Chronik 07.1870: Unterschied zwischen den Versionen
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− | Datei: | + | Datei:Pius IX.jpg|'''Papst Pius IX.'''<br>(* 1792 Senigallia, Kirchenstaat)<br>In seiner Amtszeit wird die Unfehlbarkeit des Papstes beschlossen. |
− | </gallery> | + | Datei:Wilhelm I.jpg|'''Wilhelm I.'''<br>(* 1797 Berlin)<br>Nach der Thronrede des Königs Wilhelm IV. von Preußen wird der Krieg gegen Frankreich ausgerufen. |
+ | Datei:Helmuth Karl von Moltke.jpg|'''Generalfeld-marschall Helmuth Karl Graf von Moltke'''<br>(* 1800 Parchim)<br>Der Sieger von zwei Reichseinigungs-kriegen freut sich auf einen Krieg gegen Frankreich. | ||
+ | Datei:Albrecht von Roon.jpg|'''Albrecht von Roon'''<br>(* 1803 Pleushagen b. Kolberg)<br>Der preußische Kriegsminister rät zu einem schnellen Schlag gegen Frankreich. | ||
+ | Datei:Napoleon III.jpg|'''Napoléon III.'''<br>(* 1808)<br>Der französische Kaiser überzeugt sein konstitutionelles Parlament für einen Militärschlag gegen Preußen. | ||
+ | Datei:Fürst Otto_von_Bismarck.jpg|'''Fürst Otto von Bismarck'''<br>(* 1815 Schönhausen bei Stendal)<br>Der Kanzler des Norddeutschen Bundes ändert einen Telegrammtext, um die politischen Führer gegen Frankreich aufzubringen. </gallery> | ||
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| <center> [[Datei:Großbritannien.gif|50px]] </center> || <center> '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' </center> || <center>'''Königin Victoria<br>Premierminister William Ewart Gladstone'''</center> || <center> '''20.06.1837-22.01.1901<br>03.12.1868-20.02.1874''' </center> | | <center> [[Datei:Großbritannien.gif|50px]] </center> || <center> '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' </center> || <center>'''Königin Victoria<br>Premierminister William Ewart Gladstone'''</center> || <center> '''20.06.1837-22.01.1901<br>03.12.1868-20.02.1874''' </center> | ||
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| <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.gif|50px]] </center> || <center> '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' </center> || <center>'''Kaiser Franz Joseph I.'''<br>'''Präsident des Ministerrates Alfred II. Józef Marian Graf Potocki von Pilawa''' </center> || <center> '''02.12.1848-21.11.1916'''<br>'''12.04.1870-06.02.1871'''</center> | | <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.gif|50px]] </center> || <center> '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' </center> || <center>'''Kaiser Franz Joseph I.'''<br>'''Präsident des Ministerrates Alfred II. Józef Marian Graf Potocki von Pilawa''' </center> || <center> '''02.12.1848-21.11.1916'''<br>'''12.04.1870-06.02.1871'''</center> | ||
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| style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 07.1870|13.07.1870]]''' <br> [[Datei:Spanien 1785-1873.gif|50px]] [[Datei:Norddeutscher Bund.gif|50px]] [[Datei:Frankreich.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Königreich Spanien]] / [[Norddeutscher Bund]] / [[Französisches Kaiserreich]]''' <br> | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 07.1870|13.07.1870]]''' <br> [[Datei:Spanien 1785-1873.gif|50px]] [[Datei:Norddeutscher Bund.gif|50px]] [[Datei:Frankreich.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Königreich Spanien]] / [[Norddeutscher Bund]] / [[Französisches Kaiserreich]]''' <br> | ||
− | [[Datei:Graf Otto von Bismarck.jpg|thumb|150px|left|''Graf Otto von Bismarck kürzt ein Telegramm und beschwört damit einen Krieg herauf'']] [[Datei:Helmuth | + | [[Datei:Graf Otto von Bismarck.jpg|thumb|150px|left|''Graf Otto von Bismarck kürzt ein Telegramm und beschwört damit einen Krieg herauf'']] [[Datei:Helmuth Karl von Moltke.jpg|thumb|150px|''Helmuth Graf von Moltkes letzter Wunsch ist ein Krieg gegen Frankreich'']] In Folge von Ressentiments, welche durch die napoleonische Niederlage gegenüber Preußen noch immer in Frankreich herrscht, wird der preußische König Wilhelm I. aufgefordert, öffentlich