Königreich Preußen 1806
KÖNIGREICH PREUSSEN
Chronik des Jahres 1806
Hauptstadt: Berlin und Königsberg
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hört auf zu existieren
König Friedrich Wilhelm III. erklärt Frankreich den Krieg
Französische Truppen fallen in Preußen ein und besetzen Berlin
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Chronik des Königreiches Preußen des Jahres ... 1796 - 1797 - 1798 - 1799 - 1800 - 1801 - 1802 - 1803 - 1804 - 1805 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen Preußen sollte vor zwei Wochen den Vertrag von Schönbrunn mit Frankreich unterzeichnen. Da der Vertrag in letzter Minute nicht ratifiziert wurde, weil König Friedrich Wilhelm III. hoffte, die Bedingungen zugunsten Preußens doch noch verändern zu können, muss Preußen nun wohl in diesem Jahr das "Traktat von Paris" akzeptieren. Darin ist zwar nicht mehr von einer Defensiv- und Offensivallianz mit Frankreich die Rede, aber die materiellen Bedingungen für Preußen sind nun härter. Es hat Kleve und Neuchâtel mit Valengin abzutreten. Ohne Entschädigung fällt das preußische Fürstentum Ansbach an das Königreich Bayern. Preußen hat das mit Großbritannien in Personalunion verbundene Kurfürstentum Hannover zu übernehmen und die Häfen für die Engländer zu verschließen. Auch hat es die Integrität des Osmanischen Reiches mit zu gewährleisten, was die Gefahr eines Konfliktes mit Russland bedeutete. Das Ziel Napoléons ist, dass Preußen und England sich als Feinde gegenüberstünden.
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Königreich Preußen Karl August von Hardenberg, der eineinhalb Jahre lang einer der Leiter im Département für auswärtige Affairen war, verlässt sein Amt. Da er nicht mit der Politik des preußischen Königs gegenüber Frankreich übereinstimmt, tritt von Hardenberg auf Drängen Napoléons zurück. Dieser Vorgang macht ihn in der deutschen Freiheits- und Nationalbewegung zu einer populären Gestalt. Die unglückliche Schaukelpolitik Preußens zwischen Ost und West wird von von Hardenberg, vom Stein und einigen Mitstreitern auch auf den Regierungsstil zurückgeführt. Anders als vom Stein verzichtet von Hardenberg jedoch darauf, den König in Denkschriften über seine Umgebung aufzuklären, sondern sucht Einfluss über die Königin Luise zu nehmen, die ihm sehr gewogen ist. Hardenbergs Nachfolger wird Christian von Haugwitz, der bereits in der gleichen Funktion im Vorjahr mit Kaiser Napoléon verhandelt hatte. Auch jetzt befindet sich der neue Leiter des Auswärtigen nicht beim König, sondern zu Verhandlungen in Paris, wo er von Napoléon gezwungen wird, einen neuen Vertrag abzuschließen, durch den Preußen völlig isoliert wird und den Bruch mit England herbeiführt. Trotz dieser Zugeständnisse gelingt es Haugwitz nicht, die Feindseligkeiten mit Frankreich zu verhindern. Nach Vertragsunterzeichnung macht sich von Haugwitz auf den Weg ins preußische Hauptquartier und wird von dort aus dem König von Preußen nach Ostpreußen nachreisen.
