worden ist, die russische Regierung könne auf Punkt 1 und 2 unserer Vorschläge nicht eingehen. Diese beiden Punkte beziehen sich auf die Modalitäten der Räumung der Gebiete und die Vornahme der Volksabstimmungen. In der russischen Presse wird uns insinuiert, daß in diesen Punkten 1 und 2 ausgedrückt sei, wie wir uns in illoyaler Weise unserer Zusage betreffend das Selbstbestimmungsrecht der Völker entziehen wollen. Ich muß diese Insinuation zurückweisen. (Bravo!) Punkt 1 und 2 sind lediglich durch praktische Erwägungen bestimmt. Wir können davon nicht abgehen. Ich glaube, meine Herren, wir können getrost abwarten, wie dieser Zwischenfall weiter verlaufen wird. Wir stützen uns auf unsere Machtstellung, auf unsere loyale Gesinnung und auf unser gutes Recht. (Lebhaftes Bravo!).
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Ukrainische Sowjetrepublik / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich
In Erwiderung des Vorschlages der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, die Friedensverhandlungen mit der Entente von Brest-Litowsk nach Stockholm zu verlegen, teilen die vier Mächte dem russischen Delegationsleiter Adolf Abramowitsch Joffe mit, dass sie jede Verlegung des Verhandlungsortes ablehnen, da bindend verabredet wurde, die Verhandlungen spätestens am 5. Januar 1918 in Brest-Litowsk wieder aufzunehmen. Diese Stadt ist seit dem Frühjahr 1915 von deutschen Truppen besetzt.
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05.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Lebhafte Feuerkämpfe in Flandern:
- Großes Hauptquartier, 5. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: An der flandrischen Front östlich von Ypern, in einzelnen Abschnitten zwischen Scarpe und Somme sowie in der Gegend von Avocourt und St. Mihiel entwickelten sich zeitweilig lebhafte Feuerkämpfe. An der übrigen Front blieb die Artillerietätigkeit auf Störungsfeuer beschränkt. Östlich von Bullecourt hatte eine gewaltsame Erkundung vollen Erfolg und brachte eine größere Anzahl gefangener Engländer ein.
- Am 4. und 5. Januar wurden im Luftkampf und von der Erde aus 15 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone abgeschossen.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Keine besonderen Ereignisse.
- Italienische Front: Zwischen der Brenta und dem Montello lebte das Artilleriefeuer vorübergehend auf.
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Ukrainische Sowjetrepublik / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich
Die russische Friedens-Delegation kehrt zum Verhandlungsort Brest-Litowsk zurück. Um 22 Uhr erreicht ein Hughes-Telegramm aus Petersburg den deutschen Unterstaatssekretär Freiherr von dem Bussche mit folgendem Text: An die Herren Vorsitzenden der vier verbündeten Mächte. Die Verlegung der Verhandlungen auf neutrales Gebiet entspricht dem erreichten Stand der Verhandlungen. In Anbetracht der Ankunft Ihrer Delegationen am früheren Orte der Verhandlungen wird unsere Delegation zusammen mit dem Volkkommissar für auswärtige Angelegenheiten Trotzki morgen nach Brest-Litowsk fahren in der Überzeugung, daß eine Verständigung über die Verlegung der Verhandlungen auf neutralen Boden keine Schwierigkeiten machen wird. Die russische Delegation.
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Osmanisches Reich
Der türkische Heeresbericht wird veröffentlicht:
- Konstantinopel, 5. Januar. Palästinafront: Aus einem feindlichen Flugzeuggeschwader von 12 bis 14 Flugzeugen, das einen unserer Flughafen angriff, wurden durch Luft- und Erdabwehr zwei feindliche Flieger zum Absturz gebracht; drei Insassen tot, einer schwer verletzt, auf dem angegriffenen Flugplatz kein Schaden. Unsere Flieger bewarfen feindliche Anlagen mit 40 Bomben. Mehrere Treffer im Ziel wurden beobachtet. Trotz heftiger Gegenwehr kehrten alle Flugzeuge zurück.
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06.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Überraschender Einbruch westlich Bezonvaux:
- Großes Hauptquartier, 6. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Die Feuertätigkeit blieb meist gering. Sie steigerte sich vorübergehend an verschiedenen Stellen der Front im Zusammenhang mit Erkundungsgefechten. Französische Vorstöße in der Champagne wurden im Nahkampf abgewiesen. Bei Juvincourt und nordöstlich von Avocourt brachten eigene nach Feuervorbereitung durchgeführte Unternehmungen ebenso wie ein überraschender Einbruch in die feindlichen Linien westlich von Bezonvaux zahlreiche Gefangene und einige Maschinengewehre als Beute ein. Im Walde von Ailly versuchten die Franzosen zweimal vergeblich in unsere Gräben einzudringen.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Die Lage ist unverändert.
- Italienische Front: Beiderseits der Brenta, im Tombagebiet und am Montello zeitweilig Artilleriekampf.
Am Abend meldet die Oberste Heeresleitung '"erhöhte Gefechtstägigkeit in Flandern'":
- Erhöhte Gefechtstätigkeit an der flandrischen Front, südlich von der Scarpe und auf dem Westufer der Mosel. (- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues).
Der Chef des Admiralstabes der Marine meldet nachträglich ein Ereignis aus dem letzten Jahr unter der Überschrift: "Beschießung von Piombino durch ein U-Boot":
- Am 22. Dezember 1917 hat eines unserer U-Boote im Mittelmeer die Hochöfen und Schmelzwerke von Piombino wirkungsvoll beschossen.
In mehreren Zeitungen des Deutschen Kaiserreiches wird die Nachricht verbreitet, dass ein Entlassungsgesuch des Ersten Generalquartiermeisters der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff vorliege. Dies wird von der Obersten Heeresleitung dementiert und als "falsches Gerücht" deklariert.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich
Gestern abend ist folgender Funkspruch in deutschem Klartext abgesandt worden:
An die russische Delegation zu Händen ihres Vorsitzenden Herrn Joffe, Petersburg.
In ihrer Antwort auf die Vorschläge der russischen Delegation hatten die Delegationen des Vierbundes am 25. Dezember 1917 in Brest-Litowsk gewisse Leitsätze für den Abschluß eines sofortigen allgemeinen Friedens aufgestellt. Zur Vermeidung einer einseitigen Festlegung hatten sie die Gültigkeit dieser Leitsätze ausdrücklich davon abhängig gemacht, daß sich sämtliche jetzt am Kriege beteiligten Mächte innerhalb einer angemessenen Frist ausnahmslos und ohne jeden Rückhalt zur genauesten Beobachtung der alle Völker in gleicher Weise bindenden Bedingungen verpflichten müßten. Mit Zustimmung der vier verbündeten Delegationen war darauf von der russischen Delegation eine zehntägige Frist festgesetzt worden, innerhalb welcher die anderen Kriegführenden sich mit den in Brest-Litowsk aufgestellten Grundsätzen eines sofortigen Friedens bekanntmachen und über den Anschluß an die Friedensverhandlungen entscheiden sollten. Die Delegationen der verbündeten Mächte stellen fest, daß die zehntägige Frist mit dem 4. Januar 1918 abgelaufen und von keinem der anderen Kriegführenden eine Erklärung über den Beitritt zu den Friedensverhandlungen bei ihnen eingegangen ist.
Die Vorsitzenden der Verbündeten Delegationen:
- gez. v. Kühlmann für Deutschland
- gez. Graf Czernin für Österreich-Ungarn;
- gez. Popow für Bulgarien
- gez. Essimy Bey für die Türkei.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt folgenden amtlichen Heeresbericht heraus:
- Wien, 6. Januar. Italienischer Kriegsschauplatz: Auf der Hochfläche von Asiago, im Gebiet des Monte Asolone, des Monte Tomba und des Montello entwickelten sich zeitweise Artilleriekämpfe.
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Osmanisches Reich
Der türkische Heeresbericht wird herausgegeben:
- Konstantinopel, 6. Januar. Palästinafront: Artilleriefeuer, auch von See her, gegen unsere Stellungen an der Küste. Feindliche Erkundungsabteilungen, die gegen unsere Stellungen bei El Bire vorstießen, wurden vertrieben.
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Deutsches Kaiserreich / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Republik Finnland
Nachdem die russische Regierung erklärt hat, dass sie zur sofortigen Anerkennung der Unabhängigkeit Finnlands bereit sei, sobald ein Antrag der Finnen vorliege, und nachdem die finnische Regierung einen entsprechenden Schritt in Petersburg getan hat, der entgegenkommend aufgenommen worden ist, hat Seine Majestät der Kaiser den Reichskanzler unter dem 4. d. M. beauftragt, den hier anwesenden Bevollmächtigten der finnischen Regierung, Staatsrat Hjelt, Professor Erich und Direktor Sario, namens des Deutschen Reiches die Anerkennung der finnischen Republik auszusprechen. Graf von Hertling hat in Anwesenheit des Unterstaatssekretärs, Freiherrn von dem Bussche die drei Bevollmächtigten heute empfangen und ihnen die Anerkennung seitens Deutschlands erklärt.
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07.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Heftige Artillerietätigkeit an der Westfront:
- Großes Hauptquartier, 7. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Im Stellungsbogen östlich von Ypern und in einzelnen Abschnitten zwischen den von Arras und Péronne auf Cambrai führenden Straßen entwickelten sich am Nachmittage heftige Artilleriekämpfe. Auch zwischen der Miette und der Aisne, beiderseits von Ornes und auf dem Westufer der Mosel war das Artillerie- und Minenfeuer gesteigert. Die Kampftätigkeit der Infanterie blieb auf Erkundungen im Vorfelde der Stellungen beschränkt.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische und italienische Front: Die Lage ist unverändert.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich
Heute vormittag sind die russischen Friedensdelegierten einschließlich Trotzkis im russisch besetzten Brest-Litowsk eingetroffen.
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland
Die Königliche Admiralität meldet: "London, 7. Januar. Ein britischer Zerstörer ist im Mittelmeer torpediert worden und gesunken. Zehn Mann sind umgekommen."
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Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
Die ersten Lastkraftwagen der Firma Chevrolet sind jetzt käuflich zu erwerben. Im Modelljahr 1918 werden zwei Vierzylinder-Lastwagen, beides im Motorhauben-Chassis-Designs, angeboten, die nur vorn mit Blech ausgestattet sind. Das Motorhauben-Chassis des Chevrolet 490 wiegt eine halbe Tonne ohne Karosserie, ist aber mit einer robusten Federung auf der Hinterachse verstärkt. Der leichte Lastwagen wird zum Preis 595 US-Dollar angeboten. Ein Ein-Tonner, Modell T genannt (für „Truck“), kostet 1.125 US-Dollar, ebenfalls ohne Karosserie. Obwohl er auf dem Modell der FA-Serie basiert, ist der Pickup auf einem Lkw-Rahmen aufgebaut und sowohl länger als auch stärker als der Halbtonner. Ein 37-PS-Motor steigert die Leistung und Ladekapazität des Lastwagens, aber ein Regler hält seine Höchstgeschwindigkeit bei 25 Meilen pro Stunde.
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08.01.1918 |
Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson legt ein 14-Punkte-Programm vor, das in seinen Grundzügen die Friedensordnung nach 1918 beschreibt. Die Reichsregierung lehnt das Programm ab. Das 14-Punkte-Programm lautet wie folgt:
1. Offene, öffentlich abgeschlossene Friedensverträge. Danach sollen keinerlei geheime internationale Abmachungen mehr bestehen, sondern die Diplomatie soll immer aufrichtig und vor aller Welt getrieben werden.
2. Uneingeschränkte Freiheit der Schifffahrt auf den Meeren, außerhalb der Territorialgewässer, im Frieden sowohl wie im Kriege, ausgenommen jene Meere, die ganz oder teilweise durch internationales Vorgehen zur Durchführung internationaler Verträge gesperrt werden.
3. Möglichste Beseitigung aller wirtschaftlichen Schranken und Herstellung einer Gleichheit der Handelsbedingungen für alle Nationen, die dem Frieden beitreten und sich zu seiner Aufrechterhaltung verbinden.
4. Entsprechende gegenseitige Bürgschaften für die Beschränkung der Rüstungen der Nationen auf das niedrigste, mit der Sicherheit im Innern vereinbare Maß.
5. Freier, unbefangener und völlig unparteiischer Ausgleich aller kolonialen Ansprüche, auf der genauen Beachtung des Grundsatzes beruhend, dass beim Entscheid in solchen Souveränitätsfragen die Interessen der betreffenden Bevölkerungen ebenso ins Gewicht fallen, wie die berechtigten Ansprüche der Regierung, deren Rechtstitel zu entscheiden ist.
6. Räumung des ganzen russischen Gebietes und ein Einvernehmen über alle auf Russland bezüglichen Fragen, das das beste und freieste Zusammenwirken der anderen Völker sichert, um für Russland eine ungehemmte Gelegenheit zur unabhängigen Bestimmung seiner eigenen politischen Entwicklung und nationalen Politik herbeizuführen und ihm eine herzliche Aufnahme in der Gesellschaft der freien Nationen unter selbstgewählten Staatseinrichtungen, ja noch mehr, Hilfe jeder Art, deren es bedürftig sein und von sich aus wünschen mag, gewährleistet. Die Russland von seinen Schwesternationen in den nächsten Monaten gewährte Behandlung wird der Prüfstein ihres guten Willens, ihres Verständnisses für seine Bedürfnisse im Unterschied zu ihren eigenen Interessen und ihres verständigen und selbstlosen Mitgefühls sein.
7. Belgien muss, die ganze Welt wird dem beipflichten, geräumt und wiederhergestellt werden, ohne jeden Versuch, seine Souveränität, deren es sich wie alle anderen freien Völker erfreut, zu beschränken. Kein anderer einzelner Schritt wird so wie dieser dazu dienen, das Vertrauen unter den Nationen in die Gesetze wiederherzustellen, die sie selbst geschaffen haben und als maßgebend für ihre Beziehungen zueinander festgesetzt haben. Ohne diesen heilsamen Schritt bleibt die gesamte Struktur und die Gültigkeit des Völkerrechts für immer geschädigt.
8. Das ganze französische Gebiet muss geräumt und die besetzten Teile wiederhergestellt werden. Das Unrecht, das Frankreich im Jahre 1871 in Beziehung auf Elsass-Lothringen durch Preußen angetan worden ist und das den Weltfrieden während nahezu fünfzig Jahren beunruhigt hat, muss wieder gutgemacht werden, damit der Friede im Interesse Aller wiederhergestellt werden kann.
9. Berichtigung der Grenzen Italiens nach den genau erkennbaren Abgrenzungen der Nationen.
10. Den Völkern Österreich-Ungarns, deren Platz unter den Nationen wir geschützt und gesichert zu sehen wünschen, sollte die freieste Gelegenheit zu autonomer Entwicklung zugestanden werden.
11. Rumänien, Serbien und Montenegro sollten geräumt, die besetzten Gebiete zurückgegeben werden. Serbien sollte ein freier und sicherer Zugang zur See gewährt werden, und die Beziehungen unter den verschiedenen Balkanstaaten zueinander sollten durch freundschaftliche Übereinkunft nach den bestehenden geschichtlichen Richtlinien der Zugehörigkeit und der Nationalität geregelt werden. Internationale Bürgschaften für die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit sowie die Unverletzlichkeit des Gebiets der verschiedenen Balkanstaaten sollten geschaffen werden.
12. Den türkischen Teilen des jetzigen osmanischen Reiches sollte eine unbedingte Selbständigkeit gewährleistet werden. Den übrigen Nationalitäten dagegen, die zurzeit unter türkischer Herrschaft stehen, sollte eine zuverlässige Sicherheit des Lebens und eine völlig ungestörte Gelegenheit zur selbständigen Entwicklung gegeben werden. Die Dardanellen sollten unter internationalen Bürgschaften als freie Durchfahrt für die Schiffe und den Handel aller Nationen dauernd geöffnet werden.
13. Ein unabhängiger polnischer Staat sollte errichtet werden, der alle Gebiete einzubegreifen hätte, die von unbestritten polnischer Bevölkerung bewohnt sind; diesem Staat sollte ein freier und sicherer Zugang zur See geöffnet werden, und seine politische sowohl wie wirtschaftliche Unabhängigkeit sollte durch internationale Übereinkommen verbürgt werden.
