Deutsches Kaiserreich 1871.10
DEUTSCHES KAISERREICH
Hauptstadt: Berlin
Chronik des Oktober 1871
Öffentliche politische Äußerungen von Geistlichen werden in Deutschland mit Festungshaft bedroht
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Chronik des Deutschen Bundes des Jahres ... 1861 - 1862 - 1863 - 1864 - 1865 - 1866 | |
Chronik des Norddeutschen Bundes des Jahres ... 1866 - 1867 - 1868 - 1869 - 1870 | |
Chronik des Deutschen Bundes ... des Zeitraums vom 15.11. bis zum 10.12.1870 | |
Chronik des Deutschen Reiches ... zwischen 10.12.1870 und 17.01.1871 | |
I. Quartal 1871 - April 1871 - Mai 1871 - Juni 1871 - Juli 1871 - August 1871 - September 1871 - Oktober 1871 - November 1871 - Dezember 1871 | |
fortlaufende Ereignisse |
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Königreich Kongo / Osmanisches Reich / Vizekönigreich Ägypten / Deutsches Kaiserreich Nachdem der deutsche Afrikaforscher nach fast drei Jahren im Juli in Khartum seine Ostafrika-Expedition abschluss, trifft er nun an seinem Ausgangshafen im ägyptischen Suez ein, wo er mehrere Monate verbleiben und seine nächsten Expeditionen in die Libysche Wüste sowie in den Libanon vorbereiten möchte. |
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Vereinigte Staaten von Amerika / Ohio / Königreich Bayern In Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio wird der Tyler-Davidson-Brunnen vor rund 20.000 Menschen enthüllt. Der Stifter Henry Probasco möchte damit seinem Geschäftspartner Tyler Davidson ein Denkmal setzen und gleichzeitig den Alkoholismus in seiner Stadt eindämmen. Der Brunnen wird zum Wahrzeichen Cincinnatis und der meistbesuchte Brunnen der USA werden. Nachdem Henry Probasco, ein reicher Einwohner der Stadt, sich lange genug über Betrunkene in der Innenstadt geärgert hatte, hatte er einmal einen dieser Männer angesprochen und gefragt, warum er seinen Durst nicht mit Wasser stille. Die Antwort soll gelautet haben: „Well, what else am I to quench my thirst, here we find no water, only schnapps and beer!“ Daraufhin beschloss Probasco, noch zu Lebzeiten seines Schwagers und Geschäftspartners Tyler Davidson und in Absprache mit diesem, Cincinnati einen Trinkwasserbrunnen zu schenken. Davidson starb 1865 und Probasco fasste den Entschluss, ihm mit dem geplanten Brunnen ein Denkmal zu setzen. Da die Kunst des Bronzegießens in den USA die Herstellung eines monumentalen Brunnens nicht erlaubte, musste Probasco 1866/67 die königliche Bronzegießerei Ferdinand von Miller in München besuchen. Probascos Wünsche stießen in der Bronzegießerei auf offene Ohren: Er dachte an eine Brunnenfigur, die den Segen des Wassers versinnbildlichen sollte, legte aber keinen Wert auf die übliche Darstellung in Gestalt von Neptun- oder Nereidenfiguren. Ferdinand von Miller und August von Kreling hatten bereits in den 1840er Jahren an Entwürfen für einen derartigen Brunnen gearbeitet. Inspiriert worden waren sie dazu durch eine Mariendarstellung in Frankreich. Maria hielt hier ihre ausgestreckten Arme nach oben und von ihren Handflächen gingen Lichtstrahlen aus. Diese Lichtstrahlen sollten bei der geplanten Brunnenfigur durch Wasserstrahlen ersetzt werden. Die Skizze zu einem solchen Brunnen wurde aber zunächst nicht in die Realität umgesetzt. Als 1854 die erste Industrieausstellung in Deutschland geplant wurde, sollte auch ein Brunnen in einem Glashaus gezeigt werden, und Ferdinand von Miller hatte vor, von Krelings alte Pläne nun zu verwirklichen. Doch bereits in einem frühen Stadium seiner Arbeit stieß er auf vehemente Ablehnung von Seiten des Königs Ludwig von Bayern. Dieser ließ sich auch später, als von Miller ihn brieflich noch einmal nach seiner Meinung fragte, nicht umstimmen. Erst Probascos Ansinnen führte dazu, dass die alten Pläne wieder hervorgeholt wurden. Die zentrale Brunnengestalt mit den erhobenen Händen wurde durch vier weitere Figuren ergänzt, die der jüngere Ferdinand von Miller entwarf. Diese Figuren, die eigentlichen Trinkwasserspender am Brunnen, sollten Knaben, die auf Tieren ritten, darstellen. Von Fritz von Miller wurden die sitzenden Figuren an den Ecken modelliert, den Rest des Brunnens übernahm man aus Krelings Plänen.
