Chronik 1870: Unterschied zwischen den Versionen
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| style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center> [[Datei:Schweiz.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Schweizerische Eidgenossenschaft]]'''<br> | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center> [[Datei:Schweiz.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Schweizerische Eidgenossenschaft]]'''<br> | ||
[[Datei:Jakob Dubs.jpg|thumb|150px|''Der neue Präsident Jakob Dubs'']] Der neue Bundesrat nimmt seine Arbeit auf. Der 48 Jahre alte ehemalige Kantonsrat, Regierungsrat, Nationalrat und Ständerat Jakob Dubs übernimmt zum dritten Mal nach 1864 und 1868 die Präsidentschaft. Präsident Dubs ist seit 1866 auch Präsident des "Hülfsvereins für schweizerische Wehrmänner und deren Familien", einem Vorläuferverband des Roten Kreuzes. Die Mitglieder des Bundesrates sind: <br> | [[Datei:Jakob Dubs.jpg|thumb|150px|''Der neue Präsident Jakob Dubs'']] Der neue Bundesrat nimmt seine Arbeit auf. Der 48 Jahre alte ehemalige Kantonsrat, Regierungsrat, Nationalrat und Ständerat Jakob Dubs übernimmt zum dritten Mal nach 1864 und 1868 die Präsidentschaft. Präsident Dubs ist seit 1866 auch Präsident des "Hülfsvereins für schweizerische Wehrmänner und deren Familien", einem Vorläuferverband des Roten Kreuzes. Die Mitglieder des Bundesrates sind: <br> | ||
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'''Präsident:''' Jakob Dubs, Parti radical-démocratique (PRD) <br> | '''Präsident:''' Jakob Dubs, Parti radical-démocratique (PRD) <br> | ||
'''Vizepräsident:''' Karl Emmanuel Schenk, Parti radical-démocratique (PRD) <br> | '''Vizepräsident:''' Karl Emmanuel Schenk, Parti radical-démocratique (PRD) <br> | ||
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'''Bundesrat:''' Jean-Jacques Challet-Venel, Parti radical-démocratique (PRD) <br> | '''Bundesrat:''' Jean-Jacques Challet-Venel, Parti radical-démocratique (PRD) <br> | ||
'''Bundesrat:''' Wilhelm Matthias Naeff, Parti radical-démocratique (PRD) <br> | '''Bundesrat:''' Wilhelm Matthias Naeff, Parti radical-démocratique (PRD) <br> | ||
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| style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center> [[Datei:Norddeutscher Bund.gif|50px]] [[Datei:Preußen 1863-1918.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Norddeutscher Bund]] / [[Königreich Preußen]]''' <br> | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center> [[Datei:Norddeutscher Bund.gif|50px]] [[Datei:Preußen 1863-1918.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Norddeutscher Bund]] / [[Königreich Preußen]]''' <br> | ||
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[[Datei:Kaiser Napoleon III.jpg|thumb|150px|left|''Kaiser Napoléon III.'']] [[Datei:Emile Ollivier.jpg|thumb|150px|''Ministerpräsident Émile Ollivier'']] Frankreich wird konstitutionelle Monarchie. Die diktatorischen Vollmachten von Kaiser Napoléon III. werden zurück genommen. Vom Kaiser beauftragt, bildet der 45 Jahre alte Oppositionspolitiker Émile Ollivier aus Marseille ein liberales Reformkabinett, das den Interessen der protektionistischen Geschäftswelt und der Konservativen stärker Rechnung trägt. Das Kabinett geht in die Geschichte ein als das "Ministerium des 2. Januar". Ollivier übernimmt zusätzlich das Amt des Justizministers. Ollivier unterhält neben seinen politischen Ämtern viele Verbindungen in die Welt der Literatur und der Kunst und ist Verfechter Richard Wagners, der bislang in Frankreich keine hohe Anerkennung genießt. Ollivier ist seit 1862 verwitwet; er war mit Blandine Liszt, der ältesten Tochter des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt und seiner Geliebten Marie d'Agoult verheiratet. Das zweite Kabinett des Zweiten Kaiserreiches unter Kaiser Napoléon III. besteht aus folgenden Mitgliedern: <br> | [[Datei:Kaiser Napoleon III.jpg|thumb|150px|left|''Kaiser Napoléon III.'']] [[Datei:Emile Ollivier.jpg|thumb|150px|''Ministerpräsident Émile Ollivier'']] Frankreich wird konstitutionelle Monarchie. Die diktatorischen Vollmachten von Kaiser Napoléon III. werden zurück genommen. Vom Kaiser beauftragt, bildet der 45 Jahre alte Oppositionspolitiker Émile Ollivier aus Marseille ein liberales Reformkabinett, das den Interessen der protektionistischen Geschäftswelt und der Konservativen stärker Rechnung trägt. Das Kabinett geht in die Geschichte ein als das "Ministerium des 2. Januar". Ollivier übernimmt zusätzlich das Amt des Justizministers. Ollivier unterhält neben seinen politischen Ämtern viele Verbindungen in die Welt der Literatur und der Kunst und ist Verfechter Richard Wagners, der bislang in Frankreich keine hohe Anerkennung genießt. Ollivier ist seit 1862 verwitwet; er war mit Blandine Liszt, der ältesten Tochter des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt und seiner Geliebten Marie d'Agoult verheiratet. Das zweite Kabinett des Zweiten Kaiserreiches unter Kaiser Napoléon III. besteht aus folgenden Mitgliedern: <br> | ||
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'''Premierminister und Justizminister:''' Émile Ollivier, Bonapartist <br> | '''Premierminister und Justizminister:''' Émile Ollivier, Bonapartist <br> | ||
'''Außenminister:''' Napoléon Daru <br> | '''Außenminister:''' Napoléon Daru <br> | ||
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'''Innenminister:''' Jean-Pierre Napoléon Eugène Chevandier de Valdrôme <br> | '''Innenminister:''' Jean-Pierre Napoléon Eugène Chevandier de Valdrôme <br> | ||
'''Kriegsminister:''' Edmond Lebœuf <br> | '''Kriegsminister:''' Edmond Lebœuf <br> | ||