14. Ein allgemeiner Verband der Nationen muss gegründet werden mit besonderen Verträgen zum Zweck gegenseitiger Bürgschaften für die politische Unabhängigkeit und die territoriale Unverletzbarkeit der kleinen sowohl wie der großen Staaten.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Lebhafter Artilleriekampf im Sundgau:
- Großes Hauptquartier, 8. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Einzelne Abschnitte in Flandern und südwestlich von Cambrai lagen zeitweilig unter heftigem Feuer. In der Abenddämmerung griffen englische Kompagnien östlich von Bullecourt an, sie wurden abgewiesen.
- Heeresgruppe Herzog Albrecht: Im Sundgau entwickelte sich am Abend lebhafter Artilleriekampf, der nach ruhiger Nacht heute früh wieder auflebte.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Zwischen dem Ochrida- und Prespasee, im Cernabogen sowie zwischen Wardar und Dojransee war die Artillerietätigkeit rege. Deutsche Jäger brachten von einem Erkundungsvorstoß in die feindlichen, bisher von Russen verteidigten Gräben westlich vom Prespasee eine Anzahl Franzosen ein.
- Italienische Front: Gegen den Monte Asolone und den Piave-Abschnitt nördlich von Vidor richtete der Feind tagsüber heftige Feuerüberfälle; auch während der Nacht blieb das Feuer lebhaft.
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet am Abend folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Englische und französische Vorstöße gescheitert:
- An der Bahn Boesinghe-Staden ist ein englischer Vorstoß gescheitert. In der Gegend von Flirey (zwischen Maas und Mosel) sind örtliche Angriffe der Franzosen im Gange. Im Sundgau flaute die Gefechtstätigkeit nach Abwehr eines französischen Vorstoßes bei Ammerzweiler ab. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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Ukrainische Sowjetrepublik / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich
- Brest-Litowsk, 8. Januar. Heute Nachmittag wurde eine Vorbesprechung zwischen den Vorsitzenden der hier versammelten Abordnungen abgehalten, an der teilnahmen: Staatssekretär von Kühlmann, Minister des Äußern Graf Czernin, Justizminister Popow, Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Trotzki, Großwesir Talaat Pascha und ukrainischer Staatssekretär für Handel und Industrie Wsewolod Holubowytsch. Nach Erörterung von Form- und Programmfragen wurde für Morgen Vormittag 11 Uhr eine Vollsitzung anberaumt. Später fanden Besprechungen zwischen Vertretern der Vierbundmächte und ukrainischen Vertretern statt.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt folgenden amtlichen Heeresbericht heraus:
- Wien, 8. Januar. Italienischer Kriegsschauplatz: Zwischen Brenta und Piave war die Artillerietätigkeit zeitweise lebhaft.
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09.01.1918
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich / Ukrainische Sowjetrepublik
In Brest-Litowsk werden die Friedensverhandlungen zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland fortgesetzt. Delegationsleiter sind Richard von Kühlmann auf der deutschen und Leo D. Trotzki auf der russischen Seite. Auf Druck der Obersten Heeresleitung fordert Kühlmann die Annexion und Kontrolle großer Teile der besetzten Gebiete, darunter Polen, das Baltikum und Kurland. Trotzki versucht auf Zeit zu spielen, da er revolutionäre Unruhen bei den Mittelmächten erhofft. Er reist nach Vorlage der deutschen Forderungen nach Petrograd (heute: St. Petersburg) zurück, die Verhandlungen werden auf den 20. Januar 1918 vertagt. Über die '"Sonderfriedensverhandlungen mit Russland"' wird Folgendes berichtet:
Brest-Litowsk, 9. Januar. Heute vormittag um 11 Uhr fand eine Vollsitzung statt, an der sämtliche Delegationen und die ukrainischen Vertreter teilnahmen. Der Großwesir Talaat Pascha eröffnete die Sitzung und übergab den Vorsitz an den Staatssekretär v. Kühlmann. Dieser warf einen Rückblick auf die Vorgeschichte und den bisherigen Gang der Verhandlungen und schloß: Soweit sich aus den vor der Arbeitspause geführten Verhandlungen ein Urteil bilden läßt, halte ich die Schwierigkeiten materieller Natur nicht für groß genug, um ein Scheitern des Friedenswerkes und damit voraussichtlich die Wiederaufnahme des Krieges im Osten mit seinen unabsehbaren Folgen für gerechtfertigt zu halten. Hierauf führte der österreichisch-ungarische Minister des Äußern, Graf Czernin u. a., zu den russischen Delegierten gewendet, aus: "Sie, meine Herren, haben seinerzeit an uns die Einladung für allgemeine Friedensverhandlungen ergehen lassen. Wir haben dieselbe angenommen, und wir haben uns auf eine Basis für den allgemeinen Frieden geeinigt. Auf dieser Basis haben Sie Ihren Verbündeten ein zehntägiges Ultimatum gestellt. Ihre Verbündeten haben Ihnen nicht geantwortet, und heute handelt es sich nicht mehr um Verhandlungen zwecks eines allgemeinen Friedens, sondern eines Separatfriedens zwischen Rußland und dem Vierbunde. Wenn die Herren der russischen Delegation von den gleichen Intentionen beseelt sind, so werden wir zu einem alle befriedigenden Ergebnisse gelangen; wenn nicht, dann werden die Dinge ihren notwendigen Lauf nehmen, aber die Verantwortung für die Fortsetzung des Krieges fällt dann ausschließlich auf die Herren der russischen Delegation."
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Republik Finnland / Deutsches Kaiserreich
Der finnische Senat beschließt, mit Deutschland Verhandlungen über die Lieferung von weiteren Waffen sowie die Rücksendung der in der deutschen Armee dienenden finnischen Soldaten zu führen. Die Einstellung Deutschlands zu Finnland ist zwiespältig. Der mit Russland geschlossene Waffenstillstand und die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk stehen einer offenen Stützung antirussischer Aktivitäten entgegen, andererseits erscheint es günstig, in Finnland ein deutschlandfreundliches Regime zu sichern.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Starke französische Angriffe bei Flirey gescheitert:
- Großes Hauptquartier, 9. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Unter starkem Feuerschutz stießen englische Erkundungsabteilungen gegen den Südrand des Houthoulster Waldes vor, einige Kompagnien griffen an der Bahn Boesinghe-Staden an. An keiner Stelle konnte der Feind unsere Linien erreichen; in unserem Feuer hatte er schwere Verluste.
Beiderseits von Lens lebhafte Artillerietätigkeit. Östlich von Bullecourt fanden mehrfach Handgranatenkämpfe um kleinere Grabenstücke statt.
- Heeresgruppe Herzog Albrecht: Westlich von Flirey brachen die Franzosen am Nachmittage nach heftiger Feuerwirkung in 4 Kilometer Breite zu starken Angriffen vor. An einzelnen Stellen drang der Feind in unsere Postenlinie ein; Versuche, über sie hinaus Boden zu gewinnen, scheiterten. Unsere Gegenstöße warfen den Feind im Laufe der Nacht überall wieder in seine Ausgangsstellungen zurück.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische und italienische Front: Die Lage ist unverändert.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt folgenden amtlichen Heeresbericht heraus:
- Wien, 9. Januar. Italienischer Kriegsschauplatz: Infolge ungünstiger Sichtverhältnisse blieb die Gefechtstätigkeit auf einzelne Feuerüberfälle beschränkt.
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland
Die Königliche Admiralität meldet unter der Überschrift Ein englisches Hospitalschiff vernichtet:
- "London, 9. Januar. Das Reutersche Bureau meldet amtlich: Das englische Hospitalschiff "Newa" ist torpediert worden, es sank am 4. Januar gegen Mitternacht im Bristolkanal auf dem Heimwege von Gibraltar. Alle Verwundeten wurden durch Patrouillenschiffe gerettet. Die Verluste betrugen drei Mann der Besatzung, drei Laskares werden vermißt. Das Schiff fuhr mit allen Lichtern und den durch die Haager Konvention vorgeschriebenen Abzeichen. Es befand sich nicht in dem sogenannten Sperrgebiet, wie es in der Erklärung der deutschen Regierung vom 29. Januar 1917 festgelegt worden ist. Da die U-Boote, die hierfür in Frage kommen könnten, zurzeit noch in See sind, können sich die zuständigen Stellen, wie wir hierzu erfahren, noch nicht abschließend äußern. Es wird von unterrichteter Stelle aber für ausgeschlossen gehalten, daß das Schiff durch ein Unterseeboot torpediert worden ist. Demnach kann nur eine Versenkung durch Minen in Frage kommen.
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10.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Die Luftbeute im Dezember:
- Großes Hauptquartier, 10. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Südöstlich von Ypern am Nachmittage lebhafter Artilleriekampf. Westlich von Zandvoorde scheiterte ein starker nächtlicher Erkundungsvorstoß der Engländer.
- An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit gering.
- Im Dezember (1917) beträgt der Verlust der feindlichen Luftstreitkräfte an den deutschen Fronten 9 Fesselballone und 119 Flugzeuge, von denen 47 hinter unseren Linien, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind.
Wir haben im Kampf 82 Flugzeuge und 2 Fesselballone verloren.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische und italienische Front: Die Lage ist unverändert.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich / Ukrainische Sowjetrepublik
- In der heute Vormittag abgehaltenen Sitzung erklärt sich die russische Delegation bereit, die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk fortzusetzen. Ferner stellt sie fest, dass die vom Wolff-Bureau veröffentlichte Darstellung über den Verlauf der Sitzung vom 26. Dezember dem tatsächlichen Hergang entspricht. Die von der Russischen Telegraphenagentur verbreitete Nachricht über den Verlauf dieser Sitzung wird russischerseits als unrichtig bezeichnet.
- Die Ukraine nimmt als selbständiger Staat an der Friedenskonferenz in Brest-Litowsk teil. Die gestern unterbrochene Plenarsitzung wurde vormittags 11 Uhr unter dem Vorsitz des (deutschen) Staatssekretärs von Kühlmann fortgesetzt. Erster Redner war der ukrainische Staatssekretär für Handel und Industrie Holubowytsch. Er überreichte namens des Generalsekretariats der Regierung der ukrainischen Volksrepublik eine Note, welche die selbständige Stellung der Ukrainer bei den jetzigen Friedensverhandlungen betont und das ukrainische Friedensprogramm entwickelt. Der Vorsitzende Staatssekretär von Kühlmann schlug darauf vor, dass die ukrainische Note als wichtiges historisches Dokument den Akten des Kongresses einverleibt werde und begrüßte die ukrainischen Vertreter. Die Vertreter der verbündeten Mächte behielten sich ihre Stellungnahme zu den Einzelheiten der Ausführungen der ukrainischen Delegierten vor.
- (Der russische Delegationsleiter) Herr Trotzki gab hierauf folgende Erklärung ab: "In Kenntnis der durch die ukrainische Delegation veröffentlichten Note des Generalsekretariats der ukrainischen Volksrepublik erklärt die russische Delegation ihrerseits, daß sie im vollen Einvernehmen mit der grundsätzlichen Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes jeder Nation bis zur vollen Lostrennung kein Hindernis für die Teilnahme der ukrainischen Delegation an den Friedensverhandlungen findet." Über die Bedeutung dieser Erklärung entspann sich eine längere Diskussion, die schließlich in die Frage zusammengefaßt wurde, ob die ukrainische Delegation eine Unterabteilung der russischen Delegation darstelle, oder ob sie in diplomatischer Beziehung als Vertretung eines selbständigen Staates zu behandeln sei. Diese Frage wurde von Herrn Trotzki dahin beantwortet, daß er sie als erledigt betrachte, da die ukrainische Delegation als eine selbständige Vertretung hier aufgetreten, da diese Vertretung von seiner Delegation anerkannt wurde, und da von keiner Seite ein anderer Vorschlag gemacht worden sei.
- Herr Trotzki erklärte dann weiter: "Fürs Erste bestätigen wir, dass wir im vollen Einvernehmen mit dem vorher gefaßten Beschluß die Friedensverhandlungen weiterführen wollen, ganz abgesehen davon, ob sich die Mächte der Entente anschließen oder nicht. Wir nehmen die Erklärung der Delegationen des Vierbundes zur Kenntnis, daß die Grundlagen des allgemeinen Friedens, die in ihrer Deklaration vom 25. Dezember formuliert waren, jetzt hinfällig werden, da die Länder der Entente während der zehntägigen Frist sich den Friedensverhandlungen nicht angeschlossen haben. Wir unserseits halten an den von uns proklamierten Grundsätzen des demokratischen Friedens fest." Trotzki erwähnte dann jenen Teil der Rede des Grafen Hertling, in der dieser außer auf das gute Recht und das loyale Gewissen auch auf die Machtstellung Deutschlands hingewiesen habe. Die russische Delegation habe weder die Möglichkeit noch die Absicht zu bestreiten, daß ihr Land durch die Politik der bis vor kurzem herrschenden Klassen geschwächt sei; aber die Weltstellung eines Landes werde nicht nur durch den augenblicklichen Stand eines technischen Apparates bestimmt, sondern auch durch die ihm innewohnenden Möglichkeiten. Aber die russische Regierung habe an die Spitze ihres Programms das Wort "Friede" geschrieben, und die hohen Sympathien, welche das russische Volk den Völkern der Verbündeten entgegenbringe, bestärken es in dem Wunsche, den schleunigsten Frieden, der aus der Verständigung der Völker begründet sein werde, zu erreichen. Um den Mächten des Vierbundes den Vorwand eines Abbruches der Friedensverhandlungen aus technischen Gründen zu entziehen, nehme die russische Delegation die Forderung an, in Brest-Litowsk zu bleiben. Sie bleibe in Brest-Litowsk, um keine Möglichkeit in dem Kampfe um den Frieden unausgenutzt zu lassen.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt folgenden amtlichen Heeresbericht heraus:
- Italienischer Kriegsschauplatz: Westlich Asiago wurde ein feindlicher Angriff abgewiesen.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Einer Meldung der Petersburger Telegraphenagentur zufolge wird die russische Staatsschuld annulliert: "Ein Erlaß des Rates der Volkskommissare ordnet die Einstellung der Bezahlung von Coupons und Dividenden an. Die Bezahlung von Coupons ist bis zum Erlaß einer neuen Verfügung verboten. Der Handel mit Aktien und Obligationen ist bei Strafe der Einziehung der Immobilien verboten."
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11.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Gescheiterte englische Vorstöße bei Ypern:
- Großes Hauptquartier, 11. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz: Versuche des Feindes, überraschend und nach Feuervorbereitung am Morgen des 10. Januar südöstlich von Ypern in unsere Stellungen einzudringen, scheiterten. Tagsüber entwickelte sich an der flandrischen Front und südwestlich von Cambrai lebhafter Artilleriekampf. Zwischen Moeuvres und Marcoing steigerte sich das englische Feuer am Abend und bei Tagesanbruch vorübergehend zu größter Heftigkeit. Auch die französische Artillerie war beiderseits von St. Quentin und in einzelnen Abschnitten zwischen Oise und Aisne rege.
- Heeresgruppe Herzog Albrecht: Westlich von Blamont erhöhte Gefechtstätigkeit.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- An der mazedonischen und italienischen Front keine besonderen Ereignisse.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich / Ukrainische Sowjetrepublik
Bericht über den Beginn der Kommissionsberatungen in Brest-Litowsk:
Brest-Litowsk, 11. Januar. Im Sinne des in der gestrigen Plenarsitzung gefaßten Beschlusses traten gestern nachmittag Abordnungen der Delegationen Deutschlands, Österreich-Ungarns und Rußlands zu einer Besprechung zusammen. Es wurde vereinbart, daß die von der russischen Delegation am 27. Dezember 1917 vorgeschlagene Kommission zur Beratung der politischen und territorialen Fragen gebildet werden solle, und dass parallel mit den Beratungen dieser Kommission Vorbesprechungen der Fachreferenten der einzelnen Delegationen über die Regelung der wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen stattzufinden hätten. Diese Kommission hat sich heute vormittag 10 Uhr konstituiert und ihre Beratungen begonnen, die um 1 Uhr nachmittags unterbrochen und um ½ 6 Uhr fortgesetzt wurden.
