Chronik 04.1871: Unterschied zwischen den Versionen
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| rowspan="5" colspan="4" | <center>'''Die wichtigsten Persönlichkeiten des Monats''' <br> ''(nach Geburtsjahr geordnet)''</center> | | rowspan="5" colspan="4" | <center>'''Die wichtigsten Persönlichkeiten des Monats''' <br> ''(nach Geburtsjahr geordnet)''</center> | ||
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Datei:Wilhelm I.jpg|'''Wilhelm I.'''<br>(* 1797 Berlin)<br>Kaiser Wilhelm I. | Datei:Wilhelm I.jpg|'''Wilhelm I.'''<br>(* 1797 Berlin)<br>Kaiser Wilhelm I. | ||
Datei:Fürst Otto_von_Bismarck.jpg|'''Fürst Otto von Bismarck'''<br>(* 1815 Schönhausen bei Stendal)<br>Kanzler des des Deutschen Kaiserreiches | Datei:Fürst Otto_von_Bismarck.jpg|'''Fürst Otto von Bismarck'''<br>(* 1815 Schönhausen bei Stendal)<br>Kanzler des des Deutschen Kaiserreiches | ||
− | Datei:Carl von Linde.jpg|'''Carl Paul Gottfried Linde'''<br>(* 1842 Berndorf)<br>Dder deutsche Ingenieur, Erfinder und Firmengründer entwickelt den ersten Kühlschrank | + | Datei:Hermann Helmholtz.jpg|'''Hermann Helmholtz'''<br>(* 1821 Potsdam)<br>der "Reichskanzler der Physik" wird Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften |
+ | Datei:Carl von Linde.jpg|'''Carl Paul Gottfried Linde'''<br>(* 1842 Berndorf)<br>Dder deutsche Ingenieur, Erfinder und Firmengründer entwickelt den ersten Kühlschrank | ||
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| <center> [[Datei:Großbritannien.gif|50px]] </center> || <center> '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1871|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' </center> || <center>'''Königin Victoria<br>Premierminister William Ewart Gladstone'''</center> || <center> '''20.06.1837-22.01.1901<br>03.12.1868-20.02.1874''' </center> | | <center> [[Datei:Großbritannien.gif|50px]] </center> || <center> '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1871|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' </center> || <center>'''Königin Victoria<br>Premierminister William Ewart Gladstone'''</center> || <center> '''20.06.1837-22.01.1901<br>03.12.1868-20.02.1874''' </center> | ||
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− | | <center> [[Datei:Vatikan | + | | <center> [[Datei:Vatikan 1870-1929.gif|50px]] </center> || <center> '''[[Kirchenstaat 1870|Kirchenstaat]]'''<br> </center> || <center>'''Papst Pius IX.''' <br> '''Kardinalstaatssekretär Iacobus Cardinale Antonelli''' </center> || <center> '''16.06.1846-07.02.1878''' <br> '''12.04.1850-06.11.1876''' <br>''(secundum mandatum)''''' </center> |
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| <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.jpg|50px]] </center> || <center> '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1871|Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' </center> || <center>'''Kaiser Franz Joseph I.''' <br> '''Amtierender Präsident des Ministerrates Karl Sigmund Graf Hohenwart''' </center> || <center> '''02.12.1848-21.11.1916''' <br> '''06.02.1871-30.10.1871'''</center> | | <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.jpg|50px]] </center> || <center> '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1871|Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' </center> || <center>'''Kaiser Franz Joseph I.''' <br> '''Amtierender Präsident des Ministerrates Karl Sigmund Graf Hohenwart''' </center> || <center> '''02.12.1848-21.11.1916''' <br> '''06.02.1871-30.10.1871'''</center> | ||
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| <center>'''''Fortlaufende Ereignisse'''''</center> || | | <center>'''''Fortlaufende Ereignisse'''''</center> || | ||
− | ''' | + | * '''Besetzung Paraguays durch Argentinien und Brasilien''' (seit 01.01.1869) |
− | ''' | + | * '''Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires''' (seit 26. Januar 1871) <br> |
− | ''' | + | * '''Waffenstillstand und Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland''' (seit Ende Januar 1871) <br> |
− | ''' | + | * '''Unruhen in "La commune de Paris" (Pariser Kommune)''' (seit 18. März 1871) |
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+ | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center> '''[[Chronik 04.1871|01.04.1871]]''' <br> [[Datei:Großbritannien.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1871|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' <br> | ||
+ | Cambridge gewinnt das traditionelle Boat Race gegen Oxford in 23 Minuten und 1 Sekunde. Das "Boat Race" wird seit 1829 jährlich auf der Themse in London zwischen den beiden renommierten englischen Universitäten Oxford und Cambridge von den beiden stärksten Männer-Achtern der Universitäten ausgetragen. Die Strecke führt von Putney flussaufwärts nach Mortlake; sie ist 4 Meilen und 374 Yards (6779 m) lang. Start- und Zielpunkt werden durch die University Boat Race Stones am rechten Flussufer markiert. Der Start befindet sich 129 m flussaufwärts der Putney Bridge, das Ziel 112 m flussabwärts der Chiswick Bridge. Eine bekannte Wegmarke dabei ist Chiswick Eyot. Die Themse wird in diesem Abschnitt noch von den Gezeiten der Nordsee beeinflusst. Der Start erfolgt während der Flut, so dass die Boote mit der Strömung fahren; entsprechend wird versucht, im Stromstrich zu fahren. <br> | ||
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− | | <center>'''[[Chronik 1871|1871 <br> ''Genaues Datum nicht bekannt | + | | <center>'''[[Chronik 1871|April 1871]]''' <br> ''Genaues Datum nicht bekannt'' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] [[Datei:Preußen 1863-1918.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Preußen 1871|Königreich Preußen]]''' <br> |
− | + | Beginn einer wirtschaftlichen Blütezeit: Die "Gründerjahre". Nach dem gewonnenen Krieg der deutschen Staaten gegen Frankreich, in dessen Gefolge massenhaft französisches Kapital vor allem aus Reparationen ins Land strömt, gipfelt der wirtschaftliche Aufschwung dieser Periode in einem vorher nicht gekannten Boom. Die Gründerzeit ist die Periode in Mitteleuropa, in der das Bürgertum die kulturelle Führung übernimmt – daher ist sie auch die große Zeit des klassischen Liberalismus, auch wenn dessen politische Forderungen nur teilweise und relativ am Ende dieses Zeitraumes umgesetzt werden. <br> | |
