Königreich Preußen 1806: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 28. März 2021, 20:59 Uhr
KÖNIGREICH PREUSSEN
Chronik des Jahres 1806
Hauptstadt: Berlin und Königsberg
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hört auf zu existieren
König Friedrich Wilhelm III. erklärt Frankreich den Krieg
Französische Truppen fallen in Preußen ein und besetzen Berlin
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Biografien |
frühere Chroniken Deutschlands | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
frühere Chroniken Preußens | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Chronik des Königreiches Preußen des Jahres ... 1796 - 1797 - 1798 - 1799 - 1800 - 1801 - 1802 - 1803 - 1804 - 1805 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen Preußen sollte vor zwei Wochen den Vertrag von Schönbrunn mit Frankreich unterzeichnen. Da der Vertrag in letzter Minute nicht ratifiziert wurde, weil König Friedrich Wilhelm III. hoffte, die Bedingungen zugunsten Preußens doch noch verändern zu können, muss Preußen nun wohl in diesem Jahr das "Traktat von Paris" akzeptieren. Darin ist zwar nicht mehr von einer Defensiv- und Offensivallianz mit Frankreich die Rede, aber die materiellen Bedingungen für Preußen sind nun härter. Es hat Kleve und Neuchâtel mit Valengin abzutreten. Ohne Entschädigung fällt das preußische Fürstentum Ansbach an das Königreich Bayern. Preußen hat das mit Großbritannien in Personalunion verbundene Kurfürstentum Hannover zu übernehmen und die Häfen für die Engländer zu verschließen. Auch hat es die Integrität des Osmanischen Reiches mit zu gewährleisten, was die Gefahr eines Konfliktes mit Russland bedeutete. Das Ziel Napoléons ist, dass Preußen und England sich als Feinde gegenüberstünden.
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Königreich Preußen Karl August von Hardenberg, der eineinhalb Jahre lang einer der Leiter im Département für auswärtige Affairen war, verlässt sein Amt. Da er nicht mit der Politik des preußischen Königs gegenüber Frankreich übereinstimmt, tritt von Hardenberg auf Drängen Napoléons zurück. Dieser Vorgang macht ihn in der deutschen Freiheits- und Nationalbewegung zu einer populären Gestalt. Die unglückliche Schaukelpolitik Preußens zwischen Ost und West wird von von Hardenberg, vom Stein und einigen Mitstreitern auch auf den Regierungsstil zurückgeführt. Anders als vom Stein verzichtet von Hardenberg jedoch darauf, den König in Denkschriften über seine Umgebung aufzuklären, sondern sucht Einfluss über die Königin Luise zu nehmen, die ihm sehr gewogen ist. Hardenbergs Nachfolger wird Christian von Haugwitz, der bereits in der gleichen Funktion im Vorjahr mit Kaiser Napoléon verhandelt hatte. Auch jetzt befindet sich der neue Leiter des Auswärtigen nicht beim König, sondern zu Verhandlungen in Paris, wo er von Napoléon gezwungen wird, einen neuen Vertrag abzuschließen, durch den Preußen völlig isoliert wird und den Bruch mit England herbeiführt. Trotz dieser Zugeständnisse gelingt es Haugwitz nicht, die Feindseligkeiten mit Frankreich zu verhindern. Nach Vertragsunterzeichnung macht sich von Haugwitz auf den Weg ins preußische Hauptquartier und wird von dort aus dem König von Preußen nach Ostpreußen nachreisen.
