Chronik 1871
DIE EREIGNISSE IM JANUAR 1871
DIE SCHLAGZEILEN DES MONATS
(DIESE SEITE IST EINE BAUSTELLE)
Home | ![]() Wilhelm I. von Preußen wird zum deutschen Kaiser ausgerufen |
(nach Geburtsjahr geordnet) | ||||
Jahres-Chroniken | ||||||
Länderchroniken |
Nation | Name | Regierungszeit | ||
---|---|---|---|---|
![]() |
Kanzler Otto Graf von Bismarck |
1873-1890 | ||
![]() |
der nationalen Verteidigung Louis Jules Trochu |
Chronik 1861 / Chronik 1862 / Chronik 1863 / Chronik 1864 / Chronik 1865 / Chronik 1866 / Chronik 1867 / Chronik 1868 / Chronik 1869 | |
Chronik Januar 1870 / Februar 1870 / März 1870 / April 1870 / Mai 1870 / Juni 1870 / Juli 1870 / August 1870 / September 1870 / Oktober 1870 / November 1870 / Dezember 1870 | |
Chronik Januar 1871 / Februar 1871 / März 1871 / April 1871 / Mai 1871 / Juni 1871 / Juli 1871 / August 1871 / September 1871 / Oktober 1871 / November 1871 / Dezember 1871 |
* Besetzung Paraguays durch Brasilien (seit März 1870)
* Deutsch-Französischer Krieg (seit 19. Juli 1870) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() ![]() ![]() |
Deutsches Reich / Königreich Preußen / Königreich Bayern / Königreich Württemberg / Großherzogtum Baden / Großherzogtum Hessen Die im November 1870 abgeschlossenen Staatsverträge über den Beitritt der süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen zum Norddeutschen Bund treten in Kraft. Eine Neugründung ist hierbei nicht vorgesehen, vielmehr soll der Norddeutsche Bund sich mit Hilfe der süddeutschen Staaten zum Deutschen Reich erweitern. Die Novemberverträge sind im Einzelnen der Bundesvertrag zwischen dem Norddeutschen Bund und Baden und Hessen zur Gründung des Deutschen Bundes. Der Deutsch-Französische Krieg ist bislang äußerst positiv für Preußen verlaufen, jedoch nicht ohne Hilfestellung der süddeutschen Staaten, die Eisenbahnstrecken und Truppen zur Verfügung stellen. Schon 1867 hat sich durch gegenseitige Schutz- und Trutzbündnisse eine nahende Einigung angebahnt, jetzt aber – vor der bevorstehenden Niederlage Frankreichs – wird der Weg für ein geeintes Deutschland frei. Während der Belagerung von Paris im November unterzeichneten preußische und Abgeordnete aus den süddeutschen Staaten die Verträge. Eine Einigung wurde schnell erzielt, da die Konditionen schon vor Kriegsbeginn feststanden: der schnelle Sieg über Frankreich und faire Bedingungen für eine Übernahme, die der Kanzler des Norddeutschen Bundes Fürst Otto von Bismarck schon vorher gewährt hatte. Bayern soll einige Sonderrechte wie eine eigene Armee sowie gewisse außenpolitischen Rechte behalten. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Schweizerische Eidgenossenschaft In der Schweiz nimmt der neue Bundesrat unter der Leitung von Johann Karl Emmanuel Schenk seine Arbeit auf. Schenk gehört seit 1864 dem Bundesrat an; er ist Mitglied der liberal-radikalen Fraktion der Parti radical-démocratique (später Freisinnig-Demokratische Partei) und nach 1865 zum zweiten Mal Bundespräsident. Das Präsidium besteht aus folgenden Personen: Präsident: Karl Emmanuel Schenk, Parti radical-démocratique (PRD) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Argentinische Republik Das „Código Civil de la República Argentina“, das erste "Bürgerliche Gesetzbuch von Argentinien", tritt in Kraft. Maßgeblich verfasst wurde es von dem jetzt 71 Jahre alten argentinischen Anwalt und Politiker Dalmacio Vélez Sársfield. 1826 wurde Vélez Sársfield Professor für Politische Ökonomie an der juristischen Fakultät der Universität von Buenos Aires. Die Machtergreifung durch Juan Manuel de Rosas bereitete seiner Karriere ein vorübergehendes Ende. Er verließ Buenos Aires und zog zunächst nach Córdoba, später ging er ins Exil nach Montevideo (Uruguay). Dort arbeitete er als Rechtswissenschaftler auf dem Gebiet des kanonischen Rechts und schrieb den „Tratado Público Eclesiástico en Relación al Estado“. Nach dem Sturz von de Rosas kehrte er in die Politik zurück. 1858 verfasste er zusammen mit Eduardo Acevedo ein Handelsgesetzbuch für den (damaligen) Staat von Buenos Aires. Nach der nationalen Wiedervereinigung von 1862 erhielt er den Arbeitsauftrag für ein Zivilgesetzbuch (Código Civil). Die Arbeit daran begann jedoch erst 1864. Unter der Präsidentschaft von Bartolomé Mitre, 1869, wurde es fertiggestellt. Im Laufe seines Lebens war Vélez Sársfield mehrere Male Justizminister von Argentinien. Er war außerdem Gründer der Tageszeitung „El Nacional“, zusammen mit Mitre. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Königreich Spanien König Amadeo I de España (* 30. Mai 1845 in Turin als Amadeo Fernando María de Saboya) tritt in Madrid mit einem Schwur auf die Verfassung die Herrschaft als König von Spanien an. Damit kehrt Spanien nach dem Staatsstreich von 1868 zur Monarchie zurück. Amadeo I. ist gleichzeitig als Amadeo Ferdinando María Herzog von Aosta. Er ist der zweite Sohn des italienischen Königs Vittorio Emanuele II. (Viktor Emanuel II.). Nach militärischer Erziehung durch Agostino Ricci bekleidete Amadeus den Dienstgrad eines Generalleutnants im italienischen Heer sowie den Dienstgrad eines Konteradmirals in der Marine. Während des Unabhängigkeitskrieges gegen Österreich kämpfte er 1866 in der Schlacht bei Custozza, in der er schwer verwundet wurde. Nach dem Sturz der spanischen Bourbonen unter Königin Isabella II. wurde Amadeo im November 1870 von den Cortes zum König gewählt. Er erhält gemeinsam mit seiner Gemahlin Maria del Pozzo della Cisterna (* 1846) die Königskrone. Das Paar hat bereits zwei Kinder: Den zweijährigen Emanuel Philibert, Herzog von Aosta, sowie den einjährigen Victor, Herzog von Turin. Ein großes Anliegen des neuen Königs Spaniens ist es, die völlig chaotischen Zustände im von den Karlistenkriegen zerrissenen Land zu beheben. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Französische Republik Deutsche und französische Streitkräfte bereiten sich auf eine Schlacht bei Bapaume im Arrondissement Arras im Département Pas-de-Calais in der Region Nord-Pas-de-Calais vor. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Königreich Preußen / Französische Republik Die Schlacht bei Bapaume im Deutsch-Französischen Krieg endet unentschieden. Die französische Armée de Nord zieht sich am Abend zurück. Nach der Einnahme von Amiens und Rouen beginnen die deutschen Truppen mit der Belagerung der Festung Peronne, da diese Festung die deutschen Nachschublinien im Norden Frankreichs bedroht und der letzte französische Stützpunkt an der Somme ist. Mit einem Vorstoß will General Louis Léon César Faidherbe, der Befehlshaber der etwa 40.000 Mann umfassenden französischen Nordarmee, Peronne entsetzen und die deutschen Truppen, die in diesem Kampfgebiet lediglich über 15.000 Mann verfügen, zurückdrängen. Nachteilig für die deutsche Seite ist, dass man sowohl für Amiens als auch Rouen Truppen abstellen muss und auch die 16. Division für die Belagerung von Peronne weitere Soldaten benötigt. Außerdem gibt es kaum Informationen über die französischen Truppenbewegungen. Bei ihrem Vormarsch stießen die französischen Truppen am 2. Januar 1871 bei Sapignies (nördlich von Bapaume) auf die 15. Division. Diese war zusammen mit einer weiteren Brigade nach der Schlacht an der Hallue den zurückweichenden Franzosen gefolgt und bis Bapaume vorgedrungen. Das Geschehen war geprägt vom zögerlichen Vorgehen des 23. französischen Korps. So blieb es bei einem Abtasten. Heute nun setzen die Franzosen ihren Vormarsch fort. Der Ort Bapaume soll durch ein Zangenmanöver erobert werden. Das 23. Korps bildet den linken Flügel, während das 22. Korps auf dem rechten Flügel zum Einsatz kommen soll. Der Angriff beginnt mit dem Vormarsch der Division Bessol auf Biefvillers. Die dort stehende 5. Kompagnie zieht sich aufgrund der feindlichen Übermacht nach Avesnes zurück. Weil damit die bei Favreuil stehenden Einheiten im Rücken bedroht werden, erhält das Regiment 33 den Befehl, Biefvillers zurückzuerobern. Es gelingt zwar, den Ort größtenteils wieder in Besitz zu nehmen, jedoch muss man sich nach dem Eintreffen weiterer französischer Einheiten wieder zurückziehen. Die Division Derroja hat inzwischen die 6. Kompagnie aus Grevillers vertrieben und ist bis an die Straße von Bapaume nach Albert vorgerückt. Aufgrund der ungünstiger werdenden Lage und des starken französischen Artilleriefeuers ziehen sich die deutschen Truppen zurück, um auf das Eintreffen von Verstärkungen zu warten. Ein Bataillon des Regiments 68 verbleibt in St. Aubin und die 29. Brigade in Bapaume. Die übrigen Einheiten werden südlich von Bapaume gesammelt. Während es den Franzosen gelingt, Avesnes und eine Vorstadt von Bapaume zu erobern, schlägt der Angriff auf St. Aubin fehl. Auch mehrere Angriffe auf Bapaume selbst können abgewehrt werden. Daher beginnt die Division Derroja, Bapaume weiter zu umfassen. Im zweiten Anlauf gelingt es, Tilloy zu erobern, während die inzwischen eingetroffene deutsche Verstärkung Ligny halten können. Auch auf dem rechten deutschen Flügel trifft Verstärkung ein. Ein Bataillon des Regiments 40 kann Favreuil zurückerobern, muss sich aber wegen der isolierten Lage wieder zurückziehen. Ein anderes Bataillon des Regiments 40 kann St. Aubin zurückerobern, welches zuvor geräumt werden musste. Nun beginnen die Deutschen, auch ihre linke Flanke zu stabilisieren. Einheiten des Regiments 69 beginnen mit dem Angriff auf Tilloy. Später kommen noch zwei Kompagnien des Regiments 68 hinzu. Die Franzosen räumen den Ort jedoch kampflos und auch Avesnes und die Vorstadt. Mit dem Einbruch der Dunkelheit enden die Kampfhandlungen. Preußen und seine Verbündeten haben an diesem Tag in dieser Schlacht 750 Tote zu beklagen, darunter 52 Offiziere. Frankreich verliert 1569 Mann, darunter 53 Offiziere. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Vereinigte Staaten von Amerika / New York Henry W. Bradley aus Binghampton im US-Bundesstaat New York erhält das US-Patent Nr. 110626 zur Herstellung von Margarine, das auf die Herstellung von Oleomargarine abzielte. Das Produkt soll eine Zutat für die kulinarische Verwendung sein. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Französische Republik