erklären, dass auch in Zukunft niemals ein Mitglied der Hohenzollern den spanischen Thron besteigen wird. Der französische Außenminister Antoine Alfred Herzog von Gramont fordert von Wilhelm ein persönliches Entschuldigungsschreiben an Napoléon III.; unterdessen sendet Wilhelm ein Telegramm an Graf Otto von Bismarck ab, in dem er diesen über seine Unterredung mit Benedetti informiert. Dieser Brief, die später „Emser Depesche“ genannt werden wird, wird von Bismarcks engstem Mitarbeiter Heinrich Abeken, der den König nach Bad Ems begleitet, an Bismarck telegrafiert und hat folgenden Wortlaut: ''Seine Majestät der König schreibt mir: ‚Graf Benedetti fing mich auf der Promenade ab, um auf zuletzt sehr zudringliche Art von mir zu verlangen, ich sollte ihn autorisiren, sofort zu telegraphiren, dass ich für alle Zukunft mich verpflichtete, niemals wieder meine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Candidatur zurückkämen. Ich wies ihn, zuletzt etwas ernst, zurück, da man à tout jamais dergleichen Engagements nicht nehmen dürfe noch könne. Natürlich sagte ich ihm, dass ich noch nichts erhalten hätte und, da er über Paris und Madrid früher benachrichtigt sei als ich, er wohl einsähe, dass mein Gouvernement wiederum außer Spiel sei.‘ Seine Majestät hat seitdem ein Schreiben des Fürsten bekommen. Da Seine Majestät dem Grafen Benedetti gesagt, dass er Nachricht vom Fürsten erwarte, hat Allerhöchstderselbe, mit Rücksicht auf die obige Zumuthung, auf des Grafen Eulenburg und meinen Vortrag, beschlossen, den Grafen Benedetti nicht mehr zu empfangen, sondern ihm nur durch einen Adjutanten sagen zu lassen, daß Seine Majestät jetzt vom Fürsten die Bestätigung der Nachricht erhalten, die Benedetti aus Paris schon gehabt, und dem Botschafter nichts weiter zu sagen habe. Seine Majestät stellt Eurer Excellenz anheim, ob nicht die neue Forderung Benedettis und ihre Zurückweisung sogleich, sowohl unsern Gesandten, als in der Presse mitgetheilt werden sollte.'' Bismarck überarbeitet das Telegramm, so dass die französischen Forderungen schließlich den Charakter eines Ultimatums bekommen. Während eines Essens, zu dem er Roon und Generalfeldmarschall Moltke geladen hat, liest Bismarck seinen beiden Gästen das Telegramm vor, ''deren Niedergeschlagenheit so tief wurde, dass sie Speise und Trank verschmähten''. Daraufhin redigiert und kürzt Bismarck das Telegramm stark und liest diese gekürzte Fassung ebenfalls seinen Gästen vor. Sie lautet wie folgt: ''Nachdem die Nachrichten von der Entsagung des Erbprinzen von Hohenzollern der Kaiserlich Französischen Regierung von der Königlich Spanischen amtlich mitgeteilt worden sind, hat der Französische Botschafter in Ems an S. Maj. den König noch die Forderung gestellt, ihn zu autorisieren, dass er nach Paris telegraphiere, dass S. Maj. der König sich für alle Zukunft verpflichte, niemals wieder seine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Kandidatur wieder zurückkommen sollten. Seine Maj. der König hat es darauf abgelehnt, den Franz. Botschafter nochmals zu empfangen, und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lassen, dass S. Majestät dem Botschafter nichts weiter mitzuteilen habe.'' Aus dieser neuen Fassung geht nicht mehr hervor, dass König Wilhelm I. von Preußen eine Unterredung mit dem französischen Botschafter gehabt und ihm seine Ablehnung erläutert habe; lediglich die französische Forderung und die Verweigerung einer weiteren Audienz werden in knappen Worten berichtet. Durch diese Kürzungen kann die Meldung leicht den Eindruck erwecken, Benedetti sei in Bad Ems in ungebührlicher Weise aufgetreten, und weitere diplomatische Kontakte seien vom König abgelehnt worden. Sofort schlägt die Stimmung Roons und Moltkes von Niedergeschlagenheit in lebhafte Freude um. Bismarck erläutert seinen Gästen, dass die sofortige Veröffentlichung seiner Version „den Eindruck des roten Tuches auf den gallischen Stier machen“ wird, der nun schlagen müsse, und dann als Angreifer dastehe. Moltke