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Französische Republik / Rheinbund Der Rheinbund (französisch Confédération du Rhin, offiziell États confédérés du Rhin, deutsch offiziell Rheinische Bundesstaaten) war eine auf Initiative des französischen Kaisers Napoléon 1806 in Paris gebildete Konföderation deutscher Staaten, die mit der Gründung dieses Staatenbundes aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation austreten. Durch die Rheinbundakte gründet Napoléon eine Konföderation als Militärallianz mit dem französischen Kaiserreich. Napoléon fungiert in diesem Gebilde als „Bundesprotektor“, im politischen Wortsinn eines Beschützers oder einer Schutzmacht. Frankreich selbst gehört der Konföderation aber nicht an. Gründungsstaaten des Rheinbundes sind das Königreich Bayern, das Königreich Württemberg, die Staaten des Kurfürsten und Erzkanzlers des deutschen Reiches Fürstentum Aschaffenburg und Fürstentum Regensburg, das Kurfürstentum Baden, das Großherzogtum Berg, das Herzogtum Arenberg, sowie die Fürstentümer Nassau-Usingen, Nassau-Weilburg, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Salm-Salm, Salm-Kyrburg, Isenburg, Liechtenstein (ohne Kenntnis des Fürsten), Hessen-Darmstadt und von der Leyen. Das Königreich Preußen zählt nicht zu den Staaten unter der Protektion Frankreichs. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Heiliges Römisches Reich Kaiser Franz II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen legt die Kaiserkrone nieder und erklärt das Heilige Römische Reich für erloschen. Als Franz I. bleibt er weiterhin Kaiser von Österreich. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik König Friedrich Wilhelm III. von Preußen stellt Kaiser Napoléon von Frankreich ein Ultimatum: Er fordert den Abzug der französischen Truppen aus Süddeutschland. Napoléon zögert nicht, diese Herausforderung anzunehmen, denn nur ein Teil des preußischen Heeres ist überhaupt kampffähig. Die preußische Armee hat sich seit den Schlesischen Kriegen nicht wesentlich weiterentwickelt. Sie hielt an der überlieferten Ordnung der Linientaktik fest, teilt auch jetzt noch die Truppen erst kurz vor dem Kampf in Divisionen ein und ist an das Zusammenspiel zwischen modernem Generalstab und Operationsführung nicht gewöhnt. Die Erfahrungen aus den Feldzügen am Rhein (1792–1795) und in Polen (1794/1795) wurden von der alten Generalität größtenteils verdrängt, zumal das preußische Heer damals im Westen auf eine Revolutionsarmee im taktisch-strategischen Übergang getroffen ist. Darüber hinaus besitzen in Preußen die Offiziere der jüngeren Generation im Heer noch wenig Einfluss. Außerdem handelt es sich bei der preußischen Armee um ein stehendes Heer alten Typs, in dem die Offiziere selten nach Leistung, sondern in der Regel nach ihrem Dienstalter (Anciennität) befördert werden. Auch ist die Ausrüstung mangelhaft, da an vielen Gegenständen, als Ergebnis der Kompaniewirtschaft, gespart wurde. Das napoléonische Heer hingegen ist kriegserfahren und durch die vorangegangenen Siege hoch motiviert. Es besteht aus jährlich ausgehobenen Wehrpflichtigen, obwohl Napoléon mit Rücksicht auf das französische Großbürgertum („Notabeln“), das seine Herrschaft stützt, zahlreiche Befreiungen von der Wehrpflicht gestattet, die an „Exemtionen“ (Herausnahmen aus der Wehrpflicht) des preußischen Kantonsystems erinnern. Taktisch sind diese Truppen auf dem neuesten Stand, indem sie flexibel Schützentaktik, Kolonnentaktik und Linientaktik kombinieren können. Ein flexibleres Bagage- und Verpflegungssystem macht das französische Heer beweglicher und schneller. Freilich artet es oft in Plünderungen aus, die die Zivilbevölkerung stark