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Französische Republik Bei Vesoul im Département Haute-Saône in der Franche-Comté beginnen Kämpfe zwischen Loir (nicht zu verwechseln mit der Loire) und der Stadt Le Mans im Département Sarthe in der Region Pays de la Loire zwischen deutschen und französischen Streitkräften. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Französische Republik | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Französische Republik In der Franche-Comté bei Belfort beginnt ein Gefecht zwischen deutschen und französischen Streitkräften. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich Das gestern in der France-Comté bei Belfort begonnene Gefecht zwischen deutschen und französischen Streitkräften endet. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Republik Honduras / Republik El Salvador Der frühere Supremo Director von Honduras José de la Trinidad Francisco Cabañas Fiallos (* 9. Juni 1805 in Comayagua, Honduras) stirbt in seiner Geburtstadt. Er war vom 1. März 1852 bis 18. Oktober 1855 Regierungschef, gehörte der Partido Liberal an und kämpfte in der Armee der „República Federal de Centroamérica“ unter José Francisco Morazán Quezada, dessen Stellvertreter er wurde. Er nahm an verschiedenen Schlachten teil und ging, nachdem der Versuch, Guatemala Stadt zu erobern, gescheitert war, 1840 nach Panama ins Exil. Später traf er sich mit Morazán in Costa Rica und ging nach El Salvador. Dort scheiterte er am 5. September 1844 bei einem Putschversuch und flüchtete nach Nicaragua, was der Auslöser des Krieges von Malespín war. Nachdem Cabañas Fiallos drei Jahre lang Präsident von Honduras war, wurde er mit der Schlacht Batalla de Masaguara am 6. Oktober 1855 gestürzt. Er ging ins Exil nach El Salvador, wo er Regierungschef bei seinem Schwager Gerardo Barrios wurde. In seinen letzten Lebensjahren kehrte Cabañas Fiallos nach Comayagua zurück. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Französische Republik Ende der seit dem 26. Dezember 1870 andauernden Belagerung von Péronne im Département Somme in der Region Picardie durch die Kapitulation der Festung sowie das Ende der Kämpfe zwischen Loir und Le Mans im Département Sarthe in der Region Pays de la Loire zwischen deutschen und französischen Streitkräften. Strategisch gesehen ist die Schlacht von Bapaume damit ein Erfolg für die deutschen Truppen. Péronne ist der letzte französische Stützpunkt an der Somme. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Königreich Preußen / Französische Republik Bei Villersexel findet zwischen der französischen Ostarmee unter General Charles Denis Bourbaki und dem deutschen XIV. Korps unter General August von Werder ein weiteres Gefecht des Deutsch-Französischen Krieges statt. Im Januar versuchen die französischen Truppen eine koordinierte Offensive, um zum Einen die deutsche Belagerung von Paris aufzuheben und gleichzeitig die Belagerungsverbände vom Nachschub abzuschneiden. Hierzu sollen gleichzeitig mehrere Angriffe geführt werden. Dies wären ein großer Ausfall der Pariser Besatzung bei Buzenval, ein Angriff aus dem Südwesten durch die Loirearmee, der in der Schlacht bei Le Mans verhindert wird. Ein Angriff von Norden soll deutsche Truppen binden und wird in der Schlacht bei Saint-Quentin zurückgeschlagen. Der Angriff im Süden in Richtung Belfort durch die Ostarmee führt zur Schlacht an der Lisaine. Die Deutschen haben den Vorteil, dass sie sich vor den Franzosen in Richtung Osten bewegen können. Bei dieser Verlegung kommt es zum Gefecht von Villersexel. Die deutschen Truppen führen hier durch die verstärkte Brigade Goltz der 13. Division und die 4. Reservedivision einen Angriff gegen die linke Flanke der auf Belfort marschierenden Armee Bourbakis [8., 20. und 24. Korps] bei Villersexel in der Nähe von Lure aus. Nachdem bis etwa 1300 Uhr der Ort und das Schloss Les Grammont eingenommen werden, beginnt am späten Nachmittag ein französischer Gegenangriff unter der persönlichen Leitung von General Bourbaki. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Französische Republik Der Gegenangriff des französischen Generals Charles Denis Bourbaki in dem Gefecht von Villersexel im Département Haute-Saône gegen das von General August von Werder geführte preußische XIV. Korps wird fortgesetzt. Gegen die zahlenmäßig überlegenen französischen Verbände ist ein Erfolg der etwa 15.000 deutschen Soldaten auf Dauer nicht zu erreichen und die Preußen müssen sich gegen 3 Uhr früh zurückziehen, um nicht eingeschlossen zu werden. Das Schloss wird von den Franzosen hierbei erst im Nahkampf erobert. Die zahlenmäßig überlegenen Franzosen können zwar einen taktischen Sieg erringen, weil sich die deutschen Truppen zurückziehen müssen, verlieren aber Zeit, als sie sich nach dem Erfolg sammeln müssen. Ziel der deutschen Führung ist es, einen Abstand zwischen die in die gleiche Richtung marschierenden Einheiten zu bringen und die französische Armee aufzuhalten, um vor Belfort eine gesicherte Verteidigungslinie zu erreichen und ausbauen zu können. Dieses Ziel wird erreicht: Mit dem hier gewonnenen Vorsprung kann eine Verteidigungslinie an der Lisaine errichtet werden. Die Deutschen haben 533 Tote zu beklagen, darunter 26 Offiziere, von Frankreich gibt es zu dem Gefecht keine Angaben über Verluste. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Königreich Preußen / Französische Republik Die am Vortag begonnene Schlacht im Arrondissement Le Mans zwischen der 2. Preußischen Armee und der Loirearmee wird fortgesetzt. Die ersten Gefechte beginnen gegen 9 Uhr zwischen der 12. Infanteriebrigade aus Brandenburg (6. Division, Buddenbrock) und der Brigade des Oberst Bell (4. Division der XXI. Korps, Division de Bretagne). Bis 11 Uhr haben die Brandenburger Champagne (Eure-et-Loir) erobert und gehen entlang der Bahnlinie in Richtung Le Mans vor. Die deutschen Verbände an den Flanken können die verbissen verteidigten französischen Stellungen stürmen und erreichen den Vorort Pontlieue. Die Huisne ist somit überschritten. Am Abend gibt daher General Antoine Alfred Chanzy den Befehl zum Rückzug. Der linke Flügel soll sich bis nach Alençon zurückziehen, das Zentrum und der rechte Flügel soll eine neue Stellung westlich der Sarthe einnehmen. Dieser Rückzug gelingt anfangs unbemerkt von den deutschen Verbänden. In der Nacht auf den 12. Januar erobert die 20. Division unter Generalleutnant Alexander Friedrich Wilhelm von Kraatz-Koschlau das große Lager von Conlie, wo sich die Vorräte der in der Region Bretagne aufgestellten Einheiten befinden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Königreich Preußen / Französische Republik Die vor zwei Tagen begonnene Schlacht im Arrondissement Le Mans zwischen der 2. Preußischen Armee und der Loirearmee wird fortgesetzt. Der am Vortag erreichte Einbruch wird ausgeweitet, Pontlieue von den deutschen Truppen eingenommen. Yvré-l‘Evrêque wird gestürmt. Der Rückzug der französischen Truppen wandelt sich dabei teilweise in eine Flucht. Die Ordnung und Disziplin der Loirearmee löst sich auf und immer mehr Soldaten fliehen. Bei einigen Einheiten gelingt ein geordneter Rückzug, es zeigen sich große Unterschiede zwischen den Milizen und den regulären Truppen. Die Kämpfe gehen auch in der Stadt Le Mans weiter, wo bis in die Nacht hinein ein Straßenkampf tobt. Diese Kämpfe werden besonders von der 19. und der 5. Division geführt. Die 150.000 Mann umfassende Loirearmee wird vollständig von den 73.000 Soldaten der 2. Preußischen Armee, darunter 15.000 Kavalleristen, geschlagen; fast ein Drittel aller französischen Soldaten desertiert, 7000 Mann fallen und weitere 22.000 Mann werden verwundet oder geraten in Gefangenschaft. Der übrig gebliebene Rest zieht sich unter Zurücklassung eines großen Teils der Ausrüstung und der schweren Waffen nach Westen in Richtung Laval zurück. Bei der Verfolgung durch die 6. Kavalleriedivision werden noch weitere Franzosen von den deutschen Truppen gefangen genommen. Die Loirearmee muss nunmehr neu organisiert werden; ein Entsatz von Paris erscheint in absehbarer Zeit nicht mehr möglich und ist nun auch nicht mehr das Ziel von General Antoine Alfred Chanzy. In der Schlacht bei Le Mans erleiden die Deutschen 3418 Verluste an Gefallenen und Verwundeten. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Französische Republik Bei Arcey im Département Côte d'Or sowie in Ste. Marie und Gonvillers im Département Haute-Saône in der Region Franche-Comté sowie Gefechte um Dasle im Département Doubs, etwa 8 Kilometer ostsüdöstlich der Stadt Montbéliard sowie um Croix im Département Belfort, beide in der Franche-Comté-Region, finden Gefechte zwischen deutschen und französischen Einheiten statt. Die Temperatur fällt in der Nacht zum 14. Januar auf bis zu minus 17 Grad. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich Bei Beaumont im Département Meurthe-et-Moselle in der Präfektur Nancy in Lothringen, in Lure (dt. Lüders) im Département Haute-Saône in der Region Franche-Comté sowie bei Langres im Département Haute-Marne in der Region Champagne-Ardenne finden Gefechte zwischen deutschen und französischen Streitkräften statt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Königreich Preußen / Französische Republik Bei St. Jean und Ste. Suzanne im Département Mayenne in der Region Pays de la Loire sowie bei Sillé und Alencon im Département Orne in der Region Basse-Normandie finden Gefechte statt; außerdem beginnt eine Schlacht an der Lisaine in der Region Franche-Comté zwischen deutschen und französischen Streitkräften. An der Lisaine, in der Nähe von Belfort, beginnt im Deutsch-Französischen Krieg zwischen dem deutschen XIV. Korps unter General August von Werder und der französischen Ostarmee unter General Charles Denis Bourbaki eine weitere Schlacht. In einigen Quellen wird sie auch als „Schlacht bei Belfort“, „Schlacht bei Héricourt“ oder „Schlacht bei Montbéliard“ bezeichnet. Nach dem Fall der Festung Straßburg wurde das deutsche XIV. Korps unter dem Kommando des Generals August von Werder damit beauftragt, die elsässischen Festungen einzunehmen. Eine nach der Schlacht von Orléans aus Teilen der Loirearmee neu gebildete französische Armee unter General Charles Denis Bourbaki wird in der Gegend von Bourges gesammelt. Mit dieser Armee soll der Hauptschlag einer koordinierten Offensive geführt werden. Gleichzeitig soll ein Ausfall in Paris erfolgen und von Norden und Westen auf Paris koordinierte Angriffe durchgeführt werden. Ziel des französischen Angriffs im Osten ist es, Dijon einzunehmen und die Festungen Belfort und Langres zu entsetzen. Damit wären die deutschen rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten, was die Versorgung der deutschen Einheiten vor Paris erschweren würde, da die einzige zu diesem Zeitpunkt verfügbare Bahnlinie (Paris–Straßburg) bei Nancy unterbrochen würde. Strategisches Ziel ist die Vereinigung mit der Nordarmee von General Louis Léon César Faidherbe. Unterstützung erhält die Ostarmee dabei durch die Vogesenarmee von Giuseppe Garibaldi. Die Ostarmee besteht aus ca. 140.000 Soldaten mit 300 Geschützen. Kern der Armee sind das 18. und das 20. Korps. Weitere Verbände sind noch die von Divisionsgeneral Camille Crémer geführte "Division Crémer" und die 7. Militärdivision. Hinzu kommen soll noch das neu aufgestellte 24. Korps. Alle diese Verbände sind in großer Eile mit entsprechenden Schwierigkeiten bei der Ausbildung, Führung und Ausrüstung zusammengestellt worden. Die bereits kampferfahrenen Teile der Korps haben in den Gefechten an der Loire schwere Verluste hinnehmen müssen und befinden sich seit über zwei Monaten ununterbrochen im Einsatz. Der Vormarsch Charles Denis Bourbakis' gegen Belfort zwang General von Werder zum Rückzug von Dijon am 27. Dezember und zur Verlegung der Truppen nach Vesoul. Als Verstärkung wurde die verstärkte Brigade unter Goltz aus der Belagerung von Langres abgezogen. Am 9. Januar 1871 kam es zwischen dieser Brigade, 4. Reservedivision und den Franzosen zum Gefecht bei Villersexel. Dabei erkannten die preußischen Verbände die Stärke und Zusammensetzung der Ostarmee. Daraufhin wurden erhebliche deutsche Verstärkungen in Marsch gesetzt, die aber bis auf einige Verbände aus der Reserve in Süddeutschland nicht mehr rechtzeitig vor Ort sein können. Die Anzahl der deutschen Truppen in diesem Gebiet beträgt mit dieser Verstärkung etwa 43.000 Soldaten (einige französische Quellen nennen 52.000 Soldaten). General von Werder zieht seine Truppen daraufhin in eine feste Stellung westlich von Belfort an der Lisaine zurück. Ziel ist es, bis zum Eintreffen der Verstärkungen die Belagerung von Belfort aufrecht zu erhalten. In der zeitgenössischen Berichterstattung, etwa bei Friedrich Engels in „The Pall Mall Gazette Nr. 1854 vom 21. Januar 1871“ wird General Bourbaki später vorgeworfen werden, zu langsam und übervorsichtig taktiert zu haben. Dadurch hätte er seinen Vorteil der zahlenmäßigen Überlegenheit verspielt und den deutschen Verbänden zu viel Zeit für die Absetzung und spätere Vorbereitung auf die Verteidigung gelassen. Die deutschen Truppen beziehen am Abend eine durch die Täler der Lisaine und der Allaine westlich von Belfort gebildete Verteidigungsstellung. Außerdem bietet der Damm der Eisenbahnlinie von Montbeliard nach Héricourt, welcher der Lizaine folgt, eine natürliche Befestigung für die preußischen Einheiten. Die Linie erstreckt sich bis Montbeliard-Héricourt im Süden und nach Norden bis Frahier-et-Chatebier. Zur Verstärkung dieser Feldbefestigungen werden auch schwere Geschütze aus der Belagerung von Belfort abgezogen. Heute findet bei morgendlichen Temperaturen um minus 14 Grad der Kampf um die Vorposten vor der befestigten Linie statt. Durch die schwierigen Wegeverhältnisse können die Franzosen nicht sofort ihre zahlenmäßige Überlegenheit nutzen. An diesem Tag werden die deutschen Vorposten auf die Hauptlinie zurückgedrängt, befinden sich dort aber auch unter dem Schutz der eigenen Artillerie. Der Frontalangriff auf das deutsche Zentrum kann die Lisaine nicht überschreiten. Die Franzosen sind durch den starken Frost und das gebirgige Gelände behindert. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() ![]() |