sagt wörtlich: ''Wenn ich das noch erlebe, in solchem Kriege unsere Heere zu führen, so mag gleich nachher die alte Karkasse der Teufel holen.'' Vor der Freigabe des Textes an die Presse erkundigt sich Bismarck noch bei General Moltke nach dem Stand der Rüstung. Er will wissen, wie viel Zeit zur Vorbereitung eines erfolgreichen Krieges notwendig sei. Moltke hält den schnellen Ausbruch eines Krieges im Ganzen für vorteilhafter als eine Verschleppung. Bismarck gibt der Presse diese gekürzte Fassung zur Veröffentlichung frei, die noch am selben Abend von der regierungsnahen „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung” in einer Sondernummer veröffentlicht wird. Von Bismarck ist sich dessen sicher, dass eine etwaige französische Kriegserklärung die süddeutschen Staaten dazu bringen wird, für die Sache Preußens einzutreten und eine spätere Einigung Deutschlands herbeizuführen. <br> |
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Version vom 12. Mai 2017, 03:52 Uhr
DIE EREIGNISSE IM JULI 1870
DIE SCHLAGZEILEN DES MONATS
Das I. Vatikanische Konzil verkündet das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes
Frankreich und Deutschland befinden sich im Kriegszustand
Vor den Toren Saarbrückens finden erste Gefechte statt
Home | 600px |
(nach Geburtsjahr geordnet) | ||||
Jahres-Chroniken | ||||||
Länderchroniken |
Nation | Name | Regierungszeit | ||
---|---|---|---|---|
Premierminister William Ewart Gladstone |
03.12.1868-20.02.1874 | |||
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(Kirchenstaat) |
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Präsident des Ministerrates Alfred II. Józef Marian Graf Potocki von Pilawa |
12.04.1870-06.02.1871 | |||
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Siegelbewahrer und Minister für Justiz und Religion Olivier Émile Ollivier |
02.01.1870-09.08.1870 | ||
Vorsitzender des Ministerrates Pawel Pawlowitsch Gagarin |
02.03.1864-04.03.1872 | |||
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Ministerpräsident Otto Graf von Bismarck |
23.09.1862-01.01.1873 | ||
Vizepräsident Schuyler Colfax |
04.03.1869-04.03.1873 |
Chronik 1860 / Chronik 1861 / Chronik 1862 / Chronik 1863 / Chronik 1864 / Chronik 1865 / Chronik 1866 / Chronik 1867 / Chronik 1868 | |
Chronik Januar 1869 / Februar 1869 / März 1869 / April 1869 / Mai 1869 / Juni 1869 / Juli 1869 / August 1869 / September 1869 / Oktober 1869 / November 1869 / Dezember 1869 | |
Chronik Januar 1870 / Februar 1870 / März 1870 / April 1870 / Mai 1870 / Juni 1870 / Juli 1870 / August 1870 / September 1870 / Oktober 1870 / November 1870 / Dezember 1870 |
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Königreich Spanien Die Kandidatur von Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen zum König von Spanien wird in Madrid bekannt gegeben. Vorgeschlagen wurde Leopold von dem abgedankten König Ferdinand II. von Portugal, dem die spanische Krone zunächst angetragen worden war, und der das Angebot unter Hinweis auf seinen Schwiegersohn Leopold abgelehnt hatte. Der Hohenzollernkandidat stammt aus einer fernen und ständig katholischen Nebenlinie des längst protestantischen Hohenzollernhauses; seine gemeinsamen Vorfahren mit König Wilhelm von Preußen haben 600 Jahre zuvor gelebt. | ||||||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen Der Hofgärtner Johann Heinrich Gustav Meyer wird zum ersten Gartendirektor Berlins berufen. Damit beginnt die eigentliche Geschichte der Berliner Gartenverwaltung. | ||||||||