Bevor endgültig ein Vertrag zwischen Miller und Probasco geschlossen wurde, erhielt dieser im Sommer 1867 ein Bronzemodell des geplanten Brunnens. Dieses Modell stand lange Zeit auf Probascos Anwesen und befindet sich heute im Cincinnati Museum of Art. Ein weiteres Modell, das aus Gips gefertigt war, muss als verloren gelten. Eine Fotografie davon befindet sich heute im Kulturgeschichtlichen Museum von Osnabrück; die äußeren Brunnenfiguren erinnern bei diesem Modell eher an Gnome und Elfen. Für den Guss der Figuren wurde aus eingeschmolzenen dänischen Kanonen gewonnenes Metall verwendet. Nicht nur die Figuren, sondern auch die Granitsteine, die zum Brunnenbau benötigt wurden, wurden aus Deutschland nach Amerika verschifft, was bei den Einwohnern auf Unverständnis stieß. Ferdinand von Miller der Jüngere und ein Arbeiter begleiteten die Transportkisten, die auf dem Dampfschiff WESTPHALIA nach Amerika verfrachtet wurden. Am 6. September 1871 traf das Schiff in New York ein, wurde aber zunächst noch mit Quarantäne belegt, da während der Überfahrt fünf Passagiere an Cholera gestorben waren.
Von Millers Aufenthalt in Amerika gestaltete sich laut seinen Tagebüchern aufreibend, da er ununterbrochen von der begeisterten Öffentlichkeit gefeiert wurde. Als er, nach Besichtigung von Washington, D.C. und Richmond (Virginia), in Cincinnati eintraf, um dem Aufbau und der Einweihung des Brunnens beizuwohnen, musste er feststellen, dass das vorbereitete Hebezeug viel zu schwach war und die einheimischen Arbeiter zunächst nicht gewillt waren, für angemessene Vorrichtungen zu sorgen. Erst ein beeindruckendes Experiment mit der schwersten Transportkiste brachte sie dazu, ihre Meinung zu ändern. Das nächste Problem war der unzureichende Druck der ursprünglich für die Versorgung des Brunnens vorgesehenen Wasserleitung. Man musste sich entschließen, das Wasser eines höher gelegenen Reservoirs zu verwenden, um genügend Druck zu erhalten. Das Wasser musste 40 Fuß emporsteigen und sich dann entsprechend den Plänen verteilen. Das nun ausgewählte Reservoir besaß jedoch keine Leitung, die bis zu dem Standort des Brunnens geführt hätte. Umgehend ließen die Verantwortlichen ohne Rücksicht auf die Kosten die Vine Street aufgraben und den Straßenbahnverkehr einstellen, um eine neue Leitung zu legen. Als von Miller das Ventil der oberen Brunnenfigur öffnete, um den Wasserdruck erneut zu überprüfen, brach prompt eine kupferne Rohrverbindung: Nun war der Druck zu hoch und ein Teil des Wassers musste umgeleitet werden. Nachdem diese Schwierigkeit behoben war, sah sich von Miller mit Plänen zur Brunneneröffnung konfrontiert, die er für undurchführbar halten musste. Solange man an dem Brunnen gearbeitet hatte, war er den Augen der Öffentlichkeit durch eine Holzwand verborgen gewesen, aber bei der Eröffnung sollte er mit Stoff verhüllt sein. Zusammen mit der Stoffhülle sollten zwei riesige amerikanische Flaggen emporgezogen werden, wenn der Brunnen enthüllt wurde. Da das Gewicht des Stoffes zu hoch war, schlug von Miller vor, ihn nicht hochzuziehen, sondern um des dramatischen Effekts willen in Flammen aufgehen zu lassen. Dies stieß auf vehemente Ablehnung, da das Verbrennen der amerikanischen Flagge für die