Deutsches Reich / Königreich Preußen / Großherzogtum Baden / Französische Republik Die am Vortag begonnene Schlacht an der Lisaine zwischen dem deutschen XIV. Korps unter General August von Werder und der französischen Ostarmee unter General Charles Denis Bourbaki wird fortgesetzt. Der französische General Bourbaki versucht mit der Division Crémer eine Umfassung des deutschen rechten Flügels, um die von Frahier über Châlonvillars und Essert nach Belfort führende Straße zu erreichen. Der rechte deutsche Flügel wird gebildet von drei badischen Bataillonen mit drei Batterien unter Generalmajor Alfred Ludwig von Degenfeld, die unmittelbar vor der Schlacht herbeigeführt wurden. Diese Umfassung wird jedoch zu kurz angesetzt. Auf Grund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit gelingt es hier nach einem Kampf von etwa zehn Stunden, die Ortschaft Chénebier im Département Haute-Saône in der Region Franche-Comté einzunehmen und den schwachen deutschen Flügel bis kurz vor Châlonvillars zurückzudrängen. Die Einnahme von Châlonvillars gelingt jedoch nicht. Gleichzeitig erfolgen auch französische Angriffe an anderen Abschnitten. Die erhebliche Ausdehnung der deutschen Stellungen führt dazu, dass General Bourbaki die Stärke seiner Gegner falsch einschätzt und entsprechend vorsichtig vorgeht. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Französische Republik / Schweizerische Eidgenossenschaft Marschall Jacques-Louis-César-Alexandre, comte Randon (* 25. März 1795 in Grenoble) stirbt in Genf. Randon trat früh in die französische Armee ein und machte die Feldzüge von 1812 bis 1814 mit, wurde aber als Neffe des Generals Jean Gabriel Marchand, der 1815 Grenoble an Napoléon I. übergeben hatte, von den Bourbonen nicht begünstigt. Am 27. April 1838 zum Oberst bei den afrikanischen Jägern befördert, spielte er zehn Jahre lang in den Kämpfen gegen die Araber eine glänzende Rolle und rückte 1847 zum Generalleutnant auf. Am 13. März 1848 wurde er von der provisorischen Regierung mit der Direktion der Angelegenheiten Algeriens im Kriegsministerium betraut, schon 3. Juni aber mit dem Kommando der 3. Division in Metz beauftragt. Am 24. Januar 1851 übertrug ihm der Staatspräsident Charles-Louis-Napoléon Bonaparte das Kriegsministerium, am 11. Dezember aber das Generalgouvernement von Algerien. Am 31. Dezember 1852 wurde er Senator, am 18. März 1856 Marschall von Frankreich. Am 5. Mai 1859 erhielt er wieder das Kriegsministerium. Unter seiner Verwaltung wurden die Vorräte der Armeeverwaltung für die Französische Intervention in Mexiko vollständig aufgebraucht und das Heerwesen geriet in solchen Verfall, dass Frankreich 1866 nicht kriegsfähig war. Er wurde daher am 19. Januar 1867 durch Marschall Adolphe Niel ersetzt. Wegen seines hohen Alters erhielt er im Deutsch-Französischen Krieg 1870 kein Kommando mehr. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Reich / Königreich Preußen / Französische Republik Bei Tertry im Arrondissement Péronne im Département Somme in der Region Picardie sowie bei Cauvigny im Arrondissement Beauvais im Département Oise in der Region Picardie finden Gefechte zwischen deutschen und französischen Streitkräften statt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Norddeutscher Bund / Königreich Bayern / Königreich Preußen / Königreich Württemberg / Großherzogtum Baden / Großherzogtum Hessen-Darmstadt / Französische Republik Im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles wird König Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen, seit 1961 König von Preußen und seit 1866 Präsident des Norddeutschen Bundes, zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Damit entsteht aus dem Norddeutschen Bund und den vier süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt unter preußischer Führung der erste deutsche Nationalstaat. Wilhelm ist der zweite Sohn des Kronprinzenpaares Friedrich Wilhelm von Preußen und Luise von Mecklenburg-Strelitz, Tochter des Herzogs Karl II. von Mecklenburg-Strelitz. Am 1. Januar 1807 – Preußen hatte am 14. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt eine vernichtende Niederlage gegen Napoleon hinnehmen müssen – ernannte sein Vater den neunjährigen Wilhelm zum Leutnant. Wilhelm war 13-jährig, als seine Mutter Luise verstarb. Seit März 1813 hatte Wilhelm einen neuen Erzieher in Gestalt des preußischen Oberst Johann Georg Emil von Brause erhalten, der ihm auch nach dem Ausscheiden aus der Gouverneursstellung im September 1817 in väterlicher Freundschaft lebenslang verbunden blieb. 1814 begleitete er, zum Hauptmann ernannt, seinen Vater auf den Feldzug in Frankreich, erwarb sich bei seiner Feuertaufe bei Bar-sur-Aube am 26. Februar das Eiserne Kreuz II. Klasse, zog am 31. März mit in Paris ein, folgte seinem Vater auch beim Besuch in England und führte, am 8. Juni 1815 konfirmiert und zum Major ernannt, ein Bataillon des 1. Garderegiments von neuem nach Frankreich, wo indes der Krieg schon zu Ende war. Am 1. Januar 1816 erhielt er das Kommando des Stettiner Gardelandwehrbataillons, 1818 als Generalmajor das Kommando einer Gardeinfanteriebrigade, am 1. Mai 1820 den Oberbefehl über die 1. Gardedivision und wurde zum Generalleutnant befördert. Am 22. März 1824 übernahm er die Führung des III. Armeekorps, schließlich kommandierte er von 30. März 1838 bis 22. Mai 1848 das Gardekorps. Nachdem er 1826 auf die Heirat mit der Prinzessin Elisa Radziwill verzichtet hatte, weil diese vom König nicht als ebenbürtige Partnerin eines preußischen Prinzen angesehen wurde, vermählte er sich am 11. Juni 1829 mit der Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Tochter des Großherzogs Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach, deren Schwester Maria die Gemahlin seines jüngeren Bruders Karl war. Die Ehe kam letztendlich auf Betreiben seines Vaters zustande und verlief nicht sonderlich glücklich. Die intelligente, musisch begabte und am Weimarer Hof liberal erzogene Augusta war ihrem Mann intellektuell überlegen und fühlte sich am steifen und nüchternen Berliner Hof nicht wohl; Wilhelm fühlte sich dagegen von seiner Frau auch nicht sonderlich angezogen. Ihm gelang es jedoch, seine Liebschaften sowohl vor seiner Frau als auch vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor:
Augusta war auch politisch interessiert; sie versuchte zeitlebens, ihren Mann in Richtung einer liberaleren Haltung zu beeinflussen, was ihr wohl zeitweise (so galt Wilhelm in den fünfziger Jahren geradezu als die große Hoffnung der Liberalen), aber nicht dauerhaft gelang. Otto von Bismarck schrieb viele Jahre später in seiner Autobiographie Gedanken und Erinnerungen über Wilhelms eigenwillige Gemahlin, dass sie zwar von hohem Pflichtgefühl getragen sei, aber aufgrund ihres königlichen Empfindens keine Autorität als ihre eigene gelten ließe. Nach dem Tod seines Vaters (1840) erhielt er als präsumtiver Thronfolger seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. den Titel „Prinz von Preußen“ und wurde bald darauf zum General der Infanterie befördert. Im März 1848 setzte sich Prinz Wilhelm unter dem Druck der Ereignisse der Märzrevolution zwar für die Bewilligung einer konstitutionellen Verfassung ein, wollte aber dennoch die Barrikadenrevolution vom 18. März 1848 in Berlin unter der Führung des Kommandanten der Bürgerwehr, Major Otto Rimpler, mit militärischer Gewalt niederschlagen lassen. Er plädierte dafür, das Militär aus der Stadt abzuziehen und diese von außen mit Kanonen (Kartätschen) sturmreif zu schießen. Deswegen wurde er „Kartätschenprinz“ genannt. Nach den Forschungen von Rüdiger Hachtmann von 1997 blieb dem preußischen Militär am 19. März angesichts der heftigen Barrikadenkämpfe nur der Weg des Rückzugs, wollte es unter dem zermürbenden Straßenkampf nicht nach und nach aufgerieben, politisiert oder nervlich zerrüttet werden. Prinz Wilhelm war wegen seines Plädoyers für eine militärische Lösung bei den Anhängern der Revolution derart verhasst, dass er vom klug taktierenden König den Befehl erhielt, umgehend nach London zu reisen. Am 20. März wurde das Berliner Palais des Prinzen durch einen einfachen Mann vor Brandstiftung und Zerstörung gerettet, der auf die Wand die Worte „National-Eigentum“ schrieb. Der Prinz floh mit Hilfe des Majors im Stab des Gardekorps August Friedrich Oelrichs aus Berlin und reiste unter dem Decknamen Wilhelm Oelrichs am 23. und 24. März nach London. Bei der Abreise soll Augusta den Major schriftlich instruiert haben, „welche Ansichten“ er „dem Prinzen gegenüber geltend zu machen habe“. In London verkehrte Wilhelm mit Prinzgemahl Albert, Robert Peel, John Russell, Henry John Palmerston und anderen Staatsmännern und klärte seine politischen Anschauungen. An den deutschen Einheitsbestrebungen nahm er lebhaften Anteil. Die Berliner sangen derweil Spottlieder auf ihn: "Schlächtermeister Prinz von Preußen, komm doch, komm doch nach Berlin! Wir wollen dich mit Steinen schmeißen und die Barrikaden ziehn." Prinzessin Augusta weilte derweil mit den beiden Kindern in Potsdam. Anfang Juni kehrte Wilhelm nach Berlin zurück. Am 30. Mai hatte sich der Prinz in Brüssel öffentlich und schriftlich zur konstitutionellen Regierungsform für Preußen bekannt und so auf die Demonstration von 10.000 Berlinern gegen seine Rückkehr reagiert. Zum Abgeordneten in die preußische Nationalversammlung gewählt, nahm er zwar das Mandat an, aber, nachdem er in einer kurzen Rede seine konstitutionellen Grundsätze dargelegt hatte, kündigte er die Niederlegung seines Abgeordnetenmandats an und kehrte nach Potsdam zurück. Im September ernannte der König auf seinen Vorschlag einige Minister des neuen gegenrevolutionären Ministeriums des Generals von Pfuel. Am 8. Juni 1849 ernannte der Reichsverweser Johann von Österreich Wilhelm zum Oberkommandierenden der „Operationsarmee in Baden und in der Pfalz“, die aus den preußischen Korps Hirschfeld und Groeben und dem Neckarkorps des Deutschen Bundes bestand. Aufgabe war die Niederschlagung der Revolutionen in der Pfalz und in Baden. Nachdem Wilhelm bei Ingelheim einem Attentat entgangen war, unterwarf die Operationsarmee in wenigen Wochen die Aufständischen. Seit dem Feldzug gehörte der damalige Stabschef Hirschfelds und spätere Heeresreformer Albrecht von Roon zu Wilhelms persönlichem Umkreis. Mit der Einnahme der Festung Rastatt, der letzten Bastion der Revolutionäre, wurde zugleich auch die Märzrevolution in Deutschland endgültig niedergeschlagen. Die Siegesfeier fand mit dem gemeinsamen Einzug des Großherzogs Leopold von Baden und Wilhelms am 19. August in Karlsruhe statt. Am 12. Oktober zog er an der Spitze von Truppen, die in Baden gekämpft hatten, in Berlin ein und wurde zum Generalgouverneur der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen ernannt. Seinen Wohnsitz nahm er in Koblenz, der Hauptstadt der Rheinprovinz. 