− | + | [[Datei:Carl von Linde.jpg|thumb|150px|''Carl Paul Gottfried Linde'']] Der deutsche Ingenieur, Erfinder und Firmengründer Carl Paul Gottfried Linde veröffentlicht einen Aufsatz über verbesserte Kältetechnikverfahren. Viele Brauereien interessieren sich für solche Maschinen und bitten Linde darum, sie so schnell wie möglich zur beliefern. In der Münchner Spaten-Brauerei wird versuchsweise eine Kältemaschine nach Carl von Lindes Ideen installiert, an der der Ingenieur monatelang experimentiert und wesentliche Grundlagen der modernen Kältetechnik schafft, indem er eine mit Methyläther (Dimethylether) arbeitende Kältemaschine, die er in der Maschinenfabrik Augsburg (MAN) herstellen lässt, schafft. Alsbald schließt er mit verschiedenen Brauereien eine Vereinbarung und plant die Anmeldung eines Patentes. <br> | |
− | + | [[Datei:Hermann Helmholtz.jpg|thumb|150px|left|''Hermann Helmholtz, der "Reichskanzler der Physik'']] Der Professor für experimentelle Physik an der Berliner Universität Hermann Helmholtz, im Volksmund auch der „Reichskanzler der Physik“ genannt, wird zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt. <br> | |
− | + | Die Bauarbeiten für die Errichtung der Kaiserpassage in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte beginnen. Dies wurde bereits im Vorjahr, am 13. April 1870, durch einen "Allerhöchsten Erlass" des damaligen Königs von Preußen und heutigen Kaisers des Deutschen Reiches, Wilhelm I., verfügt. <br> | |
+ | Sehr spät im Vergleich zu anderen Städten entsteht in Greifswald eine unabhängige jüdische Gemeinde mit etwa 100 Mitgliedern, die von der Stralsunder Gemeinde abgetrennt wird. <br> | ||
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+ | | <center> '''[[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] [[Datei:Sachsen 1815-1935.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Sachsen 1870|Königreich Sachsen]]''' <br> | ||
+ | Die erste deutsche Freiwillige Feuerwehr, das "Freiwillige Lösch- und Rettungs-Corps" Meißen, wird gegründet. <br> | ||
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+ | | <center> [[Datei:USA 1867-1877.gif|50px]] </center> || '''[[Vereinigte Staaten von Amerika 1871|Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[Washington, D.C. 1870|Washington, D.C.]]''' <br> | ||
+ | Der in San Francisco in Kalifornien geborene Republikaner Norton P. Chipman gewinnt mit 15.196 Stimmen gegen seinen demokratischen Kontrahenten Merrick mit 11.104 Stimmen die Wahl zum Vertreter des Bundesbezirks District of Columbia. Nach einem Jurastudium in Cincinnati und seiner Zulassung als Rechtsanwalt begann er in Washington (Iowa) in diesem Beruf zu arbeiten. Während des Bürgerkrieges diente er als Offizier im Heer der Union. Dabei stieg er bis zum Brigadegeneral auf. Zwischenzeitlich wurde er schwer verwundet. Er wurde am Ende seiner militärischen Laufbahn zur juristischen Abteilung der Armee versetzt. In dieser Eigenschaft vertrat er als Militärstaatsanwalt die Anklage gegen Henry Wirz, den konföderierten Kommandeur des berüchtigten Kriegsgefangenenlagers Andersonville, in dem etwa 13.000 Unionssoldaten umkamen. Nach dem Krieg ließ sich Chipman zunächst in der Bundeshauptstadt Washington, D.C., nieder. Politisch ist er Mitglied der Republikanischen Partei. Er ist Mitgründer der Veteranen Organisation "Grand Army of the Republic". Jetzt wird Chipman als nicht stimmberechtigter Kongressdelegierter für den Bundesbezirk District of Columbia in das US-Repräsentantenhaus gewählt, wo er am 21. April 1871 sein neues Mandat antreten wird. Die Position des Kongressdelegierten für die Bundeshauptstadt ist kürzlich neu geschaffen worden. <br> | ||
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| <center>'''[[Chronik 04.1871|02.04.1871]]''' <br> [[Datei:Frankreich.gif|50px]] </center> || '''[[Französische Republik 1871|Französische Republik]]''' <br> | | <center>'''[[Chronik 04.1871|02.04.1871]]''' <br> [[Datei:Frankreich.gif|50px]] </center> || '''[[Französische Republik 1871|Französische Republik]]''' <br> | ||
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Die Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires fordert inzwischen 400 Menschenleben pro Tag. Der Verwalter eines Friedhofs gibt bekannt, dass 630 Menschen noch bestattet werden müssten, dies aber schwierig sei, da zwölf seiner Totengräber gestorben seien. <br> | Die Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires fordert inzwischen 400 Menschenleben pro Tag. Der Verwalter eines Friedhofs gibt bekannt, dass 630 Menschen noch bestattet werden müssten, dies aber schwierig sei, da zwölf seiner Totengräber gestorben seien. <br> | ||
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− | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 04.1871|09.04.1871]]''' <br> [[Datei:Argentinien 1818-2010.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Argentinische Republik 1870|Argentinische Republik]]''' <br> | + | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 04.1871|07.04.1871]]''' <br> [[Datei:Österreich-Ungarn.jpg|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | [[Datei:Wilhelm von Tegetthoff.jpg|thumb|150px|''Admiral Wilhelm von Tegetthoff'']] '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1871|Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' <br> |