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12.01.1918 |
Republik Finnland
Das finnische Parlament beschließt gegen den erbitterten Widerstand der Sozialisten, die Regierung zur Ergreifung aller Maßnahmen zu ermächtigen, „welche sie zur Schaffung einer straffen öffentlichen Ordnung als erforderlich ansieht.“ Die Sozialisten interpretieren daraus, dass die Regierung eine Klassenkampfarmee geschaffen hat, die gegen die Arbeiterklasse gerichtet ist. Der Druck der „Roten Garden“ wird nun zunehmen.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Artilleriekämpfe im Westen:
- Großes Hauptquartier, 12. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Die Gefechtstätigkeit blieb auf Artillerie- und Wurfminenkämpfe an verschiedenen Stellen der Front beschränkt.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- An der mazedonischen und italienischen Front ist die Lage unverändert.
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13.01.1918 |
Republik Finnland
Der Oberbefehlshaber des Generalstabes der „Roten Garten“, der Journalist und Leutnant der russischen Armee Ali Aaltonen, erhält durch Vermittlung des zu den russischen Bolschewiki gehörenden finnischstämmigen Eino Rahja von Lenin die mündliche Zusage, den finnischen „Roten“ 10.000 Gewehre und sonstige Waffen zu liefern.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift 'Artillerietägigkeit an der Westfront und in Italien:
- Großes Hauptquartier, 13. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Östlich und nordöstlich von Armentières sowie in der Gegend von Lens war die englische Artillerietätigkeit tagsüber rege; auch in den anderen Abschnitten lebte sie vorübergehend auf.
- Heeresgruppe Deutscher Kronprinz: An vielen Stellen der Front Artilleriekampf. Stärkere französische Abteilungen, die nördlich von Reims, in der Champagne und nordöstlich von Avocourt zur Erkundung vorstießen, wurden im Nahkampf zurückgeworfen. Südwestlich von Ornes brachte ein eigenes Unternehmen Gefangene ein.
- Heeresgruppe Herzog Albrecht: Auf den östlichen Maashöhen und in den mittleren Vogesen zeitweilig erhöhte Feuertätigkeit. In zahlreichen Luftkämpfen wurden gestern 6 feindliche Flugzeuge und 3 Fesselballone abgeschossen.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische und italienische Front: Die Lage ist unverändert.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt folgenden amtlichen Heeresbericht heraus:
- Wien, 13. Januar. Beiderseits der Brenta nahm das Artilleriefeuer vorübergehend an Stärke zu.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich / Ukrainische Sowjetrepublik
In der Debatte über Räumung und Selbstbestimmungsrecht in Brest-Litowsk gibt der deutsche General Hoffmann eine scharfe Erklärung ab. Hier ist sein Bericht:
- Brest-Litowsk, 13. Januar. Die am 11. d. M. konstituierte deutsch-österreichisch-ungarisch-russische Kommission zur Beratung der territorialen Fragen hielt am 11. und 12. d. M. drei lange Sitzungen ab. Es gelangte u. a. nach längerer Debatte die Frage zur Erörterung, auf welche Teile der besetzten Gebiete sich die Räumung zu erstrecken habe. Das Ergebnis der beiderseitigen Ausführungen über diesen Punkt wurde vom Staatssekretär [eigentlich Außenminister] v. Kühlmann folgendermaßen zusammengefaßt: Herr Trotzki hat vorgeschlagen: Errichtung von Vertretungskörpern, denen die Organisation und die Festsetzung derjenigen Modalitäten übertragen werden soll, unter denen von uns einstweilen rein theoretisch konzedierte Volksabstimmungen oder Volkskundgebungen auf breiterer Basis erfolgen sollen, während wir auf dem Standpunkt stehen und stehen bleiben müssen, daß mangels anderer Vertretungskörper die vorhandenen und historisch gewordenen Vertretungskörper präsumtiv der Ausdruck des Volkswillens sind, besonders in der einen vitalen Frage des Willens der Nation, eine Nation zu sein. Zusammenfassend stellte Staatssekretär v. Kühlmann fest, daß sich aus den Ausführungen Herrn Trotzkis zu ergeben scheine, er wäre bereit, die in den besetzten Gebieten vorhandenen Organe der Volksvertretung als provisorische Organe anzuerkennen, wenn diese Landteile nicht militärisch besetzt wären, und er würde diesen dann auch die Befugnis zuerkennen, das von ihm geforderte Referendum durchzuführen. Herr Trotzki erklärte hierauf, daß Äußerungen von Landtagen, Stellvertretungen und dergleichen als Äußerungen des Willens eines bestimmten, einflußreichen Teiles der Bevölkerung aufgefaßt werden könnten, die aber nur Grund zur Annahme bildeten, daß das betreffende Volk mit seiner staatlichen Position unzufrieden sei. Hieraus ergebe sich die Schlußfolgerung, daß ein Referendum eingeholt werden müsse, wozu aber die Schaffung eines Organs Vorbedingung sei, das die freie Abstimmung der Bevölkerung garantieren könne. Nach längerer Debatte unterbreitete der russische Delegierte Kamenow folgende Vorschläge:
- ad 1. Das Territorium. Das Selbstbestimmungsrecht steht den Nationen und nicht ihren Teilen zu, die okkupiert worden sind, dementsprechend gibt die russische Regierung aus eigener Initiative das Recht der gleichzeitigen Selbstbestimmung auch den Teilen der genannten Nationen, die außerhalb der Besetzungszone leben. Rußland verpflichtet sich, diese Gebiete weder direkt noch indirekt zur Annahme dieser oder der anderen Staatsform zu nötigen, ihre Selbständigkeit durch keine Zoll- oder Militärkonventionen zu beengen, die vor der endgültigen Konstituierung dieser Gebiete auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes dieser Nationen geschlossen würden. Die Regierungen Deutschlands und Österreich-Ungarns bestätigen ihrerseits kategorisch das Fehlen irgendwelcher Ansprüche sowohl auf die Einverleibung in das Territorium Deutschlands und Österreich-Ungarns, der Gebiete des früheren russischen Kaiserreichs, die jetzt von den Heeren Deutschlands oder Österreich-Ungarns okkupiert worden sind, wie auf die sogenannten Grenzkorrekturen auf Kosten dieser Gebiete. Gleichzeitig verpflichten sie sich, diese Gebiete nicht, weder direkt noch indirekt, zur Annahme dieser oder jener Staatsform zu nötigen, ihre Unabhängigkeit nicht durch irgendwelche Zoll- oder Militärkonventionen zu beengen, die geschlossen würden vor der endgültigen Konstituierung dieser Gebiete auf Grund des politischen Selbstbestimmungsrechtes der sie bevölkernden Nationen.
- ad2. Die Lösung der Frage über die Geschicke der sich selbst bestimmenden Gebiete muß unter der Bedingung der vollen politischen Freiheit und des Fehlens jedes äußeren Druckes stattfinden, deshalb soll die Abstimmung nach Rücknahme der fremden Heere und Rückkehr der Flüchtlinge und der vom Anfang des Krieges evakuierten Bevölkerung stattfinden. Der Zeitpunkt der Zurückziehung der Heere wird durch eine besondere Kommission bestimmt.
- ad 3. Vom Moment der Unterzeichnung des Friedens bis zur endgültigen staatlichen Konstituierung der genannten Gebiete geht ihre innere Verwaltung, die Leitung der lokalen Angelegenheiten, Finanzen usw. in die Hände eines temporären Organes über, das durch Verständigung der politischen Parteien, die ihre Lebensfähigkeit inmitten ihres Volkes vor und während des Krieges bewiesen haben, gebildet wird.
- ad 4. Die endgültige Lösung der Frage von der Staatslage der Gebiete, um die es sich handelt, und von der Form ihrer Staatseinrichtung wird durch das allgemeine Referendum erfolgen.
Hierauf erbittet General Hoffmann das Wort und führt aus: Ich muß zunächst gegen den Ton dieser Vorschläge protestieren. Die russische Delegation spricht mit uns, als ob Sie siegreich in unserem Lande ständen und uns Bedingungen diktieren könnte. Ich möchte darauf hinweisen, daß die Tatsachen entgegengesetzt sind, - das siegreiche deutsche Heer steht in Ihrem Gebiet! Ich möchte dann feststellen, daß die russische Delegation für die besetzten Gebiete die Anwendung eines Selbstbestimmungsrechts der Völker in einer Weise und in einem Umfange fordert, wie es ihre Regierung im eigenen Lande nicht anwendet. Ihre Regierung ist begründet lediglich auf Macht, und zwar auf Macht, die rücksichtslos mit Gewalt jeden Andersdenkenden unterdrückt. Jeder Andersdenkende wird einfach als Gegenrevolutionär und Bourgeois vogelfrei erklärt. Ich will diese meine Ansicht nur an zwei Beispielen erhärten:
In der Nacht vom 30. zum 31. Dezember wurde der erste weißrussische Kongreß in Minsk, der das Selbstbestimmungsrecht des weißrussischen Volkes geltend machen wollte, von den Maximalisten durch Bajonette und Maschinengewehre auseinandergejagt. Als die Ukrainer das Selbstbestimmungsrecht geltend machten, stellte die Petersburger Regierung ein Ultimatum und versuchte, die Erzwingung ihres Willens mit Waffengewalt durchzusetzen. Soviel aus den mir vorliegenden Funksprüchen hervorgeht, ist der Bürgerkrieg noch im Gange.
So stellt sich die Anwendung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker durch die maximalistische Regierung in der Praxis dar. Die deutsche Oberste Heeresleitung muß deshalb eine Einmischung in die Regelung der Angelegenheiten der besetzten Gebiete ablehnen. Für uns haben die Völker der besetzten Gebiete ihrem Wunsch der Lostrennung von Rußland bereits klar und unzweideutig Ausdruck gegeben. Von den wichtigsten Beschlüssen der Bevölkerung möchte ich folgende hervorheben:
Am 21. 9. 1917 erbat die kurländische Landesversammlung, die sich ausdrücklich als Vertreterin der Gesamtbevölkerung Kurlands bezeichnete, den Schutz des Deutschen Reiches.
Am 11. 12. 1917 proklamierte der litauische Landesrat, der von den Litauern des In- und Auslandes als einzig bevollmächtigte Vertretung des litauischen Volkes anerkannt ist, den Wunsch der Abtrennung von allen staatlichen Verbindungen, die bisher mit anderen Völkern bestanden haben.
Am 27. Dezember sprach die Stadtverordnetenversammlung in Riga eine ähnliche Bitte an das Deutsche Reich aus. Diesem Antrage haben sich die Rigaer Kaufmannskammer, die Große Gilde, die Vertreter der Landesbevölkerung sowie 70 Rigaer Vereine angeschlossen.
Schließlich haben im Dezember 1917 auch die Vertreter der Ritterschaft der ländlichen, städtischen und kirchlichen Gemeinden auf Oesel, Dagö und Moon in verschiedenen Erklärungen sich von ihren bisherigen Beziehungen losgelöst.
Auch aus verwaltungstechnischen Gründen muß die deutsche Heeresleitung eine Räumung Kurlands, Litauens, Rigas und der Inseln im Rigaischen Meerbusen ablehnen. Alle diese Gegenden besitzen keine Verwaltungsorgane, keine Organe der Rechtspflege, keine Organe des Rechtsschutzes, keine Eisenbahnen, keine Telegraphen, keine Post. Alles dies ist deutscher Besitz und in deutschem Betriebe. Auch zur Errichtung eines eigenen Volksheeres oder einer Miliz sind die Länder mangels geeigneter Organe in absehbarer Zeit nicht in der Lage.
Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wird die Sitzung aufgehoben. Eine neue Sitzung zur Fortsetzung der Beratungen ist noch nicht anberaumt worden.
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Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
The Golden Submarine, geschlossen, 1918 Der US-amerikanische Rennfahrer Barney Oldfield gewinnt zwei von drei Autorennen in Ascot in Los Angeles, Kalifornien, auf einem "Golden Submarine" mit geschlossener Karosserie. Diesen Rennwagen, der von Fred Offenhauser und Harry A. Miller im vorigen Jahr gebaut und am 16. Juli 1917 vorgestellt wurde, macht Oldfield zum landesweit prominentesten Rennfahrer. Im Vorjahr war Bob Burman, ein Freund von Oldfield, in einem offenen "Submarine" bei einem Unfall ums Leben gekommen. "Golden" wurde dieses Auto wegen seiner Lakierung genannt, die einer Kombination aus Bronzestaub und Lacquer entstammt. Das Auto kostete 15.000 US-Dollar (was im Jahre 2022 317.000 US-Dollar entsprechen wird). Der Motor des Wagens, der mit vier Zylindern fährt, hat 136 PS (101 kW) und der ganze Wagen wiegt 730 kg.
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14.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Gesteigerte Artillerietätigkeit bei Lens:
- Großes Hauptquartier, 14. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Die Feuertätigkeit blieb tagsüber meist auf Störungsfeuer beschränkt. In einzelnen Abschnitten, besonders beiderseits von Lens, war sie am Abend gesteigert. Aufklärungsabteilungen drangen südöstlich von Armentières und nördlich von La Vacquerie in die englischen Gräben und machten Gefangene.
- Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Herzog Albrecht: Abgesehen von erfolgreichen Erkundungsgefechten in der Gegend von Juvincourt und auf dem Westufer der Maas verlief der Tag ohne besondere Ereignisse.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Westlich vom Ohrida-See, am Dobropolje und südlich vom Dojran-See Artillerietätigkeit.
- Italienische Front: Die Lage ist unverändert.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Die Regierung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie senkt die Mehlrationen auf die Hälfte, was einen Ausstand der Arbeiterschaft des Wiener Neustädter Raums zur Folge hat.
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15.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Italienische Angriffe am Monte Pertica gescheitert:
- Großes Hauptquartier, 15. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Keine besonderen Ereignisse. An verschiedenen Stellen der Front Artilleriekampf.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Die Lage ist unverändert.
- Italienische Front: Starke Angriffe, die der Italiener gegen die österreichisch-ungarischen Stellungen am Monte Asolone und Monte Pertica führte, sind unter schweren Verlusten gescheitert. Die tagsüber in den Angriffsabschnitten anhaltenden Feuerkämpfe dehnten sich zeitweilig nach Westen über die Brenta, nach Osten bis zur Piave aus. Auch längs der unteren Piave und in Verbindung mit italienischen Vorstößen im Piave-Delta war die Artillerietätigkeit vielfach gesteigert.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
In Wien setzen Fabrikarbeiter einen gestern begonnenen Streik fort, der sich ungeregelt von Betrieb zu Betrieb ausgehend von Wiener Neustadt über das südliche Niederösterreich und das Traisental ausbreitet. In Wien tritt die Arbeiterschaft der Lokomotivwerkstätte Floridsdorf in den Streik. Die Streikenden fordern einen raschen Friedensschluss in Brest-Litowsk ohne Annexionen, ein demokratisches Wahlrecht und eine bessere Lebensmittelversorgung.
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt folgenden amtlichen Heeresbericht heraus:
- Wien, 15. Januar. Amtlich wird verlautbart: Zwischen der Brenta und dem Monte Pertica ging der Italiener nach starker, zeitweise zum Trommelfeuer gesteigerter Artillerievorbereitung zum Infanterieangriff über. Nach sehr heftigen Nahkämpfen gelang es dem Feinde, an einzelnen Stellen in unsere Gräben einzudringen. Im Gegenstoße wurde er jedoch aus diesen geworfen. Im ganzen Angriffsraume ist die vorderste Kampflinie voll in unserem Besitze. Der Gegner erlitt schwere Verluste. An der unteren Piave wurde ein feindlicher Vorstoß bei Bressanin rasch zum Stehen gebracht.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich / Ukrainische Sowjetrepublik
Bei den internationalen Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk kommt es zu Annäherungen in allen Punkten:
- Brest-Litowsk, 15. Januar. Heute fanden weitere Besprechungen der deutsch-österreichisch-ungarisch-russischen Kommission zur Regelung der territorialen und politischen Fragen statt. Trotz der vorläufig noch starken Abweichungen in den Auffassungen der beiden verhandelnden Parteien konnte in einigen Punkten eine gewisse Annäherung festgestellt werden.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Königreich Rumänien
Die Petersburger Telegraphenagentur veröffentlicht folgendes russisches Ultimatum an das von den Mittelmächten besetzte Königreich Rumänen:
Der Rat der Volkskommissare hat an die rumänische Regierung nachstehendes Ultimatum gerichtet:
Der Kommandant der 49. Division teilt uns mit, daß die rumänischen Behörden feindliche Handlungen gegen russische Soldaten unternehmen und keinen Lebensmitteltransport durchlassen. Das 194. Regiment der 49. Division wurde von rumänischen Streitkräften umzingelt und entwaffnet, die auch den Ausschuß des 195. Regiments und österreichische Offiziere, die zum Besuch der russischen gekommen waren, verhafteten. Der Rat der Volkskommissare verlangt die Freilassung der verhafteten Soldaten und Offiziere, Bestrafung der militärischen Behörden, die die Verhaftungen vorgenommen haben, und Sicherheiten dafür, daß sich derartige Vorfälle nicht wiederholen. Falls eine Antwort innerhalb 24 Stunden nicht erfolgt, wird unsere Reklamation als ein neuer Bruch betrachtet werden, und wir werden die nachdrücklichsten militärischen Maßnahmen treffen.