1854 wurde er zugleich Generaloberst der Infanterie mit dem Rang eines Generalfeldmarschalls und Gouverneurs der Festung Mainz. Augusta und Wilhelm von Preußen residierten gemeinsam im Kurfürstlichen Schloss in Koblenz von 1850 bis 1858. Insbesondere Prinzessin Augusta fühlte sich in Koblenz wohl; hier hatte sie endlich die Gelegenheit, ein Hofleben zu gestalten, wie sie es aus ihrer Kindheit am Weimarer Hof gewöhnt war. Ihr Sohn Friedrich studierte im nahen Bonn Rechtswissenschaften und war damit der erste preußische Thronfolger, der eine akademische Ausbildung erhielt. Auch daran war Augustas Einfluss maßgeblich beteiligt. Am Koblenzer Hof verkehrten insbesondere auf das Betreiben von Prinzessin Augusta hin liberale Menschen wie der Historiker Maximilian Duncker, die Rechtsprofessoren August von Bethmann-Hollweg und Clemens Theodor Perthes sowie Alexander von Schleinitz.[3] Auch Wilhelm nahm unter dem Eindruck der 1848er Revolte eine politisch gemäßigtere Haltung an, die bei seinem regierenden Bruder auf Unwillen stieß. Kritisch wurde Prinzessin Augustas tolerante Haltung gegenüber dem Katholizismus beobachtet, die in der Koblenzer Zeit besonders offensichtlich wurde – eine Haltung, die man in einer Zeit, als die religiöse Konfession noch eine große Bedeutung hatte, bei einer preußisch-protestantischen Prinzessin als unpassend empfand. Die früher dem Prinzen ungünstige Stimmung war infolge seiner Zurückhaltung gegenüber den extremen Positionen der politischen und kirchlichen Reaktion und des Junkertums so sehr in das Gegenteil umgeschlagen, dass er, besonders seit den Verwicklungen mit Österreich und seit dem Krimkrieg, als Hauptvertreter der Machtstellung Preußens galt, und dass alle Hoffnungen der patriotischen und liberalen Partei sich ihm zuwandten, als er während der Erkrankung des Königs am 23. Oktober 1857 als dessen Stellvertreter und ab 7. Oktober 1858 als Regent an die Spitze der Regierung trat. Nachdem er am 26. Oktober den Eid auf die Verfassung geleistet hatte, berief er am 5. November das liberale Ministerium Hohenzollern („Neue Ära“) und legte am 8. November in einem Erlass an dieses seine Regierungsgrundsätze und Ziele dar. Zwar betonte er, dass von einem Bruch mit der Vergangenheit nicht die Rede sein könne; er erklärte sich aber entschieden gegen alle Scheinheiligkeit und Heuchelei; ebenso sprach er sich dagegen aus, dass Preußen sich in der auswärtigen Politik fremden Einflüssen hingebe, vielmehr müsse es durch eine weise Gesetzgebung, Hebung aller sittlichen Elemente und Ergreifung von Einigungsmomenten in Deutschland Eroberungen zu machen suchen. Diese Aussagen fanden im Volk und bei dem neu gewählten, überwiegend liberalen Abgeordnetenhaus Beifall, da vor allem der Einfluss der kirchlichen Reaktion und die russische Politik Friedrich Wilhelms IV. Unwillen hervorgerufen hatten, und wurden fast allein beachtet; viel zu wenig dagegen die Worte des Prinzen, in denen er von der notwendigen Heeresreform und den dazu erforderlichen Geldmitteln sprach, da Preußens Heer mächtig und angesehen sein müsse, wenn Preußen seine Aufgabe erfüllen solle. Dies sah der Prinz als seine Hauptaufgabe an, und der Verlauf der Ereignisse von 1859, als die Mobilmachung auf große Schwierigkeiten stieß und bedeutende Mängel im Heerwesen aufdeckte, konnte ihn nur darin bestärken. Die Majorität des Abgeordnetenhauses war jedoch nicht bereit, im Vertrauen auf des Prinzen konstitutionelle und deutsch-nationale Gesinnung und Politik die Mehrkosten der 1860 eingebrachten durchgreifenden Heeresreorganisation definitiv zu bewilligen. Nach dem Tod seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 1861 bestieg Wilhelm den preußischen Thron. Am 18. Oktober 1861 fand die prachtvolle Krönungsversammlung in Königsberg in der Schlosskirche statt. Wilhelm setzte sich selbst die Krone aufs Haupt und nahm das Zepter, den Reichsapfel und das Reichsschwert vom Altar, danach krönte er seine Frau zur Königin und sagte: „Von Gottes Gnaden tragen Preußens Könige seit 160 Jahren die Krone. Nachdem durch zeitgemäße Einrichtungen der Thron umgeben ist, besteige ich als erster König denselben. Aber eingedenk, dass die Krone nur von Gott kommt, habe ich durch die Krönung an geheiligter Stätte bekundet, dass ich sie in Demut aus seinen Händen empfangen habe.“ Die Krönung stellte einen Kompromiss zwischen der von Wilhelm bevorzugten Erbhuldigung und der von der Verfassung vorgeschriebenen Eidesleistung des Königs im Parlament dar und verstärkte das Misstrauen gegen die konstitutionellen Ansichten des Königs. Interessanterweise stellt Menzel in seinem Gemälde „Krönung Wilhelms I.“ nicht die eigentliche Krönung, sondern die Eidesleistung des neuen Königs dar. In gleicher Weise wurde der König, als Statue, auch auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in Königsberg dargestellt. Die Neuwahlen am 6. Dezember 1861 wurden durch die neu gegründete Deutsche Fortschrittspartei sehr deutlich gewonnen (auf Anhieb mit 104 Abgeordneten in der Kammer). Mit dem Rücktritt des Ministeriums der Neuen Ära (17. März 1862), das der König fallen ließ, weil es im Abgeordnetenhaus die Bewilligung der Mittel für die tatsächlich bereits durchgeführte Heeresreorganisation nicht erreichen konnte, begann der Verfassungskonflikt. Der König hielt zäh an der Heeresreform fest, auch weil er die staatsrechtliche Grundsatzfrage des Verhältnisses von König und Parlament berührt sah. Da er sich in seinen Machtbefugnissen als souveräner Herrscher in Frage gestellt sah, dachte er zeitweise sogar an Abdankung. Die entsprechende Urkunde war bereits unterzeichnet, als Otto von Bismarck – auf Initiative des Kriegsministers Albrecht von Roon – den König von diesem Schritt abhielt. Bismarck erklärte sich bereit, als Ministerpräsident auch ohne genehmigten Haushalt (Lückentheorie) zu regieren und die Heeresreform durchzusetzen. Durch die Ernennung Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten am 23. September 1862 und die Unterstützung seines Ministeriums gegen das Abgeordnetenhaus verlor der König seine frühere Popularität, wie sich besonders bei den 50-jährigen Erinnerungsfesten an die Befreiungskriege 1863 und an die Vereinigung verschiedener Provinzen mit Preußen 1865 zeigte. Während zugleich die Reformen im Innern völlig stockten, ja vielfach ein schroffes Polizeiregiment zur Herrschaft kam, ließ sich der König von Bismarck zu einer entschiedenen Politik in der deutschen Frage bestimmen. Erfolge in der Deutschlandpolitik sollten von dem autoritären Regiment im Inneren ablenken und die politischen Gegner mit der Zeit ins eigene Lager ziehen. Die erste Gelegenheit dazu bot der Deutsch-Dänische Krieg von 1864, in dem Preußen und Österreich gemeinsam als Wahrer deutscher Interessen in den mit Dänemark verbundenen Herzogtümern Schleswig und Holstein auftraten. Wie von Bismarck kalkuliert, kam es nach dem Sieg über die weitere Behandlung Schleswig-Holsteins zum Konflikt mit Österreich, mit dem Preußen damals noch immer um die Führung im Deutschen Bund konkurrierte. Der König erhielt das Siegestelegramm von der Schlacht bei Düppel auf der Rückfahrt von einer Truppeninspektion auf dem Tempelhofer Feld. Augenblicklich kehrte er um, um den Soldaten die Siegesbotschaft zu verkünden. Im Anschluss fuhr er zum Kriegsschauplatz, wo er am 21. April 1864, bei einer Parade auf einer Koppel zwischen Gravenstein und Atzbüll, den „Düppelstürmern“ persönlich dankte. Obwohl Wilhelm zunächst nur widerstrebend Bismarcks Politik gefolgt war, eine kriegerische Entscheidung gegen Österreich zu suchen, übernahm er im preußisch-österreichischen Krieg von 1866 selbst den Oberbefehl über das Heer und errang dank der überlegenen strategischen Planung des Generalstabschefs Helmuth von Moltke den kriegsentscheidenden Sieg in der Schlacht von Königgrätz. Bei den Friedensverhandlungen folgte er wiederum Bismarcks Rat und verzichtete, wenn auch ungern, auf die Annexion Sachsens, um Bismarcks deutsche Einigungspläne nicht zu durchkreuzen. Die durch den gewonnenen Krieg ausgelöste patriotische Begeisterung bot eine günstige Gelegenheit zur Beendigung des Verfassungskonflikts. Durch die Indemnitätsvorlage von 1866 genehmigte der preußische Landtag nachträglich die Staatshaushalte seit 1862. Wilhelm lenkte wieder stärker in liberale Bahnen ein. Die verhassten Minister der Konfliktsperiode wurden entlassen und machten Anhängern einer freisinnigen Reform Platz. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes vom 1. Juli 1867 wurde Wilhelm der Inhaber des Bundespräsidiums. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 übernahm Wilhelm wieder den Oberbefehl über die gesamte in Frankreich einrückende Armee, befehligte selbst bei Gravelotte und bei der Schlacht bei Sedan; zudem leitete er seit Oktober 1870 von Versailles aus nominell die militärischen Operationen und die politischen Verhandlungen über die Gründung des Deutschen Reichs. Tatsächlich spielt auch hierbei Bismarck die wesentliche Rolle. Wilhelm war nur schwer davon zu überzeugen, Preußen künftig in einem gesamtdeutschen Nationalstaat aufgehen zu lassen, auch wenn er selbst an dessen Spitze treten sollte. Der Annahme des Titels "Deutscher Kaiser" widersetzte er sich noch bis zum Vorabend der Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles. Auf dem Palais Unter den Linden in Berlin wird nun die neue Kaiserstandarte gehisst. Die bisherige preußische Hauptstadt soll zur Kaiserstadt werden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Französische Republik / Deutsches Kaiserreich Bei Saint Quentin haben die Spitzen der französischen Nordarmee unter dem Kommando von General Louis Léon César Faidherbe und der deutschen 1. Armee unter Kommando von General August Karl von Goeben, der seit dem 9. Januar das Kommando von General Edwin Freiherr von Manteuffel übernommen hat, ersten Feindberührungen. General von Goeben hat die Aufgabe, die Belagerung von Paris nach Norden hin abzusichern; seine Armee befindet sich zwischen Amiens und Saint Quentin an der Somme. Der Schwerpunkt der deutschen Armee wird in die Nähe von Saint-Quentin verlagert. Im Laufe dieser ersten Gefechte gelingt es, die französischen Einheiten auf Saint Quentin abzudrängen. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, versuchen die Deutschen sofort, die Franzosen an der Flanke zu umfassen und in der Stadt Saint Quentin einzuschließen. Bei St. Valbert und Clairegoutte im Département Haute-Saône in der Region Franche-Comté finden Gefechte zwischen deutschen und französischen Streitkräften statt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Französische Republik / Deutsches Kaiserreich Bei Saint Quentin findet eine neue Schlacht zwischen der französischen Nordarmee unter dem Kommando von General Louis Léon César Faidherbe und der deutschen 1. Armee unter Kommando von General August Karl von Goeben statt. Am Vortag war es bei erster Feindberührung den deutschen Einheiten gelungen, die französischen Einheiten auf Saint Quentin abzudrängen. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, versuchten die Deutschen sofort, die Franzosen an der Flanke zu umfassen und in der Stadt Saint-Quentin einzuschließen. Diese Umfassung gelang jedoch nicht, da sich die Franzosen nach mehreren erfolglosen eigenen Gegenangriffen rechtzeitig zurückzogen. Dieser Rückzug erfolgte nach Norden in Richtung Cambrai und wurde von der Artillerie gedeckt. Insgesamt ziehen sich die Gefechte von 08:00 Uhr bis nach 19:00 Uhr hin. Der Rückzug der Franzosen hat beinahe Fluchtcharakter und wird trotz der nur schwachen Verfolgung durch preußische Verbände sehr schwer und verlustreich. Nach der Schlacht und dem Rückzug stellt die Nordarmee für die deutsche Führung keine ernsthafte Bedrohung mehr dar. Die Verluste betragen nahezu ein Drittel der Truppenstärke, darunter besonders viele Gefangene. Außerdem sind auch sechs Geschütze und andere Ausrüstung verloren gegangen. Innerhalb von nur knapp einer Woche haben die Franzosen nunmehr vier schwere Niederlagen erlitten. Es gibt nach dieser Schlacht keinen Großverband mehr, der noch offensiv tätig werden kann. Die Höhe der Verluste wird in verschiedenen Quellen unterschiedlich beziffert. Meyers Konversationslexikon von 1888 gibt die Verluste auf beiden Seiten mit jeweils ca. 3.100 Mann und die Zahl der französischen Kriegsgefangenen mit 10.000 Mann an. Auch zu den Truppenstärken gibt es widersprüchliche Angaben. Für die deutsche Seite werden 33.000 Mann und für die französische ca. 40.000 angegeben. Die in der Schlacht an der Lisaine vor zwei Tagen geschlagene französische Ostarmee wird durch deutsche Verbände unter General August von Werder verfolgt. Der geplante Rückzug in Richtung Lyon wird für General Charles Denis Bourbaki nicht mehr möglich. Die Täler des Jura in Richtung Lyon sind bereits von der neu gebildeten Südarmee mit dem 2. und 7. Korps unter dem Kommando General Edwin Freiherr von Manteuffels mit 60.000 Mann und 168 Geschützen besetzt worden. Die Reste der Ostarmee haben somit nur noch die Wahl einer Schlacht gegen zahlenmäßig starke, ausgeruhte, erfahrene und gut ausgerüstete deutsche Verbände, was für die völlig erschöpften und desorganisierten Truppen zu einer Katastrophe führen würde, und dem Übergang in die Schweiz, um das Leben zu retten. Beginn des Beschusses von Longwy im Département Meurthe-et-Moselle in der Region Lothringen durch deutsche Kanonen. Erneutes Gefecht bei St. Marie im Département Haute-Saône in der Region Franche-Comté zwischen deutschen und französischen Streitkräften. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Französische Republik / Deutsches Kaiserreich Die französischen Verbände im Ort Saint Cloud können ihre Stellungen noch länger erfolgreich gegen die deutschen Gegenangriffe halten, müssen sich aber am Morgen zurückziehen, um einer Einschließung zu entgehen. Für heute ist ein weiterer Angriff geplant. Die zurückgehenden Franzosen ziehen sich daher nur bis zum Fort Mont Valérien zurück und sammeln sich dort für einen weiteren Angriff. Dieser unterbleibt jedoch, wohl auch weil zu diesem Zeitpunkt bekannt geworden ist, dass die Loirearmee geschlagen wurde und das strategische Ziel einer Vereinigung nicht mehr erreicht werden kann. Die französische Gegenoffensive ist an allen Punkten gescheitert. General Louis Jules Trochu gibt das Oberkommando über Paris und seine 146.000 Verteidiger an General Joseph Vinoy ab, der die Verhandlungen über eine Kapitulation beginnt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Französische Republik / Deutsches Kaiserreich Gefecht um Dôle im Département Jura in der Region Franche-Comté und Gefechte um Plombières-les-Bainsund in Daix im Département Vosges in der Region Lothringen zwischen deutschen und französischen Streitkräften. Die preußischen Truppen schließen den Belagerungsring um Belfort immer enger, jedoch bleiben alle Angriffe auf die Festung erfolglos. Belfort wird seit dem 3. November 1870 belagert. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Französische Republik / Deutsches Kaiserreich Gefecht um Pouilly-sur-Loire im Département Nièvre im äußersten Westen der Region Burgund sowie Gefechte bei Clerval im Arrondissement Montbéliard und bei Baume-les-Dames im Arrondissement Besancon, beide im Département Doubs in der Region Franche-Comté zwischen deutschen und französischen Streitkräften. Auf Dannemarie, ebenfalls im Département Doubs, wird eine Kanonade auf die Stadt veranstaltet. Außerdem findet bei Villers Farlay im Département Jura in der Franche-Comté ein Gefecht zwischen deutschen und französischen Streitkräften statt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Vereinigte Staaten von Amerika Wilhelm Christian Weitling (* 5. Oktober 1808 in Magdeburg) stirbt in New York City. Er war ein Frühsozialist mit christlichen Überzeugungen und gilt als erster deutscher Theoretiker des Kommunismus. Weitling war das uneheliche Kind des Dienstmädchens Christiane Weitling und des später in Russland vermissten französischen Besatzungsoffiziers Guillaume Terijon. Er wuchs unter ärmlichen Verhältnissen auf und verstarb auch in ärmlichen Verhältnissen. Weitling war von Beruf Schneidergeselle und schloss sich 1836 in der französischen Emigration in Paris dem Bund der Geächteten an. Dieser Bund war eine Vereinigung vor allem deutscher Handwerksgesellen, die wegen ihrer demokratisch-revolutionären Gesinnung aus den deutschen Kleinstaaten verfolgt worden waren und in Frankreich im Exil lebten. Ideologisch standen sie in der Tradition des französischen Frühkommunisten Gracchus Babeuf und dessen Revolutionstheorien, wie sie durch die Schriften des Italieners Filippo Buonarroti überliefert worden waren. Über Kontakte mit umherziehenden Wandergesellen verbreitete der Bund seine Ansichten im deutschsprachigen Raum. Unter der Führung Weitlings spaltete sich 1836 eine große Gruppe vom Bund der Geächteten ab und nannte sich fortan Bund der Gerechten. Inhaltlich drückte dies eine Hinwendung zur sozialen Agitation weg von der Verschwörungstaktik aus. Der Bund der Gerechten verlegte 1839 seinen Sitz von Paris nach London, nachdem ein Aufstandsversuch gegen die französische Julimonarchie unter Bürgerkönig Louis Philippe I. gescheitert war. In London wurde die Organisation verstärkt von Karl Marx und Friedrich Engels beeinflusst. 1847 wurde der Bund der Gerechten in Bund der Kommunisten umbenannt. Weitling propagierte eine These des kommunistischen Klassenkampfs und wandte sich von den Ideen der französischen Utopisten, der humanitären Frühsozialisten Henri de Saint-Simon und Charles Fourier, die in Frankreich die Genossenschaftsbewegung vertraten, ab. Weitling sah in den Interessen der Arbeiterschaft und denen des Bürgertums einen unvereinbaren Widerspruch. Er forderte nicht nur eine politische, sondern auch eine soziale Revolution, in der es zu einer Umwälzung der herrschenden Einkommensverhältnisse kommen sollte, für Weitling die wesentliche Voraussetzung der Befreiung der Arbeiterklasse. Er setzte sich für die politische Aufklärung der Arbeiter ein, um im Proletariat die Bedingungen für einen selbständigen Kampf der Arbeiter für ihre eigenen Interessen zu schaffen. Im Jahr 1846 lernte Weitling Karl Marx und Friedrich Engels kennen. Weitling und Marx gerieten mit ihren Führungsansprüchen aneinander und hatten unterschiedliche Auffassungen über eine Revolution. Es kam daraufhin zum Bruch mit Marx, und Weitlings Anhänger wurden aus dem Bund der Kommunisten ausgeschlossen. Weitling reiste daraufhin nach New York und kehrte erst im Zuge der Revolution 1848 nach Deutschland zurück, wo er „aber nur eine unbedeutende Rolle“ spielte und daher schon Ende 1849 in die USA zurückkehrte. Hier verlegte er zwischen 1850 und 1855 die Zeitschrift Republik der Arbeiter und gründete den "Deutschen Arbeiterbund New York / German Workingsmens's League". Im Jahre 1851 begab sich Wilhelm Weitling in die Kolonie Communia in Clayton County Iowa die 1847 von Heinrich Koch gegründet worden war. Er investierte die Mittel aus seinem „Deutschen Arbeiterbund New York/ German Workingmen's League“ und ließ sich als Verwalter von Communia wählen. Communia bestand im Kern aus ehemaligen Mitgliedern der früheren 1845 gescheiterten utopistischen Kolonie New Helvetia von Andreas Dietsch in Osage County, Missouri. Ende 1851 schließt sich die nun unter Wilhelm Weitling sozialistische Kolonie Communia in Iowa dem Deutschen Arbeiterbund an – und reißt ihn drei Jahre später in den finanziellen Ruin. Weitling scheiterte als Verwalter und ab 1854 löste sich Communia in Hass und Zwietracht auf. Mit Gerichtsentscheid wurde Communia aber erst 1864 liquidiert. Weitling, der in den USA im Jahre 1854 die Deutsche Karoline Toedt heiratete, zog sich 1855 zurück und arbeitete fortan in New York wieder in seinem Schneiderberuf. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Vereinigte Staaten von Amerika / Delaware Thomas Garrett (* 21. August 1789 in Upper Darby, Pennsylvania) stirbt in Wilmington, Delaware. Garrett war ein Abolitionist, Quäker und eine führende Persönlichkeit in der US-amerikanischen „Underground Railroad“, die entflohenen Sklaven half, in die Nordstaaten zu entfliehen. Hier war er nach eigenen Angaben etwa 2700 Personen bei ihrer Flucht behilflich. Thomas Garrett entstammte einer wohlhabenden Quäkerfamilie, die auf einem Landsitz in Delaware County, Pennsylvania lebte. Die Familie war grundsätzlich gegen Sklaverei. Wenige in dieser Familie wandten sich jedoch mit einer vergleichbaren Entschiedenheit gegen die Sklaverei. Da er ein Anhänger des schismatischen Quäker-Führer Elias Hicks war, trennte er sich von seiner orthodoxen Familie und zog nach Wilmington im Bundesstaat Delaware, einem Staat, in dem die Sklaverei zu diesem Zeitpunkt noch betrieben wurde. Als wirtschaftliche Basis diente ihm ein Geschäft, das sich auf Eisenwarenhandel spezialisierte und mit dem er wirtschaftlich sehr erfolgreich war. Parallel dazu arbeitete er für die Underground Railway und bekannte sich auch öffentlich dazu. Sein Haus war für viele entfliehende Sklaven eine der letzten Stationen, bevor sie die Nordstaaten erreichten. In Delaware war man sich seiner Aktivitäten sehr wohl bewusst. Er wurde allerdings niemals verhaftet. Im Jahre 1848 wurden er und ein weiterer Quäker mit Namen John Hunn jedoch vor Gericht gestellt und schuldig befunden, einer Familie von Sklaven bei der Flucht in den Norden behilflich gewesen zu sein. Da Thomas Garrett als die hauptverantwortliche Person für diese erfolgreiche Flucht galt, wurde er zu einer Geldstrafe von 4500 US-Dollar verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt konnte man für 400 US-Dollar bereits eine kleine Farm erwerben. Thomas Garrett war in der Lage, mit Hilfe von Freunden diese substantielle Summe zu bezahlen. Seine Aktivitäten setzte er weiterhin fort. Garrett arbeitete während seiner Zeit als Fluchthelfer eng mit Harriet Tubman zusammen. Ihr kommt innerhalb der Underground Railway eine besondere Bedeutung zu, weil sie als ehemalige Sklavin mehrfach freiwillig in die Südstaaten zurückkehrte, um anderen Sklaven zur Flucht zu verhelfen. Thomas Garrett bot ihr vermutlich bei ihrer eigenen Flucht bereits Unterkunft. Er unterstützte sie während ihrer aktiven Zeit unter anderem mit Geld und Kleidung. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik Die französische Ostarmee, die von deutschen Einheiten an die Grenze der Schweiz gedrückt wird, befindet sich in aussichtsloser Lage. Ihr Oberbefehlshaber General Charles Denis Bourbaki unternimmt einen Selbstmordversuch und wird durch General Justin Clinchant ersetzt. Den deutschen Verbänden von General Edwin Freiherr von Manteuffels und General August von Werder gelingt es, die Ostarmee bei Pontarlier an der Schweizer Grenze einzuschließen. Ein weiteres Gefecht findet bei Salins (vermutlich Salins-les-Bains im Département Jura in der Region Franche-Comté) statt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Königreich Italien / Kirchenstaat
