Chronik 04.1871
DIE EREIGNISSE IM APRIL 1871
DIE SCHLAGZEILEN DES MONATS
Beginn der "Gründerjahre" im Deutschen Reich
Bisher 8000 Opfer der Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires
Der erste Kühlschrank wird von Carl Linde entwickelt
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(nach Geburtsjahr geordnet) | ||||
Jahres-Chroniken | ||||||
Länderchroniken |
Nation | Name | Regierungszeit | ||
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Premierminister William Ewart Gladstone |
03.12.1868-20.02.1874 | |||
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Kardinalstaatssekretär Iacobus Cardinale Antonelli |
12.04.1850-06.11.1876 (secundum mandatum) | ||
Amtierender Präsident des Ministerrates Karl Sigmund Graf Hohenwart |
06.02.1871-30.10.1871 | |||
Vorsitzender des Ministerrates Pawel Pawlowitsch Gagarin |
02.03.1864-04.03.1872 | |||
Vizepräsident Schuyler Colfax |
04.03.1869-04.03.1873 | |||
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Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck |
(1862) 21.03.1871-20.03.1890 | ||
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Chronik 1861 / Chronik 1862 / Chronik 1863 / Chronik 1864 / Chronik 1865 / Chronik 1866 / Chronik 1867 / Chronik 1868 / Chronik 1869 | |
Chronik Januar 1870 / Februar 1870 / März 1870 / April 1870 / Mai 1870 / Juni 1870 / Juli 1870 / August 1870 / September 1870 / Oktober 1870 / November 1870 / Dezember 1870 | |
Chronik Januar 1871 / Februar 1871 / März 1871 / April 1871 / Mai 1871 / Juni 1871 / Juli 1871 / August 1871 / September 1871 / Oktober 1871 / November 1871 / Dezember 1871 |
* Besetzung Paraguays durch Brasilien (seit März 1870) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Genaues Datum nicht bekannt ![]() |
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen
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Französische Republik Die Regierung in Versailles beginnt mit militärischen Angriffen auf das von der „Kommune“ beherrschte Paris, die sich bald zu einer Belagerung entwickeln. Zunächst gelingt es der durch den Krieg geschwächten französischen Armee nicht, sich gegen die Kommunarden durchzusetzen. Nachdem die Regierung die auch in der Provinz vereinzelt aufflammenden Aufstände mit Hilfe deutscher Unterstützung durch Waffenlieferungen und Freilassung der Kriegsgefangenen niedergeschlagen hat, gehen die regulären französischen Truppen immer effektiver gegen die militärisch eher unorganisierten Kommunarden vor. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Großherzogtum Baden In Karlsruhe nimmt Großherzog Friedrich eine Parade des 2. Badischen Grenadier-Regiments ab. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Die Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires fordert inzwischen 400 Menschenleben pro Tag. Der Verwalter eines Friedhofs gibt bekannt, dass 630 Menschen noch bestattet werden müssten, dies aber schwierig sei, da zwölf seiner Totengräber gestorben seien. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Buenos Aires meldet 500 Gelbfieber-Tote. Damit hat die Epidemie ihr schlimmstes Ausmaß erreicht. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Buenos Aires meldet mit 583 Gelbfieber-Toten einen neuen Höchststand. Vor der Epidemie lag der tägliche Durchschnitt an Todesfällen in Buenos Aires bei 20 Personen. Die Stadtverwaltung beschließt, die letzten Bediensteten in den Urlaub zu schicken, was de facto bereits geschehen ist, da kaum noch jemand zum Dienst erscheint. Die ersten Winterfröste beginnen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Buenos Aires meldet erneut 500 Gelbfieber-Tote. Die Bahnstrecke der Ferrocarril Oeste de Buenos Aires wird entlang der Avenida Corrientes bis zum Friedhof verlängert und trägt seither im Volksmund den Namen „Zug des Todes“. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich Der Reichstag verabschiedet die Verfassung des Deutschen Reichs mit nur sieben Gegenstimmen. Sie soll am 4. Mai in Kraft treten und die sogenannten "Novemberverträge" (die Verfassung des Deutschen Bundes) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik / Départements d'Algerie In der Kabylei in Französisch-Algerien bricht ein Aufstand gegen die französische Siedlungspolitik aus. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich Die Bismarck‘sche Reichsverfassung wird als Gesetz verabschiedet und zur Rechtsgrundlage für das deutsche Kaiserreich. Es ist bereits die dritte Verfassung des gemeinsamen deutschen Staates. Sie geht ursprünglich als Verfassung des Deutschen Bundes vom 1. Januar 1871 in revidierter Fassung aus der 1867 ausgearbeiteten Norddeutschen Bundesverfassung hervor. Ihre amtliche Überschrift lautet nun 'Verfassung des Deutschen Reichs (RV 1871). Im Bundesrat, dem höchsten Staatsorgan des Deutschen Reiches, sind die Bundesstaaten vertreten. Das Präsidium des Bundes hat der König von Preußen inne, der den Titel ‚Deutscher Kaiser‘ trägt. Der Kaiser setzt den Reichskanzler ein, der den Vorsitz im Bundesrat führt, seine Geschäfte leitet und einziger verantwortlicher Reichsminister ist. Der Kanzler wird damit zu einer der maßgeblichen Instanzen des politischen Systems sowohl hinter den Kulissen als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Reichsgesetze