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Französische Republik / Rheinbund Der Rheinbund (französisch Confédération du Rhin, offiziell États confédérés du Rhin, deutsch offiziell Rheinische Bundesstaaten) war eine auf Initiative des französischen Kaisers Napoléon 1806 in Paris gebildete Konföderation deutscher Staaten, die mit der Gründung dieses Staatenbundes aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation austreten. Durch die Rheinbundakte gründet Napoléon eine Konföderation als Militärallianz mit dem französischen Kaiserreich. Napoléon fungiert in diesem Gebilde als „Bundesprotektor“, im politischen Wortsinn eines Beschützers oder einer Schutzmacht. Frankreich selbst gehört der Konföderation aber nicht an. Gründungsstaaten des Rheinbundes sind das Königreich Bayern, das Königreich Württemberg, die Staaten des Kurfürsten und Erzkanzlers des deutschen Reiches Fürstentum Aschaffenburg und Fürstentum Regensburg, das Kurfürstentum Baden, das Großherzogtum Berg, das Herzogtum Arenberg, sowie die Fürstentümer Nassau-Usingen, Nassau-Weilburg, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Salm-Salm, Salm-Kyrburg, Isenburg, Liechtenstein (ohne Kenntnis des Fürsten), Hessen-Darmstadt und von der Leyen. Das Königreich Preußen zählt nicht zu den Staaten unter der Protektion Frankreichs. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Heiliges Römisches Reich Kaiser Franz II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen legt die Kaiserkrone nieder und erklärt das Heilige Römische Reich für erloschen. Als Franz I. bleibt er weiterhin Kaiser von Österreich. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik König Friedrich Wilhelm III. von Preußen stellt Kaiser Napoléon von Frankreich ein Ultimatum: Er fordert den Abzug der französischen Truppen aus Süddeutschland. Napoléon zögert nicht, diese Herausforderung anzunehmen, denn nur ein Teil des preußischen Heeres ist überhaupt kampffähig. Die preußische Armee hat sich seit den Schlesischen Kriegen nicht wesentlich weiterentwickelt. Sie hielt an der überlieferten Ordnung der Linientaktik fest, teilt auch jetzt noch die Truppen erst kurz vor dem Kampf in Divisionen ein und ist an das Zusammenspiel zwischen modernem Generalstab und Operationsführung nicht gewöhnt. Die Erfahrungen aus den Feldzügen am Rhein (1792–1795) und in Polen (1794/1795) wurden von der alten Generalität größtenteils verdrängt, zumal das preußische Heer damals im Westen auf eine Revolutionsarmee im taktisch-strategischen Übergang getroffen ist. Darüber hinaus besitzen in Preußen die Offiziere der jüngeren Generation im Heer noch wenig Einfluss. Außerdem handelt es sich bei der preußischen Armee um ein stehendes Heer alten Typs, in dem die Offiziere selten nach Leistung, sondern in der Regel nach ihrem Dienstalter (Anciennität) befördert werden. Auch ist die Ausrüstung mangelhaft, da an vielen Gegenständen, als Ergebnis der Kompaniewirtschaft, gespart wurde. Das napoléonische Heer hingegen ist kriegserfahren und durch die vorangegangenen Siege hoch motiviert. Es besteht aus jährlich ausgehobenen Wehrpflichtigen, obwohl Napoléon mit Rücksicht auf das französische Großbürgertum („Notabeln“), das seine Herrschaft stützt, zahlreiche Befreiungen von der Wehrpflicht gestattet, die an „Exemtionen“ (Herausnahmen aus der Wehrpflicht) des preußischen Kantonsystems erinnern. Taktisch sind diese Truppen auf dem neuesten Stand, indem sie flexibel Schützentaktik, Kolonnentaktik und Linientaktik kombinieren können. Ein flexibleres Bagage- und Verpflegungssystem macht das französische Heer beweglicher und schneller. Freilich artet es oft in Plünderungen aus, die die Zivilbevölkerung stark belastet. Französische