Chronik 05.1928: Unterschied zwischen den Versionen

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''Ich schlug vor, eine Expedition zum Franz-Joseph-Land vorzubereiten, weil die Möglichkeit besteht, dass ein beschädigtes Luftschiff schon eine längere Zeit in der Luft driftet wie ein Ballon. Ich erklärte mich bereit, an einer solchen Expedition teilzunehmen, falls dies erforderlich werde. Da wir nicht wissen, ob die Besatzung bereits Versorgungsprobleme hat, ist jede Stunde wertvoll. Die anderen Teilnehmer hatten nichts gegen meinen Vorschlag, so dass mich der Verteidigungsminister ersuchte, den italienischen Botschafter aufzusuchen und sich ihm zur Verfügung zu halten. <br>
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''Ich schlug vor, eine Expedition zum Franz-Joseph-Land vorzubereiten, weil die Möglichkeit besteht, dass ein beschädigtes Luftschiff schon eine längere Zeit in der Luft driftet wie ein Ballon. Ich erklärte mich bereit, an einer solchen Expedition teilzunehmen, falls dies erforderlich werde. Da wir nicht wissen, ob die Besatzung bereits Versorgungsprobleme hat, ist jede Stunde wertvoll. Die anderen Teilnehmer hatten nichts gegen meinen Vorschlag, so dass mich der Verteidigungsminister ersuchte, den italienischen Botschafter aufzusuchen und sich ihm zur Verfügung zu halten.'' <br>
Lieutenant Commander Oestbye und ich fuhren direkt zum italienischen Botschafter, der uns bereits erwartete. Ich wiederholte meinen Vorschlag mit dem Zusatz, dass die erbetenen Dornier-Flugzeuge schneller in Deutschland akquiriert werden könnten. Der gesamte Plan wurde sofort nach Rom übermittelt. <br>
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''Lieutenant Commander Oestbye und ich fuhren direkt zum italienischen Botschafter, der uns bereits erwartete. Ich wiederholte meinen Vorschlag mit dem Zusatz, dass die erbetenen Dornier-Flugzeuge schneller in Deutschland akquiriert werden könnten. Der gesamte Plan wurde sofort nach Rom übermittelt.'' <br>
Nach dem Treffen hatte ich ein Telefonat mit dem First Lieutenant Lützow-Holm, der mit meinem Vorschlag einverstanden war und ihm nachkommen wolle. Ich begann anschließend mit verschiedenen Vorbereitungen. Die Rettungs-Expedition muss so vorbereitet werden, dass es nicht notwendig wird, eine zweite Rettungs-Expedition zu entsenden, die die erste retten muss. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein oder mehr Hunde-Teams mitzunehmen, die von den Flugzeugen aus in das Suchgebiet gebracht werden können. Diese Teams können auch längere Zeit auf sich allein gestellt sein.''
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''Nach dem Treffen hatte ich ein Telefonat mit dem First Lieutenant Lützow-Holm, der mit meinem Vorschlag einverstanden war und ihm nachkommen wolle. Ich begann anschließend mit verschiedenen Vorbereitungen. Die Rettungs-Expedition muss so vorbereitet werden, dass es nicht notwendig wird, eine zweite Rettungs-Expedition zu entsenden, die die erste retten muss. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein oder mehr Hunde-Teams mitzunehmen, die von den Flugzeugen aus in das Suchgebiet gebracht werden können. Diese Teams können auch längere Zeit auf sich allein gestellt sein.''
 
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Einer Bitte des norwegischen Verteidigungsministeriums nachkommend, bittet der Gouverneur von Svalbard, der Hauptstadt Spitzbergens, Sysselman, die "Store Norske Spitsbergen Kulkompani" um ein Team mit Hundeschlitten, das sich auf die Suche nach der ITALIA machen soll. Die Firma schreibt zurück, dass ein solches Team mit zehn Hunden zur Verfügung steht und einsatzfähig sei. Rolf Tandberg ist der Führer und der Fallensteller Hilmar Nöis sein Begleiter. Beide kennen sich im Eis sehr gut aus. Die Hunde dieses Teams sind Abkömmlinge der Hunde "Storm" und "Lucie", die Captain Amundsen 1913 einsetzte, um eine Expedition auszurüsten, die nach der verschollenen deutschen Schröder-Stranz-Expedition suchte. Das Paar bekam sechs Junge, von denen fünf Captain Amundsen an die Telegraphenstation Green Harbour weitergab. Die Abkömmlinge dieser fünf leben nun verteilt in ganz Svalbard. <br>
 
Einer Bitte des norwegischen Verteidigungsministeriums nachkommend, bittet der Gouverneur von Svalbard, der Hauptstadt Spitzbergens, Sysselman, die "Store Norske Spitsbergen Kulkompani" um ein Team mit Hundeschlitten, das sich auf die Suche nach der ITALIA machen soll. Die Firma schreibt zurück, dass ein solches Team mit zehn Hunden zur Verfügung steht und einsatzfähig sei. Rolf Tandberg ist der Führer und der Fallensteller Hilmar Nöis sein Begleiter. Beide kennen sich im Eis sehr gut aus. Die Hunde dieses Teams sind Abkömmlinge der Hunde "Storm" und "Lucie", die Captain Amundsen 1913 einsetzte, um eine Expedition auszurüsten, die nach der verschollenen deutschen Schröder-Stranz-Expedition suchte. Das Paar bekam sechs Junge, von denen fünf Captain Amundsen an die Telegraphenstation Green Harbour weitergab. Die Abkömmlinge dieser fünf leben nun verteilt in ganz Svalbard. <br>

Version vom 13. Januar 2017, 07:16 Uhr

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DIE EREIGNISSE IM MAI 1928



DIE SCHLAGZEILEN DES MONATS


Das italienische Luftschiff ITALIA erleidet eine Havarie im Eismeer

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Ereignis
Fortlaufende Ereignisse
02.05.1928
Deutschland.gif
Deutsches Reich

Das Reichsgericht lehnt den Antrag von Reichsinnenminister Walter von Keudell (* 1884) von der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) ab, den kommunistischen "Roten Frontkämpferbund" zu verbieten. Die DNVP hält gegenwärtig 20,5 Prozent der Reichstagssitze, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 8,9 Prozent.