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| style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center> '''[[Chronik 1870|03.01.1870]]''' <br> [[Datei:USA 1867-1877.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[New York]]'''<br> | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center> '''[[Chronik 1870|03.01.1870]]''' <br> [[Datei:USA 1867-1877.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[New York]]'''<br> | ||
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| style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 1870|15.01.1870]]''' <br> [[Datei:Österreich-Ungarn.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Österreich-Ungarische Monarchie]]''' <br> | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 1870|15.01.1870]]''' <br> [[Datei:Österreich-Ungarn.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Österreich-Ungarische Monarchie]]''' <br> | ||
[[Datei:Eduard Taaffe.jpg|thumb|150px|''Der scheidende österreich-ungarische Ministerpräsident Eduard Taaffe'']] Nach 15 Monaten im Amt des Ministerpräsidenten sowie des Ministers für die Landesverteidigung des österreichischen Teils von Österreich-Ungarn wird Graf Eduard Taaffe von Kaiser Franz Joseph I. auf eigenen Wunsch von allen Ämtern enthoben. Auch der Ackerbauminister Graf Alfred Józef Potocki und der Minister ohne Portefeuille Dr. Johann Nepomuk Berger suchen um Amtsenthebung nach, die auch gewährt wird. Der scheidende Ministerpräsident Eduard Graf Taaffe (* 24.02.1833 in Wien) ist uradeliger irischer Herkunft und hält in der Peerage of Ireland die Titel eines Viscount Taaffe of Corren und Baron of Ballymote. Graf Taaffe (seit 1873, nach dem Tod seines älteren Bruders Karl, auch 11. Viscount Taaffe) war ein Jugendfreund von Kaiser Franz Joseph I.; Taaffe studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Auf Grund der Vertrauensposition beim Kaiser wurde er mit 28 Jahren, 1861, Statthaltereirat und Leiter der Kreisbehörde in Prag, 1863 Landespräsident (Landeschef) im Kronland Salzburg und war im Januar und Februar 1867 Statthalter (Landeschef) im Kronland Österreich ob der Enns. In der Amtszeit von Ministerpräsident Friedrich Ferdinand von Beust, der zu dieser Zeit den österreichisch-ungarischen Ausgleich verhandelte und abschloss, berief ihn der Kaiser im Februar 1867 zum Leiter des Verwaltungsministeriums und ernannte ihn im März zum Minister des Inneren. Anschließend wurde er zum Jahresende 1867 zum Stellvertreter des Ministerpräsidenten Fürst Karl von Auersperg ernannt und zugleich mit den Agenden für Landesverteidigung und öffentliche Sicherheit betraut. Nach dem Ausscheiden Auerspergs ernannte ihn der Kaiser am 24. September 1868 zum k.k. Ministerpräsidenten und Landesverteidigungsminister. Da er im so genannten Bürgerministerium mit seiner Absicht, den Forderungen der nichtdeutschen Nationalitäten besser zu entsprechen, in der Minderheit blieb, suchte er um Enthebung an, die ihm der Kaiser am 15. Jänner 1870 erteilte. Das neue Kabinett des österreichischen Teils von Österreich-Ungarn: <br> | [[Datei:Eduard Taaffe.jpg|thumb|150px|''Der scheidende österreich-ungarische Ministerpräsident Eduard Taaffe'']] Nach 15 Monaten im Amt des Ministerpräsidenten sowie des Ministers für die Landesverteidigung des österreichischen Teils von Österreich-Ungarn wird Graf Eduard Taaffe von Kaiser Franz Joseph I. auf eigenen Wunsch von allen Ämtern enthoben. Auch der Ackerbauminister Graf Alfred Józef Potocki und der Minister ohne Portefeuille Dr. Johann Nepomuk Berger suchen um Amtsenthebung nach, die auch gewährt wird. Der scheidende Ministerpräsident Eduard Graf Taaffe (* 24.02.1833 in Wien) ist uradeliger irischer Herkunft und hält in der Peerage of Ireland die Titel eines Viscount Taaffe of Corren und Baron of Ballymote. Graf Taaffe (seit 1873, nach dem Tod seines älteren Bruders Karl, auch 11. Viscount Taaffe) war ein Jugendfreund von Kaiser Franz Joseph I.; Taaffe studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Auf Grund der Vertrauensposition beim Kaiser wurde er mit 28 Jahren, 1861, Statthaltereirat und Leiter der Kreisbehörde in Prag, 1863 Landespräsident (Landeschef) im Kronland Salzburg und war im Januar und Februar 1867 Statthalter (Landeschef) im Kronland Österreich ob der Enns. In der Amtszeit von Ministerpräsident Friedrich Ferdinand von Beust, der zu dieser Zeit den österreichisch-ungarischen Ausgleich verhandelte und abschloss, berief ihn der Kaiser im Februar 1867 zum Leiter des Verwaltungsministeriums und ernannte ihn im März zum Minister des Inneren. Anschließend wurde er zum Jahresende 1867 zum Stellvertreter des Ministerpräsidenten Fürst Karl von Auersperg ernannt und zugleich mit den Agenden für Landesverteidigung und öffentliche Sicherheit betraut. Nach dem Ausscheiden Auerspergs ernannte ihn der Kaiser am 24. September 1868 zum k.k. Ministerpräsidenten und Landesverteidigungsminister. Da er im so genannten Bürgerministerium mit seiner Absicht, den Forderungen der nichtdeutschen Nationalitäten besser zu entsprechen, in der Minderheit blieb, suchte er um Enthebung an, die ihm der Kaiser am 15. Jänner 1870 erteilte. Das neue Kabinett des österreichischen Teils von Österreich-Ungarn: <br> | ||
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'''Ministerpräsident und Minister für Landesverteidigung und öffentliche Sicherheit sowie Handelsminister:''' Ignaz von Plener <br> | '''Ministerpräsident und Minister für Landesverteidigung und öffentliche Sicherheit sowie Handelsminister:''' Ignaz von Plener <br> | ||
'''Minister für Finanzen:''' Dr. Rudolf Brestel <br> | '''Minister für Finanzen:''' Dr. Rudolf Brestel <br> | ||
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'''Minister für Ackerbau:''' N.N. <br> | '''Minister für Ackerbau:''' N.N. <br> | ||
'''Minister für Kultus und Unterricht:''' Dr. Leopold Hasner Ritter von Artha <br> | '''Minister für Kultus und Unterricht:''' Dr. Leopold Hasner Ritter von Artha <br> | ||