belastet. Französische Subalternoffiziere verfügten über keine Pferde; die Soldaten besitzen Wintermäntel anstelle von Zelten. Die Franzosen requirieren gegen Quittung vor Ort, die Preußen operieren mit einem Verpflegungsfuhrpark. Napoléons Soldaten sind also nicht durch einen umfangreichen Tross behindert und können deutlich höhere Marschgeschwindigkeiten erzielen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Kurfürstentum Sachsen Der französische Maréchal d'Empire und einer der engsten Freunde Napoléons, Jean Lannes Prince de Sievers, duc de Montebello, der seit 1796 an allen Feldzügen Napoléons teilnahm, zieht mit seinen Truppen aus dem Raum Bamberg über Hof längs der Saale rasch nach Norden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Kurfürstentum Sachsen König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erklärt der Französischen Republik und ihrem Kaiser Napoléon I. Bonaparte den Krieg. An der Seite Preußens stehen Truppen aus den Herzogtümern Sachsen und Sachsen-Weimar; die Hoffnung auf eine Teilnahme des bereits mobilisierten Kurhessens erfüllt sich nicht, aber Russland sichert Unterstützung zu. Noch im Vorjahr hatte Preußen durch einen Bündnisvertrag mit Frankreich das von Frankreich besetzte Kurfürstentum Hannover zugesichert bekommen. Infolgedessen nahm Preußen das Gebiet in Besitz, was – wie von Napoléon insgeheim beabsichtigt – zu einer britischen Kriegserklärung gegenüber Preußen führte. In Verhandlungen beabsichtigt Napoléon, Großbritannien die Rückgabe des Kurfürstentums als Preis für einen Frieden anzubieten und trieb nun durch diese Treulosigkeit das isolierte Preußen zu einer Kriegserklärung an Frankreich. Unterdessen marschiert die preußische Armee am Rande des Thüringer Waldes auf. Napoléon hatte bereits vor über einer Woche seine Truppen am oberen Main im Raum Bamberg zusammengezogen und Anfang Oktober in mehreren Korpskolonnen über Hof längs der Saale rasch nach Norden vorgerückt. Auf französischer Seite kämpfen das Korps des Maréchal Lannes, 23.000 Mann, bestehend aus den Divisionen Gazan und Suchet sowie der Kavalleriedivision Treilhard. Lannes steht bei Gräfenthal. Die französische Führung, das bedeutet in erster Linie Napoléon selbst, weiß nicht, wo sich die preußische Hauptmacht befindet. Heute steht das Korps Hohenlohe, bestehend aus 19.000 Preußen (Divisionen Tauentzien und Grawert) sowie 20.000 Mann sächsischer Truppen (Division Zezschwitz), bei Mittelpöllnitz. Eine Abteilung (Avantgarde) von 9.000 Preußen und Sachsen des Regiments „Kurfürst“ unter dem Kommando des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen sichert in Rudolstadt den dortigen Saale-Übergang. Louis Ferdinand bekommt den Befehl, bei einem feindlichen Angriff sich auf Orlamünde zurückzuziehen. Am Mittag stoßen unvermutet 7.000 Mann preußischer Truppen, die zum Korps Hohenlohe, Division Tauentzien, gehören und ursprünglich bei Hof gestanden haben, bei Schleiz auf das Korps des Maréchals Bernadotte. Sie verlieren über 500 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen und ziehen sich nach kurzem Kampf in Richtung Mittelpöllnitz zurück, wo Hohenlohe steht. Der befiehlt angesichts des französischen Aufmarsches den Rückzug nach Kahla. Damit ist die Sicherung des Saale-Überganges bei Rudolstadt nicht mehr erforderlich. Louis Ferdinand erhält erneut den Befehl, nicht über Rudolstadt hinauszugehen und sich im Bedarfsfall auf Orlamünde zurückzuziehen. Louis Ferdinand marschiert mit der Avantgarde bis Rudolstadt zu marschieren. Er schickt als seinen äußersten Vorposten das Bataillon Neidhardts von Gneisenau nach Saalfeld. Er steht in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober auf Feldwache