03.05.1928
50px Deutschland.gif Schweden.gif Finnland 1918-1978.gif
Königreich Italien / Deutsches Reich / Königreich Schweden / Republik Finnland

Nach einem zweiwöchigen Reparaturaufenthalt im deutschen Luftschiffhafen Seddin bei Stolp startet das italienische Luftschiff ITALIA unter dem Kommando von General Umberto Nobile, das sich auf eine Expedition des Nordpols vorbereitet, um 0328 Uhr in Richtung Spitzbergen. Die Besatzung wurde inzwischen von 20 auf 18 reduziert. Das Luftschiff ist auf dem Kurs nach Stockholm, es weht ein starker Wind aus Nord. Alles an Bord ist in gutem Zustand inklusive der wissenschaftlichen Instrumente, die nunmehr im Endzustand installiert worden sind. Im Falle einer Notlandung über der Barentssee würde ein mitgeführtes Gummiboot zur Rettungsinsel für die Besatzung werden. Zusätzlich zum normalen Proviant sind auch 150 kg Pemmikan (ein haltbarer Dauerproviant nordamerikanischer Indianer aus getrocknetem Fleisch und Fett), Schokolade und Biskuit für einen Monat sowie ein paar Gewehrbüchsen und Munition, die immerhin 30 kg wiegen. Als ITALIA Stolp verlässt, hat sie 5740 kg Benzin und Öl an Bord, was für 70 Stunden Flug bei einer normalen Geschwindigkeit von 80 km/h ausreicht. Die ITALIA legt die 656 Kilometer nach Stockholm in siebeneinhalb Stunden zurück und kommt dort um 11 Uhr bei strahlendem Sonnenschein an. Scheinbar die ganze Stadt ist auf den Straßen, um das Luftschiff zu sehen, das von Karlskrona über Landsort, Nynäshamn, Dalarö und Saltsjöbaden einfliegt. Über Nynäshamn kommt es zu einer Begegnung mit drei Flugzeugen mit Fotografen, Reportern und Künstlern an Bord. Die ITALIA passiert die Altstadt von Stockholm und fliegt weiter in Richtung Kungsholmen und Bromma. Immer mehr Flugzeuge mit Fotografen steigen auf, die das Luftschiff aus allen möglichen Positionen fotografieren, einige von ihnen gehören zur Königlich-Schwedischen Marine und sind in Hägernes stationiert. Einer dieser Piloten ist Lieutenant Einar Christell. Als die ITALIA Äppelviken überfährt, sinkt sie auf 100 Meter Höhe ab, um über einem Haus in Dalstigen zu kreisen, das Anna Malmgren, der Mutter des Expeditions-Meteorologen Finn Malmgren gehört. Eine Nachricht wird abgeworfen, die die Mutter allerdings nicht erreicht, da diese sich nach Stockholm aufgemacht hat, um dort das Luftschiff zu beobachten. Als sie nach Hause kommt, findet sie eine Nachricht, in einer Flagge eingewickelt: „Liebe Mutter, wenn Du dies erhältst, sende es bitte sofort per Expresstelegramm weiter: VAERVARSLINGA TROMSÖ AFTER 14 MET PLEASE TRY 1400 M STOP WE ANSWER ON 900 POSITION AT 11 O’CLOCK STOCKHOLM GREETINGS/MALMGREN. Außerdem geht es uns sehr gut und die Reise hat sehr gut begonnen. Herzliche Grüße/Finn.“ Von Bromma aus setzt die ITALIA ab 12 Uhr ihren Flug nach Norden fort. Ein paar Stunden später drückt ein starker Wind das Luftschiff nach Osten, so dass es über Vasa in Finnland ankommt. Der Flug geht weiter in Richtung Rovaniemi.

04.05.1928
50px Schweden.gif Finnland 1918-1978.gif
Königreich Italien / Königreich Schweden / Republik Finnland

Das italienische Luftschiff ITALIA unter dem Kommando von Umberto Nobile überfliegt um 0149 Uhr die finnische Stadt Rovaniemi. Anschließend ereignen sich weitere Schwierigkeiten in der Expedition. Ein Wetterbericht von Geophysikalischen Institut in Tromsö erreicht die ITALIA: „Ein Tief zwischen der Bäreninsel und Spitsbergen zieht weiter ostwärts. Der Druck fällt hinter einer Front, die jetzt zwischen Spitsbergen, Jan Mayen und Grönland liegt. Der Wind weht aus Nord-Nordwest im der Stärke 5. Je weiter die Fahrt nach Norden geht, umso mehr besteht die Chance von Winden aus dem Osten und Westen, die aber nicht signifikant sind.“ Um Kursabweichungen aufgrund des Windes minimal zu halten, wird ein dritter Motor zugeschaltet. Teilweise fliegt das Luftschiff durch Nebel ohne Sicht. Über dem offenen Meer lichtet sich der Nebel und die Besatzung kann die kleine Basis Vadsö in der norwegischen Provinz Finnmark ausmachen, die mit einem Luftschiff-Mast ausgerüstet ist. Nobile entscheidet, die Reisegeschwindigkeit zu erhöhen, um die vorteilhaften Möglichkeiten der Zwischenlandung zu nutzen. Vadsö ist Nobile bekannt, da er bereits auf der Fahrt der NORGE zwei Jahre zuvor hier ebenfalls ankerte. 15 Minuten nach der Sichtung der Basis ankert das Luftschiff nach mehreren schwierigen Manövern um 0855 Uhr am Mast, als eine Windböe das Schiff gegen den Mast drückt, was leichte Beschädigungen bei der Lenkung verursacht. Nach ein paar Stunden ist der Schaden wieder behoben. Inzwischen werden Windböen bis zu 55 km/h gemessen, die das Luftschiff unkontrolliert hin- und herbewegen, so dass die Offiziere entscheiden, zwei Turbinen anzuwerfen, die die Belastung des Ankermastes durch das Luftschiff reduzieren sollen.