Subalternoffiziere verfügten über keine Pferde; die Soldaten besitzen Wintermäntel anstelle von Zelten. Die Franzosen requirieren gegen Quittung vor Ort, die Preußen operieren mit einem Verpflegungsfuhrpark. Napoléons Soldaten sind also nicht durch einen umfangreichen Tross behindert und können deutlich höhere Marschgeschwindigkeiten erzielen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Herzogtum Sachsen Der französische Maréchal d'Empire und einer der engsten Freunde Napoléons, Jean Lannes Prince de Sievers, duc de Montebello, der seit 1796 an allen Feldzügen Napoléons teilnahm, zieht mit seinen Truppen aus dem Raum Bamberg über Hof längs der Saale rasch nach Norden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Herzogtum Sachsen König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erklärt der Französischen Republik und ihrem Kaiser Napoléon I. Bonaparte den Krieg. An der Seite Preußens stehen Truppen aus den Herzogtümern Sachsen und Sachsen-Weimar; die Hoffnung auf eine Teilnahme des bereits mobilisierten Kurhessens erfüllt sich nicht, aber Russland sichert Unterstützung zu. Noch im Vorjahr hatte Preußen durch einen Bündnisvertrag mit Frankreich das von Frankreich besetzte Kurfürstentum Hannover zugesichert bekommen. Infolgedessen nahm Preußen das Gebiet in Besitz, was – wie von Napoléon insgeheim beabsichtigt – zu einer britischen Kriegserklärung gegenüber Preußen führte. In Verhandlungen beabsichtigt Napoléon, Großbritannien die Rückgabe des Kurfürstentums als Preis für einen Frieden anzubieten und trieb nun durch diese Treulosigkeit das isolierte Preußen zu einer Kriegserklärung an Frankreich. Unterdessen marschiert die preußische Armee am Rande des Thüringer Waldes auf. Napoléon hatte bereits vor über einer Woche seine Truppen am oberen Main im Raum Bamberg zusammengezogen und Anfang Oktober in mehreren Korpskolonnen über Hof längs der Saale rasch nach Norden vorgerückt. Auf französischer Seite kämpfen das Korps des Marschall Lannes, 23.000 Mann, bestehend aus den Divisionen Gazan und Suchet sowie der Kavalleriedivision Treilhard. Lannes steht bei Gräfenthal. Die französische Führung, das bedeutet in erster Linie Napoléon selbst, weiß nicht, wo sich die preußische Hauptmacht befindet. Heute steht das Korps Hohenlohe, bestehend aus 19.000 Preußen (Divisionen Tauentzien und Grawert) sowie 20.000 Mann sächsischer Truppen (Division Zezschwitz), bei Mittelpöllnitz. Eine Abteilung (Avantgarde) von 9.000 Preußen und Sachsen des Regiments „Kurfürst“ unter dem Kommando des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen sichert in Rudolstadt den dortigen Saale-Übergang. Louis Ferdinand bekommt den Befehl, bei einem feindlichen Angriff sich auf Orlamünde zurückzuziehen. Am Mittag stoßen unvermutet 7.000 Mann preußischer Truppen, die zum Korps Hohenlohe, Division Tauentzien, gehören und ursprünglich bei Hof gestanden haben, bei Schleiz auf das Korps des Marschalls Bernadotte. Sie verlieren über 500 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen und ziehen sich nach kurzem Kampf in Richtung Mittelpöllnitz zurück, wo Hohenlohe steht. Der befiehlt angesichts des französischen Aufmarsches den Rückzug nach Kahla. Damit ist die Sicherung des Saale-Überganges bei Rudolstadt nicht mehr erforderlich. Louis Ferdinand erhält erneut den Befehl, nicht über Rudolstadt hinauszugehen und sich im Bedarfsfall auf Orlamünde zurückzuziehen. Louis Ferdinand marschiert mit der Avantgarde bis Rudolstadt zu marschieren. Er schickt als seinen äußersten Vorposten das Bataillon Neidhardts von Gneisenau nach Saalfeld. Er steht in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober auf Feldwache und erkennt an den