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[[Datei:Ignaz von Plener.jpg|thumb|150px|''Der neue österreich-ungarische Ministerpräsident Ignaz von Plener'']] Der neue Ministerpräsident Ignaz von Plener (* 21. Mai 1810 in Wien) studierte von 1827 bis 1833 Rechtswissenschaft an der Universität Wien und trat 1836 in den Staatsdienst ein. 1841 kam er als Finanzrat nach Eger, 1848 nach Prag, später nach Pest und 1851 als Landesfinanzdirektor nach Pressburg. 1856 wurde er geadelt („Edler von“), 1857 als Landesfinanzdirektor nach Lemberg berufen. Er war wesentlich beteiligt an der Durchsetzung der neoabsolutistischen Steuerverwaltung in der Monarchie. 1859 kehrte er als Mitglied des Reichsrats nach Wien zurück, wo er sich für die parlamentarische Finanzkontrolle einsetzte. Von 1860 bis 1865 war Plener österreichischer Finanzminister. Schon 1862 konnte er durch Sparpolitik und Reduzierung des Banknotenumlaufs einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Damit schuf er die Grundlagen für den wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerzeit. Er war beteiligt an der Ausarbeitung des Februarpatents und ab 1861 Mitglied des böhmischen Landtags. Er bekämpfte die absolutistische und föderalistische Politik von Ministerpräsident Richard Belcredi. Aus Protest gegen dessen Beugung der Verfassung trat er 1865 zurück. Für Plener war der Zentralismus lebensnotwendig, ''denn die Deutschen wollen und müssen es wollen, dass sie, weil in Böhmen sich in der Minorität befindend, mit den Deutschen der anderen Kronländer ein geeintes Ganze mittels des Central-Parlaments bilden, damit sie nicht im böhmischen Landtag ... aufgehen''. Er sah in der deutschen (im heutigen Sprachgebrauch: deutschösterreichischen) Dominanz und der ungestörten Verbindung mit den Deutschböhmen und Deutschmährern eine elementare Voraussetzung für nationale Existenz und Stärke des „Austrodeutschtums“. Im Bürgerministerium von 1867 bis 1870 war Plener Handelsminister. Sein besonderes Interesse galt dabei dem Ausbau des Eisenbahnsystems durch Konzessionierung vieler Privatbahnen, einer Reform der Großbanken, Einführung der Statistik und des Haftpflichtgesetzes, sowie der Neuorganisation der Handelskammern. <br> | [[Datei:Ignaz von Plener.jpg|thumb|150px|''Der neue österreich-ungarische Ministerpräsident Ignaz von Plener'']] Der neue Ministerpräsident Ignaz von Plener (* 21. Mai 1810 in Wien) studierte von 1827 bis 1833 Rechtswissenschaft an der Universität Wien und trat 1836 in den Staatsdienst ein. 1841 kam er als Finanzrat nach Eger, 1848 nach Prag, später nach Pest und 1851 als Landesfinanzdirektor nach Pressburg. 1856 wurde er geadelt („Edler von“), 1857 als Landesfinanzdirektor nach Lemberg berufen. Er war wesentlich beteiligt an der Durchsetzung der neoabsolutistischen Steuerverwaltung in der Monarchie. 1859 kehrte er als Mitglied des Reichsrats nach Wien zurück, wo er sich für die parlamentarische Finanzkontrolle einsetzte. Von 1860 bis 1865 war Plener österreichischer Finanzminister. Schon 1862 konnte er durch Sparpolitik und Reduzierung des Banknotenumlaufs einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Damit schuf er die Grundlagen für den wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerzeit. Er war beteiligt an der Ausarbeitung des Februarpatents und ab 1861 Mitglied des böhmischen Landtags. Er bekämpfte die absolutistische und föderalistische Politik von Ministerpräsident Richard Belcredi. Aus Protest gegen dessen Beugung der Verfassung trat er 1865 zurück. Für Plener war der Zentralismus lebensnotwendig, ''denn die Deutschen wollen und müssen es wollen, dass sie, weil in Böhmen sich in der Minorität befindend, mit den Deutschen der anderen Kronländer ein geeintes Ganze mittels des Central-Parlaments bilden, damit sie nicht im böhmischen Landtag ... aufgehen''. Er sah in der deutschen (im heutigen Sprachgebrauch: deutschösterreichischen) Dominanz und der ungestörten Verbindung mit den Deutschböhmen und Deutschmährern eine elementare Voraussetzung für nationale Existenz und Stärke des „Austrodeutschtums“. Im Bürgerministerium von 1867 bis 1870 war Plener Handelsminister. Sein besonderes Interesse galt dabei dem Ausbau des Eisenbahnsystems durch Konzessionierung vieler Privatbahnen, einer Reform der Großbanken, Einführung der Statistik und des Haftpflichtgesetzes, sowie der Neuorganisation der Handelskammern. <br> | ||
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Version vom 18. Mai 2017, 05:05 Uhr
DIE EREIGNISSE IM JANUAR 1870
... und im Jahr 1870 (ohne genaue Datumsangabe)
DIE SCHLAGZEILEN DES MONATS
Frankreich wird eine konstitutionelle Monarchie
Virginia wird wieder Mitglied der Vereinigten Staaten von Amerika
Die H.M.S. CITY OF BOSTON verschwindet spurlos mit 191 Menschen an Bord im Nordatlantik
Home | ![]() Erste Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung im Roten Rathaus |
(nach Geburtsjahr geordnet) | ||||
Jahres-Chroniken | ||||||
Länderchroniken |
Nation | Name | Regierungszeit | ||
---|---|---|---|---|
Premierminister William Ewart Gladstone |
03.12.1868-20.02.1874 | |||
![]() |
(Kirchenstaat) |
|||
Präsident des Ministerrates Eduard Graf Taaffe Präsident des Ministerrates Ignaz Edler von Plener |
24.09.1868-15.01.1870 15.01.1870-01.02.1870 | |||
![]() |
Siegelbewahrer und Minister für Justiz und Religion Jean Baptiste Duvergier Siegelbewahrer und Minister für Justiz und Religion Émile Ollivier |
17.07.1869-02.01.1870 02.01.1870-09.08.1870 | ||
Vorsitzender des Ministerrates Pawel Pawlowitsch Gagarin |
02.03.1864-04.03.1872 | |||
![]() |
Ministerpräsident Otto Graf von Bismarck |
23.09.1862-01.01.1873 | ||
Vizepräsident Schuyler Colfax |
04.03.1869-04.03.1873 |
Rang | Name | Nation/Region | Einwohner | |
---|---|---|---|---|