und erkennt an den Wachtfeuern der Franzosen, dass er bereits auf dem rechten Saaleufer, also links umgangen wurde. Der preußische Vormarsch der Avantgarde auf dem linken Saale-Ufer über Rudolstadt hinaus nach Saalfeld auf Befehl Louis Ferdinands bringt seine Truppen in eine taktisch ungünstige Lage im engen Saaletal, während der Feind die beherrschenden Höhen innehat. Er wwill den Angriff auf Gneisenau abwehren und zugleich den Saaleübergang bei Saalfeld decken. Dass der Feind bereits auf beiden Seiten der Saale steht, die Verteidigung der Brücke also unnötig ist, kann er nicht wissen. Man hat ihn darüber nicht informiert, da er sich ja bei Angriffen von vornherein auf Orlamünde zurückziehen sollte. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Kurfürstentum Sachsen Die Kämpfe zwischen preußischen und französischen Truppen bei Saalfeld beginnen kurz vor Sonnenaufgang um 0530 Uhr mit einem mehrstündigen Schützengefecht, dessen Hauptlast das Bataillon Gneisenau trägt. Um 0930 Uhr kommt Louis Ferdinand persönlich nach Saalfeld und bespricht sich mit Gneisenau, der nicht nur den französischen Angriff abwehren, sondern sogar befehlswidrig zum Gegenstoß ansetzt. Erst ganz kurz zuvor bemerkte Maréchal Lannes die preußische Abteilung und kann daher nur 14.000 Mann seines Korps ins Gefecht bringen. Beständige Frontalangriffe und von den Höhen her beschäftigen die Preußen und halten sie fest, während zwei französische Regimenter die rechte Flanke der Preußen umgehen. Sachsen des Regiments „Kurfürst“ können zeitweise das Dorf Beulwitz im Nahkampf zurückerobern. Prinz Louis Ferdinand befiehlt gegen 14 Uhr den Rückzug. Hierbei kommt es auf preußischer Seite zu Unordnungen: Die preußische Reiterei versagt bei ihrer Aufgabe, den Rückzug zu decken und weicht vor der französischen Kavallerie zurück. Die preußischen Batterien haben Befehl erhalten, abzufahren; sie sehen, wie sich die französischen Reiter in bester Schussweite zur Attacke auf die Infanterie entfalten; dennoch wird nicht zum Feuern gehalten, sondern stur den Abfahrbefehl befolgt, mit dem Ergebnis, dass sich die Batterien in einem Hohlweg festfahren. In der beginnenden Panik scheint nur Gneisenau den Kopf nicht zu verlieren. Louis Ferdinand persönlich befiehlt ihm, mit seinen Leuten die Kanonen aus dem Hohlweg zu ziehen. Dabei bekommt Gneisenau einen Streifschuss am linken Bein und muss zurück. Zwischen 15 und 16 Uhr sprengt dann die französische Kavallerie das preußische Korps völlig auseinander. Die französische Umgehungskolonne drängt die Fliehenden vom Rückzugsweg ab, so dass die Preußen durch die Saale flüchten müssen und ihre gesamte Artillerie (39 Geschütze) verlieren, dazu kommen 1700 Tote und Verwundete. Die Franzosen haben etwa 200 Mann an Toten oder Verwundeten zu beklagen. Prinz Louis Ferdinand fällt kurz vor 16 Uhr im Reitergefecht. Der Prinz wird durch den französischen Unteroffizier Guindey vom 10. Husarenregiment getötet, dieser erhält hierfür das Kreuz der Ehrenlegion. Napoléon bemerkt jedoch, dass ein gefangener Prinz besser gewesen wäre. In diesem Fall hätte er Guindey zum Offizier befördert. Das Gefecht bei Saalfeld hat auf die strategische Situation des Feldzugs keinen direkten Einfluss. Napoléon weiß weiterhin nicht, wo sich die preußische Hauptmacht befindet. Dagegen sind die moralischen Wirkungen des Gefechts auf preußischer Seite beträchtlich. In der Nacht vom 10. zum 11. Oktober brechen Unordnungen und Panikerscheinungen aus, vor allem in Jena. Sächsische und preußische Truppen des Korps Hohenlohe halten sich gegenseitig für Franzosen und beschießen sich untereinander. In dem Durcheinander nach dem Gefecht von Saalfeld geht sogar die Eskorte für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. (das Füsilierbataillon Pelet und drei Schwadronen brandenburgische Husaren) verloren. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Kurfürstentum Sachsen