05.05.1928
50px Norwegen.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen

Das italienische Luftschiff ITALIA, das seit gestern Morgen am Mast der Basis Vadsö in der norwegischen Finnmark ankert, hat eine stürmische Nacht bei ansteigenden Temperaturen verbracht. Inzwischen ist der Schneefall in Regen gewechselt, der an den Seiten des Luftschiffes herunterläuft und die Gondel und jedermann, der sich darin befindet, in kurzer Zeit durchnässt. Da sich die Wetterbedingungen über der Barentssee verbessern, mahnt der Bordmeteorologe Finn Malmgren einen schnellen Start an. Um 2034 Uhr verlässt die ITALIA die Basis Vadsö mit 19 Mann Besatzung, da sich ein Mann vom Bodenteam entschlossen hat, die Expedition zu begleiten. Das Schiff verfügt noch über 6175 kg Benzin, was ausreichen würde, um das Schiff bei starkem Gegenwind mit 60 km/h bis nach King's Bay zu bringen. Der erste Teil der Reise führt über die Bäreninsel und der schwedische Meteorologe und stellvertretende Kommandant der Mission Finn Malmgren sagt für den weiteren Flug gute Wetterbedingungen voraus. Nur noch etwas Nebel und etwas Schnee sorgen für leichte Aufregung.

06.05.1928
50px Norwegen.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen

Um 0430 Uhr erreicht das italienische Luftschiff ITALIA die Bäreninsel, die auf halbem Weg zwischen dem norwegischen Festland und Svalbard (Spitzbergen) liegt. Anschließend verschlechtert sich das Wetter rapide: Statt der gemeldeten Winde aus Nord wird das Luftschiff von dem Ausläufer eines Tiefdruckgebietes erreicht und kann nur gesteuert werden, indem es sich seitlich zu seinem Zielort bewegt. Nachdem sich das Luftschiff auf diese Weise nach Spitzbergen vorarbeitete und seine Position radiogoniometrisch bestimmte, sichtet die Besatzung die westlich vorgelagerte langgestreckte Insel Prins-Karls-Forland und bringt das Schiff auf einen Kurs zum Eingang des Kongsfjords, wo das nächste Ziel Ny-Aalesund ist. Als die ITALIA um 1122 den Kongsfjord erreicht, scheint die Sonne und das Wetter klart auf, obwohl es noch sehr windig ist. Nur eine halbe Stunde später muss die ITALIA in einem Zick-Zack-Kurs in den Fjord hinein fahren, da der Wind wieder zu einem Sturm angewachsen ist. Der Mast und der inzwischen aufgestellte Hangar warten auf das Schiff. Die ITALIA muss mit dem endgültigen Anlegen warten, bis der Wind etwas mehr abgeflaut ist. Nach ein paar Stunden gelingt es der Besatzung, das Luftschiff in dem Hangar in Sicherheit vor dem Wetter zu bringen. Hierzu wurde ein Kabel vom Luftschiff auf die im Hafen wartende "Città di Milano" heruntergelassen. Das Versorgungsschiff, das ein ehemaliger deutscher Kabelleger ist, zieht die ITALIA sicher nach unten. Im Hafen befindet sich außerdem das von General Umberto Nobile gecharterte Segelschiff "Hobby". Die ITALIA hat auf der letzten Etappe vor Spitzbergen in 15,5 Stunden 1333 Kilometer zurückgelegt. Von Stolp bis hierher waren es 3520 Kilometer.

07.05.1928
50px
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland

In Großbritannien erhalten Frauen, die das 21. Lebensjahr vollendet haben, das aktive und das passive Wahlrecht. Frauen sind damit den Männern gleichgestellt. Bislang durften nur Frauen wählen, die über 30 Jahre alt sind.

11.05.1928
50px Norwegen.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen

Das Luftschiff ITALIA startet unter dem Kommando von General Umberto Nobile startet von Ny-Aalesund, einem kleinen Ort auf der norwegigischen Insel Spitzbergen im Verwaltungsbezirk Svalbard mit dem Ziel, den Norden Sibiriens und die Taimyr-Halbinsel, genannt "Nikolaus-II.-Land", zu erkunden. Wegen des unplanmäßigen Aufenthalts in Stolp hängt die Nobile-Expedition etwa zwei Wochen hinter dem Zeitplan zurück, da das Wetter zwei Wochen zuvor weniger wechselhaft, dafür aber sonnig und kalt ist. Gerade heute jedoch steigt die Lufttemperatur von minus 10 Grad Celsius bis über den Gefrierpunkt, was die Nutzlast des Luftschiffes deutlich reduziert. General Nobile sieht sich gezwungen, einige hundert Kilo Treibstoff aus den Tanks abzupumpen und die Anzahl der Crewmitglieder zu reduzieren. Da alle Techniker an Bord gebraucht werden, müssen einige der Wissenschaftler in Svalbard zurückbleiben. Ein paar Stunden nach dem Start gerät die ITALIA in einen Schneesturm und kehrt nach Ny-Aalesund, das bis 1925 King's Bay hieß, zurück, da der fallende Schnee in dieser Menge eine Gefahr für die Hülle des Luftschiffes darstellt.

11.05.1928
50px New York.gif
Vereinigte Staaten von Amerika (New York)

In New York wird das erste Fernsehprogramm nach einem regulären Zeitplan ausgestrahlt. Es soll dienstags, donnerstags und freitags jeweils eine halbe Stunde gesendet werden.

12.05.1928
Deutschland.gif 50px
Deutsches Reich / Freistaat Preußen

Die Internationale Pressausstellung "Pressa", die größte Schau ihrer Art, wird in Köln eröffnet.

15.05.1928
50px Norwegen.gif UdSSR 1923-1955.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen / Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Die italienische Nordpolarexpedition mit dem Luftschiff ITALIA unter dem Kommando von General Umberto Nobile unternimmt einen neuen Anlauf zur Erkundung des "Nikolaus-II.-Land" auf der Taimyr-Halbinsel im Norden Sibiriens. Wie schon bei dem Versuch vor vier Tagen müssen aus Gewichtsgründen wieder Wissenschaftler zurückbleiben. Dem Druck der in Svalberg anwesenden Presseleute, einen ihrer Kollegen auf die Fahrt mitzunehmen, kann Nobile nicht weiter widerstehen. Der Start und die anschließende Fahrt verlaufen ohne neue Probleme.

17.05.1928
50px Norwegen.gif UdSSR 1923-1955.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen / Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Das italienische Luftschiff ITALIA erreicht die 1600 Kilometer vom Ausgangspunkt entfernte Inselgruppe Sewernaja Semlja. Der Plan, das Ziel "Nikolaus-II.-Land" zu erreichen, wird aufgegeben, da infolge des unerwarteten Gegenwindes Treibstoff gespart werden muss.