50px London | 3.841.000 | |||
![]() |
2.300.000 | |||
50px New York | 1.469.000 | |||
50px Wien | 901.000 | |||
![]() |
875.000 | |||
50px St. Petersburg | 843.000 | |||
50px Berlin | 826.000 | |||
![]() |
800.000 | |||
50px Bombay | 645.000 | |||
50px Moskau | 602.000 | |||
![]() |
596.000 |
Chronik 1860 / Chronik 1861 / Chronik 1862 / Chronik 1863 / Chronik 1864 / Chronik 1865 / Chronik 1866 / Chronik 1867 / Chronik 1868 | |||||
Chronik Januar 1869 / Februar 1869 / März 1869 / April 1869 / Mai 1869 / Juni 1869 / Juli 1869 / August 1869 / September 1869 / Oktober 1869 / November 1869 / Dezember 1869 | |||||
Chronik Januar 1870 / Februar 1870 / März 1870 / April 1870 / Mai 1870 / Juni 1870 / Juli 1870 / August 1870 / September 1870 / Oktober 1870 / November 1870 / Dezember 1870 | |||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen / Hansestadt Hamburg / Hansestadt Bremen Die Eisenbahnstrecke Wanne - Münster wird eröffnet; sie ist Teil eines durch eine französische Initiative entstandenen Projektes zum Bau einer direkten Bahnverbindung von Paris nach Hamburg mit Möglichkeit einer Fortsetzung bis nach Skandinavien. Gleichzeitig ist es Bedingung des preußischen Staates, diese Strecke aus strategischen Gründen nördlich am Ruhrgebiet vorbei zu führen. Konkretisieren ließen sich die Pläne erst, als nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 die Strecke zwischen Venlo und Hamburg in ganzer Länge auf preußischem Gebiet geführt werden kann. Den Auftrag zum Bau und Betrieb der Hamburg-Venloer Bahn erhielt die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft. Sie begann den Bau des östlichen Streckenteils im Bahnhof Wanne an ihrer Stammstrecke (Köln–)Deutz–Minden, der dann im Bahnhof Haltern auf die projektierte Trasse stieß, und baut nun von dort aus zunächst nordwärts weiter. Mit dem Streckenbau westlich von Haltern lässt man sich Zeit, weil der Bau der Eisenbahnbrücke in Wesel erhebliche Zeit in Anspruch nehmen wird. Mit dem Bau der Elbbrücken bei Hamburg wird in Kürze begonnen werden. | ||||
Schweizerische Eidgenossenschaft Der neue Bundesrat nimmt seine Arbeit auf. Der 48 Jahre alte ehemalige Kantonsrat, Regierungsrat, Nationalrat und Ständerat Jakob Dubs übernimmt zum dritten Mal nach 1864 und 1868 die Präsidentschaft. Präsident Dubs ist seit 1866 auch Präsident des "Hülfsvereins für schweizerische Wehrmänner und deren Familien", einem Vorläuferverband des Roten Kreuzes. Die Mitglieder des Bundesrates sind:
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen In Berlin wird das Geodätische Institut gegründet. Eine Denkschrift hierzu wurde von Johann Jacob Baeyer und Wilhelm Foerster am 16. März 1867 verfasst und beim Preußischen Kultusministerium eingereicht. Mit der Gründung des Institutes wird Baeyer, der als Begründer der mitteleuropäischen Gradmessung gilt, zum Präsidenten berufen; es ist geplant, dass unter seiner Leitung jährlich ein „Generalbericht der europäischen Gradmessung“ veröffentlicht werden soll. J.J.Baeyer ist seit 1865 Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und seit 1868 Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er trägt außerdem die Ehrendoktorwürde der Universität wien und ist Mitglied der italienischen und russischen wissenschaftlichen Akademien. Das Schulgeld an den Berliner Gemeindeschulen wird aufgehoben. | ||||
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Französisches Kaiserreich Frankreich wird konstitutionelle Monarchie. Die diktatorischen Vollmachten von Kaiser Napoléon III. werden zurück genommen. Vom Kaiser beauftragt, bildet der 45 Jahre alte Oppositionspolitiker Émile Ollivier aus Marseille ein liberales Reformkabinett, das den Interessen der protektionistischen Geschäftswelt und der Konservativen stärker Rechnung trägt. Das Kabinett geht in die Geschichte ein als das "Ministerium des 2. Januar". Ollivier übernimmt zusätzlich das Amt des Justizministers. Ollivier unterhält neben seinen politischen Ämtern viele Verbindungen in die Welt der Literatur und der Kunst und ist Verfechter Richard Wagners, der bislang in Frankreich keine hohe Anerkennung genießt. Ollivier ist seit 1862 verwitwet; er war mit Blandine Liszt, der ältesten Tochter des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt und seiner Geliebten Marie d'Agoult verheiratet. Das zweite Kabinett des Zweiten Kaiserreiches unter Kaiser Napoléon III. besteht aus folgenden Mitgliedern:
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Vereinigte Staaten von Amerika / New York Der Bau einer der ersten Hängebrücken in den Vereinigten Staaten von Amerika, die "New York and Brooklyn Bridge" (heute Brooklyn Bridge), wird begonnen. Die Brücke soll in 13 Jahren den East River überspannen und die Stadtteile Manhattan und Brooklyn miteinander verbinden. Die Brücke soll nach ihrer Fertigstellung die längste Hängebrücke der Welt werden und alle ihre Vorgänger um mehr als 50 Prozent übertreffen. Die Idee einer Brücke zwischen Manhattan und Brooklyn wird schon seit Beginn der Jahrhundertwende diskutiert, scheiterte aber bisher immer am East River, der kein Fluss, sondern ein Meeresarm mit starken gezeitenabhängigen Strömungen und dichtem Schiffsverkehr ist. Eine Brücke ohne störende Pfeiler, die den Meeresarm weit über den Schiffsmasten in einer großen Spanne überquert, wäre die ideale Lösung, schien aber bisher jenseits aller technischen Möglichkeiten zu sein. Der deutsch-amerikanische Ingenieur John August Roebling, der aus Mühlhausen in Thüringen stammte, hat bereits mehrere Hängebrücken konstruiert und 1855 die Niagara Falls Suspension Bridge mit einer Spannweite von 260 m fertiggestellt. Er ist auch der Inhaber einer Seilerei, die Drahtseile aus hochfesten Stahldrähten herstellen kann. Er projektierte eine Hängebrücke, für die er auch schon Pläne mit zahlreichen Einzelheiten ausgearbeitet hatte, samt den beiden großen Granittürmen mit den vier Tragkabeln. Die Stadtverwaltungen von New York und Brooklyn reagierten zurückhaltend. Roebling konnte aber einen Geschäftsmann und Zeitungsverleger für die Idee begeistern, dem es nach längeren Bemühungen gelang, ein Gesetz des Staates New York zu erwirken, wonach eine private Gesellschaft eine Brücke über den East River bauen dürfe. 