+ | Der Admiral der österreich-ungarischen Kriegsmarine Wilhelm von Tegetthoff (* 23.12.1827 in Marburg an der Drau, Untersteiermark) stirbt an einer Lungenentzündung in Triest. Wilhelm von Tegetthoff wurde 1827 als Sohn eines k.k.Oberstleutnants geboren. Die Familie Tegetthoff war im 18. Jahrhundert von Maria Theresia geadelt worden, deren Initialen sie auch im Wappen führen. Mütterlicherseits war er mit dem Bürgermeister von Wien, Baron Seiller verwandt. Tegetthoff hätte, wäre es nach seinen Eltern gegangen, einen Zivilberuf ergriffen, es zog ihn jedoch zur See und sein Vater ließ ihn gewähren. So besuchte er von 1840 bis 1845 das österreichische Marinekollegium in Venedig und wurde dort als Marinekadett ausgemustert. Am 23. Juli 1845 ging er als Marinekadett erstmals im regulären Dienst an Bord eines Schiffes. Die Wirren der Zeit um 1848 förderten eine schnelle Karriere. Zum Seeoffizier ernannt, machte er während der Jahre 1848 und 1849 die Blockade von Venedig mit und wurde danach bei vielen Fahrten und entfernten Expeditionen der kaiserlichen Marine verwendet, sowohl im Mittelmeer, als auch nach der Levante und den sogenannten Barbareskenstaaten. Ebenso nahm er an der Seereise teil, welche Kaiser Maximilian von Mexiko seinerzeit nach Brasilien unternommen hatte. 1854 wurde Tegetthoff zum Kommandanten des Kriegsschoners „Elisabeth“ berufen. Zu dieser Zeit wurden die Schiffe, auch die Kriegsmarine intensiv auf die Dampfkraft umgerüstet. 1855 erhielt er das Kommando über einen Raddampfer, die „Taurus“, die ihr Einsatzgebiet im Donaudelta hatte. Dort fiel der junge Seeoffizier durch hervorragende Leistungen auch im diplomatischen und organisatorischen Bereich auf. Die weitere Karriere ging sehr schnell voran – bereits 1861 wurde Tegetthoff zum Linienschiffskapitän (entspricht in der Deutschen Marine einem Kapitän zur See, im Heer einem Oberst) befördert. Damit verbunden war das Kommando der österreichischen Flottenabteilung in der Levante. Im deutsch-dänischen Krieg kämpfte er auf der Seite der österreichisch-preußischen Allianz gegen Dänemark. Das Seegefecht vor Helgoland (9. Mai 1864) gegen die Dänen wurde von den Österreichern trotz erheblicher Verluste als Sieg betrachtet. Damit war der Weg frei zur nächsten Beförderung – der erst 37-jährige Offizier wurde zum Contreadmiral befördert und neuer Oberbefehlshaber der österreichischen Flotte, die er anschließend einer gründlichen Neuorganisation und Umstrukturierung unterzog. Der entscheidende Moment der Seeschlacht bei Lissa 1866: SMS Erzherzog Ferdinand Max rammt das gegnerische Flaggschiff Re d'Italia, das kurz darauf sinkt (reproduziert nach dem Gemälde von Kappler)Sein Sieg in der Seeschlacht von Lissa am 20. Juli 1866 gegen die italienische Flotte machte ihn zu einem Seehelden. Für seine Rammtaktik gegen die überlegene italienische Flotte erhielt er das Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens und wurde zum Viceadmiral befördert. 1866 bis 1867 führten ihn Studienreisen nach Frankreich, Großbritannien und in die USA. 1868 wurde er k.u.k. Admiral und Chef der Marinesektion im Kriegsministerium. Er reorganisierte in kurzer Zeit, gegen die Widerstände des Generalstabs, die österreichische Kriegsmarine. Seine Innovationen blieben bis zum Untergang der k.u.k.-Kriegsstreitmacht in Kraft. <br> | ||
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+ | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 04.1871|09.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] [[Datei:Preußen 1863-1918.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Preußen 1871|Königreich Preußen]]''' <br> | ||
+ | Der deutsche Dramaturg, Theaterkritiker und Ästhetiker Heinrich Theodor Rötscher stirbt in Berlin. Er verfasste die „Abhandlungen zur Philosophie der Kunst“ und „Die Kunst der dramatischen Darstellung“, die auch „Bibel der Schauspieler“ genannt wurde. <br> | ||
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+ | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center> [[Datei:Argentinien 1818-2010.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Argentinische Republik 1870|Argentinische Republik]]''' <br> | ||
Buenos Aires meldet 500 Gelbfieber-Tote. Damit hat die Epidemie ihr schlimmstes Ausmaß erreicht. <br> | Buenos Aires meldet 500 Gelbfieber-Tote. Damit hat die Epidemie ihr schlimmstes Ausmaß erreicht. <br> | ||
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| style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 04.1871|11.04.1871]]''' <br> [[Datei:Argentinien 1818-2010.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Argentinische Republik 1870|Argentinische Republik]]''' <br> | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 04.1871|11.04.1871]]''' <br> [[Datei:Argentinien 1818-2010.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Argentinische Republik 1870|Argentinische Republik]]''' <br> | ||
Buenos Aires meldet erneut 500 Gelbfieber-Tote. Die Bahnstrecke der Ferrocarril Oeste de Buenos Aires wird entlang der Avenida Corrientes bis zum Friedhof verlängert und trägt seither im Volksmund den Namen „Zug des Todes“. <br> | Buenos Aires meldet erneut 500 Gelbfieber-Tote. Die Bahnstrecke der Ferrocarril Oeste de Buenos Aires wird entlang der Avenida Corrientes bis zum Friedhof verlängert und trägt seither im Volksmund den Namen „Zug des Todes“. <br> | ||
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+ | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 04.1871|13.04.1871]]''' <br> [[Datei:Frankreich.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Französische Republik 1871|Französische Republik]]''' <br> | ||
+ | Eine Gruppe Kommunarden verschaffen sich gegen 2200 Uhr mit Waffengewalt Zutritt zum Diakonissenhaus in Paris. Sie nehmen die einfachen Diakonissen beiseite und unterziehen sie einem Verhör. Sie sollen Antwort auf die Frage geben, ob sie von verantwortlichen Schwestern geschlagen oder missbraucht wurden. Keine der Diakonissen spricht schlecht über die leitenden Schwestern. Gegen 0300 Uhr geben die Kommunarden auf und verlassen das Diakonissenhaus wieder. Es gibt keine Verletzten. <br> | ||
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| <center>'''[[Chronik 04.1871|14.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]]''' <br> | | <center>'''[[Chronik 04.1871|14.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]]''' <br> | ||
− | Der Reichstag verabschiedet die Verfassung des Deutschen Reichs mit nur sieben Gegenstimmen. Sie soll am 4. Mai in Kraft treten und die sogenannten "Novemberverträge" (die Verfassung des Deutschen Bundes) <br> | + | Der Reichstag verabschiedet die Verfassung des Deutschen Reichs mit nur sieben Gegenstimmen. Sie soll am 4. Mai in Kraft treten und die sogenannten "Novemberverträge" (die Verfassung des Deutschen Bundes), die im Volksmund "Bismarck'sche Reichsverfassung" genannt wird. <br> |
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| <center> [[Datei:Frankreich.gif|50px]] </center> || '''[[Französische Republik 1871|Französische Republik]] / [[Französisch-Algerien 1870|Départements d'Algerie]]''' <br> | | <center> [[Datei:Frankreich.gif|50px]] </center> || '''[[Französische Republik 1871|Französische Republik]] / [[Französisch-Algerien 1870|Départements d'Algerie]]''' <br> | ||