Wachtfeuern der Franzosen, dass er bereits auf dem rechten Saaleufer, also links umgangen wurde. Der preußische Vormarsch der Avantgarde auf dem linken Saale-Ufer über Rudolstadt hinaus nach Saalfeld auf Befehl Louis Ferdinands bringt seine Truppen in eine taktisch ungünstige Lage im engen Saaletal, während der Feind die beherrschenden Höhen innehat. Er wwill den Angriff auf Gneisenau abwehren und zugleich den Saaleübergang bei Saalfeld decken. Dass der Feind bereits auf beiden Seiten der Saale steht, die Verteidigung der Brücke also unnötig ist, kann er nicht wissen. Man hat ihn darüber nicht informiert, da er sich ja bei Angriffen von vornherein auf Orlamünde zurückziehen sollte. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Herzogtum Sachsen Die Kämpfe zwischen preußischen und französischen Truppen bei Saalfeld beginnen kurz vor Sonnenaufgang um 0530 Uhr mit einem mehrstündigen Schützengefecht, dessen Hauptlast das Bataillon Gneisenau trägt. Um 0930 Uhr kommt Louis Ferdinand persönlich nach Saalfeld und bespricht sich mit Gneisenau, der nicht nur den französischen Angriff abwehren, sondern sogar befehlswidrig zum Gegenstoß ansetzt. Erst ganz kurz zuvor bemerkte Marschall Lannes die preußische Abteilung und kann daher nur 14.000 Mann seines Korps ins Gefecht bringen. Beständige Frontalangriffe und von den Höhen her beschäftigen die Preußen und halten sie fest, während zwei französische Regimenter die rechte Flanke der Preußen umgehen. Sachsen des Regiments „Kurfürst“ können zeitweise das Dorf Beulwitz im Nahkampf zurückerobern. Prinz Louis Ferdinand befiehlt gegen 14 Uhr den Rückzug. Hierbei kommt es auf preußischer Seite zu Unordnungen: Die preußische Reiterei versagt bei ihrer Aufgabe, den Rückzug zu decken und weicht vor der französischen Kavallerie zurück. Die preußischen Batterien haben Befehl erhalten, abzufahren; sie sehen, wie sich die französischen Reiter in bester Schussweite zur Attacke auf die Infanterie entfalten; dennoch wird nicht zum Feuern gehalten, sondern stur den Abfahrbefehl befolgt, mit dem Ergebnis, dass sich die Batterien in einem Hohlweg festfahren. In der beginnenden Panik scheint nur Gneisenau den Kopf nicht zu verlieren. Louis Ferdinand persönlich befiehlt ihm, mit seinen Leuten die Kanonen aus dem Hohlweg zu ziehen. Dabei bekommt Gneisenau einen Streifschuss am linken Bein und muss zurück. Zwischen 15 und 16 Uhr sprengt dann die französische Kavallerie das preußische Korps völlig auseinander. Die französische Umgehungskolonne drängt die Fliehenden vom Rückzugsweg ab, so dass die Preußen durch die Saale flüchten müssen und ihre gesamte Artillerie (39 Geschütze) verlieren, dazu kommen 1700 Tote und Verwundete. Die Franzosen haben etwa 200 Mann an Toten oder Verwundeten zu beklagen. Prinz Louis Ferdinand fällt kurz vor 16 Uhr im Reitergefecht. Der Prinz wird durch den französischen Unteroffizier Guindey vom 10. Husarenregiment getötet, dieser erhält hierfür das Kreuz der Ehrenlegion. Napoléon bemerkt jedoch, dass ein gefangener Prinz besser gewesen wäre. In diesem Fall hätte er Guindey zum Offizier befördert. Das Gefecht bei Saalfeld hat auf die strategische Situation des Feldzugs keinen direkten Einfluss. Napoléon weiß weiterhin nicht, wo sich die preußische Hauptmacht befindet. Dagegen sind die moralischen Wirkungen des Gefechts auf preußischer Seite beträchtlich. In der Nacht vom 10. zum 11. Oktober brechen Unordnungen und Panikerscheinungen aus, vor allem in Jena. Sächsische und preußische Truppen des Korps Hohenlohe halten sich gegenseitig für Franzosen und beschießen sich untereinander. In dem Durcheinander nach dem Gefecht von Saalfeld geht sogar die Eskorte für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. (das Füsilierbataillon Pelet und drei Schwadronen brandenburgische Husaren) verloren. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Herzogtum Sachsen Bei Schleiz treffen die französischen Truppen von Joachim Murat auf in der Nähe lagernde preußische und sächsische Truppen, werden aber zurückgeworfen. Erst das Eingreifen von Infanterie unter Marschall Bernadotte entscheidet den Kampf zu Gunsten der Franzosen. Sie verlieren rund 200 Soldaten, während die Preußen 500 Mann durch Tod, Verwundung und Gefangennahme verlieren. Das Gefecht bei Schleiz wird das erste größere Zusammentreffen preußischer und französischer Truppen in diesem Krieg. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Herzogtum Sachsen Die Truppen Kaiser Napoléons gehen nun insbesondere östlich der Saale nach Norden vor, während sich die Verbündeten auf der westlichen Seite des Flusses sammeln. Heute beschließen sie, einer Schlacht vorerst auszuweichen und mit der Hauptarmee schnell nach Norden zu ziehen, um nicht von Berlin abgeschnitten zu werden. Die Armeekorps der preußischen Generale Fürst zu Hohenlohe und Ernst von Rüchel bleiben bei Jena und Weimar stehen, um den Marsch der Hauptkräfte unter Führung des Herzogs von Braunschweig in Richtung auf die Saaleübergänge bei Naumburg zu decken. Auch Napoléons Aufklärung versagt in diesen Tagen völlig. Er ist sich nicht im Klaren darüber, wo sich die Streitmacht der Verbündeten befindet; er vermutet sie bei Gera oder weiter nördlich. So sendet er Murats Reiter teilweise in Richtung Leipzig und die Korps von Davout und Bernadotte nach Naumburg. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Herzogtum Sachsen
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Königreich Preußen / Französische Republik / Herzogtum Sachsen
Am Morgen lag über dem Landgrafenberg noch dichter Nebel. Die schlechten Sichtbedingungen begünstigten, wie der französische General Savary in seinen Memoiren festhalten sollte, die französischen Truppen. Auf dem Landgrafenberg standen Napoléons Soldaten auf „kleiner Fläche äußerst zusammengedrängt“ (so Savary). Bei guter Sicht hätten sie ein leichtes Ziel für die nahe stehende preußische Artillerie geboten. Savary zufolge hätte jeder Schuss der Preußen „getroffen“ und „großen Schaden“ in den französischen Reihen anrichten können. Eine effektive Schlachtformation konnten die Franzosen jedoch nur in der westlichen Ebene von Jena bilden. Daher mussten sie möglichst schnell den langen, schmalen Bergrücken hinabmarschieren und zwar bevor die preußischen Soldaten den Zugang in die Ebene wirkungsvoll abriegeln konnten. Napoléon beim Abreiten der kaiserlichen Garde. Historiengemälde des französischen Malers Horace Vernet aus dem Jahr 1836 Um 4 Uhr morgens hielt Kaiser Napoléon mit Marschall Lannes eine persönliche Unterredung. Er teilte ihm letzte Anweisungen für einen Angriff mit. Kurz darauf bestärkte Napoléon die Kampfmoral seiner Truppen, indem er ihre Reihen abritt und in einer Rede an den schnellen Sieg in der Schlacht bei Ulm gegen die Österreicher im Vorjahr erinnerte. Zu einem ersten, kurzen Gefecht kam es bereits kurz vor Napoléons verordnetem offiziellen Angriff um 6 Uhr morgens. Preußische Jägertruppen eröffneten auf die französische Vortruppen von Soult das Feuer. Soults Vortruppe war von Napoléon dafür beauftragt worden, die Straßen von dem Höhenzug in die Ebene auszukundschaften. Aufgrund der schlechten Sichtbedingungen im Nebel wurde das Feuer jedoch relativ schnell vorerst wieder eingestellt. Um 6 Uhr ließ Napoléon das Geschützfeuer auf Closewitz eröffnen. Der Beschuss sollte die anschließende Erstürmung des Dorfes vorbereiten. Anschließend setzten sich die