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Königreich Preußen / Französische Republik / Kurfürstentum Sachsen Die Truppen Kaiser Napoléons gehen nun insbesondere östlich der Saale nach Norden vor, während sich die Verbündeten auf der westlichen Seite des Flusses sammeln. Heute beschließen sie, einer Schlacht vorerst auszuweichen und mit der Hauptarmee schnell nach Norden zu ziehen, um nicht von Berlin abgeschnitten zu werden. Die Armeekorps der preußischen Generale Fürst zu Hohenlohe und Ernst von Rüchel bleiben bei Jena und Weimar stehen, um den Marsch der Hauptkräfte unter Führung des Herzogs von Braunschweig in Richtung auf die Saaleübergänge bei Naumburg zu decken. Auch Napoléons Aufklärung versagt in diesen Tagen völlig. Er ist sich nicht im Klaren darüber, wo sich die Streitmacht der Verbündeten befindet; er vermutet sie bei Gera oder weiter nördlich. So sendet er Murats Reiter teilweise in Richtung Leipzig und die Korps von Davout und Bernadotte nach Naumburg. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Kurfürstentum Sachsen
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Königreich Preußen / Französische Republik / Kurfürstentum Sachsen
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Französische Republik / Königreich Preußen
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Französische Republik / Königreich Preußen Französische Truppen erreichen die Festung Spandau, die kampflos übergeben wird. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ist mit einigen Regierungsmitgliedern und dem Hofstaat über Küstrin nach Memel geflohen und versucht, sein Königreich von dort aus zu retten. Die Berliner Bevölkerung reagiert auf diese Nachricht mit dem Spruch: "Unser Dämel ist in Memel". Die preußische Königin Luise muss in langsamerer Fahrt zusammen mit ihren Kindern, ihrem Leibarzt Christoph Wilhelm Hufeland und der Gräfin Voß´über mehrere andere Zwischen stationen - Auerstedt, Weimar und Blanhain - nach Königsberg gelangen, wo sie kurz nach der Ankunft schwer an einem "Nervenfieber" (heute "Typhus" genannt) erkrankt. Auch die übrigen Berliner Aristokraten, Beamte und Militärs verlassen fluchtartig die Hauptstadt. Die zurückbleibenden preußischen Beamten aber werden von Panik ergriffen. Rückblickend schreibt die Gräfin Schwerin: „Es war, als müsse alles, was noch preußisch an uns scheinen konnte, bis auf die Erinnerung vertilgt werden; alles, was einem Adler glich, ward abgenommen, sogar die Briefträger rissen sich ihre messingnen Schilder vom Arm. Auf der Kunstaustellung, die der Ausbruch des Krieges unterbrochen hatte, wurden die Büsten des Königs und des Zaren, so gut es in der Eile gehen wollte, versteckt, und der Vorschlag soll laut geworden sein, schnell noch einige Zeichnungen Napoléons anzufertigen...“ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik / Königreich Preußen Französische Truppen marschieren in Berlin ein. Es gibt keinen Widerstand in der Stadt gegen die Besatzungsmacht. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik / Königreich Preußen Kaiser Napoléon I. von Frankreich zieht zwei Tage nach seinen Truppen noch einmal symbolisch durch das Brandenburger Tor in Berlin. Die preußische Armee ist zerschlagen, der preußische Staat ist zusammengebrochen. Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor wird auf Befehl Napoleons abgebaut und soll als Kriegsbeute - in 12 Kisten verpackt - nach Paris gebracht werden. Auf den Straßen und Plätzen herrscht ein buntes Treiben, für kleine Preise verkaufen die Sieger ihre mitgebrachte Beute, Bier und Branntwein fließen in Strömen, die Stimmung bei den Soldaten wie bei der Bevölkerung lässt mehr an ein ausgelassenes Karnevalstreiben denken als an die erste Begegnung von Siegern und Besiegten. Aber auch Errungenschaften der französischen Revolution kommen mit Napoleon nach Berlin – zum Beispiel die erste bürgerliche Selbstverwaltung: Kurz nach dem Einmarsch der Franzosen können 2000 Berliner Bürger einen Verwaltungsausschuss wählen. Dieser soll dann das „Comité administratif“, eine Art Selbstverwaltung, wählen. Auch eine Bürgergarde, die „Garde bourgoise de Berlin“ mit 2000 Uniformierten soll aufgestellt werden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik / Königreich Preußen Der preußische General Friedrich Ludwig Fürst zu Hohenlohe-Ingelfingen-Öhringen unterzeichnet in Prenzlau die Kapitulationsurkunde des preußischen Heeres an Napoléon Bonaparte. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik / Königreich Preußen Die französische Armee marschiert durch Pommern in Richtung Ostpreußen und droht, die königliche Familie in Königsberg zu erreichen. Der König entscheidet, sich zusammen mit seiner Familie nach Memel im äußersten Nordosten des Reiches zurückzuziehen. Der Leibarzt des Königspaares Christoph Wilhelm Hufeland bietet an, mit der erkrankten Königin in Königsberg zurückzubleiben, doch diese lehnt an: „Ich will lieber in die Hände Gottes fallen, als dieses Menschen.“ Bei starkem Frost und Schneetreiben muss die Gruppe um die schwerkranke Luise den Weg über die Landzunge der Kurischen Nehrung zurücklegen, die im Winter kaum passierbar ist. Nach drei anstrengenden Tagen und höchst unbequemen Nächten wird das Ziel erreicht, und Hufeland stellt überrascht sogar eine gewisse Besserung im Befinden der Königin fest. Auch diese Episode gehört, mehr oder weniger dramatisch erzählt oder illustriert, zum festen Bestand aller Biografien und Legenden um Königin Luise. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen Christian Graf von Haugwitz, der acht Jahre lang zwischen 1792 und 1804 Leiter des Départements für auswärtige Affairen war und im Februar nach dem Rücktritt von Karl August Graf von Hardenberg wieder in diesem Amt tätig war, verlässt das Département nach insgesamt über 12 Jahren Amtszeit.
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Königreich Preußen Das Kabinett des Königs von Preußen erhält einen neuen Mitarbeiter im Département für Rechtspflege. Karl Wilhelm von Schrötter folgte nach der Schlacht bei Jena dem König nach Königsberg und dann auch nach Memel. Der König überträgt nun dem pflichttreuen und erprobten Mann als interimistischer Justizminister die Rechtspflege in den nicht von Frankreich oder dessen Verbündeten besetzten Ländern. Schrötter blickt auf eine lange Liste von herausragenden Tätigkeiten im preußischen Justizwesen zurück. Zuletzt setzte sich von Schrötter für die Aufhebung der Erbuntertänigkeit in Westpreußen ein, bis jetzt allerdings noch ohne Erfolg.
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Königreich Preußen Das Königreich Preußen erhält einen neuen Kriegsminister, der bereits 1797 zum Inspekteur sämtlicher Militärbildungsanstalten, zum Chef der Potsdamer Inspektion und Kommandeur der Regimentgarde ernannt wurde. Ernst von Rüchels Instruktionen für die Finanzreform- und für die Militär-Organisations-Kommission stellten bis jetzt innen- wie militärpolitische Weichen. Nach der verlorenen Schlacht bei Jena schlug er sich nach Königsberg durch, um dort das Amt des Generalgouverneurs aufzunehmen und Pläne für einen Volksaufstand gegen Napoléon zu schmieden.