Lenin, Oberbefehlshaber Krylenko und Kriegsbevollmächtigter Bodwojski.
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16.01.1918 |
Republik Finnland
Der Chefminister Finnlands Pehr Evind Svinhufvud beauftragt den nach Finnland zurückgekehrten Generalleutnant der russischen Armee Carl Gustaf Emil Mannerheim als Befehlshaber mit der Bildung von Streitkräften.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Neue vergebliche Vorstöße der Italiener:
- Großes Hauptquartier, 16. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz: Bei und südlich von Lens war die Artillerietätigkeit gesteigert. In einzelnen Abschnitten Erkundungsgefechte. Südöstlich von Ornes wurden Gefangene gemacht.
- Heeresgruppe Herzog Albrecht: Nach mehrstündiger Feuerwirkung stießen französische Abteilungen nördlich von Badonviller vor und drangen vorübergehend in unsere vorderen Gräben ein. Eigene Aufklarungstruppen brachten in den oberen Vogesen Gefangene ein.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Im Cerna-Bogen erhöhte Gefechtstätigkeit.
Italienische Front: Zwischen Brenta und Piave vielfach lebhafter Feuerkampf, mit besonderer Heftigkeit im Gebiet des Monte Asolone. Die Italiener haben ihre erfolglosen Angriffe nur südlich vom Monte Fontana Secca wiederholt; sie wurden abgewiesen. In den Piave-Abschnitten nördlich von Montello verstärkte sich das englische Artilleriefeuer.
Am Abend meldet das Große Hauptquartier, dass die italienischen Angriffe am Monte Pertica gescheitert sind:
- Berlin, 16. Januar, abends. (Amtlich.) Am Westhange des Monte Pertica scheiterten gestern nachmittag mehrfache Angriffe der Italiener. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Chef des Admiralstabes der Marine meldet den Vorstoß deutscher Seestreitkräfte gegen die englische Küste:
- Berlin, 16. Januar. (Amtlich.) Am 14. zum 15. Januar unternahmen leichte deutsche Streitkräfte einen Streifzug durch die südliche Nordsee. Sie trafen weder feindliche Kriegsschiffe noch Handelsschiffe an, trotzdem sie nördlich der Themse-Mündung bis dicht unter die englische Küste vorstießen. Dort nahmen sie wichtige Hafenanlagen auf nächste Entfernungen bei guter Beobachtung mit über 300 Schuß unter wirksames Artilleriefeuer.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der am 14. Januar begonnene Streik in Österreich geht weiter. In Wien verweigern die Belegschaften der Wiener Rüstungsbetriebe die Arbeit; ausgehend von den Floridsdorfer Fiat-Werken greift die Bewegung auf nunmehr 120 Wiener Betriebe über und erfasst danach die steirische, schließlich auch die ungarische Arbeiterschaft.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich / Ukrainische Sowjetrepublik
Bei den internationalen Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk steht die Räumungsfrage weiterhin im Mittelpunkt:
Brest-Litowsk, 16. Januar.
- Am 15. d. M. haben zwei weitere Sitzungen der deutsch-österreichisch-ungarisch-russischen Kommissionen zur Regelung der territorialen und politischen Fragen stattgefunden. Bei der Erörterung des vom Staatssekretär v. Kühlmann gemachten Vorschlages, für die Vornahme der entscheidenden Abstimmungen in den besetzten Gebieten den Zeitraum zwischen dem Abschluß des Friedens mit Rußland und spätestens einem Jahr nach dem allgemeinen Friedensabschluß anzusetzen, schnitt Herr Trotzki sofort die Räumungsfrage an. Er führte aus, daß die Frage der Regelung der Geschicke der jetzt besetzten Gebiete im Zusammenhang gebracht werden müsse mit dem Friedensschluß an der Ostfront.
Staatssekretär v. Kühlmann wies demgegenüber zunächst darauf hin, es liege schon ein großes Entgegenkommen darin, daß die Verbündeten sich bereit erklärt hätten, die unter dem Artikel 1 der deutsch-österreichisch-ungarischen Formulierung fallenden Gebiete bereits nach Abschluß der russischen Demobilisierung ohne Rücksicht auf den Fortgang des Weltkrieges zu räumen. Ein weiteres Entgegenkommen seitens der Verbündeten in diesem letzteren Punkte halte er nicht für ausgeschlossen, falls man in den anderen Punkten zu einer Übereinstimmung gelange. Doch müsse er es als ausgeschlossen bezeichnen, für die Räumung der in Artikel 2 des deutsch-österreichisch-ungarischen Entwurfs angeführten Gebiete einen Zeitpunkt ins Auge zu fassen, der nicht mit Abschluß des allgemeinen Friedens rechne. Es sei untunlich, die militärischen Sicherungen vorzeitig zu schwächen.
- Die Nachmittagssitzung wurde um 5 Uhr durch den Staatssekretär v. Kühlmann eröffnet. Er sagte unter anderem: Die verbündeten Delegationen sind von der vollkommen aufrichtigen Absicht geleitet, für die Abstimmung bzw. Wahl das höchstmögliche Maß von absoluter politischer Freiheit herzustellen, welches mit den Umständen verträglich ist. Dies ist, wie sich aus der Natur der Sache ergibt, zum großen Teil mit eine militärische Frage. Eine gewisse Zahl bewaffneter und disziplinierter Streitkräfte ist zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung notwendig. Ein Teil jetzt militärisch organisierter Kräfte ist notwendig, um den ökonomischen Betrieb des Landes in Gang zu halten. Es wird von unserer Seite in bindender Form die Zusage gegeben werden, daß diese organisierten Kräfte in dem Gebiet, um das es sich handelt, in keiner Weise sich politisch betätigen und keinen politischen Druck ausüben dürfen.
- Der Vorsitzende der russischen Delegation wandte sich zunächst wieder der Frage der Räumung der besetzten Gebiete zu. Er müsse sich erst über die Räumungsfrage völlige Klarheit verschaffen, die er bis jetzt noch nicht habe. Staatssekretär v. Kühlmann entgegnete, er könne keine Gewähr dafür übernehmen, daß innerhalb des Zeitraumes, der für die Abstimmung praktisch in Frage komme, militärische Erwägungen eine vollkommene Räumung des Gebietes möglich erscheinen lassen würden. Das Minimalprogramm der Verbündeten sei in sorgfältigster Berücksichtigung der militärischen Notwendigkeiten aufgestellt, und zu einer Einhaltung bzw. Diskussion im einzelnen seien die Verbündeten bereit. Nach weiteren Bemerkungen von beiden Seiten wurde die Debatte geschlossen.
Erfolgreicher Fortgang der Verhandlungen mit den Ukrainern:
- Brest-Litowsk, 16. Januar. Infolge Unwohlsein des Ministers des Äußern Grafen Czernin fand eine für heute nachmittag angesetzte vertrauliche Besprechung mit den ukrainischen Delegierten in der Privatwohnung des Ministers statt. Die 1½ Stunden lange Unterredung, an welcher auch die deutsche Delegation teilnahm, führte zur Herstellung des prinzipiellen Einvernehmens über die das künftige politische Verhältnis zwischen den Mittelmächten und der Ukraine betreffenden Fragen. Hierdurch dürfte ein entschiedener Schritt nach vorwärts getan sein. Für morgen ist eine Fortsetzung dieser Besprechungen anberaumt. Es sollen dann auch wirtschaftliche Fragen erörtert werden. Nach dem binnen kurzem zu erwartenden Abschluß des vertraulichen, vorbereitenden Gedankenaustausches wird in die Detailberatungen eingetreten werden.
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17.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Während in Brest-Litowsk die Mittelmächte mit Russland um die Räumungsfrage ringen, verkündet der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Erkundungsgefechte an der Westfront:
- Großes Hauptquartier, 17. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Keine größeren Kampfhandlungen. In zahlreichen Frontabschnitten Erkundungsgefechte. Nördlich von Passchendaele, an der Scarpe, bei Vendhuille und St. Quentin wurden einige Engländer gefangen.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Im Cerna-Bogen dauerte erhöhte Artillerietätigkeit an.
- Italienische Front: (Die Lage ist unverändert.) Bei ihren erfolglosen und verlustreichen Angriffen am 14. und 15. Januar haben die Italiener an Gefangenen 12 Offiziere und mehr als 300 Mann eingebüßt.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes des österreichisch-ungarischen Heeres gibt folgenden amtlichen Heeresbericht heraus:
- Wien, 17. Januar. Amtlich wird verlautbart: Zwischen der Brenta und dem Monte Pertica beschränkte der Gegner seine Gefechtstätigkeit nach den erfolglosen, verlustreichem Angriffen des Vortages auf heftige Feuerüberfälle. In den Kämpfen am 14. und 15. Januar wurden 12 Offiziere und über 300 Mann gefangen eingebracht.
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18.01.1918 |
Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Die Petersburger Telegraphenagentur meldet die "Eröffnung der russischen Konstituante" (konstituierenden Versammlung):
- Petersburg, 18. Januar. Um 4 Uhr nachmittags ist im Taurischen Palast die Verfassunggebende Versammlung von dem Vorsitzenden des Hauptausschusses der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte Swerdlow eröffnet worden, der eine Erklärung des Hauptausschusses verlas.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich / Ukrainische Sowjetrepublik
Die Internationale Konferenz von Brest-Litowsk wird beeinträchtigt durch die Abreise des russischen Delegationsleiters Leo Trotzki:
- Brest-Litowsk, 18. Januar. Die Kommission für politische und territoriale Fragen besprach heute die Frage, in welcher Weise die Abstimmung über die staatliche Zukunft derjenigen besetzten Gebiete erfolgen sollte, denen Rußland das Selbstbestimmungsrecht einräumt, sowie die Fragen betreffend den Umfang des unter Artikel II des deutsch-österreichisch-ungarischen Entwurfs fallenden Gebietes, das Verhältnis des Kaukasus zur Petersburger Regierung sowie die Aalands-Inseln. Am Schlusse der Nachmittagssitzung erklärte Herr Trotzki, daß er aus innerpolitischen Gründen gezwungen sei, sich für die Dauer von etwa einer Woche nach Petersburg zu begeben. Da übrigens die Kommissionsverhandlungen zur vollen Durchberatung des Verhandlungsgegenstandes in seinen Details geführt hätten, schlage er vor, die Beratungen der politischen Kommission bis zum 29. d. M. zu vertagen. Mit seiner Abreise gehe die Führung der russischen Delegation auf Herrn Joffe über. Seitens der Mittelmächte nahm man diese Erklärung zur Kenntnis und gab der Hoffnung Ausdruck, dass nach Rückkehr Herrn Trotzkis eine volle Einigung zu erzielen sein werde.
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Deutsches Kaiserreich / Republik Finnland
Der Erste Generalquartiermeister und Stellvertreter Hindenburgs als Leiter der Obersten Heeresleitung der Deutschen Streitkräfte, Erich Ludendorff, stimmt der Lieferung von 70.000 Gewehren und anderem Kriegsgerät sowie der Freistellung der finnischen Jäger, von denen sich zurzeit etwa 2000 in der Ausbildung in der deutschen Armee befinden, zu. Die Durchführung dieser Vereinbarung soll im kommenden Monat erfolgen.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Geringe Gefechtstätigkeit an der Westfront:
- Großes Hauptquartier, 18. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Auf dem größten Teil der Front war die Gefechtstätigkeit gering, lebhafter in der Gegend südwestlich von Cambrai. Bei kleineren Unternehmungen nördlich und nordwestlich von Prosnes wurden Gefangene eingebracht.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- An der mazedonischen und italienischen Front ist die Lage unverändert.
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Italien
Der Chef des Admiralstabes der Kaiserlichen Marine gibt unter der Überschrift Ein italienischer Truppentransportdampfer versenkt bekannt.
- Berlin, 18. Januar. (Amtlich.) Eines unserer U-Boote versenkte in Sicht der tripolitanischen Küste den vollbesetzten, bewaffneten italienischen Truppentransportdampfer "Regina Elena" (7940 Brutto-Registertonnen); Geschützfeuer von Land vermochte nicht, das U-Boot an der planmäßigen Durchführung seines Angriffs zu hindern.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der am 14. Januar begonnene Streik in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie erreicht ihren Höhepunkt, da sich jetzt insgesamt 350.000 bis 370.000 Menschen im Ausstand befinden, darunter allein in Wien 110.000. Aus leidenschaftlich geführten Streikversammlungen gehen die sogenannten "Arbeiterräte" als ein konkretes Gegenmodell politischer Interessenvertretung hervor. Noch am ersten Tag des Wiener Streiks hatte der sozialdemokratische Parteivorstand Forderungen an die Regierung formuliert, die vom Arbeiterrat akzeptiert wurden.
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19.01.1918 |
Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Die Petersburger Telegraphenagentur meldet die Sprengung der Konstituante durch die Bolschewiki:
- Petersburg, 19. Januar. Nachdem die Verfassunggebende Versammlung nach anderthalbstündiger Beratung gegen die Erklärung des ausführenden Zentralausschusses abgestimmt hatte, entfernten sich die Bolschewiki. Die Verfassunggebende Versammlung wollte nicht die Art und Weise billigen, in der die Friedensverhandlungen von den Sowjets, die den Saal verlassen haben, gefördert wurden. Um 4 Uhr morgens wurde die Versammlung von Matrosen aufgelöst. Heute wird ein Erlass erscheinen über die Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Lebhafte Feuertätigkeit an der Westfront:
- Großes Hauptquartier, 19. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Lebhafte Artilleriekämpfe im Stellungsbogen nordöstlich von Ypern, auf dem Südufer der Scarpe und in der Gegend von Mœuvres. Auch an vielen Stellen der übrigen Front, namentlich zu beiden Seiten der Maas, war die Feuertätigkeit gesteigert. Nördlich von Bezonvaux holten Stoßtrupps Gefangene aus den französischen Linien.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Im Cerna-Bogen lag unsere Höhenstellung nordöstlich von Paralovo tagsüber unter Artillerien und Minenfeuer.
- Italienische Front: Die Lage ist unverändert.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
In Wien wird einer Abordnung des Arbeiterrates eine Erklärung des Ministers des Außeren, Graf Czernin, überreicht, in der sich dieser verpflichtet, die Friedensverhandlungen keinesfalls an territorialen Forderungen scheitern zu lassen. Der Ministerpräsident sagt den seit dem 14. Januar Streikenden Reformen des Kriegsleistungsgesetzes und des Ernährungsdienstes sowie eine Demokratisierung des Gemeindewahlrechtes zu.