19.05.1928
50px Norwegen.gif UdSSR 1923-1955.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen / Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Nach 69 Stunden Fahrt kehrt das italienische Luftschiff ITALIA unter dem Kommando von General Umberto Nobile von seiner erfolgreichen Forschungsfahrt über das Franz-Josef-Land nach einer Reise von 3800 Kilometer Länge und der Kartografierung von 48.000 Quadratkilometern Fläche nach Ny-Aalesund auf Spitzbergen zurück. Den Wissenschaftlern an Bord gelang es, große Mengen meteorologischer Daten, besonders über die mutmaßliche Beschaffung des Eises, zu sammeln. Außerdem werden Beobachtungen über den Zustand des Erdmagnetismus in verschiedenen Höhen angestellt sowie die Ionendichte der Luft, die Radioaktivität und die Kosmische Strahlung gemessen. Wegen des widrigen Wetters wurde von einer Zwischenlandung abgesehen. Unverzüglich nach der Landung in King's Bay beginnen die Vorbereitungen für die Fahrt des Luftschiffes zum Nordpol, die in vier Tagen beginnen soll.

20.05.1928
Türkei.gif
Republik Türkei

In der Türkei werden die in Europa gebräuchlichen Ziffern eingeführt.

20.05.1928
Deutschland.gif
Deutsches Reich

Bei den Reichstagswahlen müssen die gemäßigten bürgerlichen Parteien sowie die rechtsgerichtete Deutsch-Nationale Volksparteil (DNVP) zum Teil erhebliche Verluste hinnehmen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) gewinnt 22 Mandate hinzu, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) neun.

Ergebnis der Wahl zum 4. Deutschen Reichstag
Rang Partei Stimmen in % Änderung Sitze Änderung
1 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 9.152.979 29,8 % + 3,8 % 153 + 22
2 Deutschnationale Volkspartei (DNVP) 4.381.563 14,3 % - 6,2 % 73 - 30
3 Deutsche Zentrumspartei (Zentrum) 3.712.152 12,1 % - 1,5 % 61 - 8
4 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 3.264.793 10,6 % + 1,7 % 54 + 9
5 Deutsche Volkspartei (DVP) 2.679.703 8,7 % - 1,4 % 45 - 6
6 Deutsche Demokratische Partei (DDP) 1.505.664 4,9 % - 1,4 % 25 - 7
7 Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) 1.397.129 4,5 % + 1,3 % 23 + 6
8 Bayerische Volkspartei (BVP) 945.644 3,1 % - 0,6 % 17 - 2
9 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbewegung) 810.127 2,6 % - 0,4 % 12 - 2
10 Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei 777.403 2,5 % - 13 + 13
11 Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (Volksrechtpartei) 483.181 1,6 % - 2 + 2
12 Deutsche Bauernpartei (DBP) 481.254 1,6 % - 8 + 3
14 Landbund 199.548 0,7 % - 0,9 % 3 - 5
15 Sächsisches Landvolk 127.700 0,4 % - 2 + 2
16 Christliche Reichspartei 110.704 0,4 % - 0 0
17 Linke Kommunisten 80.405 0,3 % - 0 0
18 Nationale Minderheiten Deutschlands 71.169 0,2 % - 0 0
19 Alte Sozialdemokratische Partei Deutschlands 65.775 0,2 % - 0 0
20 Evangelische Volksgemeinschaft (Evangelische Partei Deutschlands) 52.488 0,2 % - 0 0
21 Deutschsoziale Partei (Richard Kunze) 46.047 0,2 % - 0 0
22 Volksblock der Inflationsgeschädigten (Allgemeine Volkspartei) 37.373 0,1 % - 0 0
23 Deutsche Haus- und Grundbesitzerpartei 35.846 0,1 % - 0 0
24 Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) 20.815 0,1 % - 0 0
25 Evangelischer Volksdienst (Evangelische Gesinnungsgemeinschaft) 10.709 0,0 % - 0 0
26 Aufwertungs- und Aufbaupartei 7.532 0,0 % - 0 0
27 Deutscher Reichsblock der Geschädigten 7.437 0,0 % - 0 0
28 Reichspartei für Handwerk, Handel und Gewerbe 6.614 0,0 % - 0 0
29 Volkswohlfahrtspartei (Unpolitische Liste) 6.071 0,0 % - 0 0
30 Fränkisches Landvolk 3.417 0,0 % - 0 0
31 Partei für Recht und Mieterschutz 2.831 0,0 % - 0 0
32 Aufwertungs- und Aufbaupartei 1.030 0,0 % - 0 0
33 deutsch-kristliche (mittelstands-) folkspartei 901 0,0 % - 0 0
34 Lebensinteressen der Ledigen 873 0,0 % - 0 0
ungültige Stimmen 412.542 1,3 % - 2
Gültige Stimmen 30.753.247 491 - 2
Wahlberechtigte 41.224.678 - 2
Wahlbeteiligung 75,6 % - 2
23.05.1928
50px Norwegen.gif Dänemark.gif Tschechien.gif Schweden.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen / Königreich Dänemark (Grönland) / Tschechoslowakische Republik / Königreich Schweden

Das Luftschiff ITALIA unter dem Kommando von General Umberto Nobile startet von Ny-Aalesund in Richtung Nordpol. An Bord des Luftschiffes befinden sich 16 Besatzungsmitglieder und ein Hund:

  • General Umberto Nobile, 43 Jahre alt, Expeditionsleiter
  • Korvettenkapitän Adalberto Mariano, 30, Erster Offizier
  • Korvettenkapitän Filippo Zappi, 31, Steuermann
  • Leutnant Alfredo Viglieri, 28, Steuermann
  • Felice Trojani, 31, Ingenieur
  • Natale Cecioni, 40, leitender Techniker
  • Unterleutnant Ettore Arduino, 38, Leitender Maschinist
  • Wachtmeister Attilio Caratti, 33, Maschinist
  • Vincenzo Pomella, 30, Maschinist
  • Calisto Ciocca, 31, Maschinist
  • Renato Alessandrini, 38, Takler
  • Giuseppe Biagi, 31, Funker
  • František Běhounek, 31, Physikprofessor und Chef des Instituts für Strahlung an der Karls-Universität Prag
  • Finn Malmgren, 33, Stellvertretender Expeditionsleiter, Meteorologe und Ozeanograf an der Universität Uppsala
  • Aldo Pontremoli, 31, Physikprofessor an der Universität Mailand
  • Ugo Lago, 28, Dr. der Physik und Journalist