Soldaten von Marschall Lannes in Bewegung, wobei sie auf das preußische Korps von General Tauentzien trafen, das den Zugang in die Ebene versperrte. Die Sichtweite betrug in dem anhaltenden Nebel etwa 100 Schritte. Aufgrund dieser schlechten Sichtbedingungen schätzte Lannes die preußische Division (8000 Mann) zunächst zahlenmäßig stärker ein, als diese tatsächlich war. Erst als sich der Nebel um 8:00 Uhr langsam aufzulösen begann, erkannte Lannes die wahren Kräfteverhältnisse. Er drängte Tauentziens Truppen bis zum Dornberg, der höchsten Erhebung des Schlachtfeldes, zurück, wo sich die Soldaten um 8:30 Uhr ein weiteres Gefecht lieferten. Der Fürst zu Hohenlohe war zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht auf eine Schlacht vorbereitet. Er ging davon aus, dass die französische Hauptarmee Richtung Naumburg marschierte, um die preußischen Soldaten von einer Überquerung der Unstrut abzuhalten. Hohenlohe rechnete maximal mit kleineren Gefechten. Während die Franzosen ihren Angriff auf Closewitz gestartet hatten, hielten sich die Mitglieder des Hauptquartiers noch in den Schlafräumen von Schloss Kapellendorf auf. Bis kurz vor 7 Uhr wurde in aller Ruhe gefrühstückt. Dass Napoléon das Risiko eingehen würde, von Jena aus anzugreifen konnte sich die Umgebung Hohenlohes nicht vorstellen, denn im Falle einer französischen Niederlage hätte das schwer zugängliche Terrain und der Fluss einen Rückzug für Napoléon erschwert. So nahm Hohenlohe Benachrichtigungen, die ihm von einem französischen Angriff berichteten, zunächst nicht ernst. Er behinderte um 8 Uhr den Befehl von General Grawert, die Zelte abzubauen und sich auf eine Schlacht vorzubereiten. Erst um 8:30 Uhr gab Hohenlohe den Befehl, auf die französische Offensive zu reagieren. Wie schon an den Vortagen herrschte Nebel bis gegen neun Uhr. Das Lager der Preußen war von Massenbach in Erwartung der Franzosen längs der Straße von Jena nach Weimar in Richtung Südwesten abgesteckt worden; tatsächlich aber erfolgte der Angriff von Südosten her über den Steilabhang des Saaletals. Die Truppen des preußisch-sächsischen Gros sammelten sich deswegen erst spät und zögernd, als ihre Vorhut unter Tauentzien schon längst massiv zurückgedrängt wurde. Der französische Angriff erfolgte gegen 6.00 Uhr morgens vom Landgrafenberg und dem Windknollen bei Jena aus dem Nebel heraus mit überraschend starker Artillerieunterstützung. Er traf auf die preußische Vorhut unter Tauentzien. Dieser befehligte sein eigenes Avantgarde-Detachement, das sich in den Vortagen kämpfend unter geringen Verlusten von Hof her zurückgezogen hatte. Zusätzlich war ihm der Befehl über die Reste der im Gefecht bei Saalfeld geschlagenen Vorhut des gefallenen Prinzen Louis Ferdinand von Preußen übertragen worden. Der sächsische Befehlshaber Generalleutnant Zezschwitz ließ seine Division unter General Niesemeuschel auf dem Höhenzug der sogenannten »Schnecke« südwestlich von Lützeroda in Abwehrstellung gehen. Napoléon befahl dem V. Korps unter Lannes, die vorgeschobenen preußisch-sächsischen Stellungen erst bei den Dörfern Cospeda, Lützeroda und Closewitz und danach bei Rödigen und Lehesten anzugreifen. Dazu waren links die Division Gazan, rechts die Division Suchet angesetzt worden. Gegenüber den Sachsen bildete das französische VII. Korps unter Augereau den linken Flügel, die Division Desjardin konnte mit der Vorhut in Isserstedt eindringen, während dahinter die Division Heudelet aus dem Mühltal nachrückte. Auf dem Landgrafenberg verblieb unter Marschall Lefebvre die in fünf Treffen zu Karees formierte kaiserliche Garde und folgte später hinter Lannes zum Dornberg nach. General Tauentzien befehligte angeschlagene, ungenügend vorbereitete