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Französische Republik / Kurfürstentum Sachsen / Königreich Preußen Durch den Frieden von Posen mit Napoléon Bonaparte schließt sich Sachsen dem Rheinbund an und gibt das Bündnis mit Preußen auf. Es kommt zu Grenzbegradigungen und Kurfürst Friedrich August III. der Königstitel gewährt. Auch der Königstitel über das Herzogtum Warschau wird ihm in Aussicht gestellt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Russisches Kaiserreich / Französische Republik / Königreich Preußen Russische Truppen marschieren unter General Levin August von Bennigsen auf Bitten des Königs von Preußen in Ostpreußen ein, um die französische Armee unter Maréchal Jean Lannes am übergang über den Narew zu hindern. Am 22. November 1806 hatte Feldmarschall Graf Michail Kamenski den Oberbefehl der russischen Armee übernommen. Als dieser bereits altersschwache Feldherr bei der Armee am Narew eintraf, war er fast erblindet und im Charakter seiner Befehle sehr widersprüchlich. Da die französische Armee aber immer näher heranrückte, war Kamenski gezwungen, für seine geteilte Armee sofortige Maßnahmen zu treffen. Auf seinen Befehl wurde das nach Strzegocin vorgeschobene Korps Bennigsen wieder zurückgerufen, während Graf von Buxhoeveden zum Schutz der Nordflanke die 7. Division (Dochturow) nach Gołymin und die 5. Division (Tutschkow) nach Maków vorgehen sollte. Kamenski wollte dann sämtliche Kräfte bei Pultusk versammeln, um Napoleon eine Schlacht zu liefern. Kurz vor der Schlacht gab er dann den verwirrenden Befehl zum allgemeinen Rückzug und verließ seinen Posten. Zudem hatte er den rangältesten General Buxhoeveden zum Nachfolger bestimmt, dessen Truppen aber mehrere Tagesmärsche entfernt lagen. Napoleon versteht die Gründe für die russischen Bewegungen nicht und vermutet, dass der russische Gegner eine Falle vorbereitete und hält am Ende an seinen geplanten Vorstoß zu Narew fest. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Russisches Kaiserreich / Französische Republik / Königreich Preußen Der russische General Levin August von Bennigsen hat den Oberbefehl über die Truppen in Ostpreußen übernommen und führt seine Armee entlang der Straße Pułtusk – Gołymin zurück und bezieht Stellung auf den nordwestlichen Anhöhen der Stadt. Der rechte Flügel – das Korps Barclay de Tolly lagert im Wald und beim Dorf Mosin, um die Straße nach Gołymin zu decken. Der linke Flügel, das Korps des Generals Karl Gustav von Baggehufwudt bezieht südlich der Hauptmacht an der Brücke über den Narew Stellung. Zwischen Barclay und Baggehufwudt stehen noch einige Kavallerieverbände. Das französische 5. Korps des Maréchal Lannes hatte den Auftrag, den Narew bei Pułtusk zu überqueren. Lannes stößt bald auf russischen Verbände, unterschätzt aber deren Stärke, da er ihre Hauptmacht nicht ausmachen kann. Die Franzosen greifen die vorne eingesetzte Kavallerie an und drängen sie auf die Hauptmacht zurück. Die links eingesetzte Division unter General Suchet greift das Korps unter Barclay de Tolly an, mit der Absicht die ihm sichtbare russische Rechte zu umfassen. Ungefähr um 1100 Uhr rückt auch die französische rechte Flanke gegen Baggehufwudt vor. Baggehufwudt weicht trotz Artillerieunterstützung zurück und das französische Zentrum kann vorrücken, um Baggehufwudt von der Flanke anzugreifen. Durch dieses Manöver setzen sich die Franzosen aber einer Attacke der russischen Kavallerie aus, die in einem plötzlich einsetzenden Schneesturms stattfindet. Der französischen Infanterie gelingt es im folgenden Handgemenge, die russischen