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Königreich Spanien In deutschen Landen wird die Forderung der französischen Regierung, dass Deutsche auf immer auf eine Thronkandidatur in Spanien verzichten sollen, nicht akzeptiert. Nachdem tags zuvor die französische Presse über die Kandidatur eines Prinzen von Hohenzollern auf den spanischen Thron berichtete, berät der französische Kaiser Napoléon III. mit seinem Kabinett unter Ministerpräsident Émile Ollivier über die entstandene Situation. Man befürchtet eine außenpolitische Umklammerung mit einem deutschen diplomatischen Triumph. Eine besondere Rolle spielt Herzog Antoine Alfred Agénor de Gramont, der erst Mitte Mai französischer Außenminister geworden ist. Als Diplomat vertritt er bisher eine strikte antipreußische Linie. Allerdings ist das Haus Hohenzollern-Sigmaringen mit dem Pariser Hof durchaus freundschaftlich verbunden, was sich daran zeigt, dass Napoléon III. einen Bruder Leopolds gegen den Widerstand der Großmächte auf den Thron Rumäniens gebracht und Leopold selbst als König von Griechenland in Aussicht genommen hat. Auf der familiären Seite steht Prinz Leopold Frankreich näher als den Hohenzollern: Eine seiner Großmütter ist Stéphanie de Beauharnais, eine Adoptivtochter Napoléons I., die andere Großmutter ist Marie Antoinette Murat. | ||||||||
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Königreich Spanien / Norddeutscher Bund / Französisches Kaiserreich Frankreich teilt den europäischen Hauptstädten die französische Sicht zur Kandidatur des Prinzen von Hohenzollern-Sigmaringen auf den spanischen Thron mit. Außenminister Antoine Alfred Graf Agénor de Gramont verliest eine von Kaiser Napoléon III. gutgeheißene und von der Regierung einstimmig gebilligte scharfe Erklärung vor der „Chambre législative“, wonach Frankreich eine solche Entwicklung nicht hinnehmen und sollte es doch dazu kommen ohne Zögern seine Pflicht tun werde, was als eine kaum verschleierte Kriegsdrohung angesehen wird: „Frankreich würde nicht dulden, dass der Prinz von Hohenzollern oder sonst irgendein preußischer Prinz den spanischen Thron besteigt. Um diesen möglichen Fall zu verhindern, zählt die Regierung zugleich auf die Klugheit des deutschen Volkes und auf die Freundschaft des spanischen Volkes. Sollte es jedoch anders kommen, so wüssten wir kraft Ihrer (der Abgeordneten) Unterstützung und derjenigen der Nation ohne Zögern und ohne Schwäche unsere Pflicht zu tun.“ | ||||||||
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Königreich Griechenland / Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland / Königreich Italien Wegen der missglückten Befreiung der britischen, italienischen und griechischen Geiseln, die Ende März von Räubern entführt worden waren und vier von ihnen bei der Aktion zu Tode gekommen sind, tritt der stellvertretende griechische Innenminister Andreas Avgerinos zurück, obwohl er klare Anweisungen zum Schutz der Geiseln gegeben hatte, die das Militär allerdings nicht erfüllte. Griechenland verpflichtet sich zu Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen der Opfer in Großbritannien und an Italien und bringen ihr Bedauern über das Geschehen zum Ausdruck. | ||||||||
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Königreich Spanien / Norddeutscher Bund / Französisches Kaiserreich Der französische Botschafter am preußischen Hof, Vincent Graf Benedetti, wird nach Bad Ems entsandt, wo sich König Wilhelm I. von Preußen gerade aufhält, um den preußischen König aufzufordern, Prinz Leopold von Hohenzollern und Sigmaringen, zum Verzicht auf die spanische Thronkandidatur zu bewegen. Es entsteht so viel Druck auf die Familie Hohenzollern, dass Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, Leopolds Vater, angesichts des Aufziehens einer europäischen Krise im Namen seines Sohnes den Verzicht auf die spanische Königswürde erklärt. | ||||||||
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Königreich Spanien / Norddeutscher Bund / Französisches Kaiserreich In Folge von Ressentiments, welche durch die napoleonische Niederlage gegenüber Preußen noch immer in Frankreich herrscht, wird der preußische König Wilhelm I. aufgefordert, öffentlich erklären, dass auch in Zukunft niemals ein Mitglied der Hohenzollern den spanischen Thron besteigen wird. Der französische Außenminister Antoine Alfred Herzog von Gramont fordert von Wilhelm ein persönliches Entschuldigungsschreiben an Napoléon III.; unterdessen sendet Wilhelm ein Telegramm an Graf Otto