Aus Gewichtsgründen müssen zwei weitere, geplante Teilnehmer, in Spitzbergen zurückgelassen werden:

  • Francesco Tomaselli, Journalist
  • Ettore Pedretti, Funker

Das 104 Meter lange und 18,5 Meter breite Luftschiff, das eine Höhe von 19,6 Meter und ein Volumen von 18.500 Kubikmeter hat, wird von drei Maybach-IV-L-Luftschiffmotoren von je 245 PS angetrieben. Die Marschgeschwindigkeit beträgt 97 km/h; es können aber auch 117 km/h erreicht werden. An Proviant befinden sich folgende Dinge mit dem Gesamtgewicht von 430 kg an Bord:

  • 201 kg Trockenfleisch
  • 131 kg Schokolade
  • 24 kg Malted Milk (auf Malz basierender Bisquit)
  • 26 kg Bisquits
  • 50 kg Schiffszwieback
  • 10 kg Zucker
  • 6 kg Tee
  • 10 kg Butter
  • 2 kg Kaffee

Es wird damit gerechnet, dass dieser Proviant für bis zu 30 Tage ausreichen würde. Zum Navigieren des Luftschiffes sind folgende Instrumente an Bord installiert:

  • 4 Magnetkompasse, von denen einer nicht mit Alkohol gefüllt ist
  • 1 Sonnenmagnet
  • 3 Barographen
  • 1 Metermaß zur vertikalen Höhenmessung
  • 1 Grafometer zur Ortsbestimmung
  • 1 Hygrometer
  • 150 Holz- und Glasbälle zur Untersuchung des Luftschiffes
  • 3 Sextanten
  • 6 Chronometer
  • Karten
  • 3 Höhenmesser
  • 2 Messgeräte zur Messung der Geschwindigkeit beim Auf- und Abstieg
  • 1 Goertz-Derivometer zur Messung der Auf- und Abwindgeschwindigkeiten

Vor dem Start werden 6770 kg an Benzin aufgenommen, das auf 32 Tanks verteilt wird. Um 0451 Uhr passiert die ITALIA Cape Mitra nördlich der King's Bay. Die Besatzung lenkt das Luftschiff an der Westküste Spitzbergens unter den Wolken, die etwas höher als 200 Meter (600 Fuß) angezeigt werden. General Nobile gibt den Befehl, über den 27. Längengrad in Richtung Nordpol zu fahren in der Hoffnung, neues Land zu entdecken. Es ist geplant, 20 bis 40 Stunden nach dem Start wieder zur Basis auf Spitzbergen zurückzukehren.

24.05.1928
50px Norwegen.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen

Die ITALIA erreicht den Nordpol um 0012 Uhr Ortszeit nach einer ereignislosen Fahrt. Zeitungskorrespondenten, die sich auf dem Versorgungsschiff CITTÀ DI MILANO befinden, stehen in ununterbrochenem drahtlosen Kontakt zum Luftschiff. Der Plan, ein Gummiboot auf das Packeis zu lassen, wird wegen zu starken Windes nicht in die Tat umgesetzt. Statt dessen wird das von Papst Pius XI. geweihte zwei Meter hohe Kreuz zusammen mit der italienischen Flagge in 150 Meter Höhe über dem Eis ausgeklinkt. Während dies geschieht wird in der Gondel das alte italienische Volkslied "La campane di San Guisto" (Die Glocke von San Guisto) auf einem mitgenommenen Phonographen abgespielt. Alle Teilnehmer der Expedition schütteln sich die Hände und jubeln dem Kommandanten Umberto Nobile zu. Anschließend genehmigen sie sich alle ein Schlückchen Eierlikör. Telegramme an den Duce Benito Mussolini, den König und den Papst sowie an die Ehefrau Nobiles werden abgesandt, als die ITALIA zur zweiten Umrundung des Nordpols ansetzt.
Um 0220 Uhr verlässt die ITALIA den Pol und fliegt in etwa 1000 Metern Höhe in Richtung Spitzbergen. Aufgrund aufkommender Bewölkung ist es nicht möglich, die Geschwindigkeit oder eine mögliche Abweichung des Luftschiffes von seinem Kurs zu ermitteln.
Um 1020 Uhr entscheidet Kommandant Nobile, dass die ITALIA sich unter die Wolkendecke begeben soll. In einer Höhe von 200 bis 300 Metern über dem Meeresspiegel ist es wieder möglich, das Packeis zu sehen. Es wird ermittelt, dass das Luftschiff 260 km/h Geschwindigkeit hat und dass es sich um 18 Grad abweichend vom Kurs bewegt. Es bleibt eine problemlose Fahrt trotz eisiger Schneegestöber.
Am Nachmittag setzen sich Eiskristalle am Rumpf der ITALIA fest. Abends wird das Icing intensiver und Schnee und Nebel bleiben am Eis haften. Der Radiotechniker Giuseppe Biagi holt einen 4 Zentimeter langen Eiszapfen von einer Außenantenne und trägt ihn in die Gondel wie eine Trophäe. Inzwischen muss die ITALIA mit Gegenwinden der Stärke 7 kämpfen, die ihre mittlere Geschwindigkeit auf 46 km/h reduzieren. Der stellvertretende Kommandant und Meteorologe Finn Malmgren äußert erstmals Sorgen über die eingetretene Situation.
Um 1930 Uhr reißt der Kontakt zwischen ITALIA und den Korrespondenten auf der CITTÀ DI MILANO ab; ein Journalist vermutet, dass der einzige Radiotechniker an Bord sich schlafen gelegt hat. Man erwartet die ITALIA gegen Mitternacht in Spitzbergen zurück.