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Argentinische Republik In Buenos Aires werden mehrere Fälle von Gelbfieber gemeldet. Diese Epidemie wird auch "Schwarzes Erbrechen" genannt, da es Magen-Darmblutungen hervorruft. Die ärztliche Kommission der Stadt unter der Leitung von Hoz de Narciso Martinez missachtet die Warnungen der Ärzte Tamimi, Larossa und Montes de Oca über die Wahrscheinlichkeit eines neuen Ausbruchs der Epidemie nach 1852, 1858 und 1870. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik Nach zweitägigem Beschuss durch schwere Krupp-Belagerungswaffen kapituliert Paris vor den deutschen Truppen. Außerdem zwingt drohende Lebensmittelknappheit in Paris nach mehrmonatiger Belagerung die französische Regierung im Deutsch-Französischen Krieg zum Einlenken. In Versailles wird ein zwischen Reichskanzler Graf Otto von Bismarck und Außenminister Jules Favre ausgehandelter Waffenstillstand vereinbart, der ausdrücklich nicht für die Départements Doubs, Côte-d’Or und Jura gilt. Faktisch beginnt damit die französische Niederlage. Die Franzosen werden von den Deutschen verpflichtet, binnen drei Wochen eine neue Nationalversammlung zu wählen, die über Krieg und Frieden zu entscheiden hat. Die Belagerung von Paris durch Truppen Preußens, Badens, Bayerns und Württembergs hatte am 19. September 1870 unter dem Befehl von Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke begonnen. Bis vor einer Woche war General Louis Jules Trochu Befehlshaber der französischen Verteidigungstruppen gewesen, bevor er von General Joseph Vinoy abgelöst wurde. Während die Belagerten 240.000 Mann unter Waffen hatten, bestanden die vereinigten deutschen Truppen aus 400.000 Mann. Während die Deutschen 12.000 Mann bei den Kämpfen verloren, haben die Franzosen 24.000 Tote und Verwundete zu beklagen. 147.000 Mann werden von deutschen Truppen zu Kriegsgefangenen. In Paris kommen 47.000 Zivilisten ums Leben. Im Deutsch-Französischen Krieg wurden seit 23. September 1870 in 66 Ballonfahrten im Raum Paris insgesamt 164 Personen, 281 Brieftauben, 5 Hunde und 10.675 Kilogramm Post befördert. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() ![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen / Königreich Bayern / Königreich Württemberg / Großherzogtum Baden / Großherzogtum Hessen-Darmstadt Die Länder des Deutschen Kaiserreiches tauschen in Berlin die Ratifikationsurkunden zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches aus. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Französische Republik / Deutsches Kaiserreich Erstürmung von Sombacour im Arrondissement Pontarlier im Département Doubs in der Region Franche-Comté durch deutsche Soldaten. Außerdem wird sieben Kilometer östlich bei Chaffois ein weiteres Gefecht zwischen Deutschen und Franzosen ausgefochten. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik Gefecht um Frasne im Arrondissement Pontarlier im Département Doubs in der Region Franche-Comté zwischen deutschen und französischen Streitkräften. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Französische Republik / Deutsches Kaiserreich Gefecht bei Vaux im Arrondissement Metz-Campagne im Département Moselle in der Region Lothringen zwischen deutschen und französischen Streitkräften. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
EREIGNISSE DES JAHRES OHNE GENAUE DATUMSANGABE | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Russisches Kaiserreich
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Österreichisch-Ungarische Monarchie Budapest entsteht durch den Zusammenschluss der Stadtteile Buda, Pest und Óbuda. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Französische Republik Der Franzose Alphonse Pénaud baut ein frei fliegendes Motorflugmodell mit einem von ihm selbst entwickelten Gummimotorantrieb. Der erst 21 Jahre alte Flugpionier aus Paris erlangte umfangreiche Kenntnisse der Flugtechnik. Das Flugmodell "Planaphore" hat 45 Zentimeter Flügelspannweite, ist 16 Gramm schwer und fliegt 60 Meter weit. Nicht zuletzt wird Pénauds Planaphore die Gebrüder Wright zu ihren Versuchen anregen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Reich / Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen
Der in Berlin-Schöneberg ansässige Lette-Verein, eine Stiftung des öffentlichen Rechts, beginnt unter der Leitung von Anna Schepeler-Lette, der Tochter des Gründers, eine eigene Lehrtätigkeit im Rahmen einer Berufsfachschule. Es werden von nun an hier unter anderem Telegraphistinnen, Elektroassistentin, Handelskorrespondentinnen, Setzerinnen, Buchbinderinnen, Kunststickerinnen, Gutssekretärinnen, Diätassistentinnen, Handarbeits- und Gewerbelehrerinnen, Modezeichnerinnen und -direktricen ausgebildet. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britisch-Indien / Britische Kolonie Mauritius Auf Mauritius wird von der britischen Verwaltung ein Einwanderungsstopp für Inder verhängt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Cape Colony Das Vereinigte Königreich erklärt das Westgriqualand (heute Provinz Nordkap) nahe dem Oranje-Fluss zu seinem Kolonialgebiet. Dort befinden sich die Diamantenminen von Kimberley. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Oranjevrijstaat / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Dem amtierenden Präsidenten des Oranjevrijstaat (deutsch: Oranje-Freistaates), Johannes Henricus Brand, wird die Präsidentschaft der Südafrikanischen Republik (Transvaal) angetragen, was die beiden Buren-Republiken vereinigen würde. Der Volksraad, die Kammer des Oranje-Freistaates, lehnt dies jedoch ab und Brand behält die freundschaftliche Politik gegenüber Großbritannien bei. Der im Dezember 1823 in Kaapstad (englisch Cape Town, deutsch Kapstadt) geborene Johannes Henricus war der Sohn von Sir Christoffel Brand, Speaker des Abgeordnetenhauses der Kapkolonie. Er besuchte das South African College in Kapstadt, studierte in England und Leiden und promovierte 1845 zum Doktor beider Rechte. Er wurde 1849 in die Anwaltskammer Inner Temple aufgenommen und war bis 1863 als Anwalt in der Kapkolonie tätig. 1851 heiratete er Johanna Sibella Zastron; mit ihr hatte er acht Söhne und drei Töchter. Ab 1858 lehrte er Recht am South African College. Im Jahr 1863 wurde er zum Präsidenten des seit 1854 unabhängigen Oranje-Freistaats gewählt. 1869 erreichte er eine Wiederwahl. 1865 bis 1868 führte er den Seqiti-Krieg gegen die Basotho unter Moshoeshoe I. Im Jahr 1871 wurde ihm die Präsidentschaft von Transvaal angetragen, was die beiden Burenrepubliken vereinigt hätte. Der Volksraad, das Parlament des Oranje-Freistaats, lehnt dies jedoch ab und so behält Brand die freundschaftliche Politik gegenüber Großbritannien bei. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Vereinigte Staaten von Amerika Der Ku-Klux-Klan, ein rassistischer und gewalttätiger, vor allem in den Südstaaten der USA aktiver Geheimbund, der offiziell 1865 gegründet wurde, wird das erste Mal verboten. Nach Erlass der sogenannten Ku-Klux-Acts, einer Gesetzesreihe, die die Terrorakte im Süden eindämmen soll, und einem gescheiterten Versuch der Bundesführung, über Nathan Bedford Forrest die Klan-Mitglieder zur Räson zu bringen, löst jener nun den Klan offiziell auf. Doch bei der Auflösung wird klar, wie gering die tatsächliche Macht des "Großen Hexenmeisters" ist: Nur in Arkansas und Tennessee wird seinem Befehl Folge geleistet, vor allem in Alabama, Georgia, Mississippi, North- und South Carolina steigt das Ausmaß der Gewaltdelikte gegenüber der schwarzen Bevölkerung dagegen sogar an. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich Im Zuge der Reichsgründung befürchtet man in Ostfriesland einen endgültigen Verlust der althergebrachten Selbstverwaltung, was zu einem Aufstand führt. Den Anführern des „Friesenaufstandes“ gelingt es dabei auch, interfriesische Bande nach Nordfriesland zu spinnen. Ziel des Aufstandes ist es, im Zuge der Reichsgründung mehr Rechte für das Volk der Friesen zu gewinnen. Dabei kommt es sowohl in Ost- als auch in Nordfriesland zu kleineren Ausschreitungen, vor allem aber in der dortigen Provinz. So wird in Greetsiel in Ostfriesland angeblich der dortige Vertreter des preußischen Königs, ein Hafen- und Zollwart, von Bauern mit Forken aus der Stadt gejagt. Ähnliche Ausschreitungen gegen preußische Beamte gibt es dem Vernehmen nach auch in Esens, Groothusen und Aurich, wo die preußischen Polizeibeamten allerdings angesichts der wenigen Demonstranten die Situation schnell beruhigen können. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() Zwischen deutschen und französischen Streitkräften findet bei Montréal-la-Cluse im Département Ain in der Region Rhône-Alpes ein Gefecht statt. Vermutlich handelt es sich hier um den weitesten Vorstoß deutscher Truppen nach Süden seit Beginn des Krieges. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Französische Republik / Schweizerische Eidgenossenschaft Der französische General Justin Clinchant, der am 26. Januar den Oberbefehl über die Ostarmee übernommen hat, nachdem sein Vorgänger General Charles Denis Bourbaki einen Selbstmordversuch unternommen hatte, unterzeichnet gegen 3 Uhr morgens beim Oberbefehlshaber der Schweizer Grenztruppen General Hans Herzog den Vertrag von Les Verrières zum Übergang seiner Soldaten in die Schweiz. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Fürst Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (* 30. Oktober 1785 auf Schloss Muskau) stirbt auf Schloss Branitz bei Cottbus. Er war ein deutscher Standesherr, Landschaftsarchitekt, Schriftsteller und Weltreisender und ein bekanntes Mitglied der „gehobenen Gesellschaft“. Hermann von Pückler-Muskau war der Sohn des Grafen Ludwig Carl Hans Erdmann von Pückler und der 15-jährigen Reichsgräfin Clementine von Callenberg. Durch seine Mutter war er Erbe der Standesherrschaft Muskau, der größten deutschen Standesherrschaft. Er wuchs zunächst in schwierigen familiären Verhältnissen auf. Seine Mutter, so formulierte er es als 16-Jähriger in einem Brief an den Vater, behandelte ihn wie ein Spielzeug „ohne selbst zu wissen, warum sie mich bald schlug, bald liebkoste“. Der Vater Erdmann Graf Pückler galt als mürrisch und tatenarm. In demselben Brief beschrieb Pückler seine Erziehung wie folgt: „In den frühen Jahren meiner Kindheit finde ich mich in den Händen theils dummer, theils roher Bedienten, die mich ziemlich nach Gefallen behandelten.