In der Kabylei in Französisch-Algerien bricht ein Aufstand gegen die französische Siedlungspolitik aus. <br> | In der Kabylei in Französisch-Algerien bricht ein Aufstand gegen die französische Siedlungspolitik aus. <br> | ||
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− | | <center>'''[[Chronik 04.1871|16.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]]''' <br> | + | | <center>'''[[Chronik 04.1871|16.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] [[Datei:Bayern 1388-1918.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Bayern 1870|Königreich Bayern]]''' <br> |
− | Die Bismarck‘sche Reichsverfassung wird als Gesetz verabschiedet und zur Rechtsgrundlage für das deutsche Kaiserreich. Es ist bereits die dritte Verfassung des gemeinsamen deutschen Staates. Sie geht ursprünglich als Verfassung des Deutschen Bundes vom 1. Januar 1871 in revidierter Fassung aus der 1867 ausgearbeiteten Norddeutschen Bundesverfassung hervor. Ihre amtliche Überschrift lautet nun | + | Die "Bismarck‘sche Reichsverfassung" wird als Gesetz verabschiedet und zur Rechtsgrundlage für das deutsche Kaiserreich. Es ist bereits die dritte Verfassung des gemeinsamen deutschen Staates. Sie geht ursprünglich als Verfassung des Deutschen Bundes vom 1. Januar 1871 in revidierter Fassung aus der 1867 ausgearbeiteten Norddeutschen Bundesverfassung hervor. Ihre amtliche Überschrift lautet nun ''Verfassung des Deutschen Reichs (RV 1871)''. Hierdurch wird nun auch das "Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch" zum Reichsrecht, welches jedoch nicht in Bayern gilt, da das Königreich ein eigenes Gesetz verabschieden will. Im Bundesrat, dem höchsten Staatsorgan des Deutschen Reiches, sind die Bundesstaaten vertreten. Das Präsidium des Bundes hat der König von Preußen inne, der den Titel ‚Deutscher Kaiser‘ trägt. Der Kaiser setzt den Reichskanzler ein, der den Vorsitz im Bundesrat führt, seine Geschäfte leitet und einziger verantwortlicher Reichsminister ist. Der Kanzler wird damit zu einer der maßgeblichen Instanzen des politischen Systems sowohl hinter den Kulissen als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Reichsgesetze brauchen die Zustimmung zweier Organe, nämlich des Bundesrats und zusätzlich des Reichstags. Der Reichstag soll zunächst alle drei Jahre gewählt werden, nach allgemeinem Wahlrecht für Männer. Der Bundesrat ist kein Fürstenrat, sondern das Staatenhaus des Reichs, das die Interessen der Bundesstaaten in die Ausübung der Hoheitsgewalt des Reiches einbringen kann. Er wird wie eine zweite Kammer an der Gesetzgebung beteiligt, an Regierungsaufgaben und an der Rechtsprechung. Der Bundesrat wirkt an der Gesetzgebung gleichberechtigt mit dem Reichstag mit. Er hat ein Gesetzesinitiativrecht, und jedes Gesetz braucht die Zustimmung des Bundesrates; er hat also ein echtes Vetorecht. Der Bundesrat kann die zur Ausführung von Reichsgesetzen erforderlichen allgemeinen Verwaltungsvorschriften erlassen und Organisationsentscheidungen über die Verwaltungsbehörden treffen Im Rahmen der Reichsaufsicht über Materien einheitlicher Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse im ganzen Reich kann der Bundesrat Mängel in der Verwaltung der einzelnen Bundesstaaten feststellen. Darüber hinaus kann der Bundesrat wie ein Staatsgerichtshof öffentlich rechtliche Streitigkeiten zwischen den Bundesstaaten entscheiden, ebenso Verfassungsstreitigkeiten in Bundesstaaten, die keinen eigenen Staatsgerichtshof hatten. Um seine umfangreichen Aufgaben erfüllen zu können, bildet der Bundesrat aus seinen Mitgliedern Ausschüsse, denen die notwendigen Beamten zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Verfassung schreibt folgende Stimmverteilung im Bundesrat vor: <br> |
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Ein Bundesstaat, der seine Stimme abgeben will, muss wenigstens einen Bevollmächtigten bestellen, der nicht Regierungsmitglied sein muss. Jeder Bundesstaat kann aber so viele Bevollmächtigte ernennen, wie er Stimmen hat. Die Stimmen eines Gliedstaates kann nur einheitlich abgegeben werden. Die Bevollmächtigten sind an Weisungen ihrer Bundesstaaten gebunden, anders als die Reichstagsabgeordneten, die an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden sind. Der Bundesrat entscheidet regelmäßig mit einfacher Mehrheit. Verfassungsänderungen können gegen den Willen Preußens nicht zustande kommen, denn 14 Gegenstimmen genügen zur Ablehnung einer Verfassungsänderung, aber Preußen hat 17 Stimmen. Die Stimmen Preußens werden verkürzt als Präsidialstimme bezeichnet; eine achtzehnte Stimme hat Preußen nicht. Bei Gesetzesvorlagen zum Militär- und Marinewesen und zum Zollwesen und zu Verbrauchsteuern und bei den dazugehörigen Verwaltungsvorschriften und Organisationsentscheidungen kann der Reichskanzler mit den Stimmen Preußens die Vorlage bei Stimmengleichheit zur Ablehnung bringen. <br> | Ein Bundesstaat, der seine Stimme abgeben will, muss wenigstens einen Bevollmächtigten bestellen, der nicht Regierungsmitglied sein muss. Jeder Bundesstaat kann aber so viele Bevollmächtigte ernennen, wie er Stimmen hat. Die Stimmen eines Gliedstaates kann nur einheitlich abgegeben werden. Die Bevollmächtigten sind an Weisungen ihrer Bundesstaaten gebunden, anders als die Reichstagsabgeordneten, die an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden sind. Der Bundesrat entscheidet regelmäßig mit einfacher Mehrheit. Verfassungsänderungen können gegen den Willen Preußens nicht zustande kommen, denn 14 Gegenstimmen genügen zur Ablehnung einer Verfassungsänderung, aber Preußen hat 17 Stimmen. Die Stimmen Preußens werden verkürzt als Präsidialstimme bezeichnet; eine achtzehnte Stimme hat Preußen nicht. Bei Gesetzesvorlagen zum Militär- und Marinewesen und zum Zollwesen und zu Verbrauchsteuern und bei den dazugehörigen Verwaltungsvorschriften und Organisationsentscheidungen kann der Reichskanzler mit den Stimmen Preußens die Vorlage bei Stimmengleichheit zur Ablehnung bringen. <br> | ||