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20.01.1918 |
Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Die Petersburger Telegraphenagentur meldet die Auflösung der Konstituante durch die Sowjets:
- Petersburg, 20. Januar. (Meldung der Petersburger Telegrafenagentur.) Heute trat der Ausführende Hauptausschuss der Sowjets der Arbeiter, Bauern und Soldaten zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen und beschloss um 1 Uhr 30 Minuten nachmittags die Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie / Zarentum Bulgarien / Osmanisches Reich / Ukrainische Sowjetrepublik
Aus Brest-Litowsk wird eine Einigung über den Frieden mit der Ukraine gemeldet:
- Brest-Litowsk, 20. Januar. Die bisherigen Verhandlungen, die zwischen den Delegationen der Mittelmächte einerseits und den der ukrainischen Volksrepublik anderseits geführt worden sind, haben das Ergebnis gezeitigt, daß über die Grundlagen eines abzuschließenden Friedensvertrages eine Einigung erzielt worden ist. Der Kriegszustand soll als beendet erklärt und der Entschluß der Parteien bekräftigt werden, fortan in Friede und Freundschaft miteinander zu leben; die an der Front einander gegenüberstehenden Truppen sollen mit Friedensschluß zurückgezogen werden; alle Beteiligten sind darüber einig, daß der Friedensvertrag für die sofortige Aufnahme eines geregelten wirtschaftlichen und rechtlichen Verkehrs Vorsorge zu treffen haben wird, auch diplomatische und konsularische Beziehungen sollen alsbald aufgenommen werden. Mit Feststellung der wesentlichen Grundzüge des Friedensvertrages sind die Verhandlungen an einem Punkte angelangt, der es den Delegationen zur Pflicht macht, mit den heimischen verantwortlichen Stellen in Fühlung zu treten; ein Teil der bevollmächtigten Vertreter sieht sich veranlaßt, diesen Stellen persönlich über den Gang der Verhandlungen Bericht zu erstatten und deren Zustimmung zu dem Vereinbarten einzuholen. Alle Delegationen sind darüber einig, daß die hierdurch notwendig werdende Aussetzung der Verhandlungen so kurz als möglich bemessen sein soll. Sie haben sich daher zugesagt, sofort nach Brest-Litowsk zurückzukehren, und sind entschlossen, sodann im Rahmen der ihnen erteilten Ermächtigungen den Friedensvertrag abzuschließen und zu unterzeichnen. Hiermit ist es zum ersten Male in diesem die Welt erschütternden Kriege gelungen, die Grundlagen zur Herstellung des Friedenszustandes zu finden.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Heftige Artilleriekämpfe an der englischen Front:
- Großes Hauptquartier, 20. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Oostende wurde von der See her beschossen. Heftige Artilleriekämpfe dauerten im Stellungsbogen nordöstlich von Ypern bis spät in die Nacht hinein an. Zu beiden Seiten der Lys, am La Bassée-Kanal sowie zwischen Lens und St. Quentin hat die Gefechtstätigkeit zugenommen. Mit besonderer Stärke lag englisches Feuer tagsüber auf unseren Stellungen südlich von der Scarpe. Die französische Artillerie war nur in wenigen Abschnitten lebhaft. Feuersteigerung trat zeitweilig im Maasgebiet sowie nördlich und südlich vom Rhein-Marne-Kanal ein.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- An der mazedonischen und italienischen Front ist die Lage unverändert.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar nimmt nach einer turbulent verlaufenden Sitzung der Arbeiterrat Österreich-Ungarns den Antrag des Parteivorstandes an, der vorsieht, dass die seit dem 14. Januar streikenden Belegschaften am 21. Januar wieder zur Aufnahme ihrer Arbeit aufgefordert werden sollen.
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21.01.1918 |
Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
In Berlin wird die Auflösung der russischen Konstituante bekanntgegeben und kommentiert:
- Berlin, 21. Januar. Das amtliche Dekret, mit dem die Verfassunggebende Versammlung in Petersburg aufgelöst worden ist, besagt u.a.: Die arbeitenden Klassen mußten sich durch Erfahrung davon überzeugen, daß der alte bourgeoistische Parlamentarismus sich überlebt hat, daß er gar nicht vereinbar ist mit der Ausgabe der Verwirklichung des Sozialismus, dass nicht die allgemeinnationalen, sondern nur die Klasseneinrichtungen (wie die Sowjets) fähig sind, den Widerstand der besitzenden Klassen zu besiegen und den Grund zur sozialistischen Gesellschaft zu legen. Die Partei der Mehrheit der Verfassunggebenden Versammlung, die rechten Sozialrevolutionäre und Minimalisten führen einen offenen Kampf gegen die Sowjetmacht, indem sie in ihren Organen zu deren Stürzung aufrufen und, objektiv betrachtet, hierdurch den Widerstand der Ausbeuter gegen den Übergang des Landes und der Fabriken in die Hände der Arbeitenden unterstützen. Es ist klar, daß der übriggebliebene Teil der Verfassunggebenden Versammlung auf Grund dessen nur eine Rolle des Verdeckens des Kampfes der bourgeoistischen Gegenrevolution zur Stürzung der Macht der Sowjets spielen kann. Deshalb verfügte das Zentralausführungskomitee, die Verfassungsgebende Versammlung aufzulösen.
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Deutsches Kaiserreich / Osmanisches Reich
Die Königliche Admiralität teilt folgende Einzelheiten über das Gefecht vor den Dardanellen mit:
- London, 21. Januar. (Der frühere Große Kreuzer der Moltke-Klasse der deutschen Kaiserlichen Marine) SMS GOEBEN und (der Kleine Kreuzer) SMS BRESLAU kamen am frühen Morgen des 20. Januar aus den Dardanellen heraus und griffen unsere Seestreitkräfte nördlich von Imbros an mit dem Ergebnis, dass (die britischen Monitorschiffe der Royal Navy) HMS RAGLAN und HMS M28 schwere Treffer erhielten und durch Geschützfeuer zum Sinken gebracht wurden. Die feindlichen Schiffe fuhren dann zur Bucht von Imbros weiter, wo die SMS BRESLAU in eins unserer Minenfelder getrieben wurde, auf eine Mine stieß und sank. Die SMS GOEBEN verließ sie unter Volldampf und wandte sich nach den Dardanellen. Türkische Zerstörer, die der SMS BRESLAU zu Hilfe kamen, wurden von unseren Zerstörern in einen Kampf verwickelt und vertrieben. Als sich die SMS GOEBEN dem Eingang zu den Dardanellen näherte, stieß sie ebenfalls auf eine Mine, welche ihre Geschwindigkeit verminderte und verursachte, daß sie sich hinten senkte mit einer Schlagseite von 15 Grad. Schließlich setzte sie sich selbst auf Strand auf der Westseite von Kap Nagara, wo sie jetzt beständig von unseren Flugzeugen mit Bomben beworfen wird. Wir haben 172 Überlebende der SMS BRESLAU gerettet, die jetzt als Kriegsgefangene in unseren Händen sind. Die Namen der Überlebenden HMS RAGLIN und von der HMS M28 sind bisher noch nicht bekannt. Gegenwärtig sind 132 Überlebende aus einer Gesamtzahl von etwa 310 gemeldet.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Ein englischer Vorstoß bei Vendhuille abgeschlagen:
- Großes Hauptquartier, 21. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Nordöstlich und östlich von Ypern sowie an der Front von Lens bis Epehy hielt gesteigerte Artillerietätigkeit an. Südlich von Vendhuille blieben bei Abwehr eines englischen Vorstoßes Gefangene in unserer Hand.
- Heeresgruppe Deutscher Kronprinz: In einzelnen Abschnitten in der Champagne und zu beiden Seiten der Maas Kampftätigkeit der Artillerien. Nordwestlich von Reims und in den Argonnen hatten kleinere Unternehmungen unserer Erkundungsabteilungen Erfolg. In den letzten Tagen wurden 11 feindliche Flugzeuge und 1 Fesselballon abgeschossen.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Zwischen Wardar und Dojransee lebte das Artilleriefeuer zeitweise auf. In der Struma-Ebene kam es mehrfach zu Vorfeldkämpfen, die für die Bulgaren erfolgreich verliefen.
- Italienische Front: Keine besonderen Ereignisse.
Der Chef des Admiralstabes der Kaiserlichen Marine gibt folgende Meldung heraus: .
- Berlin, 21. Januar. Durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte sind im Monat Dezember 1917 insgesamt 702.000 Brutto-Registertonnen des für unsere Feinde nutzbaren Handelsschiffraumes vernichtet worden. Damit erhöhen sich die bisherigen Erfolge des uneingeschränkten U-Boot-Krieges auf 8.958.000 Brutto-Registertonnen.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie / Schweizerische Eidgenossenschaft
- Der am 6. April 1853 in Leipzig geborene österreich-ungarische Geschäftsmann, Diplomat und Automobilrennfahrer Emil Jellinek-Mercédès stirbt in Genf. Bis zum Jahre 1903 lautete sein Name Emil Jellinek. Emil Jellinek war der Sohn des Wiener Rabbiners und Gelehrten Adolf Jellinek und seiner Ehefrau Rosalie, geborene Bettelheim. Rosalie Bettelheim kam 1832 in Budapest zur Welt. Sie verstarb 1892 in Baden bei Wien. Emil Jellinek war in erster Ehe mit Rachel Goggmann Cenrobert (1854–1893), aus einer in Algier ansässigen französisch-sephardischen Familie, verheiratet. Dieser Ehe entstammen die Kinder Adolph, Fernand Raoul und Mercédès Adrienne Ramona Manuela. In zweiter Ehe war er ab 1899 mit Madeleine Henriette Dittholer oder Anaise Engler verheiratet; die Angaben sind widersprüchlich. Sie hatten die Kinder Alain Didier, Guy, René und Andrée (genannt „Maja“). Emil Jellinek war im Hinblick auf seine Schulbildung das schwarze Schaf in seiner Familie: Der Vater ein Gelehrter, auch die Mutter sehr belesen, die beiden Brüder Professoren, ihm aber lag das schulische Lernen nicht. Mehrmals wechselte er erfolglos die Schule, mit siebzehn kam er bei einer Eisenbahngesellschaft unter, mit neunzehn ging er nach Frankreich. Durch die Beziehungen seines Vaters holte ihn der österreichische Konsul nach Tanger und Tetuan, womit seine Karriere im diplomatischen Dienst begann. 1874 erhielt Jellinek eine Einberufung nach Wien zum Militärdienst, wurde jedoch als untauglich befunden, kehrte als Vizekonsul nach Algerien zurück, organisierte einen Tabakhandel mit seinem künftigen Schwiegervater als Partner und wurde bald recht wohlhabend. Er übernahm nebenbei eine Funktion für eine französische Versicherungsgesellschaft, für die er auch in Wien eine Zweigstelle ins Leben rief, heiratete in Oran, die ersten beiden Söhne wurden dort geboren. Mit der Österreich-Repräsentanz der Versicherungsgesellschaft betraut, zog Jellinek mit der Familie 1884 nach Baden bei Wien, wo er sich später, nachdem dort 1889 die Tochter Mercédès geboren war, die eindrucksvolle Villa Mercedes erbauen ließ. Das Versicherungsgeschäft blühte, auch an der Börse war Jellinek sehr erfolgreich, doch als Mercédès vier Jahre alt war, starb die Mutter. Die Winter verbrachte die Familie nun häufig an der Riviera, wo Kontakte zu heimischem Adel und internationaler Geschäftswelt angeknüpft wurden. Dort begann Jellineks Faszination für das Automobil. Das erste Fahrzeug von Emil Jellinek war ein De Dion-Bouton Tricycle, später folgte eine Léon-Bollée-Voiturette und eine Benz-Kutsche. Als er 1896 43-jährig durch ein DMG-Inserat in den Fliegenden Blättern auf die Cannstatter Firma aufmerksam wurde, reiste er nach Cannstatt, um mehr über Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach zu erfahren und bestellte einen Daimler-Wagen. Dies war der Beginn einer für beide Seiten sehr fruchtbaren Zusammenarbeit. Ab 1898 vertrieb Emil Jellinek, der Zugang zur Finanz-Hautevolee und vor allem zur Hautefinance Frankreichs hatte, nun Daimler-Automobile und meldete sie, um den Verkauf anzukurbeln, auch bei Autorennen an. Dabei soll er, inspiriert vom Namen seiner Tochter Mercédès Adrienne Manuela Ramona, selbst unter dem Pseudonym „Monsieur Mercédès“ an Rennen teilgenommen haben. Dies wird allerdings als eine durch Braunbecks Sportlexikon 1910 in die Welt gesetzte Legende bestritten. Richtig sei hingegen, Jellinek habe seinen Daimler-Tourenwagen seiner zehnjährigen Tochter zuliebe auf ihren Rufnamen getauft, als Rennwagen angemeldet und damit am 21. März 1899 bei der "Semaine Automobile" in Nizza mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 34,57 km/h gesiegt. Jedoch erst ein Jahr später seien unter den Pseudonymen „Mercedes I“ und „Mercedes II“ die Fahrer Wilhelm Bauer und Hermann Braun bei der Rennwoche in Nizza gestartet. Andererseits schreibt Robert Dick in seinem Buch über Autorennen in der Belle Epoque (in Übersetzung): Jellinek registrierte für das Rennen nach Magagnosc einen 4,9 l Phoenix für den Fahrer ‚Mercédès‘, und nach 85km und 2h 27min 30sec war es Mercédès, der gesiegt hatte. Wen ließ Mercédès hinter sich? Zwei weitere 4,9l unter ‚Dr. Pascal‘ und Arthur de Rothschild, die beiden besten Kunden des Jellinek-Teams. Natürlich war es Jellinek, der hinter ‚Mercédès‘ stand. Hinter ‚Dr. Pascal‘ verbarg sich der Arzt Henri de Rothschild […], Neffe des Bankiers Arthur. Aber die Hauptarbeit an den Lenkrädern der Rothschild-Daimler wurde von Hermann Braun und Wilhelm Werner geleistet, wenigstens, wenn keine prominenten Zuschauer in Sicht waren. Offenkundige Pseudonyme gehörten zum guten Ton […] ein Tripelsieg, selbst wenn das Rennen nur ein vornehmes Kaffeekränzchen war – und randvolle Bestellbücher. Ob Vater Mercédès oder Auto Mercédès – der Vorname von Jellineks Tochter war jedenfalls bald bekannt. Im April 1900 wurde „Mercedes“ zur Produktbezeichnung für eine neue, von Jellinek angeregte Fahrwerks- und Motorkonstruktion, die den Namen „Daimler-Mercedes“ trug. Ab 2. April 1900 hatte Emil Jellinek bis 1909 einen Sitz im Aufsichtsrat der DMG und bestellte insgesamt 36 Automobile für die seinerzeit horrende Summe von 550.000 Goldmark, woran er aber die von DMG akzeptierte Bedingung nach dem Alleinvertrieb in Österreich-Ungarn, Frankreich, Belgien und den USA knüpfte, wo die Fahrzeuge „Mercedes“ heißen sollten. Im übrigen Vertriebsbereich hießen die neuen Wagen mit größerer Spurweite, niedrigerem Schwerpunkt und stärkerer Motorleistung einfach „Neuer Daimler“. Im Juni 1902 wurde „Mercedes“ dann als Warenzeichen angemeldet und drei Monate später auch gesetzlich geschützt. Im Juni 1903 wurde Emil Jellineks Antrag bewilligt, seinen Familiennamen auf „Jellinek-Mercédès“ abzuändern, und nach der Villa Mercedes in Baden bei Wien entstand eine zweite „Villa Mercedes“ in Nizza, der später dort noch eine weitere „Villa Mercedes II“ folgen sollte. Jellineks Interesse an Autos flaute allmählich ab, es kam zu immer größeren Meinungsverschiedenheiten, so dass er schließlich bei DMG ausschied und sich seiner konsularischen Karriere ganz widmete. 1907 wurde Jellinek österreichisch-ungarischer Generalkonsul in Nizza, und kurze Zeit später Konsul von Mexiko. Ab 1909 war er Leiter des österreichisch-ungarischen Konsulats in Monaco. Er trennte sich völlig von seinen Handelsgeschäften, hatte aber zuvor eine Reihe von Immobilien erworben – zwei Hotels in Nizza, eines in Paris, Casinos, ein immenses Château Robert zwischen Nizza und Toulon, die zwar als sein Privatsitz galt, aber kaum genutzt wurde, die beiden Villen Mercedes I und Mercedes II in Nizza, beide an der Promenade des Anglais gelegen. Die Villa Mercedes in Baden erhielt einen Nachbarn, die Villa Didier, und dort wurde weitergebaut, bis der Komplex „Mercedeshof“ schließlich 50 Zimmer, 8 Bäder und 23 Toiletten umfasste. Seit 1945 ist davon allerdings nur mehr der Garagentrakt erhalten. Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges sollte Jellinek in Österreich für seine französischen Besitzungen besteuert werden. Er überschrieb seine Badener Villa den Kindern, die auf den Semmering zogen, und er kam nicht mehr nach Österreich. Nach Kriegsbeginn wagte man in Frankreich in der Öffentlichkeit nicht mehr Deutsch zu sprechen. Jellinek wurde der Spionage verdächtigt, gleichzeitig verdächtigte man seine französische Frau in Österreich. Die Familie traf sich schließlich 1917 in Genf, wo Jellinek im Jahr darauf im Alter von 64 Jahren starb. Er wird auf dem Cimetière du Chateau in Nizza in unmittelbarer Nähe zu Léon Gambetta beigesetzt.