25.05.1928
50px Norwegen.gif
Königreich Italien / Königreich Norwegen

Der Plan der Besatzung des international besetzten italienischen Luftschiffs ITALIA, bis zum Morgen Spitzbergen zu erreichen, muss aufgegeben werden. Die Situation, in der sich das Luftschiff befindet, ist sehr schlecht: Schnee, Nebel und Sturm hindern die ITALIA an einem schnellen Vorstoß nach Süden, vielmehr wird das Luftschiff geradezu steuerlos hin- und hergetrieben. Jeder an Bord ist mittlerweile übermüdet, jedoch gibt es kaum Ruhephasen, da jedermanns Arm für die Sicherheit der Fahrt benötigt wird. Der Korvettenkapitän und Navigator Filippo Zappi und der Erste Offizier Korvettenkapitän Adalberto Marino konzentrieren sich auf die Funktion des Seitenruders, während Ingenieur Felice Trojani und Cheftechniker Natale Cecioni das Höhenruder überwachen. Der tschechische Universitätsprofessor Franz Béhounek bleibt die Ruhe selbst und beschäftigt sich mit dem Ablesen seiner Instrumente. Der Physikprofessor an der Universität von Mailand Aldo Pontremoli und der Physiker und Journalist Ugo Lago ziehen sich in Ballonkiel des Schiffes zurück, um in ihren Schlafsäcken Schlaf zu finden. Nobile beobachtet unermüdlich die Geschwindigkeit und die Ergebnisse des radiometrischen Messungen, wobei ein Teil der mit Detektoren aufgefangenen Strahlung in Wärme oder in ein elektrisches Signal umgewandelt wird, woraus unter anderem auf die Art der strahlenden Oberfläche und ihre Temperatur geschlossen werden kann. Die Besatzung vermutet, dass sich ihr Luftschiff derzeit über Land befindet, aber eine Positionsbestimmung ist aufgrund der Wetterverhältnisse unmöglich.
Um 0925 Uhr meldet Ingenieur Trojani, dass das Höhenruder klemmt. Kommandant Nobile ist sofort bei ihm, aber auch gemeinsam bekommen sie das Ruder nicht mehr in Bewegung, sodass das Luftschiff zu einem Abstieg ansetzt, was einen Geschwindigkeitszuwachs bedeutet. als die Höhe der ITALIA über dem Meeresspiegel nur noch 250 Meter beträgt, halten sich die Offiziere bereit, die Benzinbehälter abzuwerfen, damit das Luftschiff so wieder an Höhe gewinnen kann. Die Motoren werden gestoppt und langsam schwebt die ITALIA wieder nach oben. Nach einer Weile hat sie 900 Meter erreicht und die Besatzung sieht die Sonne durch die Wolken schimmern. Dem Marine-Leutnant Alfredo Viglieri gelingt es, das festgeklemmte Höhenruder wieder zu lösen. Mit Hilfe des Sonnenstandes lässt sich eine ungefähre Position ermitteln: Das Luftschiff befindet sich 45 Meilen nordöstlich von Ross Island. Jede Motorengondel wird jetzt mit einem Mechaniker benannt, Vincenzo Pomella übernimmt den hinteren Motor, Attilio Caratti den Backbord- und Calisto Ciocca den Steuerbord-Motor.
Plötzlich schreit der Cheftechniker Natale Cecioni, dass die ITALIA sinke, und zwar mit dem Hinterteil voran. Schnell begibt sich Renato Alessandrini, der für die Takelage zuständig ist, in den Ballon, um den Gasdruck des hinteren Motors zu überprüfen. Nobile gibt den Befehl: "Vollgas" für alle Motoren, die aber die Schwäche des hinteren Motors nicht mehr kompensieren können. Mit zunehmender Geschwindigkeit rast die ITALIA dem Packeis entgegen, als Nobile den Stopp aller Motoren befiehlt, um eine Explosion bei einem drohenden Aufprall zu vermeiden. Mit einem ohrenbetäubenden Krach schlägt die ITALIA um 1033 Uhr auf dem Packeis auf. Die Gondel wird bei dem Aufprall zerstört und löst sich von der Hülle, die wiederum, als sie das Gewicht der Gondel mit den sich dort aufhaltenden zehn Menschen verliert, sofort wieder in die Lüfte steigt. Sechs Teilnehmer werden mit der Hülle davongetragen: Der Physikprofessor Aldo Pontremoli, der Takler Renato Alessandrini, der Journalist Ugo Logo, die Mechaniker Attilio Caratti und Calisto Ciocca sowie der Chef-Mechaniker Ettore Arduino. Nobile dreht sich zu Dr. Malmgren und fragt ihn nach seinem Befinden. Malmgren antwortet: "Alles außer Tod. Mein Arm ist gebrochen. Danke für den Tripp. Ich gehe ins Wasser." In diesem Augenblick rafft sich Dr. Malmgren auf und will fortrennen, aber Nobile hält ihn auf und bringt ihn dazu, sich zu beruhigen, als plötzlich der Funker Biagi ruft: "Das Funkgerät ist unversehrt!" Solche kleinen Funkstationen werden an Bord mitgeführt, um eventuelle Ausweichlandeplätze von der Absicht einer unvorhergesehenen Landung in Kenntnis zu setzen. Die Besatzung stellt den Status der Expedition fest: Nobile hat einen gebrochenen Arm und ein gebrochenes Bein, Chef-Techniker Natale Cecioni ist ernsthaft am Bein verletzt, das außerdem gebrochen ist; er kann nicht laufen. Navigator Filippo Zappi hat Schrammen im Gesicht und Schmerzen in der Brust; wahrscheinlich Rippenbruch. Professor Béhounek, Biagi, der Erste Offizier Adalberto Mariano und Leutnant Alfredo Viglieri sind mehr oder weniger unverletzt.
Etwa eine halbe Stunde nach dem Aufprall nehmen die Besatzungsmitglieder eine Rauchsäule am Horizont wahr, die wahrscheinlich von der Explosion der Ballonhülle herrührt. Die Überlebenden der ITALIA-Expedition beginnen damit, die Ausrüstungsgegenstände und die Lebensmittel zusammenzusuchen, die über ihre Absturzstelle verteilt auf dem Packeis liegen. Als Erstes wird die Truhe mit den Lebensmitteln gefunden, anschließend ein Zelt, ein Schlafsack und ein Colt mit Munition sowie eine Menge Teile der zerborstenen Kabine. Der schwer verletzte Umberto Nobile wird vorsichtig in den Schlafsack geschoben, da er wegen seines gebrochenen Beines und des gebrochenen Armes große Schmerzen leidet. Nur Nobiles Hund Titina, der ebenfalls die Katastrophe überlebte, tollt ausgelassen im Schnee herum, offensichtlich erleichtert, weil er nicht mehr in der engen Gondel eingesperrt ist. Das einzige Zelt teilt Nobile nun mit dem ebenfalls schwer verletzten Natali Cecioni. Der einzige Schlafsack ist inzwischen auseinandergeschnitten und dient beiden Verletzten als "Bett für Zwei". Die anderen Überlebenden führen eine systematische Suche nach brauchbaren Gütern durch und finden bis zum Tagesende 70 Kilogramm Trockenfleisch (Pemmikan) und Schokolade. Wenn jeder der Überlebenden 300 Gramm pro Tag davon verbraucht, reicht die Not-Ration 25 Tage.