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+ | | style="color:blue;background-color:#eeffcc | <center>'''[[Chronik 04.1871|17.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] [[Datei:Preußen 1863-1918.gif|50px]] </center> || style="color:blue;background-color:#eeffcc | '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Preußen 1871|Königreich Preußen]]''' <br> | ||
+ | Im Roten Rathaus gibt der Berliner Magistrat einen Empfang für die Mitglieder des ersten Deutschen Reichstages in Anwesenheit des Kaisers Wilhelm I., der Kaiserin Augusta und des Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck. <br> | ||
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| <center>'''[[Chronik 04.1871|20.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]]''' <br> | | <center>'''[[Chronik 04.1871|20.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]]''' <br> | ||
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Die Abgeordneten des Deutschen Reichstages beschließen die rechtliche Gleichstellung der Juden in Deutschland. Einer Schätzung zufolge leben im Gebiet des neugegründeten Deutschen Kaiserreiches 512.000 Menschen jüdischen Glaubens. Bei der letzten Schätzung im Jahre 1820 waren es noch 220.000 Menschen. Die neue Reichsverfassung wird ihnen die volle Gleichberechtigung zugestehen. August Rohling, Priester und Professor der katholischen Theologie in Münster, wird schlagartig bekannt, nachdem er die antisemitische Schrift "Der Talmudjude" veröffentlichte. Sie enthält aus dem Zusammenhang gerissene Talmud-Zitate, die Rohling negativ interpretiert. Damit versucht er auf theologischem Wege gegen die sogenannte „jüdische Rasse“ vorzugehen. Er stützt sich dabei im Wesentlichen auf das Werk von J. A. Eisenmenger „Entdecktes Judenthum Oder Gründlicher und Wahrhaffter Bericht, welchergestalt die verstockten Juden die Hochheilige Drey-Einigkeit lästern und verunehren“. Eine weitere Quelle Rohlings ist der jüdische Konvertit Aron Israel Brimann (Pseudonym Dr. Justus), der sich bereits durch antisemitische Hetzschriften hervorgetan hat. "Der Talmudjude" hat eine weitreichende Wirkung. Rohling zufolge gebiete die jüdische Religion ihren Anhängern, wann immer möglich Christen zu schädigen und zu töten – so verteidigt Rohling auch die mittelalterliche Ritualmordlegende. "Der Talmudjude" wird 17 Auflagen erleben. Rohling beweist mit teilweise gefälschten Auszügen, dass der Talmud erlaube, ... alle Nichtjuden auf jede Weise auszubeuten, sie physisch und moralisch zu vernichten, Leben, Ehre und Eigenthum derselben zu verderben, offen und mit Gewalt, heimlich und meuchlings; – das darf, ja soll, wenn er kann, der Jude von Religions wegen befolgen, damit er sein Volk zur irdischen Weltherrschaft bringe. <br> | Die Abgeordneten des Deutschen Reichstages beschließen die rechtliche Gleichstellung der Juden in Deutschland. Einer Schätzung zufolge leben im Gebiet des neugegründeten Deutschen Kaiserreiches 512.000 Menschen jüdischen Glaubens. Bei der letzten Schätzung im Jahre 1820 waren es noch 220.000 Menschen. Die neue Reichsverfassung wird ihnen die volle Gleichberechtigung zugestehen. August Rohling, Priester und Professor der katholischen Theologie in Münster, wird schlagartig bekannt, nachdem er die antisemitische Schrift "Der Talmudjude" veröffentlichte. Sie enthält aus dem Zusammenhang gerissene Talmud-Zitate, die Rohling negativ interpretiert. Damit versucht er auf theologischem Wege gegen die sogenannte „jüdische Rasse“ vorzugehen. Er stützt sich dabei im Wesentlichen auf das Werk von J. A. Eisenmenger „Entdecktes Judenthum Oder Gründlicher und Wahrhaffter Bericht, welchergestalt die verstockten Juden die Hochheilige Drey-Einigkeit lästern und verunehren“. Eine weitere Quelle Rohlings ist der jüdische Konvertit Aron Israel Brimann (Pseudonym Dr. Justus), der sich bereits durch antisemitische Hetzschriften hervorgetan hat. "Der Talmudjude" hat eine weitreichende Wirkung. Rohling zufolge gebiete die jüdische Religion ihren Anhängern, wann immer möglich Christen zu schädigen und zu töten – so verteidigt Rohling auch die mittelalterliche Ritualmordlegende. "Der Talmudjude" wird 17 Auflagen erleben. Rohling beweist mit teilweise gefälschten Auszügen, dass der Talmud erlaube, ... alle Nichtjuden auf jede Weise auszubeuten, sie physisch und moralisch zu vernichten, Leben, Ehre und Eigenthum derselben zu verderben, offen und mit Gewalt, heimlich und meuchlings; – das darf, ja soll, wenn er kann, der Jude von Religions wegen befolgen, damit er sein Volk zur irdischen Weltherrschaft bringe. <br> | ||
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+ | Sechs Tage nach der Veröffentlichung des "Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuches" für das Deutsche Kaiserreich verabschiedet das Parlament von Bayern ein eigenes, entsprechendes Gesetz. <br> | ||
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+ | Der Generaldirektor der königlichen Museen Ignatz Franz Werner Maria von Olfers stirbt in Berlin. Er hatte unter anderem Anteil am Erfolg der wissenschaftlichen Expedition, die Prof. Karl Richard Lepsius von 1842 bis 1845 nach Ägypten und Nubien führte. <br> | ||
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| <center>'''[[Chronik 04.1871|26.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] [[Datei:Preußen 1863-1918.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Preußen 1871|Königreich Preußen]]''' <br> | | <center>'''[[Chronik 04.1871|26.04.1871]]''' <br> [[Datei:Deutsches Reich.gif|50px]] [[Datei:Preußen 1863-1918.gif|50px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1871-II|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Preußen 1871|Königreich Preußen]]''' <br> |
Aktuelle Version vom 11. Februar 2018, 18:11 Uhr
DIE EREIGNISSE IM APRIL 1871
DIE SCHLAGZEILEN DES MONATS
Beginn der "Gründerjahre" im Deutschen Reich
Bisher 8000 Opfer der Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires
Der erste Kühlschrank wird von Carl Linde entwickelt
Home | ![]() Strecke des legendären Boat Race auf der Themse |
(nach Geburtsjahr geordnet) | ||||
Jahres-Chroniken | ||||||
Länderchroniken |
Nation | Name | Regierungszeit | ||
---|---|---|---|---|
Premierminister William Ewart Gladstone |
03.12.1868-20.02.1874 | |||
![]() |
Kardinalstaatssekretär Iacobus Cardinale Antonelli |