- Die seit dem 14. Januar streikenden 350.000 bis 370.000 Arbeiter Österreich-Ungarns nehmen die Arbeit wieder auf. Diese Woche wird von jetzt an als "Jännerstreik 1918" in die Geschichte eingehen als eine revolutionäre Demonstration, die letztlich von der Sozialdemokratie zur Durchsetzung ihrer aktuellen Forderungen und zur Stabilisierung ihrer Autorität genutzt wurde.
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22.01.1918 |
Ukrainische Sowjetrepublik / Ukrainische Volksrepublik / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Die Intervention der russischen Roten Armee führt zur Ausrufung einer von Russland unabhängigen Volksrepublik durch den Zentralrat in Kiew. Der ukrainische Historiker und Politiker Mychajlo Serhijowytsch Hruschewskyj ruft die erste autonome Republik in der Ukraine aus und wird ihr erster Präsident. Das Land wird unter dem Namen Ukrajinska Narodnja Respublika (UNR) eine selbstständige Volksrepublik. In seinem Wirken setzt Hruschewskyi der Auffassung eines einheitlichen ostslawischen (russischen) Stromes der Geschichte die Idee einer getrennten Entwicklung der Volkstümer der Russen und Ukrainer entgegen.
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Republik Finnland
In dem Bestreben, die Einheit der Arbeiterbewegung zu wahren, nimmt der Parteirat der Sozialdemokratischen Partei neue radikale Mitglieder auf.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Lebhafte Artilleriekämpfe bei Ypern:
- Großes Hauptquartier, 22. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Östlich von Ypern war die Kampftätigkeit der Artillerien am Tage und einzelnen Nachtstunden lebhaft. Mit kleinen Abteilungen versuchte der Engländer vergeblich an mehreren Stellen in Flandern in unsere Kampfzone einzudringen. An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit mäßig.
- Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Herzog Albrecht: In den Argonnen nördlich Le Four de Paris stießen französische Kompagnien nach tagsüber anhaltender Artilleriewirkung am Abend gegen unsere Stellungen vor. Sie wurden durch Feuer und im Nahkampf abgewiesen. Auf dem östlichen Maasufer und in der Gegend von Flirey lebte das Artilleriefeuer zeitweilig auf.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische und italienische Front: Lage unverändert.
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Osmanisches Reich
Amtliche Verlautbarung aus Berlin zum türkischen Flottenvorstoß aus den Dardanellen:
- Am 20. Januar stießen türkische Streitkräfte, und zwar der Panzerkreuzer SULTAN JAVUS SELIM (früher SMS GOEBEN), der kleine Kreuzer MIDILLI (früher SMS BRESLAU) und Torpedoboote auf den Dardanellen gegen feindliche Streitkräfte vor, die durch Fliegeraufklärung bei der Insel Imbros festgestellt waren. Ein großer und ein kleinerer englischer Monitor wurde vernichtet, ein Transportdampfer von 2000 Tonnen versenkt, mehrere Hulks schwer beschädigt und die englische Signalstation in der Kephalobucht zerstört. Beim Rückmarsch nach den Dardanellen ist der kleine Kreuzer MIDILLI durch mehrere Unterwassertreffer von Minen oder Unterseebooten gesunken. SULTAN JAVUS SELIM kam beim Einlaufen innerhalb der Dardanellen an der Enge bei Nagara leicht fest; er ist nicht, wie in der englischen amtlichen Meldung behauptet wird, durch schwere Beschädigung auf Strand gesetzt.
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23.01.1918 |
Republik Finnland
Der Oberbefehlshaber des Generalstabes der „Roten Garden“ Ali Aaltonen und der designierte Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Eero Haapalainen geben den Befehl zu einem weiteren Generalstreik, da die Führung der „Roten Garden“ annimmt, dass die „weißen“ Schutztrupps die geplanten Waffenlieferungen aus Russland stoppen würden, und zur Mobilisierung der Garden ab 25. Januar.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Gesteigerter Feuerkampf an der flandrischen Front:
- Großes Hauptquartier, 23. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Fast an der ganzen flandrischen Front war am Nachmittage der Feuerkampf gesteigert. Auch südlich der Scarpe lebte die Gefechtstätigkeit wieder auf. Bei St. Quentin wurden bei erfolgreicher Durchführung zahlreicher Erkundungen Gefangene eingebracht.
- Heeresgruppe Deutscher Kronprinz: Nördlich von Souain und nordöstlich von Avocourt folgten starker Feuerwirkung französische Vorstöße. In heftigen Nahkämpfen wurde der Feind zurückgeschlagen. Eigene Infanterieabteilungen drangen östlich von Malancourt in die feindlichen Gräben und kehrten mit einer Anzahl Gefangenen zurück. Zwischen Beaumont und Ornes nahm die Artillerietätigkeit am Abend zu.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Die Lage ist unverändert.
- Italienische Front: Zu beiden Seiten der Brenta Artilleriekampf.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Franz Ritter Höfer von Feldsturm Österreichische Zeitungen berichten, dass der Sektionschef im Kriegsministerium und frühere Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, Feldmarschallleutnant Franz Ritter Höfer von Feldsturm (* 09.07.1861 in Komotau, später Chomutov in Tschechien), plötzlich in Wien verstorben sei. Er war ein Sohn des Schlossverwalters Franz Höfer und dessen Frau Augustine Vizentia Matschego aus Türmitz (Trmice) bei Aussig an der Elbe (Ústí nad Labem) in Böhmen, der als Hauptmann der österreich-ungarischen Armee mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse ausgezeichnet und entsprechend den Ordensstatuten mit Diplom vom 2. Juni 1869 mit dem Prädikat „von Feldsturm“ in den österreichischen Adels- bzw. Ritterstand erhoben wurde. Nach dem Besuch der Militär-Unterrealschule in Sankt Pölten, der Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen, der technischen Militärakademie in Wien, dem höheren Artilleriekurs und der k.u.k. Artillerie-Schießschule wurde Franz Ritter Höfer von Feldsturm in seiner Offizierslaufbahn in den Jahren 1912 und 1913 Stellvertreter des Chefs des Generalstabs der österreich-ungarischen Armee Franz Conrad von Hötzendorf und erreichte schließlich den Rang eines Feldmarschalleutnants. Zusammen mit August Urbański von Ostrymiecz, Maximilian Ronge und der Militärrichter Wenzel Vorlicek gehörte Franz Ritter Höfer von Feldsturm jener Kommission an, die auf Befehl Conrad von Hötzendorfs den Fall um Alfred Redl in aller Stille bereinigen sollte. Seit 1914, als Sektionschef im Kriegsministerium in Wien, war er Verfasser der amtlichen Heeresberichte (Höfer-Berichte). Franz Ritter Höfer von Feldsturm war der Ehemann der Schriftstellerin Irma von Höfer (Irmgard Höfer von Feldsturm), geborenen Sölch.
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24.01.1918 |
Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der österreich-ungarische Ministerpräsident Ottokar Graf von Czernin und zu Chudenitz erklärt angesichts der innenpolitischen und militärischen Lage seines Landes, dass ein Verständigungsfrieden auf der Basis der 14 Punkte des US-Präsidenten Wilson akzeptabel sei.
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Republik Finnland
Die Sozialdemokratische Partei Finnlands setzt ein neues, ausschließlich aus Radikalen bestehendes Exekutivkomitee ein, dessen Vorsitz Eero Haapalainen, ein Gewerkschafteführer aus Viipuri, übernimmt.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Keine besonderen Ereignisse:
- Großes Hauptquartier, 24. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Rege Erkundungstätigkeit unserer Infanterie brachte an vielen Stellen der Front Gefangene ein. An der Bahn Bosinghe-Staden wurden 6 Maschinengewehre erbeutet.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: In einzelnen Abschnitten Artillerietätigkeit. Südwestlich vom Dojransee scheiterte ein englischer Vorstoß.
- Italienische Front: Die Lage ist unverändert.
Reichskanzler Georg Graf von Hertling begibt sich heute in den Reichstag. Im Hauptausschuss des Reichstages hält er eine längere Rede über die auswärtige Lage, in der er unter anderem die in Präsident Woodrow Wilsons letzter Botschaft enthaltenen 14 Punkte bespricht. Er sagt unter anderem:
Der erste Punkt verlangt, es sollen keine geheimen internationalen Vereinbarungen mehr stattfinden. Meine Herren, die Geschichte lehrt, dass wir uns am ehesten mit einer weitgehenden Publizität der diplomatischen Abmachungen einverstanden erklären könnten. Ich erinnere daran, dass unser Defensivbündnis mit Österreich-Ungarn seit dem Jahre 1889 aller Welt bekannt war, während die Offensivabmachungen zwischen den feindlichen Staaten erst im Laufe des Krieges und zuletzt durch die Enthüllungen der russischen Geheimakten das Licht der Öffentlichkeit erblickten. (Sehr richtig!) Auch die Verhandlungen in Brest-Litowsk vor aller Öffentlichkeit beweisen, dass wir durchaus bereit sein könnten, auf diesen Vorschlag einzugehen und die Publizität der Verhandlungen als allgemein politischen Grundsatz zu erklären.
Im zweiten Punkt fordert Wilson Freiheit der Meere. Die vollkommene Freiheit der Schifffahrt auf dem Meer in Krieg und Frieden wird auch von Deutschland als eine der ersten und wichtigsten Zukunftsforderungen aufgestellt. Hier besteht also keine Meinungsverschiedenheit. Die von Wilson am Schlusse eingefügte Einschränkung - ich brauche sie nicht wörtlich anzuführen - ist nicht recht verständlich und scheint überflüssig, würde also am besten wegfallen. In hohem Grad aber wichtig wäre es für die Freiheit der Schifffahrt in Zukunft, wenn auf die stark befestigten Flottenstützpunkte an wichtigen internationalen Verkehrsstraßen, wie sie England in Gibraltar, Malta, Aden, Hongkong, auf den Falklandinseln und an manchen anderen Stellen unterhält, verzichtet werden könnte.
3. Beseitigung aller wirtschaftlichen Schranken. Auch wir sind mit der Beseitigung wirtschaftlicher Schranken, die den Handel in überflüssiger Weise einengen, durchaus einverstanden. Auch wir verurteilen einen Wirtschaftskrieg, der unausweichlich die Ursachen künftiger kriegerischer Verwicklungen in sich tragen würde.
4. Beschränkung der Rüstungen. Wie schon früher von uns erklärt wurde, ist der Gedanke einer Rüstungsbeschränkung durchaus diskutabel. Die Finanzlage sämtlicher europäischen Staaten nach dem Kriege dürfte einer befriedigenden Lösung den wirksamsten Vorschub leisten. (Sehr richtig!) Man sieht also, meine Herren, über die vier ersten Programmpunkte könnte man ohne Schwierigkeit zu einer Verständigung gelangen.
Ich wende mich zum 5. Punkt: Schlichtung aller kolonialen Ansprüche und Streitigkeiten. Die praktische Durchführung des von Wilson aufgestellten Grundsatzes in der Welt der Wirklichkeit wird einigen Schwierigkeiten begegnen. Jedenfalls glaube ich, dass es zunächst dem größten Kolonialreich - England - überlassen bleiben kann, wie es sich mit diesem Vorschlag seines Verbündeten abfinden will. Bei der unbedingt auch von uns geforderten Neugestaltung des "Weltkolonialbesitzes" wird von diesem Programmpunkt seinerzeit zu reden sein.
6. Räumung des russischen Gebietes. Nachdem die Entente-Staaten es abgelehnt haben, innerhalb der von Russland und den vier verbündeten Mächten vereinbarten Frist sich den Verhandlungen anzuschließen, muss ich im Namen der letzteren eine nachträgliche Einmischung ablehnen, wir stehen hier vor Fragen, die allein Russland und die vier verbündeten Mächte angehen. Ich halte an der Hoffnung fest, dass es unter Anerkennung der Selbstbestimmung der westlichen Randvölker des ehemaligen russischen Kaiserreichs gelingen wird, zu einem guten Verhältnis sowohl mit diesen als mit dem übrigen Russland zu gelangen, dem wir aufs dringendste die Rückkehr geordneter, die Ruhe und Wohlfahrt des Landes gewährleistender Zustände wünschen.
Punkt 7 kommt auf die belgische Frage. Was die belgische Frage betrifft, so ist von meinen Amtsvorgängern wiederholt erklärt worden, dass zu keiner Zeit während des Krieges die gewaltsame Angliederung Belgiens an Deutschland einen Programmpunkt der deutschen Politik gebildet habe. Die belgische Frage gehört zu dem Komplex der Fragen, deren Einzelheiten durch die Friedensverhandlungen zu ordnen sein werden. Solange unsere Gegner sich nicht rückhaltlos auf den Boden stellen, dass die Integrität des Gebiets der Verbündeten die einzige mögliche Grundlage von Friedensbesprechungen bieten kann, muss ich an dem bisher stets eingenommenen Standpunkt festhalten und eine Vorwegnahme der belgischen Angelegenheit aus der Gesamtdiskussion ablehnen.
8. Befreiung des französischen Territoriums. Die okkupierten Teile Frankreichs sind ein wertvolles Tauschpfand in unserer Hand. Auch hier bildet die gewaltsame Angliederung keinen Teil der amtlichen deutschen Politik. Die Bedingungen und Modalitäten der Räumung, die den vitalen Interessen Deutschlands Rechnung tragen müssen, sind zwischen Deutschland und Frankreich zu vereinbaren. Ich kann nur nochmals ausdrücklich betonen, dass von einer Abtretung von Reichsgebiet nie und nimmer die Rede sein kann. Das Reichsgebiet, das sich seitdem immer mehr dem Deutschtum innerlich angegliedert hat, das sich in hocherfreulicher Weise immer mehr wirtschaftlich fortentwickelt, von dem mehr als 87 Prozent die deutsche Muttersprache sprechen, werden wir uns von den Feinden unter irgendwelchen schönen Redensarten nicht wieder abnehmen lassen. (Lebhaftes Bravo!)
9., 10. und 11. Italienische Grenzen. Nationalitätenfrage der Donaumonarchie, Balkanstaaten. Was die von Wilson unter 9., 10. und 11. behandelten Fragen betrifft, so berühren sie sowohl mit den italienischen Grenzfragen als mit denen der künftigen Entwicklung der österreichisch-ungarischen Monarchie und den Fragen der Zukunft der Balkanstaaten Punkte, bei denen zum großen Teil die politischen Interessen unseres Verbündeten Österreich-Ungarn überwiegen. Wo deutsche Interessen im Spiel sind, werden wir sie aufs nachdrücklichste wahren, doch möchte ich die Beantwortung der Wilson‘schen Vorschläge in diesen Punkten in erster Linie dem Auswärtigen Minister der österreichisch-ungarischen Monarchie überlassen. Die enge Verbindung mit der verbündeten Donaumonarchie ist der Kernpunkt unserer heutigen Politik und muss die Richtlinie für die Zukunft sein. Die treue Waffenbrüderschaft, die sich im Kriege so glänzend bewährt hat, muss auch im Frieden nachwirken, und so werden wir auch unserseits alles daransetzen, daß für Österreich-Ungarn ein Frieden zustande kommt, der den berechtigten Ansprüchen Rechnung trägt.
Türkei. Ebenso möchte ich in den unter 12. von Wilson berührten Angelegenheiten, die unseren treuen, tapferen und mächtigen Bundesgenossen, die Türkei, betreffen, in keiner Weise der Stellungnahme ihrer Staatsmänner vorgreifen. Die Integrität der Türkei und die Sicherung ihrer Hauptstadt, die mit den Meerengenfragen eng zusammenhängt, sind wichtige Lebensinteressen auch des Deutschen Reiches. Unser Verbündeter kann hierin stets auf unseren nachdrücklichsten Beistand zählen.