brauchen die Zustimmung zweier Organe, nämlich des Bundesrats und zusätzlich des Reichstags. Der Reichstag soll zunächst alle drei Jahre gewählt werden, nach allgemeinem Wahlrecht für Männer. Der Bundesrat ist kein Fürstenrat, sondern das Staatenhaus des Reichs, das die Interessen der Bundesstaaten in die Ausübung der Hoheitsgewalt des Reiches einbringen kann. Er wird wie eine zweite Kammer an der Gesetzgebung beteiligt, an Regierungsaufgaben und an der Rechtsprechung. Der Bundesrat wirkt an der Gesetzgebung gleichberechtigt mit dem Reichstag mit. Er hat ein Gesetzesinitiativrecht, und jedes Gesetz braucht die Zustimmung des Bundesrates; er hat also ein echtes Vetorecht. Der Bundesrat kann die zur Ausführung von Reichsgesetzen erforderlichen allgemeinen Verwaltungsvorschriften erlassen und Organisationsentscheidungen über die Verwaltungsbehörden treffen Im Rahmen der Reichsaufsicht über Materien einheitlicher Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse im ganzen Reich kann der Bundesrat Mängel in der Verwaltung der einzelnen Bundesstaaten feststellen. Darüber hinaus kann der Bundesrat wie ein Staatsgerichtshof öffentlich rechtliche Streitigkeiten zwischen den Bundesstaaten entscheiden, ebenso Verfassungsstreitigkeiten in Bundesstaaten, die keinen eigenen Staatsgerichtshof hatten. Um seine umfangreichen Aufgaben erfüllen zu können, bildet der Bundesrat aus seinen Mitgliedern Ausschüsse, denen die notwendigen Beamten zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Verfassung schreibt folgende Stimmverteilung im Bundesrat vor:
Ein Bundesstaat, der seine Stimme abgeben will, muss wenigstens einen Bevollmächtigten bestellen, der nicht Regierungsmitglied sein muss. Jeder Bundesstaat kann aber so viele Bevollmächtigte ernennen, wie er Stimmen hat. Die Stimmen eines Gliedstaates kann nur einheitlich abgegeben werden. Die Bevollmächtigten sind an Weisungen ihrer Bundesstaaten gebunden, anders als die Reichstagsabgeordneten, die an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden sind. Der Bundesrat entscheidet regelmäßig mit einfacher Mehrheit. Verfassungsänderungen können gegen den Willen Preußens nicht zustande kommen, denn 14 Gegenstimmen genügen zur Ablehnung einer Verfassungsänderung, aber Preußen hat 17 Stimmen. Die Stimmen Preußens werden verkürzt als Präsidialstimme bezeichnet; eine achtzehnte Stimme hat Preußen nicht. Bei Gesetzesvorlagen zum Militär- und Marinewesen und zum Zollwesen und zu Verbrauchsteuern und bei den dazugehörigen Verwaltungsvorschriften und Organisationsentscheidungen kann der Reichskanzler mit den Stimmen Preußens die Vorlage bei Stimmengleichheit zur Ablehnung bringen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich Die Vertreter der Länder des Deutschen Reiches treffen zum ersten Mal zu einer Fahrplankonferenz der deutschen Eisenbahnen zusammen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich Die Abgeordneten des Deutschen Reichstages beschließen die rechtliche Gleichstellung der Juden in Deutschland. Einer Schätzung zufolge leben im Gebiet des neugegründeten Deutschen Kaiserreiches 512.000 Menschen jüdischen Glaubens. Bei der letzten Schätzung im Jahre 1820 waren es noch 220.000 Menschen. Die neue Reichsverfassung wird ihnen die volle Gleichberechtigung zugestehen. August Rohling, Priester und Professor der katholischen Theologie in Münster, wird schlagartig bekannt, nachdem er die antisemitische Schrift "Der Talmudjude" veröffentlichte. Sie enthält aus dem Zusammenhang gerissene Talmud-Zitate, die Rohling negativ interpretiert. Damit versucht er auf theologischem Wege gegen die sogenannte „jüdische Rasse“ vorzugehen. Er stützt sich dabei im Wesentlichen auf das Werk von J. A. Eisenmenger „Entdecktes Judenthum Oder Gründlicher und Wahrhaffter Bericht, welchergestalt die verstockten Juden die Hochheilige Drey-Einigkeit lästern und verunehren“. Eine weitere Quelle Rohlings ist der jüdische Konvertit Aron Israel Brimann (Pseudonym Dr. Justus), der sich bereits durch antisemitische Hetzschriften hervorgetan hat. "Der Talmudjude" hat eine weitreichende Wirkung. Rohling zufolge gebiete die jüdische Religion ihren Anhängern, wann immer möglich Christen zu schädigen und zu töten – so verteidigt Rohling auch die mittelalterliche Ritualmordlegende. "Der Talmudjude" wird 17 Auflagen erleben. Rohling beweist mit teilweise gefälschten Auszügen, dass der Talmud erlaube, ... alle Nichtjuden auf jede Weise auszubeuten, sie physisch und moralisch zu vernichten, Leben, Ehre und Eigenthum derselben zu verderben, offen und mit Gewalt, heimlich und meuchlings; – das darf, ja soll, wenn er kann, der Jude von Religions wegen befolgen, damit er sein Volk zur irdischen Weltherrschaft bringe. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen In Berlin erscheint die letzte Ausgabe des Organs des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins „Social-Demokrat“. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Argentinische Republik Die Bilanz der Opfer der Gelbfieber-Epidemie in Buenos Aires beträgt bislang 8000 Tote. Die tägliche Todesrate ist inzwischen rückläufig. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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