Einheimischen undenkbar war. Also wurden die Flaggen überhaupt aus dem Programm gestrichen und nur die riesige Stoffhülle für den Brunnen genäht. Da kein Baugerüst mehr verfügbar war, als der Brunnen damit bedeckt werden sollte, gestaltete sich die Drapierung des Stoffes über den Figuren und dem Becken ausgesprochen schwierig. Noch am Morgen des Einweihungstages wurden außerdem in aller Eile Sitzreihen für das bevorzugte Publikum errichtet, die dann zum Teil unter den Besuchern zusammenbrachen und zu mehreren Verletzungen führten. Der 13 Meter hohe Brunnen ist mit insgesamt 13 Figuren und vier Basreliefs geschmückt, die alle den Wert des Wassers für die Menschheit symbolisieren. Die zentrale Brunnenfigur, aus deren Handflächen die Fontänen sprühen, stellt den Genius des Wassers dar. Unterhalb dieser Figur befinden sich vier männliche Gestalten, die den Nutzen des Wassers für alles Leben verkörpern. Die Knabenfiguren weiter außen dagegen sollen die Freuden, die das Wasser spenden kann, symbolisieren. Am Fuß des Brunnens wird der Nutzen des Wassers für die Industrie gezeigt. Die Zentralfigur, die mehr als neun Tonnen wiegt, hat in jeder Handfläche 438 Löcher, aus denen das Wasser sprüht. Es fällt zunächst in die oberen Becken und dann in das von Granit eingefasste Bassin, an dessen Rändern die vier von Probasco zusätzlich zum ursprünglichen Plan gewünschten Figuren mit Wasserspeiern stehen, an denen sich die Bevölkerung mit Trinkwasser bedienen konnte. Alle Figuren zusammen wiegen mehr als 24 Tonnen. Dazu kommen rund 85 Tonnen Granit. Pro Minute fließen etwa 500 Gallonen (etwa 1900 Liter) Wasser durch den Brunnen. |
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen In Hannover wird unter dem Namen Continental-Caoutchouc-& Gutta-Percha Compagnie die heutige Continental AG gegründet. Keimzelle der Firma ist die Konkursmasse der kleinen gummiverarbeitenden Firma „Neue Hannoversche Gummi-Warenfabrik“, die 1869 vom Bankier Moritz Magnus für 18.500 Taler übernommen wurde. Magnus gruppierte neun finanzkräftige Investoren und erfahrene Fabrikanten als Gründungsgesellschafter der Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie, die heute als Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 300.000 Talern gegründet wird (umgerechnet 900.000 Mark). Dazu gehören die drei Gesellschafter der Firma „Hannoversche Gummikamm Compagnie OHG“. Sie verfügen über produktionstechnische Kenntnisse mit dem neuartigen Werkstoff und halten 27 Prozent der Anteile. Die Gründungsgesellschafter vereinbarten eine klare Trennung der Produktionsgebiete: Das neue Unternehmen soll Weichgummiwaren produzieren, die bestehende Hannoversche Gummikamm weiterhin die angestammten Hartgummiwaren. |
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Die Muskauer Straße in Berlin-Kreuzberg erhält ihren Namen. Muskau ist der Name des Gutes, aus dem die Fürsten und Grafen Pückler entstammen. |