1867 wurde die New York Bridge Company gegründet. 1869 wurden Roeblings Pläne genehmigt und er selbst zum Chief Engineer für den Brückenbau ernannt. Bei der Besichtigung des für einen der Türme vorgesehenen Platzes wurde Roebling jedoch Opfer eines Unfalls, bei dem sein Fuß von einer Fähre eingequetscht wurde. Er starb nur drei Wochen später infolge einer Blutvergiftung. Sein Sohn Washington übernahm daraufhin die Leitung des Projektes. Die eigentlichen Bauarbeiten an der Brooklyn Bridge beginnen mit den Vorbereitungen für die Fundamente der Türme und der Anker. Die bis zu 23 Meter tiefen Baugruben werden mit Hilfe von Senkkästen ausgehoben, ein in den USA erstmals eingesetztes Verfahren, das noch nicht voll beherrscht wird und dessen medizinische Probleme überhaupt noch nicht verstanden werden, da die Dekompressionskrankheit oder Caissonkrankheit noch nicht erforscht ist. | ||||
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Argentinische Republik Der 49 Jahre alte, frühere argentinische Präsident Bartolomé Mitre gründet zusammen mit mehreren anderen Personen in Buenos Aires die Tageszeitung "La Nación". Mitre war von 1862 bis 1868 der erste Präsident der Argentinischen Republik. | ||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen Der deutsche Psychologe Moritz (eigentlich Moses) Lazarus ruft gemeinsam mit Israel Marcus Salomon in Berlin zur Gründung einer „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ auf. Lazarus' Plan ist der Aufbau einer unabhängigen Lehranstalt zum Zwecke der Erhaltung, Fortbildung und Verbreitung der Wissenschaft des Judentums. | ||||
Österreich-Ungarische Monarchie Gründung der (ursprünglich) liberalen „Steyrer Volkszeitung“ in Oberösterreich. | |||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hält in dem zwischen 1861 und 1869 erbauten Roten Rathaus ihre erste Sitzung ab. | ||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Französisches Kaiserreich Der Kanzler des Norddeutschen Bundes, Fürst Otto von Bismarck, bespricht seinen "Kaiserplan" mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich, da dieser durch seine Ehe mit Prinzessin Victoria von England gute Verbindungen nach Großbritannien hat. Der britische Botschafter, der mit dem Kronprinzen in Kontakt steht, sagt zu, mit Frankreich Kontakt aufnehmen zu wollen. Frankreich wird mit Protest reagieren. Bismarck ging ohnehin davon aus, dass seine Initiative längere Zeit benötigen wird. Überraschend äußert sich der antipreußische Politiker Nepomuk Sepp in der Zweiten Kammer Bayerns verhalten positiv, zumindest nicht ablehnend über einen deutschen Kaiser. Käme es zu einer neuen Nationalversammlung wie in Frankfurt, dann könne er auch an ein einiges Deutschland glauben. Bismarck erhält die Hilfe von Julius Fröbel bei der Absicht, erst in Süddeutschland und vornehmlich in Bayern Anschub für den Kaisertitel zu finden, und erst dann wieder die europäische Ebene aufzusuchen. | ||||
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Republik Haiti Bei Unruhen zwischen Anhängern und Gegnern des am 27. Dezember des Vorjahres gestürzten Provisorischen Präsidenten Sylvain Salnave kommen in der von seinem Nachfolger eroberten Hauptstadt Port-au-Prince viele Menschen ums Leben. | ||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen Die Firma "Ludwig Loewe & Co KG a.A. für Fabrikation von Nähmaschinen" wird mit einem Kapital von einer Million Talern, von dem 25 Prozent eingezahlt sind, in das Berliner Handelsregister eingetragen. Loewe gründete seine Generalagentur für Maschinen bereits 1861, erst 1869/70 erfolgte die Umgründung zur Nähmaschinenfabrik. Loewe trifft auch Vorbereitungen zur Aufnahme der Produktion von Waffen und Munition | ||||
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Vereinigte Staaten von Amerika / Ohio John D. Rockefeller reorganisiert als Mitinhaber eine Raffineriefirma und nennt das neue Unternehmen Standard Oil Company, das in Cleveland, Ohio, auf seinen und den Namen seiner Geschäftspartner, darunter Henry M. Flagler, registriert wird. Bereits 1863 gründete Rockefeller zusammen mit einem Partner eine kleine Erdölraffinerie in Cleveland. Das Unternehmen war erfolgreich und wuchs stetig. Aus dieser Firma entsteht nun die neue Company. | ||||
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Österreich-Ungarische Monarchie Nach 15 Monaten im Amt des Ministerpräsidenten sowie des Ministers für die Landesverteidigung des österreichischen Teils von Österreich-Ungarn wird Graf Eduard Taaffe von Kaiser Franz Joseph I. auf eigenen Wunsch von allen Ämtern enthoben. Auch der Ackerbauminister Graf Alfred Józef Potocki und der Minister ohne Portefeuille Dr. Johann Nepomuk Berger suchen um Amtsenthebung nach, die auch gewährt wird. Der scheidende Ministerpräsident Eduard Graf Taaffe (* 24.02.1833 in Wien) ist uradeliger irischer Herkunft und hält in der Peerage of Ireland die Titel eines Viscount Taaffe of Corren und Baron of Ballymote. Graf Taaffe (seit 1873, nach dem Tod seines älteren Bruders Karl, auch 11. Viscount Taaffe) war ein Jugendfreund von Kaiser Franz Joseph I.; Taaffe studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Auf Grund der Vertrauensposition beim Kaiser wurde er mit 28 Jahren, 1861, Statthaltereirat und Leiter der Kreisbehörde in Prag, 1863 Landespräsident (Landeschef) im Kronland Salzburg und war im Januar und Februar 1867 