“ Einzig sein Großvater Graf von Callenberg und sein Hauslehrer Andreas Tamm mochten den jungen Grafen, letzterer wurde jedoch früh zum Gehen gezwungen. Nach dem Tod des Großvaters wurde der Siebenjährige 1792 für vier Jahre zu den Herrnhutern nach Uhyst, dann aufs „Pädagogium“ nach Halle und schließlich auf das Philanthropinum in Dessau geschickt. Die streng pietistische Erziehung an der „herrenhutischen Heuchelanstalt“ (Zitat von Pückler) in Uhyst begründete seine spätere Abneigung gegen den Protestantismus. Wo er sich religiös äußerte, trat ein Mensch hervor, der Gott allenfalls in der Natur suchte. Im hohen Alter konvertierte er zur römisch-katholischen Kirche. 1801 immatrikulierte er sich 16-jährig zum Studium der Rechte an der Universität Leipzig, brach dies jedoch frühzeitig ab und begann eine militärische Laufbahn, (1802–1806 Offizier im sächsischen Garde du Corps in Dresden), um schließlich ausgedehnte Reisen – oft zu Fuß – in die Provence und nach Italien zu unternehmen. 1811 wurde er Standesherr, übergab bald die Verwaltung seinem Freunde, dem Dichter Leopold Schefer, nahm dann in russischen und sachsen-weimarischen Diensten als Kavallerieoffizier im Feldzug gegen Napoleon teil (kurzzeitig Militärgouverneur von Brügge). 1812 bereiste er zusammen mit Leopold Schefer das erste Mal England, wo er angesichts der dortigen Parks seine Berufung zum Gartenkünstler entdeckte. Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel Pücklers Teil der Lausitz von Sachsen an Preußen. Nach Schätzungen von Historikern war Pückler einer der fünfzehn größten Landbesitzer im Königreich Preußen. Am 9. Oktober 1817 erfolgte die Heirat mit der neun Jahre älteren Lucie von Hardenberg (1776?1854), geschiedene von Pappenheim, Tochter des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg. 1822 wurde Pückler gefürstet. 1826 kam es pro forma zur Scheidung von Lucie, mit der er dessen ungeachtet lebenslang freundschaftlich zusammen blieb. Der verschuldete Park- und Gartengestalter wollte nach England reisen, um erneut reich zu heiraten. Auf der Suche nach einer vermögenden Erbin verbrachte Pückler zwischen 1825 und 1829 viele Monate dort. Er bewunderte den Lebensstil des englischen Landadels, den er als das beste Element in der englischen Gesellschaft betrachtete. Dennoch kritisierte er in den Briefen an Lucie mit scharfen Worten die rücksichtslose Vertreibung der Landbevölkerung in Irland durch englische Adelige, die in Irland die Schafzucht intensivierten. Er fand keine Braut, dafür wurden seine Reiseberichte ein literarischer und finanzieller Erfolg in Deutschland, dann auch in England und den USA. Der Fürst beschloss nun, nach Nordamerika zu reisen, doch wegen eines Duells verpasste er die Schiffsabfahrt. Pückler erreichte im Mai 1837 Meroe im Sudan und ließ seinen Namen an den dortigen Pyramiden eingravieren, ebenso wie an den Tempeln des nahe gelegenen Musawwarat. Stattdessen unternahm er eine Reise über Algier nach Ägypten, wo er vom Khediven Muhammad Ali Pascha als Staatsgast empfangen wurde und für seinen Aufenthalt einen Palast mit Personal erhielt, und weiter in den Sudan, bis er 1838 südlich von Khartum entkräftet den Rückweg antrat. Ferner reiste er in den Nahen Osten – nach Konstantinopel – er versuchte später erfolglos, dort preußischer Botschafter zu werden – und nach Griechenland. Politisch vertrat er liberale Positionen und stand den preußischen Reformern um den Freiherrn vom Stein nahe. So plädierte er für eine politische Selbstverwaltung auf kommunaler Ebene. Dies, dazu sein erklärter Pantheismus und sein extravaganter Lebensstil machten ihn im illiberalen Preußen der Biedermeier-Ära suspekt. Auf der anderen Seite beteiligte Pückler sich jedoch, ganz der offiziellen deutschnationalen Linie folgend, aktiv an der Germanisierung seiner überwiegend sorbischen Untertanen und vernachlässigte die Volksbildung in seiner Herrschaft. Da er sich mit der Anlage seines ersten Parks in Muskau finanziell übernommen hatte, verkaufte er 1845 die Standesherrschaft Muskau. Er zog auf sein Erbschloss Branitz bei Cottbus. Den Erlös aus dem Verkauf von Muskau verwendete er, um das Schloss Branitz (unter starkem Einfluss von Gottfried Semper) umbauen zu lassen und um erneut einen Landschaftspark nach englischem Vorbild, den späteren Fürst-Pückler-Park, anzulegen. Fürst Pückler war als tollkühn und rastlos bekannt ? 1815 sein Aufstieg mit einem Freiballon, 1837 seine Reise zu den Nilkatarakten. Noch als 81-jähriger nahm er 1866 als Titular-General am preußischen Feldzug gegen Österreich-Ungarn teil und bewarb sich ? jedoch erfolglos ? vier Jahre später um eine Teilnahme am Feldzug gegen Frankreich. Bis zu seinem Tod im Jahr 1871 widmete er sich der Schriftstellerei (er war der erste deutsche Schriftsteller, der Kohlepapier für Durchschläge benutzte). Da eine Einäscherung Verstorbener damals aus religiösen Gründen verboten war, griff er zu einer provokanten List und verfügte, dass sein Herz in Schwefelsäure aufzulösen sei und der Körper in Ätznatron, Ätzkali und Ätzkalk gebettet werden solle. So wird er am 9. Februar 1871 im Tumulus ? einer Seepyramide im Parksee des Branitzer Schlossparks – beigesetzt werden. Da er kinderlos war, fallen sein Schloss und sein Park nun an den Majoratsnachfolger, seinen Vetter, den Reichsgraf Heinrich von Pückler, Barvermögen und Inventar an seine Nichte Marie von Pachelbl-Gehag, geb. von Seydewitz. Den literarischen Nachlass des Fürsten erbt die Schriftstellerin Ludmilla Assing mit der Auflage, die Biographie des Autors zu schreiben und seine ungedruckten Briefwechsel und Tagebücher zu veröffentlichen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Französische Republik / Deutsches Kaiserreich Ende der seit 8. November 1870 andauernden Belagerung von Belfort in der Franche-Comté durch deutsche Truppen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der Potsdamer Physiologe und Physiker Hermann Helmholtz wird zum Professor für experimentelle Physik an die Berliner Universität berufen und wird Direktor des Physikalischen Institutes. Als Universalgelehrter ist er derzeit einer der vielseitigsten Naturwissenschaftler und wird auch „Reichskanzler der Physik“ genannt. Er ist der Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen Ordinarius der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, Heinrich Gustav Magnus. Der 50 Jahre alte Helmholtz gilt als einer der größten, vielseitigsten Denker und Forscher in Deutschland. Mit großem Aufwand soll er von der gebildeten Bevölkerung Heidelbergs verabschiedet werden. Im Vorjahr wurde Helmholtz Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen / Vereinigte Staaten von Amerika (New York) Der deutsche Klavierbauer Henry E. Steinway (* 15. Februar 1797 in Wolfshagen im Harz als Heinrich Engelhard Steinweg) stirbt in New York. Aufgrund der unruhigen politischen Lage übergab Steinweg 1850 das Braunschweiger Geschäft seinem Sohn Theodor. Am 28. Mai 1850 emigrierte er mit vier anderen Söhnen nach New York, wo sie zunächst in mehreren Klavierfabriken arbeiteten. 1853 machten sie sich selbstständig. Heinrich Steinweg anglisierte 1854 seinen Namen. Die Firma hieß seitdem Steinway and Sons. Das Geschäft nahm schnell einen enormen Aufschwung, nachdem es 1855 auf der New Yorker Industrieausstellung den ersten Preis für seine kreuzsaitigen Pianofortes, einer Entwicklung von Henry Steinway jr., erhalten hatte. 1856 wurde der erste Flügel gebaut. 1866 errichtete die Firma einen eigenen Konzertsaal in New York, die Steinway Hall, damals einer ihrer größten Konzertsäle. Theodor Steinweg verkaufte 1865 die Braunschweiger Firma an Wilhelm Grotrian (sie existiert noch 150 Jahre später unter dem Namen Grotrian-Steinweg) und trat in das New Yorker Geschäft ein, nachdem seine Brüder Heinrich am 11. März 1865 in New York und Karl am 31. März 1865 in Braunschweig gestorben waren. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik Nach der verlorenen Schlacht an der Lisaine vom 15. bis 17. Januar und dem Ausschalten der Ostarmee gibt es für Frankreich keine Hoffnung mehr auf einen Entsatz der belagerten Festung von Belfort, die zwar noch weiter Widerstand leistete, aber nun vor den Deutschen kapitulieren musste. Die koordinierten Versuche französischer Verbände im Winter 1870/1871, die Initiative zurückzugewinnen, waren gescheitert. Die Ausfälle von Paris (Schlacht bei Buzenval) hatten ebenso wenig Erfolg gebracht, wie die Angriffe aus dem Norden (Schlacht bei Saint-Quentin) und Westen (Schlacht bei Le Mans). Diese Serie von Fehlschlägen hatte neben der militärischen auch eine erhebliche moralische Wirkung auf die französische Bevölkerung. Nach der Schlacht an der Lisaine war ein Waffenstillstand ausgehandelt worden, der aber die Gebiete in Ostfrankreich ausdrücklich ausnahm, so dass die Verfolgung und anschließende Ausschaltung der Ostarmee durch die deutschen Verbände rechtlich zulässig blieb. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich Der evangelische Prediger Karl Wilhelm Moritz Snethlage stirbt in Berlin. Snethlage war von 1844 Hof- und Domprediger, von 1863 Oberhofprediger und unter anderem Mitglied im Kuratoriium des Diakonissen-Krankenhauses Bethanien in Berlin. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik In Versailles handeln der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck und der provisorische französische Staatspräsident Adolphe Thiers einen sogenannten "Präliminarfrieden" ("Vorfrieden") aus und beenden damit die Kampfhandlungen im Deutsch-Französischen Krieg. Die Bedingungen dieses Vorfriedens sind:
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik Auf französischem Boden stehen folgende deutsche Soldatengruppen: 464.221 Mann Infanterie, 55.562 Reiter und 1.674 Geschütze an Feldtruppen sowie 105.072 Mann Infanterie, 5.681 Reiter und 68 Geschütze an Besatzungstruppen. Insgesamt wurden auf deutscher Seite im Kriegsverlauf etwa 1,4 Millionen Mann mobilisiert, von denen 1,1 Millionen in Frankreich zum Einsatz kamen.
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Die Königliche Prüfungsstation für Baumaterialien wird in Berlin gegründet. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Freie Hansestadt Bremen Die Freie Hansestadt Bremen tritt als Bundesstaat dem Deutschen Kaiserreich bei. Der Erste Bürgermeister Johann Daniel Meier gibt eine entsprechende Erklärung ab. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich Die ersten Reichstagswahlen nach Gründung des Deutschen Reiches mit Parlamentssitz in der Leipziger Straße in Berlin finden statt. Es werden 382 Abgeordnete gewählt. In jedem der insgesamt 382 Wahlkreise wird nach absolutem Mehrheitswahlrecht ein Abgeordneter gewählt. Aus der ersten Reichstagswahl gehen die Nationalliberalen mit 31 Prozent der Stimmen als mit Abstand stärkste Partei hervor. In Berlin erringt die Fortschrittspartei alle sechs Mandate. Wahlberechtigt sind 7,65 Millionen männliche Reichsbürger, die mindestens 25 Jahre alt sind, das entspricht etwa 19,4 % der Bevölkerung. Militärangehörige und andere Gruppen sind ausgeschlossen. Die Wahlbeteiligung liegt bei etwa 51 Prozent. Die Bürger des späteren Reichslands Elsaß-Lothringen nehmen an der Wahl nicht teil und werden somit im ersten Reichstag nicht repräsentiert, da der Friede von Frankfurt mit dem Kriegsgegner Frankreich noch nicht geschlossen wurde. Die stärkste politische Bewegung im Reichstag wird der Liberalismus, dem 202 der 382 Abgeordneten zuzurechnen waren. Er ist allerdings auf verschiedene Fraktionen verteilt. Vor allem die Nationalliberalen unterstützen im Reichstag die Politik von Reichskanzler Otto von Bismarck.