Truppen zurückzuwerfen. Der nun folgende Versuch der französischen Kavallerie vorzurücken, wird durch genaues Artilleriefeuer der russischen Hauptmacht vereitelt. Zur gleichen Zeit greift Suchets Division die gegnerischen Truppen unter Barclay erfolgreich im Wald von Mosin an. Die russischen Truppen ziehen sich aus dem Gehölz zurück und verlieren dabei eine Geschützbatterie. Die eintreffende Reserve Barclays kann die Franzosen wiederum zurückwerfen und die Geschütze zurückerobern. Inzwischen rücken die französischen Divisionen unter Gazan und Claparede im Zentrum weiter vor und die zurückgeworfene russische Kavallerie muss sich hinter die russische Hauptmacht zurückziehen. Dieses eher zufällige Manöver ermöglichte hingegen freies Schussfeld für der Hauptmacht vorgelagerte russische Batterien, welche die Franzosen unter schweres Feuer nehmen. Am frühen Nachmittag wird die französische Position nahezu unhaltbar. Während die russischen Truppen ihre Stellungen behaupten, stehen die französischen Truppen im Zentrum unter schwerem Artilleriefeuer. Auch im Mosiner Wald mussten Suchets Truppen unter gegnerischem Druck langsam zurückweichen. Der französische Rückzug scheint unvermeidbar, als von Maréchal Lannes unerwartet von der Straße nach Gołymin Verstärkungen das Schlachtfeld erreichen. Die 3. Division Gudin aus Maréchal Davouts 3. Korps, befohlen von seinem Stabschef Joseph Daultanne, hat anfangs den Auftrag gehabt, in die Lücke der russischen Truppen vorzustoßen, welche sich auf Pułtusk zurückziehen. Nach unerwarteter Feindberührung kommt er aber nicht weiter und bereitet seine Verbände auf die Nacht im Biwak vor. Als Daultanne die Geräusche des Kampfes rechts von sich vernimmt, lässt er seine Männer sofort in Richtung Pułtusk marschieren und greift beim Dorf Mosin in den Kampf ein. Barclay de Tolly, der die Truppen anrücken sieht, zieht sich in den Mosiner Wald zurück. Bennigsen verstärkt Barclay de Tolly mit zwei Infanterieregimentern und einigen Schwadronen Kavallerie und lässt die Artillerie auf den feindbesetzten Wald feuern. So kann Barclay zum Gegenangriff übergehen. Die Franzosen ziehen sich erneut zum Dorf Mosin zurück. Durch die unerwartete Entlastung im Zentrum können die französischen Truppen im Süden auch gegen die Russen unter Baggehufwudt vorgehen. Dessen südliche Flanke wird durch die Kavalleriedivision unter Treilhard umgangen, einige russische Geschütze wurden eingebracht. Generalleutnant Graf Ostermann-Tolstoi, der das Kommando über den linken Flügel übernommen hat, führt den Gegenangriff; 20 Schwadronen mit einer reitenden Batterie folgen diesem Angriff der Infanterie. Der Vorstoß wirft die Franzosen wieder zurück, wobei auch die erbeuteten Geschütze wieder verloren gehen. Der Abend beendet die Kämpfe, die französischen Truppen befinden sich wieder in ihrer Ausgangsstellung vom Morgen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Russisches Kaiserreich / Französische Republik / Königreich Preußen Während Nacht zieht sich General Bennigsen zurück, um nach Różan entlang des Ostufers des Narew zu ziehen. Maréchal Lannes' Truppen sind nicht in der Lage, Bennigsen zu verfolgen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Russisches Kaiserreich / Französische Republik / Königreich Preußen Die französischen Truppen unter Maréchal Lannes besetzen Pułtusk und bleiben dort vorerst. Die Schlacht von Pułtusk zwischen den russischen und den französischen Truppen wird als unentschieden angesehen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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