Statthalter (Landeschef) im Kronland Österreich ob der Enns. In der Amtszeit von Ministerpräsident Friedrich Ferdinand von Beust, der zu dieser Zeit den österreichisch-ungarischen Ausgleich verhandelte und abschloss, berief ihn der Kaiser im Februar 1867 zum Leiter des Verwaltungsministeriums und ernannte ihn im März zum Minister des Inneren. Anschließend wurde er zum Jahresende 1867 zum Stellvertreter des Ministerpräsidenten Fürst Karl von Auersperg ernannt und zugleich mit den Agenden für Landesverteidigung und öffentliche Sicherheit betraut. Nach dem Ausscheiden Auerspergs ernannte ihn der Kaiser am 24. September 1868 zum k.k. Ministerpräsidenten und Landesverteidigungsminister. Da er im so genannten Bürgerministerium mit seiner Absicht, den Forderungen der nichtdeutschen Nationalitäten besser zu entsprechen, in der Minderheit blieb, suchte er um Enthebung an, die ihm der Kaiser am 15. Jänner 1870 erteilte. Das neue Kabinett des österreichischen Teils von Österreich-Ungarn:
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Republik Haiti Ein Militärtribunal verurteilt den ehemaligen Präsidenten Sylvain Salnave (* 07.02.1826 in Cap-Haitien) unter dem Vorwurf des Hochverrats zum Tode. Salnave war zunächst Offizier im haitianischen Militär, als Major Anführer eines Aufstandes, der jedoch niedergeschlagen wurde. Nach der Flucht des Präsidenten Fabre Geffrard im März 1867 kam Salnave in den Rat der Staatssekretäre, schließlich wurde er selbst im gleichen Jahr offiziell zum Präsidenten der Republik gewählt. Ein paar Monate nach seiner Wahl rebellierten die Kleinbauern im Süden der Insel gegen den Präsidenten, der mittlerweile die Verfassung außer Kraft gesetzt hatte. Das enttäuschte Volk erhob die Waffen gegen die Regierung und erlebte die kritischsten Zeiten seit Beginn der Unabhängigkeit 1804. Die Aufständischen belagerten die Hauptstadt Porte-au-Prince und riefen einen unabhängigen Südstaat aus. Nun ergriff auch der katholische Klerus Partei für die Bauern, woraufhin Salnave den Erzbischof von Porte-au-Prince, Testar du Cosquer, fristlos entließ. Salnave versuchte die Lage zu beruhigen, indem er seine diktatorischen Vollmachten nach und nach niederlegte, allerdings kam diese Erkenntnis zu spät. Im Dezember 1868 gelang es den Rebellen, das Pulverlager des Präsidentenpalastes zu sprengen, noch am Ende des Jahres konstituierte sich eine neue provisorische Regierung. Salnave floh in die benachbarte Dominikanische Republik, allerdings wurde er vom dominikanischen General José María Cabral, der Sympathien für seine Gegner hatte, heute an die Aufständischen ausgeliefert. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Port-au-Prince wird er vor einem Kriegsgericht angeklagt, von diesem zum Tode verurteilt und noch am selben Tag um 18 Uhr an einem Pfahl auf dem Gelände des heruntergebrannten Regierungssitzes gefesselt durch Erschießen hingerichtet. | ||||
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britisches Protektorat Basutoland Häuptling Moshoeshoe I., der Gründervater des Volkes der Basotho (im heutigen Lesotho) stirbt im Alter von mindestens 70 Jahren. Dank seines Mutes und seines Friedenswillens gelang es ihm, sein Stammesgebiet gegenüber den Zulu und den Besitzansprüchen der Buren zu verteidigen. 1866 wurde Basutoland offenbar mit Billigung Moshoeshoes I. durch die Briten annektiert und 1868 zum britischen Protektorat erklärt. Moshoeshoe I. blieb Häuptling und konnte sich so dem Zugriff der Burenrepublik entziehen. Der Verstorbene gilt als weiser und ehrlicher Vater der Nation. | ||||
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen In Berlin findet die Gründungsversammlung der Deutschen Bank als Aktiengesellschaft statt. Das Protokoll dieser Versammlung wird an den preußischen Handelsminister Heinrich Friedrich von Itzenplitz gesandt, der das Gründungsverfahren vorantreiben soll; dieser hat das Wohlwollen des preußischen Kanzlers Otto Graf von Bismarck. Dem Gründungskomitee des neuen Unternehmens gehören an:
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Französisches Kaiserreich Achille-Léon-Victor, 3. duc de Broglie (* 1. Dezember 1785 in Paris) stirbt in seiner Geburtsstadt. Victor de Broglie war ein französischer Staatsmann und Diplomat. Vom 31. Juli 1830 bis 1. August 1830 war er provisorischer Innenminister von Frankreich, vom 11. August 1830 bis 2. November 1830 Bildungsminister und von 11. Oktober 1832 bis 4. April 1834 sowie von 12. März 1835 bis 22. Februar 1836 Außenminister von Frankreich. In seiner zweiten Amtszeit als Außenminister war er zugleich Ministerpräsident gewesen. | ||||
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Vereinigte Staaten von Amerika / Virginia / West Virginia Virginia wird wieder in die Vereinigten Staaten von Amerika aufgenommen. Nachdem Virginia wieder mit allen Rechten in die Union aufgenommen ist, setzt der Supreme Court die Rechtmäßigkeit der Abspaltung West Virginias in einem Gerichtsurteil über die Zugehörigkeit zweier Countys zu West Virginia voraus. Von nun an bezeichnen die Bewohner West Virginias ihren Staat selbstironisch als Irland der USA. | ||||