26.05.1928
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Königreich Italien / Königreich Norwegen

Die Überlebenden der ITALIA-Katastrophe sind einer Temperatur von minus 10 Grad Celsius ausgesetzt. Tageszeitlich bedingte Temperaturschwankungen sind im Gebiet der Mitternachtssonne nicht zu erwarten. Die unverletzten Besatzungsmitglieder setzen ihre Suche nach brauchbaren Ausrüstungsgegenständen und Lebensmitteln aus dem Wrack der Gondel fort. Dr. Finn Malmgren findet ein Fernglas und beginnt mit dem Absuchen des Horizonts. Außerdem findet die Besatzung Behälter, in denen sich weiteres Pemmikan, Schokolade, Milchpulver und Butter befinden. Nobile und Cecioni, die beiden Schwerverletzten, liegen in einem Zelt mit einer Fläche von 2,75 mal 2,75 und einer Höhe von 0,60 Meter. Auch die anderen Besatzungsmitglieder verbringen Zeit im Zelt, so dass den Schwerverletzten nur etwa ein Drittel des Platzes bleibt. Der Funker Biagi findet einen defekten Radio-Receiver, der er zu reparieren versucht, sowie einen unbeschädigten Radio-Reservetransmitter, den er mittels Batterie mit Strom versorgen und mit einer Antenne versorgen muss. Nach einigen Stunden ist es soweit: Er setzt seine Kopfhörer auf und dreht am Einschaltknopf. Sofort verstehen die Anderen am Gesichtsausdruck Biagis, dass der Receiver arbeitet. Nun schließen sie den Transmitter an. Biagi sendet dreimal lang, dreimal kurz, aber es kommt keine Antwort. Die Besatzung fällt in eine Phase des Schwermuts, am meisten Biagi selbst, der nicht verstehen kann, warum es nicht funktioniert.
Der Erste Offizier Korvettenkapitän Adalberto Mariano organisiert den weiteren Tagesablauf und die Aufgaben. Biagi soll sich weiter mit dem Sender beschäftigen. Als er das Rado von dem Transmitter abkoppelt, findet er den Fehler, während die Anderen weiter das Wrack durchsuchen. Nach dem Frühstück, das aus 20 Gramm Schokolade und ein paar Stückchen Zucker besteht, beginnt die weitere Arbeit. Als der Nebel sich verdichtet, findet Béhounek noch intakte Messinstrumente. Der Thermograph funktioniert wieder.
Die Besatzung findet einen zerbrochenen Propeller sowie Teile eines zerstörten Motors. Unter der zerstörten Kabine findet man die Leiche Vincenzo Pomellas, des 30jährigen Mechanikers, der noch versuchte, mit dem rechten Arm sein Gesicht vor dem Aufprall auf die Erde zu schützen. Sein Tod muss sofort eingetreten sein. Auf dem Rückweg zum Zelt findet die Besatzung noch eine Filmkamera, aber sie ist nicht sonderlich daran interessiert, da man sie nicht als Nahrung verwenden kann.
Der Funker Giuseppe Biagi findet im Wrack einen zerbrochenen Behälter, in dem sich ein kleiner Transmitter und ein angeschlagener großer Radio-Transmitter befinden. Nach einer kurzen Zeit ist der Transmitter betriebsbereit und Biagi sendet "S-O-S ITALIA. NOBILE." Immer fünf Minuten vor einer vollen Stunde sendet Biagi fünf Minuten lang, aber niemand scheint den Notruf zu empfangen.
Der Korvettenkapitän und Navigator Filippo Zappi ist Absolvent eines Erste-Hilfe-Kurses und daher prädestiniert, sich um die Verwundeten zu kümmern. Er entscheidet, dass die gebrochenen Gliedmaßen von Nobile und von Cecioni geschient werden müssen.
In Oslo findet zur Mittagszeit ein Bankett im Dronningen-Restaurant statt, zu dem der Chefredakteur der Zeitung "Aftenposten", Morgenstierne, angesehene norwegische Piloten und Polarforscher wie Roald Amundsen, Otto Sverdrup, Tryggve Gran und Chriatian Doxrud, aber auch Helden des im Vormonat ersten durchgeführten Fluges über das Nordpolarmeer von Amerika nach Europa, Ben Eielson und George Hubert Wilkins, teilnehmen. Das Bankett hat gerade begonnen, als ein Telegrammbote die Nachricht des Korrespondenten von "Aftenposten" auf Spitzbergen bringt. Er wird aufgefordert, das Telegramm vorzulesen. Es hat ungefähr folgenden Text: "DAS LUFTSCHIFF ITALIEA IST NICHT PLANMAESSIG VON SEINEM NORDPOL-FLUG ZURÜCKGEKEHRT."
Der ausgelassenen Atmosphäre des Banketts weicht augenblicklich einer Niedergeschlagenheit. Es beginnt sofort eine lebhafte Diskussion über das Luftschiff, wie viel Benzin und wie viele Nahrungsmittel die Besatzung wohl zur Verfügung habe und wo sie womöglich gelandet sein könnte. Etwa fünf Minuten später wird der Herausgeber des "Aftenposten", Fröisland, zum Telefon gerufen. Er kehrt zu der Versammlung zurück mit der Nachricht, dass die italienische Regierung die norwegische Regierung gebeten habe, bei der Zusammenstellung einer Rettungsexpedition zu helfen. Der norwegische Verteidigungsminister Andersen-Rysst fordert Roald Amundsen und Otto Sverdrup auf, an einer noch am Nachmittag stattfindenden Konferenz seines Ministeriums teilzunehmen. Amundsen antwortet: "Recht so! Antworte ihm, dass wir bereit sind zu kommen."
Am Nachmittag findet im norwegischen Verteidigungsministerium ein Treffen statt, in dem die Teilnehmer über eine Rettungsmission für die verschollene Besatzung des italienischen Luftschiffs ITALIA beraten sollen. An der Sitzung nehmen teil:

  • Verteidigungsminister Andersen-Rysst
  • Lieutenant Commander Oestbye
  • Captain Otto Sverdrup
  • Captain Roald Amundsen
  • Major Gunnar Isachsen
  • Captain Hjalmar Riiser-Larsen

Captain Riiser-Larsen macht den Vorschlag, Italien dazu zu bewegen, zwei DORNIER-WAL-Flugzeuge nach Norwegen zu schicken. Seiner Erfahrung nach, die aus einem Einsatz im Jahre 1925 herrührt, sind Flugzeuge dieses Typs für einen Einsatz in der Arktis ganz besonders geeignet, da sie über eine Hülle aus Duraluminium verfügen, die eine Haltbarkeit wie kein anderes Flugboot gewährleisten kann. Außerdem könne es sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Packeis landen. Später fasst Riiser-Larsen das Treffen in seinem Bericht zusammen:

Ich schlug vor, eine Expedition zum Franz-Joseph-Land vorzubereiten, weil die Möglichkeit besteht, dass ein beschädigtes Luftschiff schon eine längere Zeit in der Luft driftet wie ein Ballon. Ich erklärte mich bereit, an einer solchen Expedition teilzunehmen, falls dies erforderlich werde. Da wir nicht wissen, ob die Besatzung bereits Versorgungsprobleme hat, ist jede Stunde wertvoll. Die anderen Teilnehmer hatten nichts gegen meinen Vorschlag, so dass mich der Verteidigungsminister ersuchte, den italienischen Botschafter aufzusuchen und sich ihm zur Verfügung zu halten.
Lieutenant Commander Oestbye und ich fuhren direkt zum italienischen Botschafter, der uns bereits erwartete. Ich wiederholte meinen Vorschlag mit dem Zusatz, dass die erbetenen Dornier-Flugzeuge schneller in Deutschland akquiriert werden könnten. Der gesamte Plan wurde sofort nach Rom übermittelt.
Nach dem Treffen hatte ich ein Telefonat mit dem First Lieutenant Lützow-Holm, der mit meinem Vorschlag einverstanden war und ihm nachkommen wolle. Ich begann anschließend mit verschiedenen Vorbereitungen. Die Rettungs-Expedition muss so vorbereitet werden, dass es nicht notwendig wird, eine zweite Rettungs-Expedition zu entsenden, die die erste retten muss. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein oder mehr Hunde-Teams mitzunehmen, die von den Flugzeugen aus in das Suchgebiet gebracht werden können. Diese Teams können auch längere Zeit auf sich allein gestellt sein.

Einer Bitte des norwegischen Verteidigungsministeriums nachkommend, bittet der Gouverneur von Svalbard, der Hauptstadt Spitzbergens, Sysselman, die "Store Norske Spitsbergen Kulkompani" um ein Team mit Hundeschlitten, das sich auf die Suche nach der ITALIA machen soll. Die Firma schreibt zurück, dass ein solches Team mit zehn Hunden zur Verfügung steht und einsatzfähig sei. Rolf Tandberg ist der Führer und der Fallensteller Hilmar Nöis sein Begleiter. Beide kennen sich im Eis sehr gut aus. Die Hunde dieses Teams sind Abkömmlinge der Hunde "Storm" und "Lucie", die Captain Amundsen 1913 einsetzte, um eine Expedition auszurüsten, die nach der verschollenen deutschen Schröder-Stranz-Expedition suchte. Das Paar bekam sechs Junge, von denen fünf Captain Amundsen an die Telegraphenstation Green Harbour weitergab. Die Abkömmlinge dieser fünf leben nun verteilt in ganz Svalbard.
Die Nachrichtenagentur Reuter meldet: "Das Luftschiff ITALIA hat mit starken Gegenwinden bei seiner Rückkehr vom Nordpol zu kämpfen. Es wurde bis 2 Uhr in Spitzbergen erwartet, traf aber noch nicht ein. Der letzte Bericht, der eingegangen ist, besagt, dass alles an Bord in Ordnung sei."
Die Zeitung "Aftenposten" meldet: "Keine Neuigkeiten von der ITALIA" - Die CITTÀ DI MILANO bereitet sich seit letzter Nacht auf das Auslaufen aus dem Hafen King's Bay vor, um die vermisste Besatzung der ITALIA zu retten. Hat Nobile seinen Kurs in Richtung Vadsö geändert?"
Inzwischen ist an der Absturzstelle der ITALIA die Sonne zu sehen und der Erste Offizier Adalberto Mariano ist in der Lage, mit einem Sextanten die Position der Gestrandeten zu ermitteln. Mit Hilfe von Leutnant Alfredo Viglieri bei der Ablesung von drei Chronometern bestimmt er die Position auf 81°14'N und 25°25'E. Um die Chronometer zu justieren, nutzt Mariano das Zeitsignal von Paris, das über das Radio übertragen wird. Es wird nun klar, dass die Nobile-Expedition viel weiter nach Osten abgedriftet ist als alle erwartet haben. Am Abend hört sich der Funkter Giuseppe Biagi über die Radiostation von San Pado, dass Jäger aus den Bergen von Spitzbergen aufgefordert werden, sich für eine Rettungsaktion bereitzuhalten. Da diese Gruppen wahrscheinlich am falschen Ort suchen werden, wird die Situation für die Überlebenden der ITALIA nahezu hoffnungslos.
First Lieutenant Lüzow-Holm, der sich in Oslo befindet, ruft Captain Riiser-Larsen an und informiert ihn, dass er an einer Rettungsexpedition in den Norden mit einem Eindecker der Marine teilnehmen wird. Der Abflug soll so bald wie möglich erfolgen. Der Eindecker soll in Tromsö zwischenlanden, wo die Ankunft der Dornier-Wal-Rettungsflugzeuge erwartet wird.
Das Basisschiff der ITALIA, die CITTÀ DI MILANO, verlässt King's Bay in Richtung Norde und nimmt die Suche nach dem Luftschiff auf.

28.05.1928
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wird fortgesetzt.

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