von Bismarck ab, in dem er diesen über seine Unterredung mit Benedetti informiert. Dieser Brief, die später „Emser Depesche“ genannt werden wird, wird von Bismarcks engstem Mitarbeiter Heinrich Abeken, der den König nach Bad Ems begleitet, an Bismarck telegrafiert und hat folgenden Wortlaut: Seine Majestät der König schreibt mir: ‚Graf Benedetti fing mich auf der Promenade ab, um auf zuletzt sehr zudringliche Art von mir zu verlangen, ich sollte ihn autorisiren, sofort zu telegraphiren, dass ich für alle Zukunft mich verpflichtete, niemals wieder meine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Candidatur zurückkämen. Ich wies ihn, zuletzt etwas ernst, zurück, da man à tout jamais dergleichen Engagements nicht nehmen dürfe noch könne. Natürlich sagte ich ihm, dass ich noch nichts erhalten hätte und, da er über Paris und Madrid früher benachrichtigt sei als ich, er wohl einsähe, dass mein Gouvernement wiederum außer Spiel sei.‘ Seine Majestät hat seitdem ein Schreiben des Fürsten bekommen. Da Seine Majestät dem Grafen Benedetti gesagt, dass er Nachricht vom Fürsten erwarte, hat Allerhöchstderselbe, mit Rücksicht auf die obige Zumuthung, auf des Grafen Eulenburg und meinen Vortrag, beschlossen, den Grafen Benedetti nicht mehr zu empfangen, sondern ihm nur durch einen Adjutanten sagen zu lassen, daß Seine Majestät jetzt vom Fürsten die Bestätigung der Nachricht erhalten, die Benedetti aus Paris schon gehabt, und dem Botschafter nichts weiter zu sagen habe. Seine Majestät stellt Eurer Excellenz anheim, ob nicht die neue Forderung Benedettis und ihre Zurückweisung sogleich, sowohl unsern Gesandten, als in der Presse mitgetheilt werden sollte. Bismarck überarbeitet das Telegramm, so dass die französischen Forderungen schließlich den Charakter eines Ultimatums bekommen. Während eines Essens, zu dem er Roon und Generalfeldmarschall Moltke geladen hat, liest Bismarck seinen beiden Gästen das Telegramm vor, deren Niedergeschlagenheit so tief wurde, dass sie Speise und Trank verschmähten. Daraufhin redigiert und kürzt Bismarck das Telegramm stark und liest diese gekürzte Fassung ebenfalls seinen Gästen vor. Sie lautet wie folgt: Nachdem die Nachrichten von der Entsagung des Erbprinzen von Hohenzollern der Kaiserlich Französischen Regierung von der Königlich Spanischen amtlich mitgeteilt worden sind, hat der Französische Botschafter in Ems an S. Maj. den König noch die Forderung gestellt, ihn zu autorisieren, dass er nach Paris telegraphiere, dass S. Maj. der König sich für alle Zukunft verpflichte, niemals wieder seine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Kandidatur wieder zurückkommen sollten. Seine Maj. der König hat es darauf abgelehnt, den Franz. Botschafter nochmals zu empfangen, und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lassen, dass S. Majestät dem Botschafter nichts weiter mitzuteilen habe. Aus dieser neuen Fassung geht nicht mehr hervor, dass König Wilhelm I. von Preußen eine Unterredung mit dem französischen Botschafter gehabt und ihm seine Ablehnung erläutert habe; lediglich die französische Forderung und die Verweigerung einer weiteren Audienz werden in knappen Worten berichtet. Durch diese Kürzungen kann die Meldung leicht den Eindruck erwecken, Benedetti sei in Bad Ems in ungebührlicher Weise aufgetreten, und weitere diplomatische Kontakte seien vom König abgelehnt worden. Sofort schlägt die Stimmung Roons und Moltkes von Niedergeschlagenheit in lebhafte Freude um. Bismarck erläutert seinen Gästen, dass die sofortige Veröffentlichung seiner Version „den Eindruck des roten Tuches auf den gallischen Stier machen“ wird, der nun schlagen müsse, und dann als Angreifer dastehe. Moltke sagt wörtlich: Wenn ich das noch erlebe, in solchem Kriege unsere Heere zu führen, so mag gleich nachher die alte Karkasse der Teufel holen. Vor der Freigabe des Textes an die Presse erkundigt sich Bismarck noch bei General Moltke nach dem Stand der Rüstung. Er will wissen, wie viel Zeit zur Vorbereitung eines erfolgreichen Krieges notwendig sei. Moltke hält den schnellen Ausbruch eines Krieges im Ganzen für vorteilhafter als eine Verschleppung. Bismarck gibt der Presse diese gekürzte Fassung zur Veröffentlichung frei, die noch am selben Abend von der regierungsnahen „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung” in einer Sondernummer veröffentlicht wird. Von Bismarck ist sich dessen sicher, dass eine etwaige französische Kriegserklärung die süddeutschen Staaten dazu bringen wird, für die Sache Preußens einzutreten und eine spätere Einigung Deutschlands herbeizuführen. | ||||||||