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Im Jüdischen Krankenhaus in Berlin stirbt der jüdische Schriftgelehrte Joseph Zedner. In der "Deutschen Biographie" wird Zedner aus "der ausgezeichnete Pfleger und Bearbeiter der jüdischen Bücherkunde" bezeichnet. Er wurde am 10. Februar 1804 in Groß Glogau geboren. Sein frommer und ausschließlich die Pflege der rabbinischen Gelehrsamkeit strebende Vater Jonathan schickte seinen Sohn auf die Talmudschule nach Posen, wo sich Zedner unter seinem Lehrer Akiba Eger eine sichere und dauerhafte Grundlage jüdischen Wissens für sein Leben erwerben konnte. Bereits mit 20 Jahren hatte sich der Verstorbene eine große Kenntnis alter und neuer Sprachen angeeignet. Er sprach hebräisch, aramäisch, syrisch, arabisch, französisch und deutsch. Zedner nahm den Ruf der 1827 gegründeten jüdischen Gemeindeschule von Strelitz in Mecklenburg an, um hier als Lehrer zu wirken und den Schülern die hebräische Sprache zu lehren. Anfang der 1840er Jahre zog er nach Berlin und wurde literarisch tätig. Durch seine Tätigkeit im Druckhaus "Asher" stand ihm nun die ganze westliche Welt offen. Er stellte fest, dass viele wichtige Bücher jüdischer Autoren längst nicht mehr in Deutschland vorrätig waren und die Originale nur noch in Museen im Ausland studiert werden konnten. Auch die große Bibliothek David Oppenheimers war seit Mitte der 1840er Jahre in Oxfort angesiedelt. Zedner klagte einem Freund diesen desolaten Zustand der jüdischen Kultur und schrieb ihm: "Von Preußen aber muss das Licht kommen!" Im Jahre 1864 gelang es ihm, "endlich die Erlaubnis zum Drucke des hebräischen Katalogs" zu erhalten. Am 11. Februar 1867 ging das fertige Werk "Catalogue of the Hedrew Books in the Library of the British Museum" in den Druck. Die Berliner Gemeinde räumt dem Verstorbenen nun ein Ehrengrab in der vordersten Reihe ein. Bei der Trauerfeier werden sein Fleiß, seine Sanftmut und seine Menschenliebe gewürdigt. |
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Osmanisches Reich / Deutsches Kaiserreich / Großherzogtum Mecklenburg Nachdem der deutsche Kaufmann und Pionier der Feldarchäologie Heinrich Schliemann fast zwei Jahre auf die Grabungsgenehmigung gewartet hat, beginnt er mit seinen Helfern die ersten offiziellen Grabungen auf dem Hügel Hissarlik (türkisch für Burghügel) an der Nordwestspitze Kleinasiens mit dem Ziel, die legendäre Stadt Troia (Troja) der Epen Homers, der vermutlich im 8. Jahrhundert BC lebte, zu finden. Schliemann und seine Leute befinden sich schon eineinhalb Jahre hier; bislang haben sie illegal in Kleinasien gegraben. |
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Kaiser eröffnet den Deutschen Reichstag in Berlin. Das Gremium tritt erstmals in seinem neuen Sitzungsgebäude in der Leipziger Straße 4 zusammen, das in nur 116 Tagen auf dem Gelände der Königlichen Porzellan-Manufaktur errichtet worden ist.
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Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen
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Deutschen Kaiserreiches des Jahres 1871 |
I. Quartal 1871 - April 1871 - Mai 1871 - Juni 1871 - Juli 1871 - August 1871 - September 1871 - Oktober 1871 - November 1871 - Dezember 1871 |
Deutschen Kaiserreiches des Jahres 1872 |
Januar 1872 - Februar 1872 - März 1872 - April 1872 - Mai 1872 - Juni 1872 - Juli 1872 - August 1872 - September 1872 - Oktober 1872 - November 1872 - Dezember 1872 |
Deutschen Kaiserreiches des Jahres ... |
1873 - 1874 - 1875 - 1876 - 1877 - 1878 - 1879 - 1880 - 1881 |