Truppen. Das Regiment Zweiffel unter Oberst Brandenstein wurde auf der Höhe zwischen Krippendorf und der Windmühle von Vierzehnheiligen angegriffen. Es gelang den französischen Truppen, diese Einheiten durch das nebelige Schlachtfeld vom Dornberg abzudrängen. Das IV. Korps unter Marschall Soult, das den rechten Flügel der Franzosen bildete, hatte durch das Rautal vorgehend die Hochfläche erreicht. Die Division Saint Hilaire und die Kavallerie-Brigade Margaron drängten den linken Flügel von Tauentzien auf Kloswitz ab und gerieten dann bei Rödigen auf die intakten Linien des preußischen linken Flügel unter General Holtzendorff. Währenddessen war Tauentziens geschlagene Vorhut an Krippendorf vorbei auf Klein-Romstedt zurückgegangen. Die preußische Hauptmacht unter Hohenlohe formierte sich mit Front in Richtung der Dörfer Isserstedt und Vierzehnheiligen und griff gegen 9:30 Uhr an. Isserstedt wurde zunächst zurückerobert. Die Infanterie der preußischen Division Grawert griff das Dorf Vierzehnheiligen an und brachte das Gefecht dort vorläufig zum Stehen. Auf Hohenlohes Befehl rückten die preußisch-sächsischen Truppen nahe an Vierzehnheiligen heran und beschossen es, in Linie stehend und ohne Deckung. Diese schutzlose Stellung wurde eineinhalb Stunden, in denen die französische Infanterie und Artillerie auf die Truppen Hohenlohes feuerte, beibehalten, weil Hohenlohe glaubte, nicht ohne die Unterstützung Rüchels angreifen zu können, der von Weimar aus heranmarschierte. Auch der preußische linke Flügel unter Holtzendorff wurde durch das Korps Soult bis hinter Altengönna zurückgeworfen und musste sich auf Hermstedt und Apolda zurückziehen. Dabei wurde General Sanitz verwundet und fiel bei Heiligenholz in französische Gefangenschaft. Die preußische Front blieb zu weit ausgedehnt, und die Franzosen, die andauernd Verstärkungen vom Korps Ney erhielten, drohten bei Vierzehnheiligen mit Überflügelung und Einkreisung des Dorfes. Die preußische Frontlinie brach infolge des gegnerischen Dauerbeschusses ohne Deckung beim Angriff der immer stärker werdenden französischen Infanterie auseinander, woraufhin Hohenlohe den Rückzug befehlen musste, der aber, als die Kavallerie unter Murat angriff, zu einer panischen Flucht führte. Gegen 13 Uhr erreichte Rüchels Korps Kapellendorf, wo ihm bereits das aufgelöst flüchtende Korps Hohenlohe entgegenkam. Rüchels Korps unternahm einen missglückten Gegenstoß, bei dem es empfindliche Verluste erlitt und auch Rüchel schwer verwundet wurde. Danach ging es in der Masse der in Richtung Weimar und weiter zur Festung Erfurt Fliehenden unter. Insgesamt wurden ca. 10.000 preußische und sächsische Soldaten getötet oder verwundet und weitere 10.000 gefangen genommen. Die Franzosen hingegen hatten nur etwa 7500 Tote oder Verwundete zu verzeichnen. 15 Kilometer weiter nördlich kämpften unterdessen 27.300 Franzosen unter Marschall Davout gegen ca. 49.800 Preußen unter dem Herzog von Braunschweig. Die preußische Kavallerie war in der Schlacht bei Auerstedt 8800 Reiter stark, die französische hingegen nur 1300. Außerdem verfügten die Preußen über 230, die Franzosen dagegen nur über 44 Kanonen. Allerdings waren die Befehlshaber beider Seiten über die gegnerische Stärke im Unklaren. Das Schlachtfeld war mit unerwartet dichtem Nebel verschleiert. Das preußische Heer war durch das Überqueren der Ilm über die einzige Brücke in lange Reihen auseinandergezogen. Die französische Avantgarde traf bei Hassenhausen auf die preußische Vorhut und wurde dann durch die preußische Kavallerie unter General Blücher angegriffen, konnte diese aber unter schweren Verluste abwehren. Die französische Division Gudin konnte in das Dorf Hassenhausen