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Dominion Kanada / Manitoba In Fort Garry (heute Winnipeg) wird eine Gesetzgebende Versammlung für die zu gründende Provinz Manitoba gegründet. | ||||||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Bayern / Französisches Königreich Bayern ist beunruhigt wegen der Gebietsforderungen Frankreichs auf die Pfalz und ordnet die Mobilisierung der Armee an. | ||||||||
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Dominion Kanada / Manitoba / Northwest Territories Manitoba wird nach New Brunswick, Nova Scotia, Ontario und Québec die fünfte Provinz Kanadas und die dritte, in der ausschließlich Englisch Verkehrssprache ist. Fort Garry, ein Handelsposten der Hudson Bay Company in Manitoba, wird zur Provinzhauptstadt. Die neue Provinz umfasst nur 5,6 Prozent des späteren Ausmaßes von 1912 und wird daher in Kanada als "Briefmarken-Provinz" verspottet. Zum ersten Premierminister Manitobas, der hier "Chief Minister" genannt wird, wird Alfred Boyd bestimmt, der sich wohl vor allem für das Amt qualifiziert, weil er zweisprachig und ein Gegner des Rebellen Louis Riels ist. | ||||||||
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Vereinigte Staaten von Amerika / Georgia / Konföderierte Staaten von Amerika Georgia wird als letzter der ehemaligen Konföderierten Staaten von Amerika wieder in die Union aufgenommen. Mit dem Wiedereintritt Georgias als letzten konföderierten Staat in die Vereinigten Staaten von Amerika wird der Bund der Konföderierten Staaten von Amerika („Südstaaten“) de facto aufgelöst. | ||||||||
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Norddeutscher Bund / Großherzogtum Baden / Französisches Königreich Der Bundesrat tritt zusammen und erklärt sich mit den Erklärungen und der Ablehnung des Kanzlers Otto Graf von Bismarck zu den Forderungen Frankreichs, dass niemals ein Angehöriger des Hauses Hohenzollern ohne die Erlaubnis des französischen Königshauses König in einem anderen Land werden darf, einverstanden. Die Mobilisierung Preußens wird angeordnet, ebenso mobilisiert der Großherzog von Baden seine Armee für einen eventuellen Krieg gegen Frankreich. | ||||||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen / Französisches Königreich Die französische Legislative bewilligt bei nur sechs Gegenstimmen die Finanzmittel für einen Krieg gegen Preußen. | ||||||||
Schweizerische Eidgenossenschaft Der Bundesrat der Schweiz erklärt in der sich ankündigenden kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich die Neutralität der Schweiz. Gleichzeitig werden fünf Divisionen mobilisiert. | |||||||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Württemberg / Französisches Königreich Angesichts der Möglichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung der Länder des Norddeutschen Bundes oder der Nachbarn Bayern und Badens gegen Frankreich wird in Württemberg die Mobilisierung der Armee angeordnet.
Königreich Italien / Kirchenstaat
Norddeutscher Bund / Großherzogtum Baden / Königreich Württemberg / Königreich Bayern / Kaiserreich Frankreich / Österreich-Ungarische Monarchie
Norddeutscher Bund (Königreich Preußen)
Norddeutscher Bund / Kaiserreich Frankreich
Norddeutscher Bund / Kaiserreich Frankreich
Norddeutscher Bund (Königreich Preußen)
Norddeutscher Bund (Königreich Preußen) Österreich-Ungarische Monarchie | ||||||||
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