Das Ergebnis:
Die Veränderung bezieht sich auf die letzte Wahl zum Norddeutschen Bund, dem ganz Süddeutschland nicht angehörte! | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik Kaiser Wilhelm I. besucht das Schlachtfeld von Villiers, auf dem am 30. November und am 2. Dezember eine wichtige Schlacht im Französisch-Deutschen Krieg stattfand hat und nimmt hier eine Parade des I. Königlich-Bayerischen Korps unter Ludwig von der Tann und etwa 20.000 Mann des Sächsischen Korps unter Prinz Georg von Sachsen ab. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der Berliner Magistrat beantragt für Otto von Bismarck und Helmuth von Moltke die Ernennung zu „Ehrenbürgern der Städte des deutschen Reiches“. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung lehnt diesen Antrag ab. Trotzdem ist die Ablehnung für den Magistrat nicht bindend. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der schlesische 49 Jahre alte Philosoph, Mathematiker, Astronom und Direktor der Sternwarte Düsseldorf, Karl Theodor Robert Luther, entdeckt "(113) Amalthea", einen Asteroiden des Hauptgürtels (113 bedeutet, dass es der 113. Asteroid ist, der bis jetzt entdeckt wurde). Es ist seine 18. Entdeckung dieser Art. Der Asteroid, der sich zwischen 2,167 und 2,585 Astronomischen Einheiten (1 = Entfernung Erde-Sonne) in unserem Sonnensystem bewegt, hat einen Durchmesser von 46 Kilometern. Er dreht sich einmal um seine eigene Achse in 9 Stunden und 56 Minuten. Seine absolute Helligkeit ist 8,74mag. Er umkreist die Sonne einmal in 3 Jahren und 242 Tagen und hat eine mittlere Orbitalgeschwindigkeit von 19,3 km/Sekunde. Luther benennt ihn nach einer Nymphe, die nach der griechischen Mythologie Zeug mit der Milch einer Ziege aufzog. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Österreich-Ungarische Monarchie / Französische Republik / Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland / Königreich Italien / Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich Abschluss der Pontuskonferenz in London, die den Status des Schwarzen Meeres (lat. Pontus Euxinus) unter dem Hintergrund des russischen Expansionsdruckes gegen das Osmanische Reich neu definiert. Die Neutralität und Entmilitarisierung des Schwarzen Meeres wird aufgehoben. Mit deutscher Unterstützung erhält Russland das nach dem Krimkrieg untersagte Recht zurück, im Schwarzen Meer eine Schlachtflotte zu unterhalten, wird allerdings verpflichtet, vor der Durchfahrt durch die Meerengen die Zustimmung des Osmanischen Reiches einzuholen. Russland beginnt unverzüglich mit dem Bau einer neuen Schwarzmeerflotte. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Die Stadtverordnetenversammlung von Berlin beschließt, dass aus dem Krieg gegen Frankreich zurückkehrende Soldaten je einen Taler, Unteroffiziere je zwei Taler, Kriegerwitwen je 20 Taler, Waisen je fünf Taler erhalten. Außerdem ernennt die Stadtverordnetenversammlung auf Geheiß des Berliner Magistrates hin Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck und Helmuth Graf von Moltke zu Ehrenbürgern von Berlin. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg am 18. Januar 1871 in Versailles zum Kaiser ausgerufene Wilhelm I. wird in Begleitung von Kronprinz Friedrich Wilhelm in Berlin empfangen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Französische Republik Gemäß den vom Deutschen Reich diktierten Bedingungen des Versailler Friedensvertrages muss Frankreich eine deutsche Garnison in Paris dulden. Gegenüber der französischen Regierung wächst zusehends der Unmut der Pariser Bevölkerung, der sich nun zu einem offenen Aufstand in der Stadt entwickelt. Die erste sozialistische Revolution in Frankreich beginnt. Die Mitglieder des revolutionären Pariser Stadtrates werden „Kommunarden“ (frz. communards) genannt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Großherzogtum Hessen Der deutsche Historiker und nationalliberale Politiker Georg Gottfried Gervinus (* 20. Mai 1805 in Darmstadt) stirbt in Heidelberg. Gervinus studierte nach Buchhändlerlehre in Bonn und kaufmännischer Ausbildung in Darmstadt von 1825 bis 1827 an der Universität Gießen, anschließend bis 1829 an der Universität Heidelberg Geschichte, Philologie und Philosophie. 1835 wurde er in Heidelberg zum Professor für Geschichte und Literatur berufen. 1836 wechselte er nach Göttingen. Dort wurde er jedoch bereits 1837 abgesetzt und des Landes verwiesen, da er als einer der Göttinger Sieben - neben ihm waren dies noch Jacob Grimm, Wilhelm Grimm, Friedrich Christoph Dahlmann, Wilhelm Eduard Albrecht, Heinrich Ewald und Wilhelm Eduard Weber - gegen die Aufhebung des hannoverschen Staatsgrundgesetzes durch den König, Ernst August, protestiert hatte. Diese Tat erregte in der deutschen Öffentlichkeit großes Aufsehen. Zwischen 1835 und 1842 publizierte Gervinus sein Hauptwerk, die Geschichte der deutschen Nationalliteratur. 1844 nahm er in Heidelberg seine akademische Tätigkeit wieder als Honorarprofessor auf. Ab 1847 war er Herausgeber der von Karl Mathy und Friedrich Daniel Bassermann begründeten Deutschen Zeitung, zu dieser Zeit das Blatt der liberalen Intellektuellen. Gervinus war Mitglied des Vorparlaments und des von diesem gebildeten Siebzehnerausschusses. Vom 18. Mai bis zum 31. Juli 1848 war er Abgeordneter für Wanzleben in der Frankfurter Nationalversammlung. 1853 wurde er wegen demokratischer Publikationen (Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts) vom Mannheimer Hofgericht wegen Hochverrats zu zwei Monaten Festungshaft verurteilt und erneut aus dem Universitätsdienst entlassen. Dieses Urteil wurde jedoch kurz darauf vom Oberhofgericht in Mannheim für nichtig erklärt, weil die auf Hochverrat lautende Anklage nicht hätte vom Hofgericht angenommen werden dürfen. Die Anklage wurde daraufhin aus nicht genannten Gründen gänzlich zurückgezogen und fallen gelassen. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften nahm ihn 1863 als auswärtiges Mitglied in ihre Reihen auf. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der Pharmakologe Carl Gustav Mitscherlich (* 09.11.1805 in Jever)stirbt in Berlin. Mitscherlich war seit 1844 Professor für Arzneimittellehre an der Berliner Universität. Carl Gustav, Bruder des bekannten Chemikers Eilhard Mitscherlich, untersuchte schon als Student in dem Laboratorium seines Bruders verschiedene Antimon- und Quecksilberpräparate und promovierte 1829. Im Jahre 1858 wurde er zum Geheimen Medizinalrat ernannt und wurde zu dieser Zeit zum ersten deutschen Pharmakologen, der die Bedeutung der Kenntnis des chemischen Verhaltens der Arzneimittel gegen die Bestandteile des Organismus und die der Tierversuche überhaupt für die Entwicklung der Pharmakologie erkannte und durch eine Reihe von Experimentalarbeiten wesentlich förderte. Gleichzeitig arbeitete er mit Erfolg an seinem außerordentlich wertvollen „Lehrbuch der Arzneimittellehre“. Der zweite der dreibändigen Ausgabe wurde erst nach 14 Jahren Arbeit vollendet. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich Nach einem Gottesdienst in der Schlosskapelle wird im Weißen Saal des Berliner Stadtschlosses der erste deutsche Reichstag eröffnet. Kaiser Wilhelm I. verliest die von Reichskanzler Graf Otto von Bismarck vorbereitete Thronrede und thront dabei auf dem aus Goslar besorgten Kaiserstuhl Heinrichs III. Anschließend tritt der Reichstag im Preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin, dem früheren Hardenberg‘schen Palais in der Leipziger Straße 75, zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung zusammen. Der bisherige Kanzler des Norddeutschen Bundes und preußische Ministerpräsident Graf Otto von Bismarck wird vom neuen Kaiser gefürstet zum ersten Reichskanzler des Deutschen Reichs ernannt. Dieser wiederum ernennt seinen Staatssekretär (Minister), den Diplomaten Hermann von Thile, der das Auswärtig Amt leiten soll. Der 59jährige von Thile, ein Neffe des preußischen Generals und Staatsministers Ludwig Gustav von Thile (1781-1852), steht seit 1837 im diplomatischen Dienst für Preußen und befand sich bereits ein Jahr später auf seinem ersten Auslandsposten in Rom. Es folgten Bern, Wien (1842) und London. Als Nachfolger von Christian Karl Freiherr von Bunsen wurde er von 1854 bis 1859 Gesandter des Königreiches Preußen in Rom. Seit 1862 diente er als Unterstaatssekretär im preußischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten in der Berliner Wilhelmstraße. Andere Ministerien sind im Entstehen, die Suche nach geeigneten Leitern gestaltet sich schwierig.
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der deutsche Mediziner und Botaniker Carl Heinrich Schultz-Schultzenstein (* 8. Juli 1798 in Altruppin) stirbt in Berlin. Schultz legte Aufsehen erregende, aber auch umstrittene Untersuchungen über die Säftebewegung der Pflanzen vor und entwickelte außerdem eine Theorie, dass tierisches Leben kein chemischer Stoffwechsel, sondern ein fortdauernder innerer Wechsel von Erzeugen und Absterben verjüngter Formengebilde sei (Mausertheorie). Zur besseren Unterscheidung von dem gleichnamigen Botaniker legte sich Schulz 1848 den Beinamen "Schultzenstein" nach seinem Gut in der Nähe von Rheinsberg zu. In seinen botanischen Arbeiten zur Physiologie der Pflanzen entwickelte Schultz-Schultzenstein auf der Grundlage eines dynamischen Vitalismus die Ansicht, dass Pflanzen über einen dem Blut entsprechenden Nahrungssaft und einen Kreislauf verfügten. Diese Lehre wurde bereits in den 1840er Jahren widerlegt, was Schultz-Schultzenstein zu scharfer Polemik gegen seine Kritiker Julius Meyen und Hugo von Mohl veranlasste. Ein weiteres Arbeitsgebiet Schultz-Schultzensteins war die pflanzliche Morphologie und Entwicklungsgeschichte. Hier beschrieb er als „Anaphyton“ (Individuum) jeden aus Zellen, Gefäßen und Oberhaut bestehenden Pflanzenteil und postulierte, jedes Anaphyton sei fähig, eine neue Pflanze hervorzubringen. Eine Pflanze wachse auf Grund eines Verjüngungstriebs durch fortwährende Entwicklung und Wiederholung dieser Anaphyta, die allein durch Wechselwirkung mit der Umwelt in ihrer Form verschieden seien. Dieses Prinzip wandte Schultze-Schultzenstein auch auf das Tierreich, die Medizin, die Psychologie und schließlich auf die Gesellschaft an. Schultze-Schutzensteins Mausertheorie baute ebenfalls auf dem Prinzip der Verjüngung auf. Er ging von dem Gedanken aus, dass das Leben aus einer ständigen Erneuerung der organischen Elemente bestehe, die der Mauser ähnele. Gesundheit bestehe dementsprechend dann, wenn sich Regeneration und Mauser der organischen Elemente beständig wiederholen; Krankheit hingegen führte er auf abnorme Regeneration zurück, wenn die Mauser zu schwach, gehemmt oder gestört oder aber wenn sie zu stark, übermäßig oder beschleunigt sei. Solche Störungen ließen sich an den Ausscheidung der Mauserprodukte ablesen. Medikamente heilten dabei nicht von sich aus, sondern dadurch, dass sie die Naturheilkraft des Organismus befördern. Wie seine andere Theorie wurde auch diese schon von den Zeitgenossen heftig angegriffen. Gleichwohl war Schultze-Schutzenstein einflussreich. Seine Arbeiten zur Physiologie des Blutes belegten die „Bläschennatur“ der Blutkörperchen und wurden zu einem Bezugspunkt der Zellenlehre Theodor Schwanns. Georg Wilhelm Friedrich Hegels Naturphilosophie und der organische Atomismus entlehnten Konzepte wie das der Individualität der Teile eines Organismus. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Im Reichstag findet eine Debatte über eine neue Tagungsstätte – einem Neubau eines monumentalen Gebäudes oder ein Um- und Ausbau des Gebäudes in der Wilhelmstraße statt. Für einen Neubau ist die Lobby des Architektenverbandes, für den Umbau der Wilhelmstraße der Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Die Berliner Tageszeitung "Die Zukunft" stellt ihr Erscheinen ein.
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Sehr spät im Vergleich zu anderen Städten entsteht in Greifswald eine unabhängige jüdische Gemeinde mit etwa 100 Mitgliedern, die von der Stralsunder Gemeinde abgetrennt wird.
|