Punkt 13 behandelt Polen. Nicht die Entente, die für Polen nur inhaltlose Worte fand und vor dem Kriege nie bei Russland für Polen eingetreten ist, sondern das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn waren es, die Polen von dem seine nationale Eigenart unterdrückenden zaristischen Regiment befreiten. So möge man es auch Deutschland, Österreich-Ungarn und Polen überlassen, sich über die zukünftige Gestaltung des Landes zu einigen. Wie die Verhandlungen und Mitteilungen des letzten Jahres beweisen, sind wir durchaus auf dem Wege hierzu.
Der letzte Punkt behandelt den Verband der Völker. Was diesen Punkt betrifft, so stehe ich, wie sich aus meiner bisherigen politischen Tätigkeit ergibt, jedem Gedanken sympathisch gegenüber, der für die Zukunft die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit von Kriegen ausschaltet und das friedliche und harmonische Zusammenarbeiten der Völker fördern will. Wenn der von Präsident Wilson angeregte Gedanke des Verbandes der Völker bei näherer Ausführung und Prüfung ergibt, dass er wirklich im Geiste vollkommener Gerechtigkeit gegen alle und vollkommener Vorurteilslosigkeit gefasst ist, so ist die kaiserliche Regierung gern bereit, wenn alle anderen schwebenden Fragen geregelt sein werden, einer Prüfung der Grundlagen eines solchen Völkerbundes nahezutreten. Meine Herren, Sie haben die Reden von Lloyd George und die Vorschläge des Präsidenten Wilson kennen gelernt. Ich muss wiederholen, was ich zu Anfang sagte: wir müssen uns nun fragen, ob aus diesen Reden und Vorschlägen uns wirklich ein ernstlicher, ehrlicher Friedenswille entgegentritt.
Sie enthalten gewisse Grundsätze für einen allgemeinen Weltfrieden, denen auch wir zustimmen, und die die Ausgangs- und Zielpunkte für Verhandlungen bilden könnten. Wo aber konkrete Fragen zur Sprache kommen, Punkte, die für uns und unsere Verbündeten von entscheidender Bedeutung sind, da ist ein Friedenswille weniger bemerkbar. Unsere Gegner wollen Deutschland nicht "vernichten", aber sie schielen begehrlich nach Teilen unserer und unserer Verbündeten Länder. Sie sprechen mit Achtung von Deutschlands Stellung, aber dazwischen dringt immer wieder die Auffassung durch, als seien wir die Schuldigen, die Buße tun und Besserung geloben müssten. So spricht immer noch der Sieger mit dem Besiegten, so spricht derjenige, der alle unsere früheren Äußerungen der Friedensbereitwilligkeit als bloße Zeichen der Schwäche deutet. Von diesem Standpunkt, von dieser Täuschung sollen sich auch die Führer der Entente zuerst losmachen. Um ihnen dies zu erleichtern, möchte ich daran erinnern, wie denn wirklich die Lage ist. Mögen sie sich gesagt sein lassen: unsere militärische Lage war niemals so günstig, wie sie jetzt ist. (Bravo!)
Unsere genialen Heerführer sehen mit unverminderter Siegeszuversicht in die Zukunft. Durch die ganze Armee, durch die Offiziere und Mannschaften geht ungebrochene Kampfesfreude. Ich erinnere an das Wort, das ich am 29. November im Hause sprach: unsere wiederholt ausgesprochene Friedensbereitschaft, der Geist der Versöhnlichkeit, der aus unseren Vorschlägen sprach, der darf kein Freibrief für die Entente sein, den Krieg immer weiter zu verlängern. Zwingen uns unsere Feinde hierzu, so haben sie die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu tragen. Wenn die Führer der feindlichen Mächte also wirklich zum Frieden geneigt sind, so mögen sie ihr Programm nochmals revidieren, oder, wie Lloyd George sagte, eine Rekonsideration eintreten lassen. Wenn sie das tun und mit neuen Vorschlägen kommen, dann werden wir sie auch ernstlich prüfen, denn unser Ziel ist kein anderes als die Wiederherstellung eines dauernden, allgemeinen Friedens. Aber dieser dauernde, allgemeine Friede ist so lange nicht möglich, als die Integrität des Deutschen Reiches, als die Sicherung seiner Lebensinteressen und die Würde unseres Vaterlandes nicht gewahrt bleiben. Bis dahin heißt es: ruhig zusammenstehen und abwarten. Im Ziele, meine Herren, sind wir alle einig (Lebhaftes Bravo!), über die Methoden und Modalitäten kann man verschiedener Meinung sein. Aber lassen wir jetzt alle diese Meinungsverschiedenheiten zurücktreten. Streiten wir nicht über Formeln, die bei dem rasenden Lauf der Weltbegebenheiten immer zu kurz kommen, und behalten wir über trennende Parteigegensätze hinaus das eine gemeinsame Ziel im Auge, das Wohl des Vaterlandes. Stehen wir zusammen, Regierung und Volk, und der Sieg wird Unser sein, ein guter Friede wird und muss kommen. Das deutsche Volk erträgt in bewundernswerter Weise die Leiden und Lasten des nun in seinem vierten Jahre währenden Krieges. Bei diesen Lasten und Leiden denke ich ganz besonders an die Leiden der kleinen Handwerker und der gering besoldeten Beamten. Aber sie alle, Männer und Frauen, wollen aufhalten und durchhalten. In politischer Reife lassen sie sich nicht von Schlagworten betören, wissen sie zu unterscheiden zwischen den Realitäten des Lebens und glückverheißenden Träumen. Ein solches Volk kann nicht untergehen. Gott ist mit uns und wird auch ferner mit uns sein. (Lebhaftes Bravo!)
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Dänemark
Kopenhagen, Ritzaus Bureau meldet: Aus Ringköbing wird gemeldet: Ein Schiffsboot mit 17 deutschen Marinesoldaten ist in Hodvig an der Westküste Jütlands angelangt. Einer der Insassen ist tot. Das Boot stammt von einem deutschen Kriegsschiff. Die Bootsinsassen sind sehr erschöpft. Sie haben vier Tage im offenen Boot zugebracht. Aus Ringköbing wurde ihnen ärztliche Hilfe gesandt. Die Leute wurden zum Strandvogt geschafft und hier mit trockenen Kleidern versehen. Einer der Schiffbrüchigen ist indessen gestorben. Unter ihnen war ein deutscher Marineoffizier. Es steht fest, dass die Leute zu einem deutschen Torpedojäger gehören, der torpediert worden oder auf eine Mine gestoßen ist. Einzelheiten fehlen noch. (Zusatz des W.T.B.: Wie wir an zuständiger Stelle erfahren, handelt es sich um die beiden Minenboote "A 73" und "A 77", die auf Minen gelaufen und gesunken sind. Infolge unsichtigen und schlechten Wetters gelang es anderen in der Nähe befindlichen Fahrzeugen, leider nur einen Teil der Besatzungen der gesunkenen Boote zu retten.)
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25.01.1918 |
Republik Finnland
Der Chefminister Finnlands Pehr Evind Svinhufvud erklärt die bis dahin privaten Schutzkorps zur regulären Armee der Regierung. Generalleutnant Carl Gustav Emil Mannerheim gibt den Befehl, die Schutzkorps in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar zu mobilisieren und die russische Garnison in Vaasa und fünf anderen Orten in Südösterbotten zu entwaffnen.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Erkundungsgefechte an der Westfront:
- Großes Hauptquartier, 25. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Zwischen Poelkapelle und der Lys, bei Lens und beiderseits der Scarpe lebte die Gefechtstätigkeit am Nachmittage auf. An verschiedenen Stellen der Front Erkundungsgefechte.
- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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26.01.1918 |
Republik Finnland / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Das Exekutivkomitee der Sozialisten Finnlands beschließt, dass die Revolution in Finnland am kommenden Tag beginnen soll. Ein von Lenin gesandter, Waffen für die „Roten Garden“ transportierender Zug verlässt Petrograd in Richtung Finnland.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Artilleriekämpfe im Westen und an der Brenta:
- Großes Hauptquartier, 26. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: An der flandrischen Front zwischen dem Blankartsee und der Lys, bei Lens und beiderseits der Scarpe von Mittag an Artilleriefeuer. Unsere Infanterie brachte von Erkundungen bei Lens, Croisilly und Epehy Gefangene zurück.
- Heeresgruppe Deutscher Kronprinz: In einzelnen Abschnitten am Oise-Aisne-Kanal, in der Champagne und auf beiden Ufern der Maas lebte die Feuertätigkeit auf. Westfälische Stoßtruppen holten nach kurzer vorbereitender Feuerwirkung aus den französischen Gräben im Walde von Avocourt 24 Gefangene und 1 Maschinengewehr. Ebenso hatte ein kühner Handstreich gegen die feindlichen Linien am Cauriereswalde vollen Erfolg. In den letzten vier Tagen wurden im Luftkampf und von der Erde aus 25 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Unsere Flieger führten erfolgreiche Angriffe gegen die französische Nordküste durch. Gute Wirkung wurde in Dünkirchen, Calais und Boulogne beobachtet. Leutnant Roeth brachte gestern innerhalb weniger Minuten drei französische Fesselballone brennend zum Absturz.
- Italienische Front: Auf der Hochfläche von Asiago und zu beiden Seiten der Brenta kam es zu lebhaften Artilleriekämpfen.
- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Wien, 26. Januar. Der Chef des Generalstabes lässt über die Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz verlautbaren: Die Artillerietätigkeit war namentlich auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden und beiderseits der Brenta sehr lebhaft.
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Osmanisches Reich
In Berlin wird bekanntgegeben, dass der vor vier Tagen havarierte türkische Panzerkreuzer SULTAN JAVUS SELIM (früher SMS GOEBEN), der auf dem Rückmarsch von dem Vorstoß nach der Insel Imbros an der Enge bei Nagara festgekommen war, in die Dardanellen eingelaufen ist.
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Deutsches Kaiserreich / Vereinigten Staaten von Amerika / Französische Republik
Die französische Presse meldet, dass US-amerikanischen Zeitungen zufolge an der amerikanischen und südafrikanischen Küste, besonders in der Nähe von Brasilien, deutsche U-Boote gesehen worden seien.
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27.01.1918 |
Ukrainische Volksrepublik
Die vor fünf Tagen gegründete von Russland unabhängige Ukrainische Volksrepublik gibt sich eine neue Flagge.
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Republik Finnland (Finnische Sozialistische Sowjet-Republik)
Im Süden Finnlands beginnen unter Sozialisten geführte Arbeiter um 23 Uhr einen Umsturzversuch, um einen sozialistischen Staat in Finnland zu errichten. Das Signal für den Beginn ist eine Rote Lampe am Turm des Gewerkschaftshauses von Helsinki, die zum Leuchten gebracht wird. Die „Rote Garde“ beginnt damit, die wichtigsten Gebäude zu besetzen. Im Nordteil des Landes können sich die Bürgerlichen, die unter dem Oberbefehl von Carl Gustav Emil Mannerheim stehen, behaupten. Die Schutzkorps der Sozialisten umfassen rund 40.000 Mitglieder, von denen aber nur 9.000 mit Gewehren ausgerüstet werden konnten. Den „Roten Garden“ gelingt es nicht, die Mitglieder des Senats festzunehmen. Drei Senatoren war es noch am Vortag gelungen, nach Österbotten zu reisen, die restlichen Mitglieder, unter ihnen Svinhufvud, können sich in Helsinki bei bürgerlichen Bewohnern verstecken. Es ist der Beginn eines Bürgerkrieges in Finnland.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Lebhafter Feuerkampf bei Asiago:
- Großes Hauptquartier, 27. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Fast an der ganzen Front blieb die Gefechtstätigkeit gering.
Bei kleineren Unternehmungen südlich von der Oise und in den oberen Vogesen südlich von Lusse wurden Gefangene eingebracht.
- Italienischer Kriegsschauplatz: Auf der Hochfläche von Asiago und östlich von der Brenta lebhafter Feuerkampf. Ein italienischer Angriff gegen den Monte Pertica scheiterte.
- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Wien, 27. Januar. Der Chef des Generalstabes lässt über die Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz verlautbaren: Auf der Hochfläche von Asiago und östlich der Brenta war die Artillerietätigkeit auch gestern sehr lebhaft. Ein feindlicher Angriff gegen unsere Stellungen auf dem Monte Pertica wurde abgewiesen.
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28.01.1918 |
Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Der Volksbeauftragte für Auswärtige Angelegenheiten Trotzki ist in der vergangenen Nacht nach Brest-Litowsk abgereist.
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Republik Finnland / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
Im Süden Finnlands gründet der Vorsitzende des gerade gewählten Rates der Volkskommissare Kullervo Akilles Manner mit seinen Genossen der Sozialdemokratischen Partei Finnlands die Finnische Sozialistische Republik, bezeichnet sich selbst als neue Regierung Finnlands und setzt das Volkskommissariat ein. Manner war Präsident des sozialistischen Mehrheitsparlaments gewesen. Die „Roten Garden“ haben inzwischen ganz Helsinki in ihrer Gewalt. In den Städten Südfinnlands begegnen den Revolutionären ebenso wenig Gegenwehr wie im Großteil der dortigen ländlichen Gebiete. Allerdings hat die „rote Regierung“ sogleich mit den Folgen eines nahezu vollständigen Streiks aller öffentlichen Beamten zu kämpfen. Die Verwaltung muss so aus Vertretern der Arbeiterschaft neu gebildet werden. Ebenso streikt das gesamte Bankwesen und stürzt damit Finnland in eine schwere Finanzkrise, in welcher es sich von heute an nur durch ständigen Nachdruck von Banknoten behelfen kann. Die Wirtschaftspolitik des Volkskommissariats ist auch überwiegend von den Bemühungen um Stabilisierung der Lage und Sicherung der Versorgung bestimmt. Als sozialistisch einzustufende Wirtschaftsreformen können im „roten“ Finnland nicht festgestellt werden. Die meisten Rotgardisten haben keinerlei militärische Ausbildung, und insbesondere Angriffsbewegungen waren mit diesem Personal sehr schwierig. Der Verteidigungskampf gelingt den Roten Garden besser, aber die Furcht vor Umkreisungsbewegungen führt oft zur vorzeitigen Aufgabe von Stellungen und kopfloser Flucht. Eine weitere Belastung für die Kriegsführung ist der Mangel an qualifizierter Führung. Von einigen russischen Freiwilligen abgesehen hat die „rote Armee“ praktisch keine ausgebildeten Offiziere. Eine funktionierende zentrale Kommandostruktur kommt nicht zustande. Die Unzufriedenheit mit der Führung drückt sich in den häufigen Wechseln der Oberbefehlshabenden aus. Ali Aaltonen hat sich bisher im Vertrauen auf die Stützung durch die russische Armee allein auf die örtlichen Kommandostrukturen der „Roten Garden“ verlassen. Er wird durch Eero Haapalainen als neuen Oberbefehlshaber ersetzt.
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Republik Finnland
Praktisch zeitgleich mit dem Beginn des sozialistischen Umsturzversuches beginnen die weißen Schutzkorps mit ihren militärischen Aktionen gegen die russischen Garnisonen, in denen sich noch 75.000 russische Soldaten in Finnland aufhalten. Die Garnisonen in Laihia, Lapua, Seinäjoki, Ylistaro, Ilmajoki, Kaskinen, Nykarleby und Jakobstad leisten nur geringen Widerstand, auch Vaasa kann von den regulären Truppen eingenommen werden. In Kristinestad und Kokkola müssen die Schutzkorps dagegen den Widerstand der von den Roten Garden unterstützten Soldaten brechen. Die aus Helsinki entkommenen Senatoren können in Vaasa eine funktionierende, verfassungsmäßige Regierung bilden, was dem „weißen“ Finnland einen unschätzbaren Legitimationsvorteil verschafft. Den Vorsitz übernimmt Heikki Renvall als Platzhalter für Svinhufvud.
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Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik / Königreich Rumänien
Nach einem Petersburger Funkspruch hat die Petersburger Regierung alle diplomatischen Beziehungen zu Rumänien abgebrochen. Die rumänische Gesandtschaft wird auf dem kürzesten Wege ins Ausland abgeschoben. Der Goldschatz Rumäniens, der in Moskau liegt, wird als unantastbar für die rumänische Oligarchie erklärt. Die Räteregierung übernimmt für die Aufbewahrung dieses Goldes und für die Übergabe an das rumänische Volk die Verantwortung. General Tscherbatschew wird als außerhalb des Gesetzes stehend erklärt.