12.04.1850-06.11.1876 (secundum mandatum) | ||
Amtierender Präsident des Ministerrates Karl Sigmund Graf Hohenwart |
06.02.1871-30.10.1871 | |||
Vorsitzender des Ministerrates Pawel Pawlowitsch Gagarin |
02.03.1864-04.03.1872 | |||
Vizepräsident Schuyler Colfax |
04.03.1869-04.03.1873 | |||
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Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck |
(1862) 21.03.1871-20.03.1890 | ||
![]() |
Chronik 1861 / Chronik 1862 / Chronik 1863 / Chronik 1864 / Chronik 1865 / Chronik 1866 / Chronik 1867 / Chronik 1868 / Chronik 1869 | |
Chronik Januar 1870 / Februar 1870 / März 1870 / April 1870 / Mai 1870 / Juni 1870 / Juli 1870 / August 1870 / September 1870 / Oktober 1870 / November 1870 / Dezember 1870 | |
Chronik Januar 1871 / Februar 1871 / März 1871 / April 1871 / Mai 1871 / Juni 1871 / Juli 1871 / August 1871 / September 1871 / Oktober 1871 / November 1871 / Dezember 1871 |
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Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Cambridge gewinnt das traditionelle Boat Race gegen Oxford in 23 Minuten und 1 Sekunde. Das "Boat Race" wird seit 1829 jährlich auf der Themse in London zwischen den beiden renommierten englischen Universitäten Oxford und Cambridge von den beiden stärksten Männer-Achtern der Universitäten ausgetragen. Die Strecke führt von Putney flussaufwärts nach Mortlake; sie ist 4 Meilen und 374 Yards (6779 m) lang. Start- und Zielpunkt werden durch die University Boat Race Stones am rechten Flussufer markiert. Der Start befindet sich 129 m flussaufwärts der Putney Bridge, das Ziel 112 m flussabwärts der Chiswick Bridge. Eine bekannte Wegmarke dabei ist Chiswick Eyot. Die Themse wird in diesem Abschnitt noch von den Gezeiten der Nordsee beeinflusst. Der Start erfolgt während der Flut, so dass die Boote mit der Strömung fahren; entsprechend wird versucht, im Stromstrich zu fahren. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Genaues Datum nicht bekannt ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Beginn einer wirtschaftlichen Blütezeit: Die "Gründerjahre". Nach dem gewonnenen Krieg der deutschen Staaten gegen Frankreich, in dessen Gefolge massenhaft französisches Kapital vor allem aus Reparationen ins Land strömt, gipfelt der wirtschaftliche Aufschwung dieser Periode in einem vorher nicht gekannten Boom. Die Gründerzeit ist die Periode in Mitteleuropa, in der das Bürgertum die kulturelle Führung übernimmt – daher ist sie auch die große Zeit des klassischen Liberalismus, auch wenn dessen politische Forderungen nur teilweise und relativ am Ende dieses Zeitraumes umgesetzt werden. Der Professor für experimentelle Physik an der Berliner Universität Hermann Helmholtz, im Volksmund auch der „Reichskanzler der Physik“ genannt, wird zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Die Bauarbeiten für die Errichtung der Kaiserpassage in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte beginnen. Dies wurde bereits im Vorjahr, am 13. April 1870, durch einen "Allerhöchsten Erlass" des damaligen Königs von Preußen und heutigen Kaisers des Deutschen Reiches, Wilhelm I., verfügt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Sachsen Die erste deutsche Freiwillige Feuerwehr, das "Freiwillige Lösch- und Rettungs-Corps" Meißen, wird gegründet. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Vereinigte Staaten von Amerika / Washington, D.C. Der in San Francisco in Kalifornien geborene Republikaner Norton P. Chipman gewinnt mit 15.196 Stimmen gegen seinen demokratischen Kontrahenten Merrick mit 11.104 Stimmen die Wahl zum Vertreter des Bundesbezirks District of Columbia. Nach einem Jurastudium in Cincinnati und seiner Zulassung als Rechtsanwalt begann er in Washington (Iowa) in diesem Beruf zu arbeiten. Während des Bürgerkrieges diente er als Offizier im Heer der Union. Dabei stieg er bis zum Brigadegeneral auf. Zwischenzeitlich wurde er schwer verwundet. Er wurde am Ende seiner militärischen Laufbahn zur juristischen Abteilung der Armee versetzt. In dieser Eigenschaft vertrat er als Militärstaatsanwalt die Anklage gegen Henry Wirz, den konföderierten Kommandeur des berüchtigten Kriegsgefangenenlagers Andersonville, in dem etwa 13.000 Unionssoldaten umkamen. Nach dem Krieg ließ sich Chipman zunächst in der Bundeshauptstadt Washington, D.C., nieder. Politisch ist er Mitglied der Republikanischen Partei. Er ist Mitgründer der Veteranen Organisation "Grand Army of the Republic". Jetzt wird Chipman als nicht stimmberechtigter Kongressdelegierter für den Bundesbezirk District of Columbia in das US-Repräsentantenhaus gewählt, wo er am 21. April 1871 sein neues Mandat antreten wird. Die Position des Kongressdelegierten für die Bundeshauptstadt ist kürzlich neu geschaffen worden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik Die Regierung in Versailles beginnt mit militärischen Angriffen auf das von der „Kommune“ beherrschte Paris, die sich bald zu einer Belagerung entwickeln. Zunächst gelingt es der durch den Krieg geschwächten französischen Armee nicht, sich gegen die Kommunarden durchzusetzen. Nachdem die Regierung die auch in der Provinz vereinzelt aufflammenden Aufstände mit Hilfe deutscher Unterstützung durch Waffenlieferungen und Freilassung der Kriegsgefangenen niedergeschlagen hat, gehen die regulären französischen Truppen immer effektiver gegen die militärisch eher unorganisierten Kommunarden vor. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Großherzogtum Baden In Karlsruhe nimmt Großherzog Friedrich eine Parade des 2. Badischen Grenadier-Regiments ab. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Die Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires fordert inzwischen 400 Menschenleben pro Tag. Der Verwalter eines Friedhofs gibt bekannt, dass 630 Menschen noch bestattet werden müssten, dies aber schwierig sei, da zwölf seiner Totengräber gestorben seien. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Österreichisch-Ungarische Monarchie Der Admiral der österreich-ungarischen Kriegsmarine Wilhelm von Tegetthoff (* 23.12.1827 in Marburg an der Drau, Untersteiermark) stirbt an einer Lungenentzündung in Triest. Wilhelm von Tegetthoff wurde 1827 als Sohn eines k.k.Oberstleutnants geboren. Die Familie Tegetthoff war im 18. Jahrhundert von Maria Theresia geadelt worden, deren Initialen sie auch im Wappen führen. Mütterlicherseits war er mit dem Bürgermeister von Wien, Baron Seiller verwandt. Tegetthoff hätte, wäre es nach seinen Eltern gegangen, einen Zivilberuf ergriffen, es zog ihn jedoch zur See und sein Vater ließ ihn gewähren. So besuchte er von 1840 bis 1845 das österreichische Marinekollegium in Venedig und wurde dort als Marinekadett ausgemustert. Am 23. Juli 1845 ging er als Marinekadett erstmals im regulären Dienst an Bord eines Schiffes. Die Wirren der Zeit um 1848 förderten eine schnelle Karriere. Zum Seeoffizier ernannt, machte er während der Jahre 1848 und 1849 die Blockade von Venedig mit und wurde danach bei vielen Fahrten und entfernten Expeditionen der kaiserlichen Marine verwendet, sowohl im Mittelmeer, als auch nach der Levante und den sogenannten Barbareskenstaaten. Ebenso nahm er an der Seereise teil, welche Kaiser Maximilian von Mexiko seinerzeit nach Brasilien unternommen hatte. 1854 wurde Tegetthoff zum Kommandanten des Kriegsschoners „Elisabeth“ berufen. Zu dieser Zeit wurden die Schiffe, auch die Kriegsmarine intensiv auf die Dampfkraft umgerüstet. 1855 erhielt er das Kommando über einen Raddampfer, die „Taurus“, die ihr Einsatzgebiet im Donaudelta hatte. Dort fiel der junge Seeoffizier durch hervorragende Leistungen auch im diplomatischen und organisatorischen Bereich auf. Die weitere Karriere ging sehr schnell voran – bereits 1861 wurde Tegetthoff zum Linienschiffskapitän (entspricht in der Deutschen Marine einem Kapitän zur See, im Heer einem Oberst) befördert. Damit verbunden war das Kommando der österreichischen Flottenabteilung in der Levante. Im deutsch-dänischen Krieg kämpfte er auf der Seite der österreichisch-preußischen Allianz gegen Dänemark. Das Seegefecht vor Helgoland (9. Mai 1864) gegen die Dänen wurde von den Österreichern trotz erheblicher Verluste als Sieg betrachtet. Damit war der Weg frei zur nächsten Beförderung – der erst 37-jährige Offizier wurde zum Contreadmiral befördert und neuer Oberbefehlshaber der österreichischen Flotte, die er anschließend einer gründlichen Neuorganisation und Umstrukturierung unterzog. Der entscheidende Moment der Seeschlacht bei Lissa 1866: SMS Erzherzog Ferdinand Max rammt das gegnerische Flaggschiff Re d'Italia, das kurz darauf sinkt (reproduziert nach dem Gemälde von Kappler)Sein Sieg in der Seeschlacht von Lissa am 20. Juli 1866 gegen die italienische Flotte machte ihn zu einem Seehelden. Für seine Rammtaktik gegen die überlegene italienische Flotte erhielt er das Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens und wurde zum Viceadmiral befördert. 1866 bis 1867 führten ihn Studienreisen nach Frankreich, Großbritannien und in die USA. 1868 wurde er k.u.k. Admiral und Chef der Marinesektion im Kriegsministerium. Er reorganisierte in kurzer Zeit, gegen die Widerstände des Generalstabs, die österreichische Kriegsmarine. Seine Innovationen blieben bis zum Untergang der k.u.k.-Kriegsstreitmacht in Kraft. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der deutsche Dramaturg, Theaterkritiker und Ästhetiker Heinrich Theodor Rötscher stirbt in Berlin. Er verfasste die „Abhandlungen zur Philosophie der Kunst“ und „Die Kunst der dramatischen Darstellung“, die auch „Bibel der Schauspieler“ genannt wurde. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Buenos Aires meldet 500 Gelbfieber-Tote. Damit hat die Epidemie ihr schlimmstes Ausmaß erreicht. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Buenos Aires meldet mit 583 Gelbfieber-Toten einen neuen Höchststand. Vor der Epidemie lag der tägliche Durchschnitt an Todesfällen in Buenos Aires bei 20 Personen. Die Stadtverwaltung beschließt, die letzten Bediensteten in den Urlaub zu schicken, was de facto bereits geschehen ist, da kaum noch jemand zum Dienst erscheint. Die ersten Winterfröste beginnen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Buenos Aires meldet erneut 500 Gelbfieber-Tote. Die Bahnstrecke der Ferrocarril Oeste de Buenos Aires wird entlang der Avenida Corrientes bis zum Friedhof verlängert und trägt seither im Volksmund den Namen „Zug des Todes“. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik Eine Gruppe Kommunarden verschaffen sich gegen 2200 Uhr mit Waffengewalt Zutritt zum Diakonissenhaus in Paris. Sie nehmen die einfachen Diakonissen beiseite und unterziehen sie einem Verhör. Sie sollen Antwort auf die Frage geben, ob sie von verantwortlichen Schwestern geschlagen oder missbraucht wurden. Keine der Diakonissen spricht schlecht über die leitenden Schwestern. Gegen 0300 Uhr geben die Kommunarden auf und verlassen das Diakonissenhaus wieder. Es gibt keine Verletzten. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich Der Reichstag verabschiedet die Verfassung des Deutschen Reichs mit nur sieben Gegenstimmen. Sie soll am 4. Mai in Kraft treten und die sogenannten "Novemberverträge" (die Verfassung des Deutschen Bundes), die im Volksmund "Bismarck'sche Reichsverfassung" genannt wird. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik / Départements d'Algerie In der Kabylei in Französisch-Algerien bricht ein Aufstand gegen die französische Siedlungspolitik aus. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Bayern Die "Bismarck‘sche Reichsverfassung" wird als Gesetz verabschiedet und zur Rechtsgrundlage für das deutsche Kaiserreich. Es ist bereits die dritte Verfassung des gemeinsamen deutschen Staates. Sie geht ursprünglich als Verfassung des Deutschen Bundes vom 1. Januar 1871 in revidierter Fassung aus der 1867 ausgearbeiteten Norddeutschen Bundesverfassung hervor. Ihre amtliche Überschrift lautet nun Verfassung des Deutschen Reichs (RV 1871). Hierdurch wird nun auch das "Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch" zum Reichsrecht, welches jedoch nicht in Bayern gilt, da das Königreich ein eigenes Gesetz verabschieden will. Im Bundesrat, dem höchsten Staatsorgan des Deutschen Reiches, sind die Bundesstaaten vertreten. Das Präsidium des Bundes hat der König von Preußen inne, der den Titel ‚Deutscher Kaiser‘ trägt. Der Kaiser setzt den Reichskanzler ein, der den Vorsitz im Bundesrat führt, seine Geschäfte leitet