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Dominion of Canada Nach dem Ablegen in Halifax verschwindet der britische Passagierdampfer CITY OF BOSTON der Reederei Inman Linie mit 191 Menschen an Bord spurlos auf dem Nordatlantik. Die City of Boston der britischen Reederei Inman Line, die am 15. November 1864 in Glasgow vom Stapel lief und im Januar 1865 fertiggestellt. Das Schiff wurde als Transatlantikliner eingesetzt und beförderte seit 1865 Passagiere, Post und Fracht von Liverpool nach New York. Ihr Rumpf war aus Eisen gebaut. Vom Kiel bis zu ihrem Oberdeck waren es 8,4 Meter. Ihr Eigentümer, die 1850 gegründete Gesellschaft Inman Line mit Sitz in Glasgow, gehört derzeit zu den erfolgreichsten Reedereien im Passagierverkehr zwischen Europa und Nordamerika. Sieben bis zum Oberdeck reichende Schotts unterteilten den Rumpf des Schiffes in acht wasserdichte Abteilungen. Die Passagierunterkünfte waren komfortabel ausgestattet und möbliert und wurden durch ein Ventilationssystem mit Frischluft versorgt. Der Hauptsalon maß 12,2 mal 5,5 Meter und war 2,3 Meter hoch. Vom äußeren Erscheinungsbild her war sie der 1863 in Dienst gestellten CITY OF LONDON nachempfunden. Am 8. Februar 1865 legte die CITY OF BOSTON in Liverpool zu ihrer Jungfernfahrt nach New York via Queenstown ab. Auf dieser Route blieb das Schiff während seiner gesamten Dienstzeit. Die letzte Fahrt auf Westkurs vollendete sie am 13. Januar 1870, als sie zehn Tagen nach der Abfahrt in Liverpool in New York eintraf. Anschließend begannen die Vorbereitungen für Rückfahrt nach England. Am Dienstag, dem 25. Januar 1870 legte die CITY OF BOSTON in New York unter dem Kommando von Kapitän J. J. Halcrow zu einer weiteren Atlantiküberquerung ab. Drei Tage später, am 28. Januar, legte sie in Halifax einen Zwischenstopp ein und lief anschließend in den Atlantischen Ozean aus. An Bord befanden sich neben 84 Besatzungsmitgliedern 107 Passagiere, davon 55 in der Ersten Klasse und 52 in der Dritten Klasse. Unter den Passagieren befanden sich einige Offiziere der Royal Artillery sowie 19 Frauen und 13 Kinder. Nach dem Verlassen von Halifax wurde die CITY OF BOSTON nicht mehr gesehen, sie kam nie in Liverpool an. Es wurden weder Trümmer noch menschliche Überreste gefunden, daher ist unklar, was dem Schiff zustieß. Kapitän Hackett des Schoners CHARLES TUPPER, der am 8. Februar 1870 in Halifax einlief, berichtete, dass er am Abend des 31. Januar vor Sable Island ein großes Dampfschiff mit drei Masten gesehen hatte, das verschiedenfarbige Notraketen abfeuerte. Das Schiff sei dann aber verschwunden. Die Inman Line hielt dieses Schiff nicht für die CITY OF BOSTON, da diese ihrer Meinung nach zum besagten Zeitpunkt Sable Island bereits weit hinter sich gelassen haben musste. Das Verschwinden der CITY OF BOSTON löst auf beiden Seiten des Atlantiks große Bestürzung aus und wird ein großes Medienecho zur Folge haben. Aus einer Jahre später gefundenen Flaschenpost geht hervor, dass das Schiff schnell gesunken ist, zudem brannte, dass der Propeller gebrochen war und dass bereits vier Menschen über Bord gegangen waren. Da die Namen, mit denen das Papier unterzeichnet war, nicht auf der Mannschaftsliste auftauchen, wird die Echtheit der Flaschenpost angezweifelt. Kurz vor der Fahrt war der dreiblättrige Propeller des Schiffs durch einen zweiblättrigen ersetzt worden. Es wird hinterher angenommen, dass dieser nicht stark genug war, um die CITY OF BOSTON durch schlechtes Wetter und schwere See zu bringen. Zu den Theorien zur möglichen Ursache des Untergangs zählen ein Hurrikan, der am 29. Januar vor Sable Island gemeldet wurde, sowie die Kollision mit einem Eisberg. Es wird auch angemerkt, dass die CITY OF BOSTON den Hafen von New York mit Passagieren und Fracht vollkommen überladen verlassen und sich zudem in einem nicht seetauglichen Zustand befunden habe. Ihre Ladung bestand aus 390 Tonnen Rindfleisch, 486 Ballen Baumwolle, 36 Ballen Hopfen, 12 Kisten mit Nähmaschinen, 18 Tonnen Presskuchen, 88.500 Pfund Mehl, 189.700 Pfund Speck, 10.376 Pfund Weizen und 82.672 Pfund Talg. Mehreren Augenzeugenberichten zufolge soll das Schiff bei der Abfahrt ungewöhnlich tief im Wasser gelegen haben. | ||||
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Osmanisches Reich / Vilayet Bagdad / Vilayet Mossul / Vilayet Basra / Vilayet Beirut
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Kaiserreich Persien / Norddeutscher Bund / Russisches Kaiserreich Die Gebrüder Siemens richten im Rahmen der Arbeit der Indo-Europäischen Telegrafen-Gesellschaft eine Telegrafenverbindung zwischen Odessa und Teheran über Tiflis und Täbris ein. Die Entwicklung der Kommunikationsmittel sollen dem Schah von Persien ermöglichen, sein Reich effektiver zu regieren; allerdings strebt der Schah danach, Persien zu „europäisieren“. | ||||
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Osmanisches Reich / Vizekönigreich Ägypten - Somaliland Der osmanische Großwesir Mehmed Emin Rauf Pascha besetzt mit seinen Streitkräften die Küste Somalias zu Zeila in Cape Guardafui. | ||||
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Französisches Kaiserreich / Département d'Alger, d'Oran & de Constantine In Algerien existieren 36 franko-arabische Schulen. | ||||
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britisch-Indien
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Königreich Bhutan Ende der Regierungszeit des politisch-administrativen Führers (Druk Desi) Tsondru Pekar und Beginn der Regierungszeit des Druk Desi Jigme Namgyal. In Bhutan ist die Herrschaft zwischen einem religiösen (Je Khenpo) und einem politisch-administrativen Führer (Druk Desi) geteilt. | |||||
Russisches Kaiserreich Der russische Chemiker Dmitri Iwanowitsch Mendelejew stellt in St. Petersburg sein Periodensystem (Periodisches System der Elemente PSE) vor und macht eine Vorhersage für drei neue Elemente. Damit vollendet Mendelejew vorläufig die 50jährige Suche nach einem Zusammenhang zwischen den Atomgewichten und und den chemischen Eigenschaften der Elemente. Mendelejew kam am 8. Februar 1834 als jüngstes von insgesamt 17 Kindern zur Welt. Zwischen 1859 und 1861 arbeitete er auch in Paris über die Dichte der Gase und richtete sich in seiner Wohnung ein eigenes Laboratorium ein. An der Universität in Heidelberg beschäftigte er sich gemeinsam mit Gustav Robert Kirchhoff mit der neuen Untersuchungsmethode der Spektroskopie. Er promovierte 1865 und wurde im gleichen Jahr Professor für Chemie am Technologischen Institut in St. Petersburg. Seine Doktorarbeit verfasste er zum Thema „Über die Verbindung von Alkohol mit Wasser“ und leistete wichtige Beiträge zur qualitativen Verbesserung der russischen Wodkaherstellung. Mendelejew spricht russisch, deutsch und französisch. | |||||