eindringen, während die Division Friant um ca. 9 Uhr in den Angriff übergehende preußische Truppenverbände nördlich der Chaussee nach Kösen festhielt. Davout befahl seinem 21. Infanterieregiment, die Stellungen in Hassenhausen und dem 12. Regiment, seinen linken Flügel zu verstärken, nachdem sein rechter Flügel durch die Ankunft der Division Morand gesichert war. Kurz nach dem Angriff der preußischen Division Schmettau wurde der Herzog von Braunschweig am Kopf durch eine Kugel getroffen, woraufhin er sein Augenlicht verlor. Die zum Angriff angesetzte preußische Division des Generals Wartensleben wurde selbst durch Morands Truppen zurückgeworfen, Wartensleben wurde verletzt und sein Pferd unter ihm erschossen. Da auch General Schmettau schwer verletzt war und kein neuer Oberbefehlshaber ernannt wurde, um den Herzog zu ersetzen, gab es auf preußischer Seite keine einheitliche Kampfführung mehr. Jeder Offizier blieb sich in taktischen Fragen selbst überlassen, was man im preußischen Heer nie geübt hatte. Nach weiteren Kämpfen ordnete Preußens König Friedrich Wilhelm III. am Nachmittag schließlich den Rückzug an. Er hatte erst gar nicht versucht, die stattliche Reserve unter Kalckreuth, darunter die Gardekavallerie, in die Kämpfe eingreifen zu lassen. Der Rückzug verlief, anders als bei Jena, zunächst geordnet, wenn auch führerlos. Bald entstand jedoch ein heilloses Durcheinander mit den aus Richtung Jena nach Erfurt flüchtenden Truppen. 10.000 Preußen wurden getötet oder verwundet, 3000 gerieten in Gefangenschaft. Die Franzosen hatten 7420 Soldaten verloren. Marschall Davout, der eine doppelte Übermacht geschlagen hatte, wurde durch Napoléon mit dem Titel Herzog von Auerstedt geehrt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen / Französische Republik / Herzogtum Sachsen Kaiser Napoléons Truppen stehen am Morgen lediglich das Korps Hohenlohe der Preußen gegenüber, während 22 Kilometer in nordöstlicher Richtung bei Hassenhausen das französische Korps Davout unvermutet auf die versammelte preußisch-sächsische Hauptarmee stößt. Bernadotte hat bei Dornburg das Problem, mit seinen Truppen von der Saalebrücke bie Dornburg 80 bis 100 Höhenmeter unter schweren Umständen zu überwinden und erreicht in der Folge beide Schlachtfelder nicht. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Französische Republik / Königreich Preußen Französische Truppen besetzen Berlin. Der preußische König ist bereits vor Monaten nach Ostpreußen gezogen und versucht von dort, sein Königreich zu retten. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen Christian Graf von Haugwitz, der acht Jahre lang zwischen 1792 und 1804 Leiter des Départements für auswärtige Affairen war und im Februar nach dem Rücktritt von Karl August Graf von Hardenberg wieder in diesem Amt tätig war, verlässt das Département nach insgesamt über 12 Jahren Amtszeit.
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Königreich Preußen Das Kabinett des Königs von Preußen erhält einen neuen Mitarbeiter im Département für Rechtspflege
Karl Wilhelm von Schrötter folgte nach der Schlacht bei Jena dem König nach Königsberg und dann auch nach Memel. Der König überträgt nun dem pflichttreuen und erprobten Mann als interimistischer Justizminister die Rechtspflege in den nicht von Frankreich oder dessen Verbündeten besetzten Ländern. Schrötter blickt auf eine lange Liste von herausragenden Tätigkeiten im preußischen Justizwesen zurück. Zuletzt setzte sich von Schrötter für die Aufhebung der Erbuntertänigkeit in Westpreußen ein, bis jetzt allerdings noch ohne Erfolg. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Königreich Preußen
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