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29.01.1918 |
Republik Finnland / Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik
- Folgende Meldung der Petersburger Telegraphenagentur wird in Stockholm veröffentlicht: In Finnland ist die Revolution des Proletariats ausgerufen worden. Der sozialdemokratische Ausschuß hat am Sonntag eine revolutionäre Erklärung veröffentlicht, in der er ankündigt, daß die Gewalt ausschließlich der Arbeiterklasse und ihren Organen gehöre. Der allgemeine Ausstand hat in Helsingfors am Montag begonnen. Der Hauptausschuß der Arbeiter hat den Belagerungszustand verhängt. Die Ordnung wird von der Roten Garde und Miliz aufrechterhalten, die staatlichen Einrichtungen befinden sich in den Händen der Roten Garde. Mitglieder der Weißen Garde und Senatoren sind verhaftet worden.
- Zur Sicherung der lebenswichtigen Eisenbahnstrecke von Keuruu über Pieksämäki nach Elisenvaara, die erst vor kurzem eingeweiht wurde, sendet Generalleutnant Mannerheim das Schutzkorps von Lapua nach Haapamäki. Die Bahnkreuzung wird kampflos eingenommen, da die roten Führer im nahen Tampere die Bedeutung des Ortes zu diesem Zeitpunkt nicht erkennen. Die weißen Truppen rücken nun entlang der Bahnlinie nach Süden vor.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Die italienischen Angriffe zwischen Asiago und Brenta gescheitert - Luftangriff auf London:
- Großes Hauptquartier, 29. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht: An verschiedenen Stellen der Front Artillerietätigkeit.
- Heeresgruppe Deutscher Kronprinz: In der Champagne entwickelten sich lebhafte örtliche Kämpfe. Beiderseits der Straße St. Hilaire – St. Souplet scheiterten am Morgen kleinere französische Angriffsunternehmungen. Unsere Stellungen zwischen den von Somme-Py und Ripont nach Südosten führenden Straßen lagen am frühen Nachmittage unter heftigstem feindlichen Feuer. Unter seinem Schutz stieß französische Infanterie mit Flammenwerfern zu starken Erkundungen gegen mehrere Stellen der Front vor. Mit schweren Verlusten wurde sie zum Teil vor unseren Hindernissen, zum Teil im Nahkampf zurückgeworfen. Einige Gefangene blieben in unserer Hand. Mehrere Flammenwerfer wurden erbeutet.
- Rege Fliegertätigkeit führte zu zahlreichen Luftkämpfen. Wir schossen gestern 13 feindliche Flugzeuge und 1. Fesselballon ab. London und Sheerneß wurden erfolgreich mit Bomben beworfen.
- Französische Flieger setzten ihre Angriffe gegen unsere Lazarette fort. Während im Monat Dezember die Lazarettanlagen von Rethel mehrfach Ziel ihrer Bombenabwürfe waren, griffen sie in den letzten Tagen die Anlagen von Labry (östlich von Conflans) an.
- Italienische Front: Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden ist von neuem heftiger Kampf entbrannt; die Italiener griffen gestern in den Abschnitten östlich von Asiago bis zur Brenta mit starken Kräften an. Am Monte Sisemol und westlich brach ihr Angriff vor den österreichisch-ungarischen Stellungen meist schon im Feuer zusammen; der Monte di Val Bella, auf dem sie vorübergehend Fuß fassen konnten, wurde ihnen im Gegenstoß wieder entrissen. Ebenso warfen unsere Verbündeten den im Gebiet des Col del Rosso sowie zwischen der Frenzelaschlucht und der Brenta anstürmenden Feind nach schweren Kämpfen zurück. Wiederholte Versuche des Feindes, örtliche Einbruchsstellen durch Einsatz seiner Reserven zu erweitern, scheiterten unter blutigen Verlusten. 10 Offiziere und 350 Mann wurden gefangen.
- Eines unserer Bombengeschwader warf in der Nacht vom 26.-27. Januar mit guter Wirkung 21000 Kilogramm Bomben auf Castelfranco, Treviso und Mestre. Große Brände waren weithin sichtbar.
- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Wien, 27. Januar. Der Chef des Generalstabes lässt über die Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz amtlich verlautbaren: Auf der Hochfläche von Asiago ging der Italiener gestern nach dreitägiger Artillerievorbereitung zum Infanterieangriff über, der zu schweren Kämpfen um den Col del Rosso und den Monte di Val Bella führte. Dank der zähen Ausdauer der tapferen Verteidiger blieben beide Höhen nach wechselvollem Ringen mit dem an Zahl stark überlegenen Gegner in unserem Besitz. Örtliche Einbruchstellen vermochte der Feind nicht zu erweitern. Im Westteil der Hochfläche brachen die italienischen Angriffe bereits in unserem Abwehrfeuer zusammen. Bisher wurden 10 Offiziere und 350 Mann gefangen eingebracht.
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Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Heftiger Artilleriekampf am Col del Rosso:
- Großes Hauptquartier, 28. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Nördlich von Becelaere wurden bei einem Erkundungsvorstoß 17 Engländer, darunter 1 Offizier, gefangen. Die Artillerietätigkeit war fast an der ganzen Front gering, lebhafter an einzelnen Stellen in der Champagne und im Maasgebiet.
- Italienische Front: Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden dauerten seit gestern nachmittag Artilleriekämpfe an, die sich bei Tagesanbruch im Gebiet des Col del Rosso zu größter Heftigkeit steigerten.
- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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Königreich Italien / Österreichisch-Ungarische Monarchie
- Zwischen Asiago und der Brenta sind mit italienischen Angriffen heftige Kämpfe entbrannt.
- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes der Österreichisch-Ungarischen Monarchie teilt in Wien mit: Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden steigerten sich die Artilleriekämpfe zeitweise zu größter Heftigkeit. Kämpfe bei St. Hilaire.
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Osmanisches Reich
Konstantinopel, 29. Januar. Türkischer Heeresbericht:
- An den Dardanellen wurde durch Geschützfeuer der Dardanellenbatterien das englische Unterseeboot "E 14" bei Kum Kale versenkt. 7 Mann wurden gerettet. Einem zweiten englischen Unterseeboot "E 82" wurde bei Nagara das Sehrohr abgeschossen und dann ein großer Ölfleck beobachtet, so daß auch dieses Boot mit ziemlicher Sicherheit als vernichtet gelten kann. Durch Maschinengewehrfeuer wurde ein englisches Wasserflugzeug (System Shore) bei Nagara zum Landen gezwungen. Die Besatzung ist gefangen, das Flugzeug unversehrt geborgen.
- An den übrigen Fronten ist die Lage unverändert.
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30.01.1918 |
Deutsches Kaiserreich
Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Der Col del Rosso in den Händen der Italiener:
- Großes Hauptquartier, 30. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: An verschiedenen Stellen der Front Artillerie- und Minenwerferkampf. Die Infanterietätigkeit blieb auf Erkundungsgefechte beschränkt. Unsere Flieger führten erfolgreiche Angriffe auf England und die französische Nordküste durch. London und Southend, sowie Dünkirchen, Gravelines und Calais wurden mit Bomben beworfen. Im Luftkampf wurden gestern 8 feindliche Flugzeuge und 2 Fesselballone abgeschossen.
- Östlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues.
- Mazedonische Front: Der Vorstoß feindlicher Kompagnien gegen bulgarische Feldwachstellungen nordöstlich vom Dojransee wurde abgewiesen.
- Italienische Front: Auf der Hochfläche von Asiago haben die Italiener mit starken Kräften ihre Angriffe fortgesetzt. Im Gebiet des Monte Sisemol sind sie unter schweren Verlusten gescheitert. Der Monte di Val Bella und Col del Rosso blieben nach hartem Kampf in Händen des Feindes.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes der Österreichisch-Ungarischen Monarchie lässt in Wien amtlich verlautbaren: Die schweren Kämpfe auf der Hochfläche von Asiago dauern an. Südwestlich von Asiago und im Gebiete des Monte Sisemol scheiterten alle italienischen Angriffe unter großen blutigen Verlusten. Der Monte di Val Bella und der Col del Rosso mußten nach heldenmütigster Verteidigung und zähem Ringen den an Zahl immer stärker herangeführten feindlichen Kräften überlassen werden.
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31.01.1918 |
Republik Finnland
Ganz Südösterbotten steht unter „weißer“ Kontrolle. Dabei wurden 8000 Gewehre sowie schwere Bewaffnung erbeutet, sodass in der Folge eine wesentlich effektivere Kriegsführung für die regulären Truppen Finnlands möglich sein wird.
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Deutsches Kaiserreich
- Die deutsche Zivilbevölkerung leidet stark unter der schlechten Lebensmittelversorgung, der Heranziehung zum Arbeitsdienst und oft unwürdigen Arbeitsbedingungen. Ihre Bereitschaft, Hunger, Entbehrungen und staatliche Repressionen in Kauf zu nehmen, sinkt entsprechend der nachlassenden Kriegsbegeisterung durch das Ausbleiben militärischer Erfolge im Laufe der Kriegsjahre rapide. So kommt es erstmals seit Kriegsbeginn 1914 zu einem politischen Massenstreik, dem sich im ganzen Deutschen Reich rund eine Millionen Menschen anschlossen. Ihre Hauptforderung lautete "Frieden und Brot!" Eine weitere Forderung ist der Verzicht auf die annexionistische Verhandlungsführung der Mittelmächte in Brest-Litowsk. Der Aufruf zum Streik erfolgt durch den Spartakusbund und ihm nahestehender Metallarbeiter. Dementsprechend treten zuerst Arbeiter aus der Rüstungs- und Munitionsindustrie in den Streik, andere Branchen folgen. Allein in Berlin werden über 400.000 Demonstranten gezählt, die einen 414-köpfigen Groß-Berliner-Arbeiterrat wählten, der im Gewerkschaftshaus tagt und einen aus elf Mitgliedern bestehenden Aktionsausschuss bildet. Den Vorsitz des Ausschusses übernimmt Richard Müller, ein führender Kopf der Revolutionären Obleute. Dem Aktionsausschuss gehören außerdem die Führer der beiden großen sozialdemokratischen Parteien an: Philipp Scheidemann, Friedrich Ebert und Otto Braun von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) sowie Wilhelm Dittmann, Georg Ledebour und Hugo Haase von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD). Um nicht ihren eigenen Einfluss auf die Arbeiter zu verlieren, ist besonders der SPD daran gelegen, die Streikführung nicht allein dem Spartakusbund zu überlassen. Durch die Teilnahme an der Streikleitung belastet die SPD aber ihr Verhältnis zu den anderen Parteien im Reichstag nachhaltig. Vor allem die politische Rechte wirft durch Verbreitung der Dolchstoßlegende nach Kriegsende der sozialdemokratischen Führung vor, mit ihrem Verhalten der kämpfenden Truppe in den Rücken gefallen zu sein. Nachdem sich der Streik in Berlin, Hamburg, München und anderen Großstädten sowie im Ruhrgebiet ausgedehnt hat, wird der verschärfte Belagerungszustand über Berlin verhängt, da die Regierung und das Militär einen Aufstand in der Hauptstadt befürchten. In der Folge werden Demonstrationen und Kundgebungen gewaltsam aufgelöst, wobei es Tote und Verletzte gibt. Bestreikte Großbetriebe unterstehen ab sofort der militärischen Kontrolle. Den Streikenden wird eine Frist bis zum 4. Februar 1918 gesetzt. Bis dahin müssen sie ihre Arbeit wieder aufnehmen, andernfalls drohen ihnen Verhaftung oder Einberufung zum Kriegsdienst.
- Der Erste Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung des Deutschen Kaiserreiches Erich Ludendorff verkündet folgenden Heeresbericht unter der Überschrift Luftangriff auf Paris:
- Großes Hauptquartier, 31. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz: Die Gefechtstätigkeit blieb auf Artillerie- und Minenwerferkämpfe an verschiedenen Stellen der Front beschränkt.
- Am Weihnachtsabend und im Laufe des Januar haben Flieger unserer Gegner trotz unserer Warnungen wieder offene deutsche Städte weit außerhalb des Operationsgebiets angegriffen. Dank unserer Abwehrmaßnahmen traten nennenswerte Verluste und Schäden nicht ein. Zur Strafe wurde die Stadt Paris im ersten planmäßigen Luftangriff in der Nacht vom 30. zum 31. Januar mit 14.000 Kilogramm Bomben belegt.
- Italienische Front: Südwestlich von Asiago scheiterte ein italienischer Angriff im Feuer. Zwischen Asiago und der Brenta blieb die Artillerietätigkeit rege. Die Zahl der von den österreichisch-ungarischen Truppen in den letzten Kämpfen gemachten Gefangenen hat sich auf 15 Offiziere und 650 Mann erhöht.
- Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
Der Chef des Generalstabes der Österreichisch-Ungarischen Monarchie lässt in Wien amtlich verlautbaren: Südwestlich von Asiago wurde ein feindlicher Vorstoß abgewiesen. Auf dem Ostteil der Hochfläche von Asiago blieb die Gefechtstätigkeit auf lebhafte Artilleriekämpfe beschränkt. Die Zahl der in den letzten Kämpfen eingebrachten Gefangenen hat sich auf 15 Offiziere und 660 Mann erhöht.
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Deutsches Reich / Französische Republik
- Paris, 31. Januar. (Amtlich.) Ein Angriff feindlicher Flugzeuge auf Paris hat in der letzten Nacht stattgefunden. Gegen 11 Uhr 30 Minuten wurde Alarm geblasen, Bomben wurden an verschiedenen Stellen des Pariser Häusermeeres abgeworfen. Man meldet Sachschaden und Todesfälle. Vollständigere Mitteilungen werden veröffentlicht werden, sobald verbürgte Nachrichten eintreffen. Um 11 Uhr 35 Minuten nachts griffen die Abwehrgeschütze die feindlichen Flugzeuge in der nördlichen Gegend von Paris kräftig an. Um 11 Uhr 55 Minuten wurde gemeldet, daß eine Bombe auf ein Haus gefallen sei, das ziemlich ernstlich beschädigt worden sei. Zahlreiche Fensterscheiben in benachbarten Häusern wurden zerbrochen. Etwas später wurde der Abwurf mehrerer anderer Bomben gemeldet.
- Paris, 31. Januar. (Meldung der Agence Havas.) Amtlich wird gemeldet: Vier feindliche Geschwader überflogen unsere Linien nördlich von Compiègne und erreichten Paris. Sie flogen wegen des klaren Himmels in sehr großer Höhe und näherten sich so dem Bezirk von Paris von Osten her, wobei sie nacheinander Bomben auf verschiedene Gemeinden der Pariser Bannmeile abwarfen. Hierauf überflogen sie Paris hauptsächlich auf dem rechten Ufer, wo sie in wenigen Augenblicken nahezu ihre sämtlichen Bomben abwarfen. Sie vernichteten dabei ziemlich viele Menschenleben; 36 Tote, darunter 22 in Paris und 14 in der nächsten Umgebung, 190 Verwundete, davon 114 in Paris und 76 in der nächsten Umgebung, waren die Opfer dieses feindlichen Angriffes, unter ihnen eine große Anzahl Frauen und Kinder. Drei Hospitäler wurden von Bomben getroffen, und in einem von ihnen brach ein Brand aus.
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1918 |
EREIGNISSE DES JAHRES OHNE GENAUE DATUMSANGABE
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Dominion of New Zealand / Kolonie Deutsch-Samoa
Nachdem auf Befehl eines neuseeländischen Militärbefehlshabers in Apia ein Quarantäneschiff anlegte, wird die Spanische Grippe nach Samoa eingeschleppt, wodurch ein Drittel der westsamoischen Bevölkerung stirbt. Die deutsche Kolonie Samoa ist seit 1914 von neuseeländischen Truppen besetzt.
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Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
Für die Zion’s Watch Tower Bible and Tract Society (Wachtturm-Bibel- und Traktatgesellschaft) gilt dieses Jahr als Termin für die vollständige Wiederaufrichtung des Königreiches Gottes. Zugleich ist es der revidierte Termin für die Auferstehung „gesalbter“, seit den Tagen Christi verstorbener Christen, in den Himmel. Diese Vorhersage der „Zeugen Jehovas“ findet wie auch alle vorherigen nicht statt, wird aber von Millionen Menschen zur Kenntnis genommen.
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