und einziger verantwortlicher Reichsminister ist. Der Kanzler wird damit zu einer der maßgeblichen Instanzen des politischen Systems sowohl hinter den Kulissen als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Reichsgesetze brauchen die Zustimmung zweier Organe, nämlich des Bundesrats und zusätzlich des Reichstags. Der Reichstag soll zunächst alle drei Jahre gewählt werden, nach allgemeinem Wahlrecht für Männer. Der Bundesrat ist kein Fürstenrat, sondern das Staatenhaus des Reichs, das die Interessen der Bundesstaaten in die Ausübung der Hoheitsgewalt des Reiches einbringen kann. Er wird wie eine zweite Kammer an der Gesetzgebung beteiligt, an Regierungsaufgaben und an der Rechtsprechung. Der Bundesrat wirkt an der Gesetzgebung gleichberechtigt mit dem Reichstag mit. Er hat ein Gesetzesinitiativrecht, und jedes Gesetz braucht die Zustimmung des Bundesrates; er hat also ein echtes Vetorecht. Der Bundesrat kann die zur Ausführung von Reichsgesetzen erforderlichen allgemeinen Verwaltungsvorschriften erlassen und Organisationsentscheidungen über die Verwaltungsbehörden treffen Im Rahmen der Reichsaufsicht über Materien einheitlicher Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse im ganzen Reich kann der Bundesrat Mängel in der Verwaltung der einzelnen Bundesstaaten feststellen. Darüber hinaus kann der Bundesrat wie ein Staatsgerichtshof öffentlich rechtliche Streitigkeiten zwischen den Bundesstaaten entscheiden, ebenso Verfassungsstreitigkeiten in Bundesstaaten, die keinen eigenen Staatsgerichtshof hatten. Um seine umfangreichen Aufgaben erfüllen zu können, bildet der Bundesrat aus seinen Mitgliedern Ausschüsse, denen die notwendigen Beamten zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Verfassung schreibt folgende Stimmverteilung im Bundesrat vor:
Ein Bundesstaat, der seine Stimme abgeben will, muss wenigstens einen Bevollmächtigten bestellen, der nicht Regierungsmitglied sein muss. Jeder Bundesstaat kann aber so viele Bevollmächtigte ernennen, wie er Stimmen hat. Die Stimmen eines Gliedstaates kann nur einheitlich abgegeben werden. Die Bevollmächtigten sind an Weisungen ihrer Bundesstaaten gebunden, anders als die Reichstagsabgeordneten, die an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden sind. Der Bundesrat entscheidet regelmäßig mit einfacher Mehrheit. Verfassungsänderungen können gegen den Willen Preußens nicht zustande kommen, denn 14 Gegenstimmen genügen zur Ablehnung einer Verfassungsänderung, aber Preußen hat 17 Stimmen. Die Stimmen Preußens werden verkürzt als Präsidialstimme bezeichnet; eine achtzehnte Stimme hat Preußen nicht. Bei Gesetzesvorlagen zum Militär- und Marinewesen und zum Zollwesen und zu Verbrauchsteuern und bei den dazugehörigen Verwaltungsvorschriften und Organisationsentscheidungen kann der Reichskanzler mit den Stimmen Preußens die Vorlage bei Stimmengleichheit zur Ablehnung bringen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Im Roten Rathaus gibt der Berliner Magistrat einen Empfang für die Mitglieder des ersten Deutschen Reichstages in Anwesenheit des Kaisers Wilhelm I., der Kaiserin Augusta und des Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich Die Vertreter der Länder des Deutschen Reiches treffen zum ersten Mal zu einer Fahrplankonferenz der deutschen Eisenbahnen zusammen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich Die Abgeordneten des Deutschen Reichstages beschließen die rechtliche Gleichstellung der Juden in Deutschland. Einer Schätzung zufolge leben im Gebiet des neugegründeten Deutschen Kaiserreiches 512.000 Menschen jüdischen Glaubens. Bei der letzten Schätzung im Jahre 1820 waren es noch 220.000 Menschen. Die neue Reichsverfassung wird ihnen die volle Gleichberechtigung zugestehen. August Rohling, Priester und Professor der katholischen Theologie in Münster, wird schlagartig bekannt, nachdem er die antisemitische Schrift "Der Talmudjude" veröffentlichte. Sie enthält aus dem Zusammenhang gerissene Talmud-Zitate, die Rohling negativ interpretiert. Damit versucht er auf theologischem Wege gegen die sogenannte „jüdische Rasse“ vorzugehen. Er stützt sich dabei im Wesentlichen auf das Werk von J. A. Eisenmenger „Entdecktes Judenthum Oder Gründlicher und Wahrhaffter Bericht, welchergestalt die verstockten Juden die Hochheilige Drey-Einigkeit lästern und verunehren“. Eine weitere Quelle Rohlings ist der jüdische Konvertit Aron Israel Brimann (Pseudonym Dr. Justus), der sich bereits durch antisemitische Hetzschriften hervorgetan hat. "Der Talmudjude" hat eine weitreichende Wirkung. Rohling zufolge gebiete die jüdische Religion ihren Anhängern, wann immer möglich Christen zu schädigen und zu töten – so verteidigt Rohling auch die mittelalterliche Ritualmordlegende. "Der Talmudjude" wird 17 Auflagen erleben. Rohling beweist mit teilweise gefälschten Auszügen, dass der Talmud erlaube, ... alle Nichtjuden auf jede Weise auszubeuten, sie physisch und moralisch zu vernichten, Leben, Ehre und Eigenthum derselben zu verderben, offen und mit Gewalt, heimlich und meuchlings; – das darf, ja soll, wenn er kann, der Jude von Religions wegen befolgen, damit er sein Volk zur irdischen Weltherrschaft bringe. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Bayern Sechs Tage nach der Veröffentlichung des "Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuches" für das Deutsche Kaiserreich verabschiedet das Parlament von Bayern ein eigenes, entsprechendes Gesetz. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der Generaldirektor der königlichen Museen Ignatz Franz Werner Maria von Olfers stirbt in Berlin. Er hatte unter anderem Anteil am Erfolg der wissenschaftlichen Expedition, die Prof. Karl Richard Lepsius von 1842 bis 1845 nach Ägypten und Nubien führte. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen In Berlin erscheint die letzte Ausgabe des Organs des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins „Social-Demokrat“. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Die Bilanz der Opfer der Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires beträgt bislang 8000 Tote. Die tägliche Todesrate ist inzwischen rückläufig. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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