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Französisches Kaiserreich
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Österreichisch-Ungarische Monarchie
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Königreich Bayern Ein Jahr nach Gründung des Deutschen Alpenvereins (DAV) entstehen überall im bayerischen Alpenland Verkehrs- und Verschönerungsvereins, die sich der Schaffung von Infrastruktur für den Tourismus kümmern. Ortsansässige Trachten- und Theatervereine entdecken die Attraktivität ihrer Arbeit für die Touristen. Auch wird das Skilaufen als Sport in den Bergen immer beliebter, wodurch sich der Alpentourismus auf den Winter ausweitet. | |||||
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Österreichisch-Ungarische Monarchie / Norddeutscher Bund / Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin Der in Malchin (im heutigen Mecklenburg-Vorpommern) gebürtige Mechaniker und Erfinder Siegfried Marcus führt in seiner Wahlheimat Österreich-Ungarn erste Fahrversuche mit einem von ihm selbst konstruierten und gebauten primitiven benzinbetriebenen Fahrzeug durch. Möglicherweise ist dies das erste "Automobil" der Weltgeschichte. Wegen seiner vermuteten jüdischen Abstammung wird am 4. Juli 1940 vom "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" des Deutschen Reiches Folgendes verfügt werden: "Das Bibliographische Institut und der Verlag F.A. Brockhaus sind darauf hingewiesen worden, dass in Meyers Konversations Lexikon und im Großen Brockhaus künftig nicht Siegfried Marcus, sondern die beiden deutschen Ingenieure Gottlieb Daimler und Carl Benz als Schöpfer des modernen Kraftwagens zu bezeichnen sind." | ||||
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland
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Japanisches Kaiserreich Der Schintoismus wird Staatsreligion in Japan. | ||||
Königreich der Niederlande / Niederländisch-Indien Eine Kampagne von freiheitlich gesinnten Indonesiern führt zur Entschärfung des seit 1830 bestehenden Cultuurstelsel in Niederländisch-Indien und zur Beseitigung von menschenunwürdigen Regeln. So dürfen indonesische Bauern nicht mehr von ihrem Land vertrieben werden, um ihr Einkommen zu sichern. Der (niederländische) Staat darf nur noch höchstens 75 Jahre lang das Land pachten. Außerdem wird vereinbart, dass der Staat zwischen 1878 und 1891 das Zuckermonopol aufgeben wird. Kaffee und Zucker stellen drei Viertel des Gesamtwertes aller Ausfuhren aus Niederländisch Indien dar. | |||||
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britisch-Westafrika
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Königreich Matabele Nach zwei Jahren Bürgerkriegs nach dem Tod seines Vaters Moselekatsee ergreift dessen Sohn Lobengula die Macht in Matabele und wird König der Ndebele im heutigen Simbabwe. | ||||
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Fürstentum Unyanyembe Der ostafrikanische Sklaven- und Elfenbeinhändler und Sohn eines osmanischen Händlers und einer Ostafrikanerin, Häuptling Hamed bin Rajab bin Mohammed bin Said el-Murjebi, genannt Tippu-Tip, ernennt sich selbst zum Herrscher der westlichen Region des Tanganjika-Sees. In den letzten 20 Jahren hat er ein Reich in einer Größe von 500.000 qkm geschaffen, Straßen gebaut, Plantagen geschaffen, die von Sklaven bewirtschaftet werden und den Islam über sein Reich ausgebreitet. Er arbeitet sowohl mit arabischen Händlern als auch mit „Wangwana“ (freien Menschen) aus Europa zusammen, für die er Träger und Güter für deren Expeditionen durch Afrika vermittelt. Seine bewaffnete Gefolgschaft besteht aus mehr als 10.000 Kämpfern. Ihr gehören Sklaven aus allen Teilen Ost- und Zentralafrikas sowie Händler von der ostafrikanischen Küste an. | ||||
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Sultanat Baguirmi / Königreich Wadai In Zentralafrika (heutiges Gebiet von Tschad) revoltiert der Vasallenstaat Baguirmis, Wadai, gegen die fremden Herrscher und brennt dessen Hauptstadt Massenya nieder. 35.000 Einwohner Baguirmis werden in die Sklaverei geführt. | ||||
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Oranjevrijstaat In den beiden rein agrarisch geprägten unabhängigen afrikanischen Präsidialrepubliken leben um 1870 nur etwa 45.000 Weiße. Der Oranje-Freistaat (Oranjevrijstaat) wird durch den Export von Wolle wirtschaftlich bestimmt. | ||||
Vereinigte Staaten von Amerika In der Tanzszene der Vereinigten Staaten von Amerika kommt der "Boston" auf, ein Langsamer Walzer im Gegensatz zum Wiener Walzer. Charakteristisches Merkmal des Boston ist die konsequente Betonung des ersten Viertels im langsamen Dreivierteltakt. Diese rhythmische Gleichförmigkeit wird oft mit gegenläufigen Vierergruppen oder -rhythmen kontrastiert. | |||||
Vereinigte Staaten von Amerika / Pennsylvania Eine Gruppe von Bibelforschern um den 18jährigen Charles Taze Russell beginnt in Pennsylvania, systematisch die Bibel und die Bedeutung des Jahres 1914 in der Prophetie zu studieren. Später wird diese Bewegung als "Jehovas Zeugen" auftreten. | |||||
Vereinigte Staaten von Amerika / Ohio In den Schlachthöfen von Cincinnati in Ohio werden Fließbänder eingesetzt. | |||||
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Vereinigte Staaten von Amerika / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Dominion of Canada Basierend auf Fußball und Rugby wird an der Ostküste der USA sowie in Kanada an Colleges entwickelt. | ||||
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